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29. August 2007, 07:00 Uhr

Bittere Botschaften für Kurt Beck

SPD-Chef Kurt Beck hat es schwer. In der jüngsten Forsa-Umfrage liegt er in der Wählergunst ganze 42 Prozentpunkte hinter Angela Merkel. Die SPD-Anhänger verpassen ihm noch eine Ohrfeige: Die Mehrheit will die Linkspartei nicht ausgrenzen.

Kurt Beck hat es derzeit schwer, richtig gut auszusehen: Bei seiner Sommerreise ließ er sich unvorteilhaft fotografieren, bei seinem Vorstoß für ein NPD-Verbot folgten ihm seine Genossen nur zögerlich, und jetzt erzielt Bundeskanzlerin Angela Merkel in der jüngsten Forsa-Umfrage im direkten Vergleich mit Beck auch noch einen Rekord-Vorsprung von 42 Prozentpunkten. Auf die Frage, wen die Bürger direkt zum Regierungschef wählen würden, entschieden sich 57 Prozent für die CDU-Vorsitzende und nur 15 Prozent für SPD-Chef Kurt Beck. Der Abstand zwischen den beiden ist so groß wie nie zuvor. Bitter für Beck: Selbst unter den Anhängern der SPD würden sich nur 28 Prozent für ihn entscheiden, 45 Prozent ziehen Merkel vor.

Steinmeier als Alternative

Das Umfrageergebnis könnte die Diskussion um den richtigen Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 2009 erneut befeuern. Zwar geben sich die Partei-Oberen allesamt loyal gegenüber dem Chef aus der Pfalz, aber mehr oder minder offen wird Beck mittlerweile auch kritisiert. So hatte sich etwa Arbeitsminister Franz Müntefering in einem stern-Interview in der vergangenen Woche kaum verhohlen gegen Beck gestellt, indem er es den SPD-Landesverbänden anheim stellte, ihren Umgang mit der Partei "Die Linke" selbst zu bestimmen. Andere kokettieren auch mit dem weltgewandten Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Alternative zu Beck in der Position des Kanzlerkandidaten.

© Forsa

Vor diesem Hintergrund dürfte Beck auch ein zweites Ergebnis der jüngsten Forsa-Umfrage des stern bitter aufstoßen. In der Frage nämlich, wie die SPD mit der Linkspartei umgehen solle, haben SPD-Anhänger klare Vorstellungen: 59 Prozent erklärten, die Linke solle nicht ausgegrenzt, sondern durch Gespräche eingebunden werden. Für ein Ignorieren der Linken plädieren nur 38 Prozent der SPD-Wähler. Damit stützt die Mehrheit der SPD-Sympathisanten eher den Kurs Münteferings als den Becks.

In der wöchentlichen Politumfrage des stern verharrt die SPD wie in der Woche zuvor bei 26 Prozent. Die Union kann um einen Punkt zulegen und kommt auf 38 Prozent. Einbußen musste die FDP hinnehmen: Sie fiel um zwei Punkte auf neun Prozent und liegt damit unter ihrem Ergebnis bei der letzten Bundestagswahl im September 2005. Damals hatte sie 9,8 Prozent der Stimmen geholt. Die Grünen stiegen um einen Punkt auf zehn Prozent. Die Linkspartei erreicht unverändert zwölf Prozent. Für "Sonstige Parteien" würden sich fünf Prozent der Wähler entscheiden.

Nach ihren Partei- und Kanzlerpräferenzen hat Forsa insgesamt 2501 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger in der Zeit vom 20. bis 24. August 2007 befragt. Nach ihrem Umgang mit der Linken hat Forsa 545 Anhänger der SPD vom 22. bis 24. August 2007 befragt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 36/2007

 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
gruni36 (29.08.2007, 14:30 Uhr)
ja ja die Linke
wenn sie auch nur eine vage Chance auf Macht und Pöstchen haben werden die Genossen schon zusammenhalten, siehe Beispiel Berlin. widerlich
waelder (29.08.2007, 08:49 Uhr)
SPD und Die Linke
Man kann sich auf bei der SPD darauf verlassen, dass sie im entscheidenden Moment das Falsche tut. 1914 für die Kriegkredite stimmen; in der Weimarer Republik sich gegen eine "Volksfront" mit den Kommunisten sträuben; sich im 21. Jahrhundert gegen eine umfassenden der Sozialversicherung analog zu den Systemen in der Schweiz und/oder den Niederlanden. Und sie wird sich ganz bestimmt gegen Die Linke entscheiden, wenn es zum "Schwur" kommt.
Nebenbei - links von der Linken gibt es ideologisch noch ein weites Feld, abseits von Parteien und Ähnlichem Klüngel, beispielweise den Anarchismus.
mupfeline (29.08.2007, 07:32 Uhr)
Gesprächsbereit schaft zu den Linken
bedeutet weiter nichts als die Tür zu den ganz Linken offenzulassen wenn die Frage der Regierungsbildung entschieden wird. Regieren wollen alle Parteien und wenn die SPD es mit den Grünen nicht schafft dann müssen eben die ganz Linken her. Das Mindeste, daß man aber von den Parteioberen der SPD erwarten kann, ist jedoch der Mut, dies endlich einzugestehen und dann abzuwarten was das Volk dazu sagen wird ...!
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