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21. Januar 2009, 08:00 Uhr

Deutsche zweifeln am Konjunkturpaket

Teuer und unbeliebt: Das 50 Milliarden Euro schwere Konjunkturpaket II kommt bei den Deutschen schlecht an. Zwei Drittel der Bürger glauben nicht daran, dass die Wirtschaftskrise damit entscheidend abgemildert werden kann. Trotzdem haben die meisten Befragten schon Pläne, wofür sie das zusätzliche Geld ausgeben wollen. Von Matthias Weber

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© stern-Infografik

Das 50 Milliarden Euro teure Konjunkturpaket II der Bundesregierung stößt bei den Deutschen auf große Skepsis. Mehr als zwei Drittel der Bürger (69 Prozent) erklären in einer Umfrage für den stern, sie glaubten nicht, dass damit die Wirtschaftskrise bewältigt werden könne. Lediglich 26 Prozent gehen davon aus, dass es wirkt. Die größte Zustimmung gibt es noch bei den Anhängern der Union. 38 Prozent von ihnen halten die Konjunkturhilfe für sinnvoll.

Die überwältigende Mehrheit der Bürger (79 Prozent) glaubt auch nicht daran, dass sie selbst von den geplanten Maßnahmen profitiert. Nur jeder Fünfte (18 Prozent) rechnet damit, dass er durch das Paket in diesem Jahr netto mehr Geld in der Tasche haben wird.

Mehrheit hält Abwrack-Prämie für Unsinn

Selbst unter der kleinen Gruppe derjenigen, die an mehr Netto im Portemonnaie glauben, sind die Erwartungen nicht sehr hoch. Die meisten von ihnen (29 Prozent) schätzen, dass ihnen übers Jahr bis zu 50 Euro bleiben. 18 Prozent hoffen auf 300 Euro netto mehr im Jahr.

Jeder fünfte Befragte gibt an, er würde das zusätzliche Geld sparen. Die meisten (77 Prozent) wollen das Geld ausgeben. An erster Stelle stehen Ausgaben für die Freizeit wie ein Restaurant- oder Theaterbesuch genannt, hierfür wollen 42 Prozent der Bürger mehr Geld ausgeben. Danach hat der Kauf von Kleidung (38 Prozent) oder von Wohnungseinrichtung Priorität (33 Prozent).

Auch die Abwrackprämie von 2500 Euro für Altautos wird von den Bürgern kritisch gesehen: 59 Prozent halten sie für falsch. Darüber hinaus geben drei Viertel der Deutschen in der stern-Umfrage an, dass sie die Prämie nicht in Anspruch nehmen wollen. Nur 11 Prozent wollen die Prämie nutzen.

Strittig ist ebenfalls, ob sich der Staat derzeit so hoch verschulden sollte. Eine Mehrheit von 54 Prozent hält dies für unvertretbar, lediglich 39 Prozent finden es richtig. Vor allem die Anhänger der Liberalen (55 Prozent) befürworten höhere Staatsschulden, um die Wirtschaft zu retten. Die Wähler der Linken dagegen sind vehement gegen neue Schulden (74 Prozent).

Für die Erhebung hat das Forsa-Institut 1000 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 05/2009

Weitere Umfragen, auch zur Beliebtheit der Kanzlerkandidaten, finden Sie im neuen stern

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Von Matthias Weber
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
sedanon (21.01.2009, 22:45 Uhr)
@knilch_59
Sind ihnen denn 10-15 € mehr im Monat nicht Anreiz genug, um in einen Kaufrausch zu verfallen ? Mann, sind Sie verwöhnt.
sedanon (21.01.2009, 22:42 Uhr)
Die Bürger sind einfach zu blöd
um zu kapieren, dass die Konjunkturpakete nur zu ihrem Besten aufgelegt wurden.
Ich bin mir sicher, dass die Politiker dies exakt so empfinden bzw. sich den Geldsegen für Börse und Unternehmen so gegenseitig schönreden.
Prato61 (21.01.2009, 12:44 Uhr)
Notverordnungen
Ich kann mir nicht helfen, aber mich erinnert dieses ganze Regierungs-Gedümplel an die hilflosen Notverordnungen in der Weimarer Republik.
susiwolf (21.01.2009, 12:17 Uhr)
... eiskalt ... und ... erstarrt
... ist das Konsumverhalten geworden.
Diese Tatsache ist und bleibt das allein ausschlaggebende in Deutschland, Europa und in der ganzen Welt.
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Das Reduzieren von Ausgaben ist und bleibt für die übersehbare Zukunft die (fast) unumgängliche Zielrichtung. In der Wirtschaft, in der Politik und in privaten Haushalten. Makroökonomisch wie mikroökonomisch.
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Wenn der Abbau von Schulden nicht sofort und konsequent weitergeführt wird, ist eine Katastrophe schon bald abzusehen.
Die politische Richtung ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Das Schiff steuert geradezu in den Untergang. Der Eisberg ist schon erkennbar.
HenningOL (21.01.2009, 10:28 Uhr)
Wahlgeschenke
Die Konjunkturpolitik der großen Koalition ist eine Mischung aus Lobbyismus und Wahlgeschenken.
Es macht keinen Sinn mit Steuersenkungen das Geld mit der Gießkanne zu verteilen, dafür ist es einfach zu wenig. Bei der letzten Steuersenkung gab es auch keinen Konsumrausch (zu Schröders Zeiten). Stattdesse hätte man geziehlt investieren müssen! Schlüsselindustrien - vorallem Umwelttechnik, denn im nächsten Aufschwung wird der Klimaschutz dringender den je werden und in Bildung - nicht nur in neue Gebäude, sondern auch in den Lehrkörper!
knilch_59 (21.01.2009, 10:07 Uhr)
Wir zweifeln nicht am Konjunkturpaket,
Wir verzweifeln an der Regierung. Wenn schon Keynes, dann bitte richtig: der Staat müsste die Wirtschaftszweige gezielt fördern, die unter der Krise besonders leiden. Aber stattdessen verteilt er Geld, das er nicht hat, mit der Gießkanne:
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Wo bleibt die echte Mobilisierung der Binnenkonjunktur? Bei einer Sparquote von zuletzt 11,3 % ist es objektiv falsch, dass große Teile der Bevölkerung nicht genügend Geld haben (abgesehen davon, dass es dabei kein genug gibt). Da muss man gezielt diejenigen rausfiltern, die die Binnenkonjunktur ankurbeln würden: Also denjenigen, die Geld haben, nur dann etwas zukommen lassen, wenn sie es in der gewünschten Form einsetzen und denjenigen, die nicht sparen können, die nicht sparen können, mehr geben. Dazu sind die Programme wie Senkung des Kassenbeitrags und Steuersenkung definitiv falsch.
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Wenn aus dem seinerzeit versprochenen „Rettungsschirm für Arbeitsplätze“ nur die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bleibt, dann schwächt das ebenfalls die Binnenkonjunktur: Wer von Kurzarbeit bedroht ist, hat trotzdem weniger Geld zum Ausgeben zu Verfügung. Dass man vielleicht doch nicht rausgeschmissen wird, mindert zwar das Risiko, ändert aber nichts daran, dass man gezwungen wird, trotzdem mehr vorzusorgen, sprich zu sparen.
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Die Arbeitsplätze im Maschinen- und Anlagenbau, in der Chemischen Industrie und im Automobilsektor wollen Merkel, Glos und Steinbrück damit sichern, dass wir jetzt Straßen reparieren und Schulen sanieren. Die Beschäftigungswirkung ist dermaßen indirekt und langfristig, dass die dazu aufgewendeten Mittel definitiv die Konjunktur nicht stützen werden. Die Bauwirtschaft als Konjunkturlokomotive hat in den 30er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gewirkt, damals haben da noch Menschen en Masse gearbeitet – heute ist das anders. Sollen wir die Leute in den Zulieferbetrieben der Autoindustrie jetzt auf Heizungstechnik umschulen? Bis das geschafft ist, ist die Rezession vorbei. Und dann brechen die staatlichen Aufträge weg, die Bevölkerung und damit der Bedarf an Gebäuden schrumpft. Dann sind die wieder zuviel. Vernunft geht anders!
schmutz (21.01.2009, 09:55 Uhr)
Ein Riesenwurf..
Ist das nicht. Schnelle Allgemeine Steuersenkungen, Abschaffung des Solidaritätszuschlages. Es gibt viele Möglichkeiten die Wirtschaft anzukurbeln, aber Abwrackprämien (die sowieso kaum einer in voller Höhe einstreichen wird) gehören nicht dazu. Das ganze Paket vernichtet Geld und bürdet unseren Kinder und Enkeln immense Schulden auf. Nichts weiter als ein durchsichtiger Werbegag von Frau Merkel in Hinblick auf die kommende Wahl 2009. Auch wenn einige Partei Mitglieder der CDU in einem Fernsehinterview (ich glaube es war in Extra 3) fröhlich verkünden: "Das ist doch mal was für das KLEINE Volk". Diese Aussage sagt glaube ich alles über das Selbstverständnis einiger unserer Volkstreter (oder heist das Volksvertreter ? )
Oh Gott. Wann betritt mal wieder jemand die Politische Bühne, der Kompetent, Weitblickend und Verantwortungsbewusst und Lobby frei ist ?
Da schielt man fast ein wenig neidisch in die USA ;-) Der Mann kann wenigstens keine Rhetorische Niete...
Arioffz (21.01.2009, 08:40 Uhr)
Geldvernichtungsmaschine
und nicht mehr ist dieses sogenannte Konjunkturpaket, denn das beschloss nicht die Regierung sondernderen Lobbyistenberater. Und durch die reale Inflation von ca. 10% und den tatsächlichen Arbeitslosen von ca. 9 Millionen (ALG2, 1€, stille Reserve,usw.) wird alles verpuffen ohne einen minimalistischen Effekt. Statt Nägel mit Köpfen zu machen wird wieder im Akkord gemurxt.
Silbador (21.01.2009, 08:27 Uhr)
Ich werde wohl ...
eher weniger Geld zur Verfügung haben, war ich doch bis letztes Jahr für 12,6 % Karnkenversichert und nun erst einmal für 15,5 und später (vielleicht) für 14,9 % - Dank Merkels SED-Methodik.
Da steuerlich auch nicht viel zu erwarten ist (ich rechne mit 10 Euro Entlastung) mache ich mir eher Gedanken, wo ich noch einsparen kann - an grössere Ausgaben denke ich jedenfalls nicht.
 
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