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9. September 2008, 11:20 Uhr

Wähler honorieren neue SPD-Spitze

Was ein Wochenende bewirken kann: Nach dem Wechsel an der Parteispitze kann die SPD in einer Forsa-Blitzumfrage des stern deutlich zulegen. Die Basis steht mit großer Mehrheit hinter dem neuen Führungsduo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering. Auch gegenüber der Kanzlerin holt der Außenminister auf.

Die neuen Alten haben Rückendeckung: Dass Frank-Walter Steinmeier SPD-Kanzlerkandidat ist und Franz Müntefering SPD-Chef werden soll, finden 76 Prozent der SPD-Anhänger gut© Yannik Willing/DDP

Der überraschende Führungswechsel und die Kür des Kanzlerkandidaten haben sich für die SPD schon binnen weniger Tage ausgezahlt: In einer Blitzumfrage für den stern und den Fernsehsender RTL steigen die Sozialdemokraten in der Wählergunst um vier Punkte auf 26 Prozent. Bereits in der vorigen Woche hatten sie sich in der wöchentlichen Politumfrage des Hamburger Magazins auf 22 Prozent verbessert. "Das ist ein gutes Signal. Da ist noch viel Potential nach oben, und das werden wir ausschöpfen", sagte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, SPD, zu stern.de. Auch Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, ist hoch zufrieden. "Die Ergebnisse zeigen, dass das Duo Steinmeier und Müntefering große Akzeptanz in der Bevölkerung genießt. Es gibt eine Welle, die Steinmeier ins Kanzleramt tragen wird", sagt er stern.de.

Die anderen Parteien können von den chaotischen Tagen bei der SPD nicht profitieren. Die Union verharrt wie in den Wochen zuvor bei 37 Prozent. Die FDP fällt um einen Punkt auf elf Prozent. Die Grünen, die in den vergangenen Wochen bei zehn Prozent lagen, sanken um zwei Punkte auf acht Prozent. Der Wert für die Linke blieb, immerhin, stabil. Sie kommt auch nach dem Führungswechsel bei den Sozialdemokraten auf 14 Prozent.

Steinmeier gewinnt gegenüber Merkel

Die Situation ein Jahr vor der Bundestagswahl hat sich damit entscheidend gewandelt. In der vergangenen Woche hatte Schwarz-Gelb mit 49 Prozent noch einen Vorsprung von vier Punkten vor dem linken Lager, das nur 45 Prozent erreichte. Nun herrscht ein Patt: Zusammen liegen Union und FDP mit 48 Prozent gleichauf mit SPD, Grünen und Linken.

In dem für den bisherigen Vorsitzenden Kurt Beck oft schmachvollen Direktvergleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt Frank-Walter Steinmeier nun ein wesentlich besseres Bild ab. Während Beck seit Mai dieses Jahres zwischen zehn und zwölf Prozent dümpelte (und Merkel sich schier unerreichbar knapp unter 60 Prozent hielt), steht Steinmeier direkt besser da: Gefragt, wen sie zum Regierungschef wählen würden, entschieden sich in der Montagsumfrage von stern und RTL 49 Prozent für Angela Merkel und 28 Prozent für Steinmeier. Im Vergleich mit Beck hat Merkel acht Punkte eingebüßt. Vergangene Woche lag sie da bei 57 Prozent, 45 Punkte vor Beck.

Die Wähler beurteilen Umsturz positiv

Auch wenn das Wochenende chaotisch erschien: Generell werden die Personalentscheidungen in der SPD von den Deutschen überwiegend positiv beurteilt. 54 Prozent begrüßen die Lösung mit Steinmeier und dem designierten neuen Parteivorsitzenden Franz Müntefering, nur 32 Prozent finden sie nicht gut. Fast jeder Zweite (49 Prozent) glaubt, dass die beiden die SPD aus der Krise führen können. Ebenfalls die Hälfte der Bürger (52 Prozent) schätzt die Chancen nun größer ein, dass die SPD bei der nächsten Bundestagswahl ein gutes Ergebnis erzielen kann.

Die beiden Neuen, Steinmeier und Müntefering, holen enttäuschte Nicht-Wähler zurück. "Das ist die unmittelbare Wirkung des Führungswechsels", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner im stern.de-Videointerview.

Ein Aufatmen geht durch die Partei

Die SPD-Personalentscheidungen, so Güllner, hätten zu einer Polarisierung geführt: Jetzt stünden die eigenen Leute - sowohl SPD-Anhänger als auch die der Union - stärker hinter den Kandidaten ihrer Partei. So würde Steinmeier von 70 Prozent der SPD-Anhänger gestützt, Beck habe nur Werte von weniger als 20 Prozent erreicht. Die Gefahr, dass Müntefering und Steinmeier ebenso wie Beck durch Quertreiber in der Partei beschädigt werden können, sieht Sozialdemokrat Wend nicht. "Die seriöse SPD-Linke weiß: Wir haben unsere letzte Patrone verschossen. Wenn die 2009 nicht trifft, haben wir verloren", sagt er zu stern.de.

In der Partei, die in den vergangenen Monaten heftig durchgeschüttelt wurde und von einer krisenhaften Situation in die nächste rutschte, ist ein Aufatmen zu spüren. Mehr als drei Viertel der SPD-Anhänger finden das neue Führungsduo gut. Und es gibt, nachdem die SPD monatelang in den Umfragen am Boden lag, ein neues Gefühl des Aufbruchs. Knapp drei Viertel der SPD-Sympathisanten sind sich sicher, dass Steinmeier und Müntefering die Partei aus der Krise führen können. Die Wahlchancen, sagen 73 Prozent der Anhänger, sind nun gestiegen.

hil/mw
 
 
KOMMENTARE (10 von 43)
 
ganzbaf (12.09.2008, 09:05 Uhr)
Honoriert mit NULL % Zuwachs! ;-P

26% Laut Infratest. (= Glaubwürdig;-)
hermes_t (11.09.2008, 08:09 Uhr)
Armutszeugnis
Wie erklären Sie mir bitte den Widersruch, der aus dieser Meldung hervorgeht:
"In den Umfragen hat die SPD vom Führungswechsel nicht profitiert: Nach dem jüngsten ARD-DeutschlandTrend im Auftrag von 'Hart aber fair' käme sie bei einer Bundestagswahl auf derzeit 26 Prozent - dem gleichen Wert wie vor dem Wechsel. Aber weniger Deutsche trauen ihr jetzt zu, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. [mehr]"
Ach, ersparen Sie mir bitte die Antwort - die dürfte ja jedem seit langem klar sein, der regelmäßig diese Stimmungsmache hier liest. Von "entlarvend" kann da nicht mehr die Rede sein, aber von "alarmierend" - alarmierend für den geistigen Zustand unserer Republik. Wo sind wir hingekommen, wenn zwischen Stern, BILD und Spiegel kein Unterschied mehr besteht? Wer wirft endlich Journalisten vom Himmel, die den Namen verdienen und die aufgeklärte demokratische Meinungsbildung nicht verhindern, sondern fördern? Es gab doch mal guten Journalismus - oder ist das jetzt nur nostalgische Verklärung?

keinheiliger (10.09.2008, 11:34 Uhr)
@SethusCalvisius
Bleiben sie uns erhalten, aber ueber ihren 00.31 Beitrag habe ich mich echt weggeschmissen. Hatte was. Schmunzel.
MfG
Preussin (10.09.2008, 09:11 Uhr)
@ 520 i
Ich wünsch Dir einen ruhlosen Abend , ich wünsch Dir eine schlaflose Nacht.
Deshalb weil Dein schönes Linkchen ,das Gleich mit mir hat gemacht!
Danke für das volkommene Öffnen der Augen , das wurde Zeit !
Hätte nicht geglaubt , dass ich die rosarote Brille trag.
Nun seh ich besser ohne Optiker.
Wenn Du soetwas in Petto hast immer her damit , sonst denk ich noch ,Eintagsfliege ?
NeoBa (10.09.2008, 08:44 Uhr)
Na das ist ja toll
möchte mal wissen, wer in den Forsa Umfragen befragt wird.
vegefranz (10.09.2008, 08:14 Uhr)
Zuerst mal: Tritt in den Ar.... für Lügilanti und ihren Pudel Scheer #2
Zuerst mal: Tritt in den Ar.... für Lügilanti und ihren Pudel Scheer
Die SPD Spitze muss wieder Handlungsspielraum gewinnen. Daher zuerst mal: Tritt in den Ar.... für Lügilanti und ihren Pudel Scheer. Dann: Glaubwürdigkeit bei den Wählern in der Mitte wiedergewinnen. DDR-Nostalgiker und Sozialschmarotzer muss die SPD "links" liegen lassen. Um dieses "Potential" kümmern sich die Populisten. Hier kann die SPD keine Punkte machen
th_nung (10.09.2008, 08:12 Uhr)
Johannis-Triebe
Johannis-Trieb nennt man den zweiten, unnatürlichen Blattaustrieb von Bäumen oder einen Anfall von Liebesenergie eines alten Herren. So etwa sieht's aus mit dieser SPD. Eine kleine Scheinblüte. Wollen die jetzt als Schröder-Light-Duo dem Wähler wieder rhetorisch die Ohren volldröhnen und das Urteilsvermögen vernebeln? Ich habe diese Partei immer gewählt - bis ihre Werte von diesen HartziV-Installateuren demoliert wurden. Es bräuchte schon ganz neue Figuren und Visionen damit die Partei wieder erstarkt.
Skillet4 (10.09.2008, 03:45 Uhr)
Wird Zeit…
Sethus in vino veritas, dem kann keiner…sorry.
Meine Prognose: 25,2…@jeronimo pardon,
ist der größte Häuptling aller Zeiten.
Wer näher dran ist, darf mit der in den Wigwam.
Wenn dann noch die Sinne vom Sex vernebelt sind,
oh weiowei o wimoweh
Gutnacht noch.
jomimo (10.09.2008, 00:46 Uhr)
15,4 meine Prognose
oder eher weniger für die SPD beim nächsten Shodown
Also ich vermute so um die 14,9 % für die SPD bei der Bundestagswahl 09 und warte auf Wetten!
jomimo (10.09.2008, 00:37 Uhr)
Jetzt jedenfalls
werde ich Oskar wählen, weil es für kleine Arbeitnehmer keine andere Wahl gibt. Alles Gute für Dich im Saarland!
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