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28. Mai 2008, 07:30 Uhr

Steinmeier schlägt Beck

Noch eine schlechte Nachricht für SPD-Chef Kurt Beck: Eine Mehrheit der Deutschen und eine große Mehrheit der SPD-Mitglieder sähe es lieber, wenn Außenminister Frank-Walter Steinmeier Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten werden würde - und nicht er. Das ergab eine Forsa-Umfrage im Auftrag des stern.

© stern-Infografik

Die Mehrheit der Deutschen würde es bevorzugen, wenn nicht SPD-Chef Kurt Beck, sondern Außenminister Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten in den Bundestagswahlkampf 2009 ziehen würde. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des stern. Danach würden 49 Prozent der befragten Deutschen Steinmeier gegenüber Beck vorziehen. Nur 20 Prozent der Befragten sagten, Beck solle selbst antreten. Noch schlimmer sieht es für Beck bei den eigenen Genossen aus. 59 Prozent der befragten SPD-Anhänger sagten, Beck solle auf die Kanzlerkandidatur verzichten.

Ein eindeutiges Misstrauensvotum gegen den SPD-Chef

Das Umfrageergebnis kommt einem eindeutigen Misstrauensvotum der Wähler und der SPD-Anhänger gegenüber dem SPD-Chef gleich. Es ist die Quittung für ein Jahr, das bislang vor allem von politischen Missgeschicken des SPD-Chefs geprägt war: Erst fiel er dem Hamburger Spitzenkandidaten Michael Naumann kurz vor der Hamburg-Wahl mit einem scheinbaren Kurswechsel in Sachen Linkspartei in den Rücken, dann wurde er zu einem Kursschwenk bei der Bahnreform gezwungen, und zuletzt zwangen ihn die Genossen auch noch, Gesine Schwan zur Bundespräsidentenkandidatin zu küren. Seither ist er vor allem damit beschäftigt, glaubhaft zu versichern, dass er auf der Bundesebene kein Bündnis mit der Linkspartei Oskar Lafontaines eingehen will. Von Becks Schwäche kann der beliebte Ex-Kanzleramtsminister, SPD-Vize und Außenminister Steinmeier im direkten Vergleich profitieren.

Das interne und inoffizielle Duell von Beck gegen Steinmeier ist allerdings ein Duell zwischen Schwachen. Denn im direkten Vergleich mit Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel würden laut Forsa beide verlieren. Demnach würden 13 Prozent der Befragten Beck wählen, aber 57 Prozent Merkel, bei einem Duell mit dem Außenminister kommt Merkel auf 53 Prozent, Steinmeier auf 27 Prozent. Steinmeier kann mehr als doppelt so viele Punkte einfahren wie Beck - aber er liegt dennoch mehr als 20 Punkte hinter Merkel.

SPD dümpelt bei 23 Prozent

Wie schlecht es derzeit um die SPD steht, zeigt auch die wöchtenliche Politumfrage des stern. Demnach kommt die SPD wie in der Vorwoche auf 23 Prozent der Befragten, die Union erzielt 35 Prozent und verliert einen Prozentpunkt im Vergleich zur Vorwoche. Die FDP und Grüne bleiben bei 12 und 11 Punkten konstant, die Linkspartei kann um einen Punkt auf 14 Prozent zulegen. Demnach gibt es derzeit keine eigene Mehrheit für ein schwarz-gelbes Bündnis (47 Prozent), aber eine knappe Mehrheit für eine rot-rot-grüne Koalition (48 Prozent).

Am kommenden Samstag veranstaltet die SPD in Nürnberg ihren Zukunftskongress. Dort sollen Leitlinien für den Wahlkampf 2009 beraten werden. Um die Kanzlerkandidatur soll es dabei offiziell nicht gehen.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 23/2008

 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
ganzbaf (29.05.2008, 07:49 Uhr)
Forsa unterschlägt mal wieder was...

wo ist der Anteil der Leute, die keinen der 2 Antwortmöglichkeiten wählen wollten...?`
Prato61 (28.05.2008, 15:19 Uhr)
Zustand der SPD
Diese Abstimmung spiegelt exakt den derzeitigen Zustand der SPD wider. Wenn ein derart gesichts- und rückgratloser Schnürlhanswurscht zum Kanzlerkandidat gekürt wird, dann Gute Nacht. Dieser Herr schafft es nicht einmal, seinem Job als Außenminister nachzukommen, er läßt es widerstandslos zu dass seine Aufgaben im Prinzip von unserer Superkanzlerin in Personalunion erledigt werden.
Oh Gott, was hatten wir für tolle Zeiten unter Gerhard und Joschka.
oscarherz (28.05.2008, 12:30 Uhr)
na endlich
auch der Stern hat gemertkt, was seit Jahren Tend ist, Schwarzgelb ist out. Wenn er nun noch merkt, daß keiner Steinmeier will, weil auch Schröder out ist, dann ist der Stern wieder auf dem Höhepunkt des Geschehens. Die Zeit wird nach 2009 Wowereit mit Rot-Rot-Grün an die Macht bringen, da CDU und FDP nicht die Lehren aus der Situation ziehen.
knilch_59 (28.05.2008, 12:03 Uhr)
Viele würden ja gerne SPD wählen
Aber die derzeitige Führungsriege lässt keine Chance: Mit dem Kurs aus der Ära Schröder / Clemens / Müntefering droht endgültig der Absturz auf 20%. Und die klassischen Arbeitnehmerpositionen hat mittlerweile die Linkspartei für sich vereinnahmt.
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Beck weiß das ganz genau, ist aber gefangen in den 2-wöchentlichen Umfragen. Das Festhalten am bisherigen Kurs lässt die Wählerbasis langsam schwinden, ein Kursschwenk kostet sofort 5 %, weil die alten Stammwähler nicht sofort wieder zurück kommen – zu tief sitzen Enttäuschung und Misstrauen Und diesen Absturz kann er sich persönlich nicht leisten.
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Die SPD wird kommende Wahlen nur dann gewinnen können, wenn sie die Nichtwähler mobilisiert. Und die bekommt sie nur, wenn sie ihre Paranoia gegenüber der LP aufgibt: Eine Position wird nicht dadurch falsch, dass die LP sie bezogen hat. Und wenn sich eine richtige Position nur mit Hilfe von Lafo, Gysi und Bisky durchsetzen lässt, dann muss man das vorher sagen und angstfrei tun. Für viele Menschen ist die LP aus grundsätzlichen Erwägungen nicht wählbar, also muss eine andere Partei ran, oder man bleibt bei den Wahlen zu Hause.
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Von der Einführung eines Mindestlohns bekommen wir keinen Schießbefehl an der Grenze, von der Umverteilung staatlicher Lasten, weg von Sozialabgaben (nur für Arbeitgeber und Arbeitnehmer), hin zu Steuern (für alle), keine neue Stasi. Die Wiedereinführung von Vermögensteuer wird nicht dazu führen, dass russische Panzer am Potsdamer Platz auffahren und auf Theaterbesucher schießen. Von der Wahl von Frau Schwan zur Bundespräsidentin werden weder Honecker&Co wieder lebendig, noch bekommt der Reichstag eine Leninbüste oben draufgesetzt. Die Spinner im Land sind die Profallas und Westerwelles, die uns genau das Glauben machen wollen!
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Wer auch immer der SPD den Wandel verordnet, wird ihn politisch nicht überleben, dazu sind die Gräben zu tief. Beck unternimmt den Versuch zu halbherzig und zu dilettantisch, die anderen lehnen sich entspannt in ihren Pöstchen zurück und warten ab, bis ihre Zeit gekommen ist. Intrigantes Pack!
rubberchicken (28.05.2008, 11:24 Uhr)
ups
das war ne alte Umfrage, mein Fehler, sorry
rubberchicken (28.05.2008, 11:23 Uhr)
Au weia!
Liebe Stern-Mitarbeiter,
es kann in Redaktionsstress ja durchaus mal vorkommen, dass man Fehler macht.
Aber dennoch sollte man darauf achten, zumindest simple Fehler zu vermeiden.
36(Union)+128(FDP) ergibt 48% wie Sie richtig geschrieben haben.
Fälschlich haben Sie aber geschrieben, dass Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat, weil RRG mit 49% vorne liegt
23(SPD)+13(LINKE)+11(GRÜNE) ergibt aber 47%.
Es gibt im Stimmungsbild also schon eine schwarz-gelbe Mehrheit.
Bakker (28.05.2008, 11:14 Uhr)
Wow...Steinmeier schlägt Beck
Toll, was haben wir doch für Wahl-Möglichkeiten bei der SPD und bei der CDU erst. Alle mit dem Charisma eines Totengräbers. Junge, junge, die Parteien haben nichts mehr zu bieten.
whismerh2 (28.05.2008, 11:11 Uhr)
@bane
Fakt ist das auch Herr Beck vor der
Wahl gelogen hat, und damit ist er bei mir unten durch.
Wenn Rot-Rot-Grün gut sein soll dann soll er bitte vor der Wahl dazustehen
und nicht wegen Parteitaktik auf die Wahlergebnisse warten, um sich dann aufgrund scheinbar besseren Machtverhältnissen letzendlich eine Entscheidung zu treffen.
p.s. Politiker kommen nicht ins Gefängniss, Falls irgendwann mal doch
Sind wir mal einer Meinung
csyas (28.05.2008, 11:09 Uhr)
...
Lieber Rot-Grün-Rot, statt Schwarz-Braun-Gelb!!!
Bane (28.05.2008, 11:07 Uhr)
@eltalein
Spendengeschichte vergessen?
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