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24. November 2007, 18:40 Uhr

"Der Mindestlohn ist überfällig"

Soziales Profil geschärft, Grundeinkommen abgelehnt: Frank Bsirske ist zufrieden mit dem Verlauf des Grünen-Parteitags. Im Interview mit stern.de erklärt der Verdi-Chef, warum er beim Mindestlohn nicht locker lässt und weshalb er die CDU als "Hungerlohnpartei" bezeichnet.

Verdi-Chef Frank Bsirske spricht während des Bundesparteitages von Buendnis 90/Die Gruenen© Tim Schamberger/ddp

Herr Bsirske, der Parteitag von Bündnis 90/Die Grünen hat das bedingungslose Grundeinkommen mit knapper Mehrheit abgelehnt. Sind Sie jetzt froh darüber?

Ja, ich glaube, es war eine richtige Entscheidung. Das Konzept ist kaum finanzierbar und nicht anschlussfähig in der Gesellschaft. Was würde denn passieren, wenn wir so etwas fordern würden? Wie sollten wir den Leuten erklären, warum auch die Ackermanns in dieser Republik in den Genuss des Grundeinkommens kommen? Viel wichtiger ist, die Mittel in der Sozialpolitik zu konzentrieren - und zwar da, wo sie notwendig sind. Und in dieser Hinsicht hat der Parteitag sehr gute Beschlüsse getroffen.

Inwiefern?

Wir brauchen zugängliche Institutionen. Das betrifft nicht nur Bildung und Pflege, sondern auch den Arbeitsmarkt. Das Ganze muss gekoppelt werden mit Konzepten der Regulierung, wie zum Beispiel den Mindestlohn. Dafür gab es hier Mehrheiten.

In den vergangenen zehn oder fünfzehn Jahren war immer von Deregulierung die Rede. Ist die Zeit für eine Gegenbewegung gekommen?

Mit Sicherheit. Ein Symbolthema dafür ist eben der Mindestlohn, den es in vielen Nachbarländern schon gibt. Er ist in Deutschland gerade deswegen überfällig, weil wir hier ein Anwachsen des Armutslohnsektors beobachten. Wenn wir keine zusätzliche gesetzliche Sicherung bieten, dann wird es zu einem freien Fall bei den Löhnen kommen.

Wie haben sie die Nachricht aufgenommen, dass der Mindestlohn im Postgewerbe vorerst gescheitert ist?

Das war ein zweifacher Wortbruch der Kanzlerin. In zwei Spitzengesprächen hat Frau Merkel keinen Zweifel daran gelassen, dass sie dem Plan zustimmt. Dass die SPD darüber verärgert ist, das ist für mich nur verständlich.

Halten Sie es denn vor diesem Hintergrund noch für möglich, dass es doch noch einen Mindestlohn für Postbedienstete geben wird?

Ich erwarte, dass die SPD nicht locker lässt und darauf drängt, dass die Zusagen eingehalten werden. Und ich erwarte von den Sozialdemokraten, dass die ideologischen Salti Mortale der CDU nicht weiter toleriert werden. Wir jedenfalls werden das Thema in die Landtagswahlkämpfe in Hessen, Niedersachsen und Hamburg einbringen.

Wie hoch bewerten Sie die Wahrscheinlichkeit, dass es bald zu einer rot-rot-grünen Koalition auf Landes- oder Bundesebene kommt?

Das bleibt abzuwarten, es ist nicht auszuschließen. Aber dass die Grünen mit diesem Parteitag auf Distanz zur Hungerlohnpartei CDU gegangen sind, das ist klar.

Welche politische Konstellation wäre Ihnen als Gewerkschaftsvorsitzenden am liebsten?

Ich wünsche mir eine Konstellation, in der Arbeitnehmerinteressen aufgegriffen werden, und da beziehe ich auch ganz klar die Interessen der Arbeitslosen ein. Wichtig sind die Inhalte. Und da sind alle Parteien aufgefordert, die vorhandene Gerechtigkeitslücke zu schließen.

Ein wenig präziser: Wie werten Sie das Verhältnis zwischen Grünen und Gewerkschaften?

Es ist unverkennbar, dass die Grünen sich klassischer Gewerkschaftsthemen angenommen haben. Wir spüren eine deutliche Hinwendung zu Arbeitnehmerinteressen.

Immer wieder ist von einem Linksruck in der deutschen Parteienlandschaft die Rede. Das müsste Ihnen doch als Gewerkschaftsvorsitzenden gefallen, oder?

Na ja, erst einmal zur CDU: Wie man da beobachten kann, dass eine Partei nach links rückt, die Hungerlöhne verteidigt - das will mir nicht in den Kopf. Was Grüne und SPD betrifft: Da ist die oben angesprochene Hinwendung zu Arbeitnehmerinteresse augenfällig. Das ist positiv, wir begrüßen das ausdrücklich, und es fördert auch die Ausrichtung einer gemeinsamen Politik. Das finden wir ebenfalls positiv.

Interview: Sebastian Christ
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Roy05441 (27.11.2007, 03:01 Uhr)
Was glaubt ein Bsirske für sein Konto?
Arbeitende Deppen sorgen mit ihren Beiträgen für sein Konto!
Dann wie in der Wildschwein Hatz, der Bsirske hat ein Konto, kein Arsch der hats!
ganzbaf (26.11.2007, 12:20 Uhr)
Inkl. max. Mietantei/Nebenkosten könnte das ungefähr hinhauen
Die Frau darf dann natürlich nicht arbeiten.
Alle Sparguthaben, Aktien, Besitztümer, Wertgegenstände und Lebensversicherungen o.ä. müssen zuvor versilbert und bis auf eine geringen Restbestand aufgebraucht sein.
Es bleiben (nach Miete/Heizung etc.) zum Leben ca. 1200.- Euro für 2 Erwachsene und zwei Kinder. Natürlich bist du verpflichtet jederzeit einen 1 Euro-Job anzunehmen. Viel Spass dabei.
acenes (26.11.2007, 11:02 Uhr)
Geilomat, ich mache jetzt auch auf Hartz 4
Bin von Beruf Elektroingenieur und habe erfahren, dass man bei einer Familie mit Frau und 2 Kindern über 2000 € an Staatssubventionen zum Leben bekommt. Ist das korrekt. Wenn ja, dann kündige ich heute noch!!!
DasBertl (26.11.2007, 01:01 Uhr)
@Putinki
Sehr qualifiziert der Herr. Ich jedenfalls wünsche Ihnen eine betriebsbedingte Kündigung auf den Hals zu ihrem 50. Geburtstag, vielleicht können Sie dann die Sorgen und Nöte der Geringstverdiener und Arbeitslosen verstehen. Wenn man als z.B. AUSGEBILDETER Friseur 4 Euro in der Stunde bekommt wünscht man sich durchaus einen Mindestlohn. Nur weil Sie eventuell aus einer priviligierten Familie stammen und sich daher ein ordentliches Studium leisten konnten halten Sie Ihre Nase kräftig nach oben. Ein kleiner Sturz in tiefe Tiefen, die praktisch jeden erwischen kann, würde Ihnen jedenfalls helfen zu sehen, dass eben NICHT jeder nach seiner eigenen Fasson leben kann. Nicht in diesem Land, nicht in der heutigen Zeit. Fragen Sie doch z.B. einmal die x-tausend Angestellten von Josef Ackermann die mit der Nachricht eines gewaltigen Gewinnzuwachses auch gleich Ihr Kündigungsschreiben erhalten haben...
mutti1 (25.11.2007, 12:22 Uhr)
ja der Hungerlohn ist PRINZIP
ehe ich zum DOKTOR rein darf, brieftasche auf, karte her, oder bei chronisch krank im voraus über 40 euro zahlen, werde als hartz 4 empfängerin als schmerzpatientin nicht krank geschrieben, dazu noch asthma und schwere depressions-schöbe, dank der Behandlung im arbeitsamt!!!
seit jahren, seit der wende nie 1 arbeitsvertrag gesehen, nur "mußte" ich 1 umschulung , mit gut bestanden, und etl. lehrgänge machen, kostenlose praktika inbegriffen, 2 leidlich bezahlte ABM, bei der 2. wurde ich gemobbt, und krank, seelisch, wie körperlich.
als facharbeiterin soll ich vom klo-putzen bis seriöse angestellte alles arbeiten wollen! aber für lau, das heißt, jetzt bekomme ich 575 euro inkl. 38 qm-einraumwohnung,bei einem job, da ich nur um 3 stunden arbeiten könnte, bzw. vollzeitjobs
mich umbringen würden,
grad mal so, um zu überleben.
wer nimmt denn langzeitarbeitslose frau an die 50, krank und übergewichtig.
dick, weil burnout, und fibromyalgie, die dem arzt nicht dazu
bringt, mich krank zu schreiben."ICH SOLL ARBEITEN!!!!! und bei depressionen hätte ich ohne grund weinanfälle!
am arbeitsamt bin ich sicher die dicke faule sau.
das ist deutschland, ja für was soll ich denn fleißig sein, etwa kostenlos für reiche malochen?
und nur billiglumpen tragen u. von der tafel essen dafür???
taucher1102 (25.11.2007, 10:09 Uhr)
Putinki
Aus welcher Geisterbahn kommen Sie denn? Ihre Wortwahl läßt nur einen Schluß zu, hier schimpft der Pöbel der selbst nix im Leben auf die Reihe gekriegt hat- Papas Sohn.
Ich habe die letzten vier Jahre richtig gut von dem BAFÖ-Almosen gelebt. Eine weitere Super Einrichtung sind die Studiengebühren, mein Dank dafür wird sein in ein paar Wochen in die Schweiz abzuwandern. Na das hat sich für den deutschen Staat doch richtig gelohnt, finden Sie nicht auch?
Leseratte79 (25.11.2007, 09:12 Uhr)
@putinki
Ich glaub Sie haben nochnie eine Uni von innen gesehen! Schon mal einen Pflichtkurs mit 180 Studenten besucht dessen Räumlichkeit für 100 ausgelegt war? Schon mal versucht BaföG zu bekommen wenn die Eltern keinen Unterhalt zahlen wollen? Schon mal daran gedacht wieviele Leute Ihr Studium abgebrochen haben oder gar nicht erst angefangen haben wegen der Studiengebühr? Wohl kaum sonst würden Sie so einen Müll nicht von sich geben.Solange genug Geld für Millionen- gehälter, diäten, verschwendungen und abfindungen da sind kann man sich Ihrer Meinung wohlkaum anschließen. Solange Menschen arm trotz Arbeit sind wird bald wirklich keiner mehr "Deutschland" finanzieren können.
Ragism (25.11.2007, 00:31 Uhr)
...
Danke, Iovalis, für die gute Aufklärung. Menschen vom Schlage Putinki müssen nur ein Wort wie "Mindestlohn", "Sozial" oder "Freiheit" lesen, um zu einem Rundumschlag gegen all die bösen Arbeitslosen und Plebejer ausholen zu können. Wie wenig sie dann versucht haben, das Thema zu verstehen, liest sich schon nach 2 Sätzen heraus.
In keinem Land, in dem der Mindestlohn eingeführt wurde, kam es zum Fiasko im Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Der Wirtschaft geht es blendend, weil mehr bewegliches Kapital unter den Konsumenten verfügbar ist. Vermutlich müssen wir Dritte-Welt-Verhältnisse haben, bevor die Botschaft zum Handeln zum Bundestag mal vorgedrungen ist.
iovialis (25.11.2007, 00:11 Uhr)
Eine gute Entscheidung?
Was ist an der Entscheidung gut, einem Herrn Ackermann nicht ein Grundeinkommen zu bezahlen, dafür einem Arbeitslosen? Ist Herr Ackermann denn etwas besseres? Der Begriff "Grundeinkommen" ist absolut irreführend und wird von den Medien auch immer wieder falsch interpretiert oder dargestellt. Es handelt sich (bei manchen Konzepten!) um eine "Staatsdividende" und soll jedem einen Teil des erwirtschafteten Gesamtvolksvermögen auszahlen.
Das impliziert, daß dazu das Volk immer noch etwas tun muß. Aber was hier getan wird: Ackermann wird aus dem "Volk" ausgeklammert und zu etwas "besserem" (oder "schlechterem"?) gemacht.
Wer meint, von dieser "Staatsdividende" leben zu können, kann ja zu Hause bleiben - jene, die etwas tun, können sich Autos, Reisen, Luxus leisten. Die anderen "vegetieren" (mit ihrer "Staatsdividende") vor sich hin, aber wenigstens bekommen sie ohne Gängeleien etwas.
Es ist Aufgabe der Politik und Medien, über diese Idee aufzuklären. Aber solange weder Politik, noch Medien verstanden haben, um was es geht, wird das mit einer realen Umsetzung nichts werden. Bedauerlich, denn eigentlich ist die Idee schon einige hundert Jahre alt...
.
http://www.iovialis.org/download
gmathol (25.11.2007, 00:08 Uhr)
Hungerlohn Birske!
Wer hat eigentlich fuer Hartz IV gestimmt? Dazu gehoerte auch die Gruenen Partei!
Chancengleichheit oder genuegend Arbeitsplaetze von denen man tatsaechlich noch leben kann wird es in Zukunft in Deutschland immer weniger geben.
Den Rest wird Merkel irgendwelchen Boykottforderungen opfern.
Schoene Realpolitik! Die Gruenen-Fuehrung grinst auf einem Photo, wahrscheinlich lachen sie sich ueber ihre Waehler kaputt.
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