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23. November 2008, 09:56 Uhr
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"Machen wir uns keine Illusionen"

Einigkeit herrscht in der Koalition nur darüber, dass das kommende Jahr schlimm wird. Ansonsten wird gestritten: Wirtschaftsminister Michael Glos kritisiert das Vorgehen von Kanzlerin Angela Merkel in der Bankenkrise, woraufhin SPD-Chef Franz Müntefering sagt, die Union sei nicht handlungsfähig. Die SPD mache die ganze Arbeit.

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Franz Müntefering wirft der Union Handlungsunfähigkeit vor© Ralf Hirschberger/DPA

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat wegen der aufziehenden Konjunkturkrise vor Schönfärberei gewarnt. "Machen wir uns keine Illusionen: Die Welle kommt noch, die ist noch nicht hier, was die Realwirtschaft angeht und was die Konsequenzen für den Arbeitsmarkt angeht", sagte Müntefering beim Bundeskongress der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Berlin. Gleichwohl sei sowohl der Schutzschirm für die Banken als auch jener für die Arbeitsplätze richtig. Es gehe um die Frage, ob man die Beschäftigung "einigermaßen stabil" halten könne. Deshalb sei wichtig, nun "das Nötige zu tun".

Der SPD-Chef forderte eine bessere staatliche Kontrolle für Geldanlagen zum Schutz der "kleinen Leute". "Wir müssen dafür sorgen, dass es für das Geld einen ordentlichen TÜV gibt." Dies müsse man notfalls erzwingen. Wer Geld anlege, müsse wissen, "mit welchen Risiken das verbunden ist". Müntefering sagte, er habe vor Jahren vor den Finanz-"Heuschrecken" aus Sorge um die Demokratie gewarnt: "Weil die, die mit dem großen Geld unterwegs sind, die haben keinen Respekt vor Demokratie. Für die ist Demokratie Bürokratie."

Kritik an Glos

Müntefering griff Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) an, der sich im Zusammenhang mit der Bankenkrise über Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beklagt hatte. Damit habe Glos "in unglaublicher Weise" der Kanzlerin "seine Solidarität und seine Mitarbeit (...) vor die Füße geworfen", sagte der SPD-Vorsitzende. Er warf der Union vor, derzeit zu einem gemeinsamen Handeln nicht fähig zu sein. Was derzeit politisch geschehe, trage die Handschrift der Sozialdemokraten.

Auch Steinbrück pessimistisch

Nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auch Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf harte wirtschaftliche Zeiten eingestimmt. "Wir sind in einer Rezession, und es liegt ein schweres Jahr 2009 vor uns", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel". Wann die schlimmsten Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise überstanden seien, könne "niemand sagen".

Ähnlich hatte Merkel der "Welt am Sonntag" gesagt, "dass das kommende Jahr, zumindest in den ersten Monaten, ein Jahr schlechter Nachrichten wird". Auch der Vorsitzende des Bundestags- Haushaltsausschusses, Otto Fricke (FDP), ist wenig optimistisch. Es sei zu erwarten, dass die Netto-Kreditaufnahme des Bundes 2009 auf bis zu 30 Milliarden Euro ansteigen werde, sagte er am Sonntag im Deutschlandfunk.

Haushalt habe einen "Kardinalfehler

Der Haushalt 2009, der in der kommenden Woche vom Bundestag verabschiedet wird, habe mit einem angenommenen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent einen "Kardinalfehler", sagte Fricke. Zudem stünden Wahlkampfzeiten an, in denen kein Politiker sagen werde: "Pass mal auf, lieber Bürger, das können wir uns nicht leisten." Nach der Bundestagswahl werde deshalb ein Nachtragshaushalt notwendig werden, vermutete Fricke. Die Bundesregierung peilt in ihrem Haushaltsentwurf eine Neuverschuldung im Umfang von 18,5 Milliarden Euro an.

Steinbrück betonte, es gebe noch immer eine tiefe Vertrauenskrise der Finanzmärkte - trotz des 500 Milliarden Euro umfassenden Rettungsschirmes für die Banken, den die Bundesregierung im Oktober bereitgestellt hat. "Der Interbankenverkehr ist immer noch nicht ans Laufen gekommen", sagte der Minister. Dennoch sei er zuversichtlich, dass nun nach und nach mehr Banken die Angebote des Staates in Anspruch nehmen würden. Es sei ein "Zeichen von Solidität", wenn Banken die Bürgschaften oder Beteiligungen des Staates abrufen.

Mit dem Bankenpaket und dem Konjunkturprogramm, das die Regierung Anfang November verabschiedete, seien Hilfen von rund 32 Milliarden Euro bereitgestellt worden - "mehr als ein Prozent des Sozialproduktes", sagte Steinbrück. Forderungen nach mehr staatlichen Hilfen und Steuersenkungen lehnte der Minister aber strikt ab. Er sei es leid, "wie in einem Rattenrennen" ständig neue Forderungen entgegennehmen und sich dafür rechtfertigen zu müssen, dass er "nicht jede Milliarden-Zeche" bereitwillig zahle. Mit "Konjunkturprogrammen ohne Maß verbrennt man nur Geld", sagte Steinbrück.

Der FDP-Haushaltspolitiker Fricke geht davon aus, dass sich Bund und Länder nicht auf eine wirksame Schuldenbremse verständigen werden. Die Föderalismuskommission "sieche dahin", ihre beiden Vorsitzenden Peter Struck (SPD) und Günther Oettinger (CDU) überlegten nur noch, wie sie "einigermaßen ihr Gesicht wahren könnten".

DPA
KOMMENTARE (10 von 23)
 
gmathol (24.11.2008, 07:05 Uhr)
Nicht nur die Nachbarn in Frankreich machen uns was vor - schon den 17. Juni vergessen.
Damals hat die SED von den Demonstranten den Hintern versohlt bekommen. Das taete der neuen deutschen SED=CDUCSUSPDFDPGruene auch gut.
Am besten waere es allerdings die Typen gleich abzuwaehlen, die Demokratie und die Verfassung sprich Gewaltenteilung wieder herzustellen und das Volk als 4. Gewalt in die Verfassung (siehe Schweiz) mit einzubinden.
Skillet4 (24.11.2008, 02:12 Uhr)
Schutzengel der „kleinen Leute“
Franz I. (und Einzige!). Hätten wir nur auf ihn gehört, die Heuschreckenplage wäre an uns vorbeigezogen …
Oh Franz, lasse Dein Alles überstrahlendes Licht leuchten in der Finsternis die Unser harret.
Führe uns arme Deppen zur Selbsterkenntnis unserer Kleinheit und zur Wahrheit.
*Wahrheit? War da nicht was?*
Ach so, vergessen und vergeben.
Wir sind schließlich auch Christen.
Und wir sind Sozial – Demokraten.
Und wir brauchen Führung, wir „kleinen Leute“.
Denn denken können wir nur von zwölf bis mittags.
Also Franz, richte (es für) uns, Du und Deine Seeheimer – Jünger.
olgober (24.11.2008, 00:59 Uhr)
Münte ab in Rente
Bei meinem Artikel meinte ich natürlich Müntefering ist 67 Jahre, ab in Rente und nicht "Superman" Clement. Sorry!
olgober (24.11.2008, 00:50 Uhr)
Münte ab in Rente
Dieser Herr Müntefering sollte nun endlich aufhören mit seinen Sprechblasen. Er selbst hat mit seiner Politik unter Schröder, mit Clement,Fischer,Scharping und Oberförster Hartz (VW) sowie Unterstützung der jetzigen Frau Merkel dafür gesorgt, dass Deutschland sich in einer sehr schwierigen Wirtschaftslage befindet.
Schluss mit der Heuschelei- AbgabenOrdnung ändern, Steuern runter- das fördert die Binnenwirtschaft. Übrigens: Hat Clement nicht dafür gesorgt, dass das Rentenalter nun auf 67 Jahre erhöht wurde? Clement ist 67 Jahre. Warum ist der Rentner noch im Amt? Mach platz für Jüngere, Münte, es reicht!
Politix (23.11.2008, 21:43 Uhr)
@Dirk
Wenn ganz D. auf die Strasse geht, dann werden der "schwarze Block" und die paar Glatzen neutralisiert.
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Gerade weil die "demokratische Mitte" auf die Strasse geht und ihr Recht einfordert, werden den extremen Gruppen immer weniger zulaufen sondern eher immer mehr weglaufen. Diese Gruppen gewinnen doch nur deshalb an Zulauf WEIL dort auf die Strasse gegangen wird und etwas getan wird! Bei denen entsteht der Eindruck, dass sie die demokratischen Rechte verteidigen (was natürlich reine Bauernfängerei ist...).
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Das französische Fernsehen hat bei einer Nazi-Demo in D es einmal gewagt die Kamera von den Glatzen auf die Gegendemonstranten zu schwenken: Da wurde das Missverhältnis sehr gut sichtbar. Auf 800 Glatzen kamen 4.000 Gegendemonstranten. Das wurde im Ausland sehr wohlwollend aufgenommen.
Also, keine Angst vor den Nazis, die wollen nur spielen und beißen nicht ;-) (Wuff!)
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Ich rede ja auch nicht von gewaltsamen, sondern von gewaltfreien Demos.
Die Politiker werden es schon merken, wann sie wieder Volkesmeinung vertreten müssen und nicht die der Lobbyisten. Und sollten sie es nicht merken, werden sie die Quittung bekommen.
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Ich denke, wir brauchen keine Angst zu haben für unsere demokratischen Rechte auf die Straße zu gehen aber wir sollten es tun. Die Mauer ist auch so gefallen!
Mfg. Politix
PS: Sollte jemand von Ihnen schon einen Reisepass (also einen neuen Biometrischen) mit einem RFID-Chip haben, einfach 2 Minuten in die Mikrowelle bei voller Leistung und die Überwachung hat sich erledigt! Vorsicht heiß! (grins)
knilch_59 (23.11.2008, 20:48 Uhr)
@Dirk_37 – in diesem Zusammenhang ein Beispiel
Eben hat Seehofer wieder im ZDF Werbung für das Steuersenkungsprogramm der CSU gemacht. Entweder dumm oder blinder Populismus: Seit dem Frühsommer steigt bei uns die Sparquote an, aktuell angeblich von den langjährigen knapp 11% auf aktuell 11,3 %. Schlussfolgerung: Die breite Masse hat der zeit genug Geld, hat aber Angst, sie auszugeben. Was sollen da Steuersenkungen bewirken? Noch schneller sparen?
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Er fordert von Bund ein Steuersenkungsprogramm, also fordern immer nur zu Lasten anderer – typisch Bayern! Wenn er sich doch so sicher ist, dass es wirkt, könnten er und seine neuen Steuersenkungsfreunde von der FDP auch ruckzuck die Landessteuern senken: Grundsteuern für 1 Jahr aussetzen, Verzicht auf Grunderwerbsteuer, Verzicht auf Gewerbesteuern,… Die Liste der Möglichkeiten, selbst etwas zu tun, ist bedeutend länger, aber unbequemer, als von anderen zu fordern.
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Solange Seehofer für solche Machtspielchen Sympathiepunkte einfahren kann, wird er es auf diese miese Tour weiter versuchen. Das ist unsere Schuld, die des Wählers.
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Und Ruhe bewahren ist NICHT erste Bürgerpflicht. Leider gewinnt man in diesem Land immer mehr den Eindruck, als ob man ohne Steine (oder Scheine) nichts mehr bewegen kann. Die parlamentarische Demokratie ruht in sich selbst, friedlich schlummernd! Auch das ist ein Problem. Zig-Tausende fahren nach Gorleben, also an den A… der Welt, um ihr demokratisches Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit wahrzunehmen. Wo war Herr Gabriel? Wo war Herr Wulff? Die verstecken sich vor ihren Bürgern – und solches Gesocks will ich nicht mehr zur Wahl vorgeschlagen bekommen!
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Machen wir uns keine Illusionen. Die da oben haben so was von fertig, und welche legalen Möglichkeiten bleiben uns noch, es ihnen zu sagen!
mutti1 (23.11.2008, 20:38 Uhr)
DAS BOOT ist voll...
irgendwie kommt mir verschiedenes vor, wie 2 paar schuhe, eine insel in dubai wird mit 20.000 oder mio.teurem feuerwerk eingeweiht, die reichen der welt haben sich eingekauft...
es gibt kein böses wort gegen dortige islamisten, muslime, eventuelle terroristen?????????
nur ei a po beija....
und kurz davor und bis in ewige zeiten gibt es eine unsagbare verarmung durch verschwundene gelder durch verbriefungen und immobilien-crash,s ?
komisch,
aber das geld hat doch immer ein sogenanntes SCHNEEBALL-SYSTEM bekommen.
Dirk_37 (23.11.2008, 20:20 Uhr)
Naja, Anarchie oder was?
Wenn man die breite Meinung der Schreiber hier durchliest kann man sicherlich sehr vieles von Knilch, Politix etc. ganz dick unterstreichen. Ich bin ein eher konservativ/sozial eingestellter Mensch, der gelernt hat, wenn man nur 5 Mark in der Tasche hat kann man auch nur 5 Mark ausgeben. Deswegen sind mir die meisten Politiker aller Parteien so verhasst! Und die Franzosen sind sicherlich streikwütiger und eher bereit, auf die Straßen zu gehen. Aber bringt es ihnen so viel? Kann man sicherlich darüber streiten, sei´s drum. Wir werden aber wohl keine grundlegende Änderung herbeiführen, es sei denn wir hebeln die Demokratie aus den Angeln! Und darin sehe ich eine Gefahr: Fischer des linken wie rechten Randes mobilisieren mit den jeweiligen Parolen immer mehr Bürger, leider hatten wir dies schonmal in unserem, Land. Was sich in der sog. Mitte bewegt ist aber meist zu träge um wahrgenommen zu werden. Was soll der Einzelne machen? Brav sein Kreuzchen alle paar Jahre und dann ab in die Versenkung? Ich denke wie wir alle hier, mit den unterschiedlichsten Ausgangspunkten und Meinungen, miteinander streiten und diskutieren ist ein erster Schritt zur Mündigkeit der Wähler. Resignation wäre der falsche Schritt, wie heisst es doch so schön: wenn du dich nicht um dich selber kümmerst, werden es andere tun! Aber alles im legalen Rahmen bitteschön! Wenn ich die radikalen (ich meine nur diese Idioten!) "Demonstranten" von Gorleben, die Autonomen von Wackersdorf oder Berlin oder einfach die Naziaufmärsche allgemein vor Augen habe, dann denke ich manchmal, der Mensch ist in der Tat ein dummes Säugetier, das nichts aus der Vergangenheit gelernt hat! MfG Dirk
seppmaier (23.11.2008, 18:39 Uhr)
machen wir uns doch nix vor
politik ist die kunst der lüge und propaganda.
es ist nur wenige monate her, als uns alle politiker inbrüstig erzählten, die finanzkrise ist ein us-problem und hat wenige auswirkungen auf uns. die deutsche wirtschaft sei robust und ähnlicher schwachsinn.
konnten sie trotz ihrer ach so tollen und schick angezogenen berater die probleme nicht erkennen? nonsens!
ich will jetzt gar nicht erst von den 500mrd reden die in ein bodenloses loch gechnissen wurden, während die bürger schlichtweg verarmen.
diese ganze krise ist wohlgeplant mit dem ziel einer umverteilung von unten nach oben.
überlegt mal: wenn auf der einen seite riesige verluste anfallen, dann müssen auf einer anderen seite ebenso riesige gewinne entstehen. geld verschwindet nicht so einfach. nonsens!
ich glaube diesen politikern KEIN WORT.
sie haben von nix eine ahnun g und führen jediglich die befehle von denen die hinter ihnen stehen aus.
sie sind korrumpiert mit geld, prestige, (schein)macht und was sonst noch ihren bauch pinseln mag.
traurig ist es nur zu sehen, wie ignorant die bürger sind und sich jahrzehntelang immer wieder den selben schmarrn andrehen lassen.
wann endlich werden wir mal erwachsen, übernehmen verantwortung und schicken diese plage in die wüste?
Gewissen (23.11.2008, 17:09 Uhr)
Gas Gerd
Ich finde wir sollten Schröder wieder aus Russland holen. Der sollte wieder Kanzler werden. Dann würde er in kürzester Zeit ganz Deutschland vollkommen vor die Wand fahren, und wir könnten am Punkt Null von vorn anfangen. Vielleicht mit besseren Politikern, wer weiß?
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