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Frauke Petry bastelt an der Alternative zur Alternative

Am Tag nach dem AfD-Triumph legt die Vorsitzende Frauke Petry einen Teil-Abgang hin. Er könnte Folgen haben - nicht nur für die AfD.

Alexander Gauland gab bekannt, er sei "nicht verwundert", und auch Jörg Meuthen bemühte sich um Abgeklärtheit. Doch dem -Chef fehlte im ersten Moment die Kontrolle. Wenige Sekunden zuvor hatte direkt neben ihm auf der Bühne der Bundespressekonferenz in Berlin Frauke Petry erklärt, sie werde der neuen AfD-Bundestagsfraktion nicht angehören.
Von einer "geplatzten Bombe" sprach Jörg Meuthen da.

So kann man es einschätzen und – wenn man im Bild bleiben will – hinzufügen, dass diese Bombe vorsorglich selbst gezündet hat. Sonst hätten das wohl Parteifreunde erledigt. Das Klima zwischen der Vorsitzenden und fast allen anderen Parteioberen war schon vor ihrem Überraschungsauftritt vereist. Am Wahlabend etwa, bei der Party der AfD in Berlin, traute Frauke Petry sich nicht mal auf die Bühne. Sie graste einige Fernsehteams ab, gab Interviews. Dann entschwand sie durch den Nebenausgang.

Frauke Petry sendet Störsignal im AfD-Triumph 

Mit der Weigerung, der Bundestagsfraktion anzugehören, fügt die Parteichefin ihrer Partei einen Image-Schaden zu. Gerade hat die AfD spektakuläre 12,6 Prozent der Stimmen gewonnen, sich in einigen Regionen des Landes vor die SPD, in anderen vor die CDU geschoben. In diesem Moment des Triumphs sendet Frauke Petry eine Botschaft, die niemand missverstehen kann. Die AfD könne "dem Wähler (...) kein realistisches Angebot für eine baldige Regierungsübernahme machen", schrieb sie am Mittag auf Facebook und bemängelte, dass "die notwendige Verankerung der Partei in der Mitte der Gesellschaft seit 2015 nicht zu-, sondern spürbar abgenommen" habe.


Petry fordert von der Partei, der sie immer noch vorsteht, "gute programmatische Lösungen von glaubwürdigen politischen Köpfen", und zwar "ohne dass schrille und abseitige Äußerungen einzelner Vertreter das Ansehen in der Öffentlichkeit dominieren". Unglaubwürdig. Schrill. Abseitig. und Alice Weidel dürften das durchaus als Beleidigung auffassen.

Folgen Ihr einige Neu-Abgeordnete?

Vor der Presse wirkte Petry einen Moment lang, als könne sie nicht anders. Allerdings hat man bei der AfD-Chefin selten das Gefühl, dass ihr Handeln Ergebnis einer Überzeugung und nicht machtpolitisch motiviert ist. Davon abgesehen hat Petry aber erst einmal Fakten geschaffen. rief ihr bereits nach, sie solle die Partei verlassen.

Die spannendere Frage ist, ob es Petry gelingt, ihre Botschaft von der politisch unreifen, radikalen und anarchischen Fraktion mit ein paar Alliierten zu untermauern: Wie viele Neu-Abgeordnete werden ihr wohl folgen?

Für eine eigene Fraktion reicht es wohl nicht

Das unerwartet hohe AfD-Ergebnis bei dieser Bundestagswahl hat auch Kandidaten in den Bundestag gespült, die sich eindeutig auf der Seite von Frauke Petry und ihrem Ehemann Marcus Pretzell verortet haben. Pretzell ist Landes- und Fraktionsvorsitzender in Nordrhein-Westfalen, und von der dortigen Landesliste etwa haben sich heute einige bisher getreue Gefolgsleute nach Berlin aufgemacht. Um sie müsste Petry sich jetzt kümmern – und sie überzeugen, die AfD-Fraktion ebenfalls zu meiden.

Viele Beobachter zählen durch, ob die Parteichefin 35 Mitstreiter findet. So viele braucht es, um im eine eigene Fraktion zu bilden. Dass ihr das gelingt, ist allerdings unwahrscheinlich, für die Abtrünnige vielleicht aber auch gar nicht so entscheidend.

Erreicht sie nur den Status einer Gruppe im Bundestag, erlangt Petry ja auch ein gewisses Maß an finanziellen Mitteln. Außerdem könnte sie sich mit ihren Mitstreitern in den nächsten vier Jahren Stück für Stück an Union und FDP heranrobben. Rechts von der Mitte stände Frauke Petry dann 2021 zur Koalition bereit – als Alternative zur Alternative für Deutschland.


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