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Das gefährlichste Lächeln Deutschlands

In Deutschland gilt Frauke Petry als plumpe rechte Hetzerin, da nützen Lächeln, enge Röcke und exzellente Englischkenntnisse wenig. Ein britischer Journalist sieht dagegen ihr gefährliches politisches Potenzial.

  Der Telegraph sieht in Frauke Petry ein bedrohliches politsches  Talent.

Der Telegraph sieht in Frauke Petry ein bedrohliches politsches  Talent.

Frauke Petrys Auftritt im Interview der Deutsche Welle, in dem sie vom preisgekrönten britischen Moderator Tim Sebastian über die Rolle der freien Presse belehrt werden musste, wurde unisono in den Medien verrissen. Ihre eigene Basis soll große Probleme mit den lifestyligen Auftritten der AfD-Frontfrau haben. Insbesondere ein Stück in der "Bunten", in der ihr Lover Marcus Pretzell Frauke Petry etwas "dämonenhaft Schönes" bescheinigt, soll den Fans vom rechten Rand sauer aufstoßen.

Gefährlicher Charme

In Großbritannien sieht man Frauke Petry dagegen mit anderen Augen. In einem umfangreichen Artikel im angesehenen "Telegraph" zieht Europa-Korrespondent Peter Foster ganz andere Schlüsse. Er sieht vor allem das gefährliche Potenzial des "lächelnden Gesichts" der deutschen Rechten. Sein Urteil über die politischen Ziele der AfD unterscheidet sich allerdings nicht wesentlich von dem deutscher Medien.

Doch bei Foster spürt man eine unverhohlene Bewunderung für das politische Talent Petrys. Während Petry in  Deutschland gern als unbeholfene Hetzerin lächerlich gemacht wird, bescheinigt Foster ihr einen gefährlichen Charme als Gesprächspartnerin. Der ganze Erfolg der AfD beruhe "größtenteils auf Frau Petry", die die Partei von einer euroskeptischen Basis in ein Bewegung transformiert habe, die von den Abwehrgefühlen gegenüber der Einwanderung angetrieben werde.


Bedrohlicher Wahlerfolg

Der Brite stellt erschüttert fest, dass noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Untergang der NSDAP eine rechte Partei derartige Zustimmung bei Wahlen erfahren habe. Ein klassisches Petry-Statement trifft den britischen Nerv besonders: "Die AfD ist ein Kind der Politik Merkels", sagte Petry zu Foster. "Das beschreibt uns am besten. Uns gibt es, weil Merkels Regierung mit wichtigen Problemen in Deutschland und Europa nicht fertig geworden ist." Eine britische Urangst fürchtet, dass die Nazi-Vergangenheit der Deutschen nur von einer dünnen Schicht überzogen ist. Eine Krise oder schwere Fehler einer demokratischen Regierung wie in der Weimarer Republik könnte die alten Ungeister sofort wieder erwecken.


Noch zu giftig

Bei der Analyse im "Telegraph" erschreckt auch, dass Foster nicht einen Absatz verschwendet, die Möglichkeit zu erörtern, dass die etablierten Parteien die Emporkömmlinge vom rechten Rand wieder zurechtstutzen. Seine Hoffnung richtet sich darauf, dass es die rechte Krawall-Truppe bei der unausweichlichen Anpassung an den etablierten Politbetrieb innerlich zerreißen wird.

Zumindest fürchtet Foster keine baldige Machtergreifung der AfD. An eine Regierungsbeteiligung der AfD glaubt er nicht: "Diese Marke ist – trotz des berühmten Lächelns – noch zu giftig für den politischen Mainstream."


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