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22. Mai 2006, 09:05 Uhr

Neue Zeugen und eine alte Debatte

Nach dem Überfall auf einen türkischstämmigen Politiker in Berlin kocht die Debatte um "No-Go-Areas" für Ausländer bei der WM wieder hoch. Inzwischen haben sich mehrere Zeugen der Tat gemeldet.

Giyasettin Sayan: von zwei Unbekannten angesprochen, als "Scheiß Türke" beschimpft und niedergeschlagen© Kitty Kleist-Heinrich/DPA

Nach dem vermutlich fremdenfeindlichen Überfall auf den türkischstämmigen Berliner Linkspartei-Politiker Giyasettin Sayan gibt es bislang noch keine konkrete Spur zu den Tätern. Es hätten sich aber mehrere Zeugen gemeldet und es gebe Hinweise, sagte ein Polizeisprecher. Im Laufe des Tages will die Polizei mit den behandelnden Ärzten sprechen, ob inzwischen eine intensivere Befragung des Opfers möglich ist. Bisher konnte Sayan, der eine Kopfverletzung erlitten hat, nicht umfassend befragt werden.

Die Ermittler vermuten einen extremistischen Hintergrund des Anschlags. Sayan war nach eigenen Angaben nach dem Verlassen seines Autos am Freitagabend in Lichtenberg von zwei Männern ausländerfeindlich beleidigt und mit einer Bierflasche verletzt worden.

Imageschaden bei Fußball-WM befürchtet

Politiker von Union und FDP befürchten, der Überfall könne auch einen Imageschaden für die Fußball-Weltmeisterschaft mit sich bringen. Die Gefahr, die vom Rechtsextremismus ausginge, dürfe gleichwohl nicht verschwiegen werden, sagte der Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach der "Berliner Zeitung". "Wenn wir ein veritables Problem haben - und der Rassismus als Tatmotiv ist ein veritables Problem - dann kann man nicht sagen, das verschweigen wir, weil wir Fußball-Weltmeisterschaft haben." Bosbach hielt der Polizei Defizite im Vorgehen gegen rechte Gewalt vor. "Natürlich könnte sie noch mehr tun", sagte er. Dies gelte aber auch für andere staatliche Bereiche.

Der FDP-Innenpolitiker Max Stadler sagte der Zeitung, das Problem dürfe nicht beschönigt werden, auch wenn die Gewalttaten dem Image Deutschlands als Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft schadeten. "Man kann aber darauf aufmerksam machen, dass es ein breites Bündnis von Demokraten gibt, die den Rechtsextremismus verurteilen", sagte Stadler.

Wowereit protestiert gegen "No-Go-Areas"

Der türkisch-stämmige Abgeordnete des Berliner Landesparlaments Giyasettin Sayan war am Freitagabend in seinem Wahlkreis Berlin-Lichtenberg von zwei Unbekannten angesprochen, als "Scheiß Türke" beschimpft und niedergeschlagen worden. Der Linkspartei-Politiker wurde mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht, dass er laut Polizei frühestens am Montag verlassen kann. Der Tatort gilt bei der Polizei als "bevorzugtes Wohngebiet von Personen der rechten Szene".

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wehrte sich indes gegen die Erklärung von "No-Go-Areas". Die würden in Berlin nicht toleriert, sagte er ebenfalls der "Berliner Zeitung". Er räumte jedoch ein, es gebe Orte in der Hauptstadt, die unterschiedlich sicher seien. Mit Blick auf die WM versprach der SPD-Politiker, es werde alles getan, dass Fans und Touristen nichts passiere.

DPA/Reuters
 
 
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