Durch die starke Linkspartei könnte sich ein Fünf-Parteiensystem etablieren - und Koalitionen zwischen drei statt zwei Parteien üblich werden. Verwässert das politisch klare Entscheidungen? Eine Lösung könnte das Mehrheitswahlrecht sein. stern.de erklärt die wichtigsten Fragen rund um den Abstimmungsmodus. Von Marcus Müller

Das Mehrheitswahlrecht könnte für klare Verhältnisse sorgen© Waltraud Grubitzsch/DPA
Nach der Hessen-Wahl wird klar: Die deutsche Politik wird um eine feste Partei größer. Wer eine Regierung bilden will, muss neue Koalitionen bilden - auch mit den Linken. Wer das nicht will, muss das Mehrheitswahlrecht einführen. Kleine Parteien haben es dann deutlich schwerer, im Parlament und Regierungen vertreten zu sein. Die Debatte um die Zukunft des Verfahrens, nach dem in Deutschland die Volksvertreter ernannt werden, findet auch im stern statt. "In vielen Ländern Europas, wo nicht ein Mehrheitswahlrecht für klare Verhältnisse sorgt, wird das Gestalten des Landes zur Qual", schreibt Hans-Ulrich Jörges.
Wahlen verteilen die Macht. Und sie legitimieren die Repräsentanten des Volkes. Doch die großen Parteien binden nicht mehr so viele Wähler an sich - die Kleinen nehmen ihnen die Stimmen weg. Durch immer mehr Parteien wird die Entscheidungsfindung in einer Regierung schwieriger.
Die Befürworter argumentieren: Das Mehrheitswahlrecht würde dies verhindern, denn es ließe kleine Parteien weitestgehend außen vor. Im Parlament gäbe es zwei große Blöcke, von denen einer mit seiner Politik "durchregieren" könnte, auch wenn das Mehrheitswahlsystem nicht immer große Abstände zwischen den Blöcken garantiert. Unbestritten ist, dass ein Mehrheitswahlrecht den großen etablierten Parteien entgegen kommt.
Schwierig würde es dagegen für Anhänger neuer Politik-Strömungen, die sich nicht im Programm der großen Parteien wieder finden. Sie würden nicht repräsentiert. stern.de erklärt den Mythos Mehrheitswahl.