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3. September 2007, 10:31 Uhr

"Steinewerfen hilft nicht gegen Armut"

Wer mit wem, warum und wofür. Nach dem Gipfel herrscht bei der Linken kollektive Uneinigkeit in der Gewaltfrage und zum Erfolg des Protestes. stern.de zeigt einen Einblick in die verschiedenen Positionen. Von Manuela Pfohl

Ein vermummter Demonstrant wirft im Juni 2007 in Rostock einen Stein in Richtung Polizei© Michael Probst/AP

Peter Wahl, attac, an die Steinewerfer: "Auch der Verweis darauf, dass jeden Tag 30.000 Kinder an den Folgen des Kapitalismus sterben, geht hier ins Leere. Als ob von den Steinewürfen in Rostock auch nur ein Kind aus Burkina Faso eine Mahlzeit bekäme!" Kamil Majchrzak, Redakteur bei Le Monde Diplomatique, an Peter Wahl: "Wahl vergisst, dass die Globalisierungsbewegung nicht im Waldorfkindergarten entstanden ist, sondern eine Reaktion auf Krieg, Gewalt, Ausbeutung und Hunger ist. Insoweit geht es bei den Anti-G8 Protesten nicht darum das Modul 'zivilgesellschaftliches Engagement' in den kriegführenden Staaten zu füllen, sondern die Systemfrage zu stellen."

Christine Buchholz vom Vorstand der Partei Die Linke: "Die Steine aus den Reihen des "Schwarzen Blocks" drücken Wut und Ohnmacht aus. Hier liegt der schwere politische Irrtum der Steinewerfer, wenn sie diese Form des Protestes mit Macht und Gegenmacht verwechseln. Aber: Ihre Ohnmacht ist auch unsere Ohnmacht." Alex Foti, 41, italienischer Politologe: "Es hat seit Genua keinen Gegengipfel mehr gegeben, der so viele Hoffnungen auf die Erneuerung der ketzerischen Linken weckte, der antikapitalistische Energien in Europa und darüber hinaus derart neu entfachte, wie der von Rostock-Heiligendamm." Wolfgang Neef, 63, Ingenieur, wissenschaftlicher Beirat bei Attac : "Das Interesse an 'linker' Gewalt ist, seit ich politisch denken kann, immer von den Herrschenden ausgegangen. Niemand ist mehr darauf aus, linken 'Systemkritikern' Militanz anzudichten, oft anzudienen. Dann nämlich hat man sie dort, wo man legitimiert mit Gewalt vorgehen, den Schnüffelstaat und seine Organe ausbauen und insbesondere von rechter und struktureller Gewalt ablenken kann."

Von Manuela Pfohl
 
 
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