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1. Juni 2007, 07:07 Uhr

Demos vor dem Zaun wieder verboten

Der Erfolg der Gipfel-Gegner währte nur kurz. Keine Woche, nachdem ihnen erlaubt wurde, in der Nähe des Zauns rund um Heiligendamm zu demonstrieren, wurde das Urteil wieder aufgehoben. Auch bei 20 Journalisten gibt es Ärger wegen der Zulassung zur Veranstaltung.

Die Polizei am Zaun rund um Heiligendamm wird vermutlich nicht allzuviel zu tun bekommen während des Gipfels© Jens Büttner/DPA

Globalisierungsgegner müssen dem Ostseebad Heiligendamm beim G8-Gipfeltreffen nun doch fern bleiben. Das entschied das Oberverwaltungsgericht Greifswald. Lediglich eine Demonstration auf der B 105 sei erlaubt, urteilten die Richter. Die Einschränkungen des Versammlungsrechts anlässlich das G8-Gipfeltreffens seien rechtmäßig und verstießen nicht gegen das Grundgesetz. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts ist unanfechtbar.

Damit hob das Gericht eine gegenteilig lautende Entscheidung des Verwaltungsgerichts Schwerin teilweise auf. Das Verfahren hatte ein Bündnis von Gegnern der Konferenz beantragt, das für den 7. Juni einen Sternmarsch nach Heiligendamm geplant hat.

Demos in der 200-Meter-Zone entschieden

Die Polizei in Rostock will über eine so genannte Allgemeinverfügung vom 30. Mai bis zum 8. Juni in einer 200-Meter-Zone vor dem Sicherheitszaun um den G8-Tagungsort öffentliche Versammlungen verbieten. Während des Treffens vom 6. bis zum 8. Juni sollte die Sperrzone auf bis zu sechs Kilometer rund um den Zaun erweitert werden. Der zwölf Kilometer lange Sicherheitszaun umgibt das Seebad Heiligendamm bereits seit Wochen. Auch rund um den Flughafen Rostock-Laage, auf dem die Maschinen mit den Staats- und Regierungschefs landen und wieder abfliegen werden, sind für die Zeit vom 2. bis 8. Juni Versammlungen untersagt worden.

Einigen Journalisten wurde die Akkreditierung für den Gipfel verweigert. Sowohl der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) als auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) kritisierten diese Vergabepraxis. Das Amt wolle offenbar einigen Journalisten die freie Berichterstattung über den Gipfel mit Hinweis auf Angaben des Bundeskriminalamtes verwehren, heiß es beim DJV.

Von 4700 Anträgen seien lediglich 20 abgelehnt worden, sagte ein Regierungssprecher. Das Bundespresseamt wende das bei allen Presseveranstaltungen der Bundesregierung übliche Verfahren an. "Es ist wohl einsichtig, dass man bei Veranstaltungen dieser Art nicht ohne Sicherheitskontrollen Zugang gewähren kann." Auch bei der Fußball-WM habe es solche Sicherheitsüberprüfungen gegeben, zudem hätten sich die Antragsteller mit diesen Maßnahmen einverstanden erklärt, sagte der Sprecher. "Den Betroffenen steht der Rechtsweg offen."

Keine Gründe genannt

In den Schreiben des Bundespresseamtes an betroffene Journalisten hieß es laut DJV, "dass die Akkreditierung für den G8-Gipfel auf Empfehlung des BKA nicht erteilt werden kann". Welche Gründe gegen die Zulassung sprechen, konnten die Betroffenen demnach bislang nicht in Erfahrung bringen. Es handele sich bei ihnen um Medienvertreter, die kritisch über Globalisierungsthemen berichtet hätten. Es dränge sich der Eindruck auf, dass kritische Berichterstattung über den G8-Gipfel unterdrückt werden solle, sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. Auch dies wies das Bundespresseamt zurück.

Die Verdi-Journalisten-Vertretung DJU verlangte die sofortige Zulassung und Wieder-Akkreditierung der betroffenen Journalisten sowie die Offenlegung der Grundlagen dieser Empfehlungen des BKA und ihrer Quellen. "Wir fordern eine gründliche Aufklärung auch darüber, wann und in welchem Zusammenhang welche Informationen über Journalisten gesammelt werden und bei welcher Gelegenheit sie dann bei Akkreditierungen eine Rolle spielen dürfen - und vor allem, wer darüber entscheidet."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
catchme (01.06.2007, 12:14 Uhr)
Der Demonstrant ...
... all´ den Demonstranten sei gesagt, dass es eigentlich doch völlig egal ist, wo und wie sie demonstrieren ! Der Demonstrant kann zwar Abläufe stören, aber was ist eigentlich so schwer daran, zu begreifen, dass keine Demo Entscheidungen verändert oder gar verhindert !! Dieser Staat hat die Kraft sich durchzusetzen - und das ist auch gut so !
ganzbaf (01.06.2007, 11:25 Uhr)
Klingt nach grundgesetzfeindlichkeit in den Richterstuben
Greift jetzt schon Artikel 20 GG?
Molch66 (01.06.2007, 11:20 Uhr)
Danke, Deutschland!
Pressefreiheit? Versammlungsfreiheit? Schon wieder vergessen? Erinnert mich an die Zeit vor knapp 60 Jahren.
Leseratte79 (01.06.2007, 09:29 Uhr)
Affenkäfig
Da drängt sich einem Gedanke auf, dass die Mauer wieder steht ... warum parkt man nicht einfach ale Politiker hinter dem Zaun- inklusive Familie, Geliebten und "Partydamen". Dann können sie ihr eigenes "Land" im Zaun regieren und wir können sie uns wie Affen im Zoo anschauen ... dann hätte sich auch das "Problem" mit den Demos erledigt.
gmathol (01.06.2007, 09:22 Uhr)
Demokratie wurde ausgesperrt.
Traurig aber wahr. Da besuchen zwei Faschisten Heiligendamm und zu deren Schutz wird ein Metallzaun errichtet.
Deutsche Richter hatten ja schon immer en gestoertes Verhaeltnis zur Demokratie. Freisler kann stolz auf die Nachfolge Justiz sein.
tagora-sagittara (01.06.2007, 09:02 Uhr)
Lobbykraten...
brauchen keine Demokratie. Wofür gibt es gildenkonforme Gerichte!?...in anderen G-Staaten hatten Demonstranten wenigstens eine Chance mit ihren Demos in den Medien zu erscheinen. In Deutschland geschieht so etwas um Längen subtieler. Dem Volk wird eine demokratische Entscheidung vorgegaukelt und diktatorisch gehandelt. Man hätte genausogut die Bannmeile auf Höhe der Lüneburger Heide setzten können.
Allerdings zeigt diese Verhaltensweise welches Geistes Kind uns zur Zeit im Nacken sitzt,...und bei diesem Gedanken wird mir totschlecht...
atride (01.06.2007, 08:34 Uhr)
vor guten 30 jahren
ist aus weniger "schweinestaat" und weniger militärisch-industirellem komplex die RAF entstanden. ist das etwa schäubles geheimplan - eine neue RAF? - damit er seinen wahnhaft paranoiden sack endlich ganz zumachen kann?
Countryjoe (01.06.2007, 08:07 Uhr)
Demokratie?
Interessant zu beobachten, wie die Demokratie in Deutschland und auch Europa langsam aber sicher immer mehr beschnitten wird. Nach und nach werden die in unserem GG garantierten Freiheiten unter abstrus konstruierten Vorwänden abgeschafft.
insLot (01.06.2007, 07:58 Uhr)
falsche Welt
Leider funktioniert dieser Zaun völlig verkehrt. Denn die Schutzbedürftigen stehen in meinen Augen eher vor dem Zaun als dahinter. Denn jene hinter dem Zaun beschließen die Einschränkung der Bürgerrechte, nicht die davor. Wessen Geistes Kinder in Heiligendamm sitzen tritt hier offen zu Tage.
Hoffentlich bleibt dieser Zaun stehen, damit ich später einmal mit meinen Kindern dahin fahren kann und ich ihnen zeigen kann wie weit es mit der Demokratie in unserem Land gekommen ist. Hier zeigt sich politisches Demokratieverständnis in Ihrem vollem Umfang.
Frau Merkel Sie fürchten der Gipfel könnte scheitern? Er ist es schon!
gudrun13 (01.06.2007, 07:51 Uhr)
Vielleicht wäre es noch besser ...
die Regierungschefs - Madame Merkel vorneweg - würden sich ein neues Volk suchen? Gewiß gibt es einige gewaltbereite Demonstranten, aber mit denen wäre man doch auch so fertig geworden. SO wie die Sache im Moment aussieht, verstecken sich die Politiker. Sie verstecken sich VOR dem Volk!
Aber natürlich hat dieses lächerliche Verbot auch sein gutes. So zeigt Madame M. wenigstens einmal offen ihre Gesinnung. Ich schäme mich für Sie, Frau Bundeskanzlerin, dass Sie - gerade SIE - die wie ich aus dem Osten kommt - diese Methoden anwendet um Kritiker fern zu halten. WIR haben es doch erlebt wie die Mächtigen unter sich gefeiert haben. Wie sie sich gegenseitig auf die Schulter geklopft haben - zumindest wenn sie einträchtig VOR der Kamera posiert haben - ein Bild für das doofe Volk das ja alles glauben soll. Haben SIE denn DAS ALLES schon vergessen?
Frau Bundeskanzlerin, ich schreibe es offen, ich schäme mich für SIE!
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