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2. Juni 2007, 09:34 Uhr

Rostock vor der Demo

Während Oberbürgermeister Roland Methling an eine "tolle Standortwerbung", durch die Großdemo glaubt, treffen Ladeninhaber in der Hansestadt Vorsorge für den Ausnahmezustand. Von Manuela Pfohl

Meterhohe Sperrholzplatten vor den Schaufenstern sollen vor Schäden schützen© Manuela Pfohl

Als erster Laden hatte H&M dicht gemacht. Meterhohe Sperrholzplatten vor den Schaufenstern sollen seit Wochenanfang vor "Entglasung" schützen. Anfangs haben die Leute ungläubig auf das Bohren und Sägen geguckt und dann haben sie gefragt, ob das denn wirklich nötig sei.

100.000 Demonstranten erwartet

"Natürlich" hat der Inhaber eines kleinen Geschäftes gesagt und unter dem Ladentisch eine Mitteilung der Polizei hervorgeholt. "Da könnses lesen. Wertvolle Waren sollten während der Demo und des Gipfels nicht in der Auslage liegen." 60 Prozent der Läden haben vorsorglich dicht gemacht. Ausnahmezustand G8. 100.000 Demonstranten werden zur Großdemo erwartet. Plus 16.000 Polizisten. "Und dass da auch Chaoten bei sind, kannste aber glauben", sagt der Mann, der im Rosengarten auf dem Rasen sitzt. Auch hier im Park, wo sich normalerweise Studenten und Punker tummeln, ist es jetzt menschenleer. Die Bänke sind abmontiert. Der Springbrunnen abgestellt. Die Mülltonnen in Sicherheit gebracht.

Überall in der Stadt stehen schon die Polizeiautos und Krankenwagen. "Das macht doch keen Spaß heute", schüttelt der Mann den Kopf und geht. Bis zum Uni-Platz und zur Kröpi, wo sich H&M und die anderen Läden verbarrikadiert haben, sind es Luftlinie vielleicht hundert Meter. Auf halbem Weg dahin ist das Büro der Gipfelkritiker. Drei Stufen runter, im Keller einer Stadtvilla, in der neben verschiedenen Umwelt- und Menschenrechtsgruppen auch eine kleine Kneipe ihr Domizil hat. Draußen hängt eine Regenbogenfahne, drinnen wird der Protest zum G8-Gipfel geplant und anschließend ein Bier getrunken. Dass inzwischen die halbe Stadt in Angst vor den Demonstranten schlottert, findet hier keiner witzig. "Ich möchte gern wissen, wer ein Interesse daran hat, uns alle als gewaltbereite Randalierer hinzustellen", fragt Monty Schädel, Koordinator des Rostocker Anti-G8-Bündnisses. In der Kneipe hätten sie schon Antworten darauf. Aber die sagen sie nicht. "Wer weiß denn, ob wir nicht schon wieder abgehört werden, wie damals bei der Stasi", begründet eine Frau ihr stille Verschwiegenheit. Die anderen nicken.

"Das ist eine Scheiße"

In der vollbesetzten Straßenbahn hingegen ist die Demo das Thema überhaupt. "Ab Mittag kommste mit der Bahn nicht mehr in die Stadt und auch nicht zurück. Das ist vielleicht eine Scheiße", mault ein Jugendlicher. Sein Sitznachbar grinst. "Die wolln halt, dass die Leute zu Hause bleiben, das ist doch geschickt eingefädelt." Andere Fahrgäste haben davon gehört, dass die Krankenhäuser in Alarmbereitschaft sind, die Feuerwehr Verstärkung aus anderen Bundesländern bekommen hat und dass die Blutkonserven wiedermal zu knapp sind. "Mein Schwager sagt, dass sie im Knast extra Platz gemacht haben für die vielen Demonstranten", berichtet eine Frau. "Ich werd verrückt", meint ihre Nachbarin.

Unten im Stadthafen, wo am Nachmittag die Abschlusskundgebung und das Konzert sein werden, wird noch heftig gewerkelt. "Muss ja alles klappen, wenn die Leute kommen", sagt einer der Handwerker. Die Demo findet er gut. "Nicht wegen der Politik. Die ist mir egal. Aber drei Tage Arbeit, drei Tage Geld verdienen. Wat willste mehr.“ Auch Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) findet die Demo gut. Wegen der Außenwirkung. "Ist doch eine tolle Standortwerbung für unsere Stadt", erklärt er unbeirrt von allen Gefahrenprognosen. "Ich bin sicher, es werden bunte Bilder mit friedlichen Protesten von Rostock um die Welt gehen."

Von Manuela Pfohl
 
 
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