Atomkraft - auch bei den G8 das beherrschende Thema. Es dürfte kontroverse Diskussionen geben. Während Kanzlerin Angela Merkel Druck macht und weltweit "nukleare Stresstests" fordert, fährt der Gastgeber einen entspannteren Atom-Kurs.

So fröhlich vereint sind sie in der Atompolitik nicht: Nicolas Sarkozy begrüßt Angela Merkel in Deauville© Eric Fefeberg/AFP
Als Antwort auf die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima wollen die führenden Industriestaaten und Russland (G8) schnell die Sicherheitsvorschriften für Kernkraftwerke weltweit verschärfen. Geht es nach Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Europäischen Union, sollen alle Meiler rund um den Globus mit Stresstests auf ihre Sicherheit überprüft werden. Widerstand ist programmiert.
Zu Beginn des G8-Gipfels am Donnerstag im französischen Deauville ließ Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ankündigen, dass schon am 7. Juni in Paris eine Ministerrunde aus 30 Staaten zusammenkommen wird. Auf der Konferenz sollen Vorschläge für eine Sitzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) vom 20. bis 24. Juni in Wien beraten werden.
Sarkozy hat in diesem Jahr den G8-Vorsitz. Zur G8 gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Die G8 stellen 15 Prozent der Weltbevölkerung und erwirtschaften etwa zwei Drittel der globalen Wirtschaftsleistung.
Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan wollte in der ersten Arbeitssitzung über die Lage in Fukushima berichten. Die Gipfelrunde wollte dann bei den Arbeitssitzungen die Folgen des Unglücks für die Weltwirtschaft und den Klimaschutz beraten.
Merkel forderte von den G8-Staaten, eine Führungsrolle bei der sicheren Nutzung der Atomenergie zu übernehmen. "Wir brauchen eine Überprüfung der Sicherheitsstandards auch auf internationaler Ebene", sagte sie im Bundestag in einer Regierungserklärung zum G8-Gipfel. "Wir wollen, dass die nuklearen Stresstests über Europa hinausgehen", sagte auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Deauville.
Ein harter Kurs ist aber nicht jedermanns Anliegen in Deauville. Zwar fordert auch Frankreichs Sarkozy einheitliche Sicherheitsstandards. Statt eines Ausstiegs setzt der G8-Gastgeber und größte europäische Atomstromproduzent aber auf eine Stärkung der französischen Nuklearenergie. In den USA widerum wird vermehrt über Atomkraft diskutiert, um unabhängiger von Öleinfuhren zu werden und den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) zu bremsen.