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7. Juni 2007, 21:08 Uhr

Merkel bändigt Bush

Man kann die Klimabeschlüsse als zu lasch kritisieren. Dennoch hat Kanzlerin Merkel auf dem G8-Gipfel einen Sieg errungen. Selbst der widerwilligste George W. Bush musste anerkennen: Die Klimaerwärmung ist von Menschen gemacht und muss von ihnen bekämpft werden. Ein Kommentar von Stefan Braun

Grüne Macht: Angela Merkel und George W. Bush in Heiligendamm© Boris Roessler/DPA

Der Sieger von Heiligendamm? Die Diplomaten und ihre Sprache. Wo die einen auf einen echten Durchbruch hofften und die anderen keinen Schritt nach vorne wollten, sind die Diplomaten zu wahren "Helden" geworden. In der Klimaerklärung von Heiligendamm wird vieles "ernsthaft erwogen", einiges sehr entschlossen "in Betracht gezogen" und manches entschieden "als Ziel" angekündigt. Bei all dem Willen könnte einem ganz schwindlig werden. Trotzdem sollte man sich nicht blenden lassen. Wenn Diplomatensprache regiert, ist nicht mehr drin gewesen. Entsprechend hat Angela Merkel nicht viel gewonnen. Mehr als eine sehr eindeutige Willenserklärung ist - noch - nicht erreicht worden. Die Klimakönigin Merkel, die Kaiserin von Heiligendamm - derlei Bilder wären vermessen, falsch und irreführend. Das Jackett leuchtend grün - als wär die Joppe schon Programm. So ist Angela Merkel in diesen Tag gestartet, und so ging er für sie auch zu Ende. Ein bisschen grün als Zeichen des Klima-Fortschritts, sehr viel mehr grün als Farbe der Hoffnung. Als Ziel für die Zukunft. Hoffnung nämlich muss Merkels Prinzip bleiben. Doch dabei lässt sich sagen: der Ausgang von all dem ist nicht mehr ganz offen. Auch wenn ihr in Heiligendamm der ganz große Wurf verwehrt blieb - sie hat alle Anwesenden auf einen Weg verpflichtet, den niemand verlassen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Keine Alleingänge für Bush

Die Dame und ihre Herren Gäste wollen künftig nicht nur "ernsthaft erwägen", einen "deutlichen Beitrag" gegen die weitere Erderwärmung zu leisten. Sie haben erklärt, dass sie die Erkenntnisse des Weltklimarats als Grundlage für alles weitere Handeln akzeptieren. Jenes UN-Klimarats, der die Menschen für die Erderwärmung verantwortlich macht. Jenes Klimarats, der einen Anstieg von zwei Grad bis zur Mitte des Jahrhunderts als Äußerstes gerade noch akzeptieren würde. Indem George W. Bush dafür die Hand hob, akzeptierte er genau das, was er jahrelang ablehnte: Es gibt eine Verantwortung. Und es gibt eine Verpflichtung, das eigene Handeln zu ändern. Das bedeutet für Bush zuallererst: keine Alleingänge mehr. Kollektiv und unter dem Dach der UN sollen die nächsten Schritte folgen. Dass Bush dazu Ja sagte, ist kein Triumph, geschweige denn schon die Rettung. Aber es bändigt einen, der immerzu Nein rief in allen Klimaschutzfragen. Es zwingt den widerspenstigen US-Präsidenten auf einen Pfad, den er nie betreten wollte. Ein viel versprechender Etappensieg. Noch dazu einer von der schwereren Sorte.

Ein Kommentar von Stefan Braun
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Roy05441 (08.06.2007, 13:13 Uhr)
Mein Gott wo hat,......!
Frau Merkel wohl ihren Dressurschein gemacht? Bestimmt nicht bei Zirkus Krone, auf dass sie anderer Leute Konten schone.
Hierbei geht es bei aller Umwelt-Liebhaberei um parteipolitischen Einheitsbrei!
testsieger2006 (08.06.2007, 10:36 Uhr)
Zentralrat des Weltklimas
wär doch auch was sinnvolles. Da hätten wir dann wieder hochdotierte Posten inkl. Diplomatenpässe zu vergeben und Mitarbeiterstäbe ins Leben zu rufen. Der Vorsitz wird dann von geltungssüchtigen Gutmenschen-Popstars übernommen, die wegen der Steuer in irgendwelchen Steueroasen residieren.
Ich rufe alle Möchtegern-Naturwissenschaftler (und NEIN, als Politik- oder Sozialwissenschaftler etc. ist man streng genommen kein Wissenschaftler, sondern hat ne Kunstlehre studiert) doch bitte auch die in Relation viel dramatischere Klimaerwärmung auf dem Mars zu erklären.
gudrun13 (08.06.2007, 09:06 Uhr)
Ich weiß wie ich zu den nächsten Wahlen zu entscheiden habe
und werde der Madame ihr Verhalten nicht vergessen.
Rainhelt (08.06.2007, 09:02 Uhr)
Menschengemacht
Zitat: "George W. Bush musste anerkennen: Die Klimaerwärmung ist von Menschen gemacht und muss von ihnen bekämpft werden."
Aha. Ist ja stark. Leider wird das Thema in der Klimaforschung nach wie vor heiß diskutiert. Ich lege den Herren und Damen und den Lesern hier doch wärmstens sich eine eigene Meinung zu bilden.
Da wird immer gleich geschriehen, dass die Ölindustrie hinter irgendwelchen Entscheidungen stünde... Falsch!!! Solche Leute glauben auch, dass wir nicht auf dem Mond waren und das Elvis noch lebt. Von JFK und 911 will ich gar nicht anfangen.
Die Problematik, und damit der Hauptgrund für die Zurückhaltung der Amerikaner liegt an der wissenschaftlichen Umstrittenheit des menschengemachten Klimawandels.
Leider wird die Theorie des von uns verursachten Klimawandels in der Öffentlichkeit als Tatsache betrachtet. Und nun geben wir Billionen aus... Und das um Gott zu spielen. Wie vermessen ist es eigentlich, zu glauben wir könnten das Klima steuern. Können, sollten und dürfen wir nicht. (Aber Genforschung verteufeln... ist das alles krank). Wir sollten das ganze Geld, was Kyoto und dessen Nachfolger kosten, lieber dazu nutzen um die Folgen des vorhandenen und wie auch immer entstehenden Klimawandels zu bekämpfen. Insbesondere für Afrika und Asien...
Gruß
Rainhelt
PS: Und wenn man sich schon auf einen der IPCC-Berichte stützt, sollte man diesen dann doch bitte einmal lesen und nicht nur die sogenannte Zusammenfassung für Entscheidungsträger...
Knaatschie (08.06.2007, 08:39 Uhr)
Immerhin
Was habt Ihr denn erwartet ?
Ein US-Präsident der seit Jahren von der Ölindustrie geschmiert wird, der für die Ölindustrie Angriffskriege führt, soll auf einmal ein Umweltaktivist Marke Greenpeace sein ?
Wenn man diese Aspekte bedenkt, sind diese kleinen Schritte zumindest der Beginn einer weltweiten Koordination, ein Schritt in die richtige Richtung.
Wenn nach der nächsten Präsidentschaftswahl ein von der Ölindustrie unabhängiger(er) Präsident sein Unwesen treibt, geht es hoffentlich in größeren Schritten weiter. Es ist nur zu hoffen, dass eine Halbierung bis 2050 nicht heißt, in den nächsten Jahren die Treibhausgase zu erhöhen, um diese dann irgendwann kurz vor der Zielmarke irgendwie zu reduzieren.
Schaun' mer mal.
gmathol (08.06.2007, 04:03 Uhr)
Erfolg bis 2050?
Ein anderes Beispiel von zukunftsgerichteter Politik. Saetze wie die Steuereinnahmen werden vermutlich steigen, erhoehtes Familiengeld werden wir 2012 auszahlen und anderer Unsinn.
Fuer die Nihilisten von Globaler Erwaermung haben wir folgenden Satz parat: Bekanntlich reinigt das Verbrennen von Oelprodukten in Autos mit Katalysator die "dreckige" Atemluft! Oder etwa doch nicht?
Na, dann noch ein Rat an die Hamburger: schnell eine Arche bauen.
Haka (08.06.2007, 03:37 Uhr)
Weltklimarat?
Diese Arroganz ist nicht mehr zu toppen. Die Aufklaerung der groessten Luege dieses Jahrhunderts werd ich wohl leider nicht mehr erleben.
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