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16. Mai 2007, 12:23 Uhr
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"Ich verführe keine anderen"

Hauke Benner ist G8-Gegner, seine Wohnung wurde jüngst im Rahmen einer Großrazzia durchsucht. Angeblich wolle er die "bestehende Gesellschaftsordnung erschüttern". Auf stern.de spricht er exklusiv über den Gipfel und die Gegner.

Hauke Benner: "Ich stimme mit der Politik, die dort in Heiligendamm verhandelt wird, nicht überein"

Herr Benner, Sie sind Mitglied einer terroristischen Vereinigung.

Nein, natürlich nicht.

Das aber vermutet die Bundesanwaltschaft.

Das ist deren Phantasiewelt. Ich bin Mitglied einer Bürgerinitiative gegen Gentechnik.

Vergangene Woche wurden Ihre und andere Wohnungen durchsucht. Im richterlichen Beschluss heißt es, Sie wollten die in der Bundesrepublik bestehende Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung erschüttern. Stimmt das?

Nein. Aber ich stimme mit der Politik, die dort in Heiligendamm verhandelt wird, nicht überein. Natürlich könnte ich mir eine Wirtschaftsordnung vorstellen, die den Menschen und ihrer Würde gerechter wird, die internationale Arbeitsteilung fairer organisiert und die ausschließliche Orientierung auf die Profite überwindet.

Aber warum wurde Ihre Wohnung durchsucht

Auch das müssen Sie die Bundesanwaltschaft fragen. Ich habe es so verstanden: Die Bundesanwälte unterstellen, dass drei, vier ältere Herren junge Leute dazu anleiten, Anschläge durchzuführen. Und zu diesen soll auch ich gehören, und das seit fast zwanzig Jahren.

Das heißt, Sie stehen schon lange im Fadenkreuz der Ermittler?

Ja. Wie ich im Nachhinein erfahren habe, wurde mein Telefon sieben Jahre lang abgehört, meine Wohnung mit einer Videokamera überwacht.

Kennen Sie inzwischen den Grund?

An den Castortransportstrecken der Deutschen Bahn waren gebogene Eisenstücke auf die Oberleitungen geworfen worden. Und ich bin seit langen in der Anti-AKW-Bewegung aktiv.

So wie Fritz S., der Physiker aus Bremen, dessen Messstelle für Arbeits- und Umweltschutz ebenfalls durchsucht wurde. Kennen Sie einander?

Ja, seit Jahrzehnten. Ich glaube schon seit den Demonstrationen in Brockdorf.

Und Gorleben?

Natürlich auch Gorleben.

Die Bundesanwaltschaft vermutete, dass Sie und Fritz S. zu dem anonymen Autoren gehören, die in einem Buch über ihren militanten Widerstand berichten.

Ich kenne das Buch und habe jetzt noch einmal hineingesehen. Das hätte auch die Bundesanwaltschaft tun sollen. Denn dort steht, dass es sich um Artikel handelt, die gesammelt wurden. Sie sind als solche auch grau unterlegt. Es ist gar nicht klar, ob die Herausgeber auch die Autoren sind. Es ist jedenfalls sehr abenteuerlich, dass die Bundesanwaltschaft einen Durchsuchungsbefehl für meine Wohnung damit begründet, dass sich die Autoren dieses Buches zu Brandanschlägen während der Tagung des Internationalen Währungsfonds in Jahr 1988 bekannt haben sollen.

Sind Sie nun einer der Autoren?

Ich habe aus dem Umfeld des Verlages gehört, dass die Autoren anonym bleiben wollen. Es ist eine Gruppe von fünf Autoren, die sich AG Grauwacke nennt. Sie hat die Texte unter diesem Pseudonym publiziert.

Dennoch, die Bundesanwaltschaft verdächtigt Sie gewalttätiger Aktionen während des IWF Gipfels in Jahr 1988?

Mich überrascht das auch. Es gab deshalb nie Ermittlungsverfahren gegen mich. Jedenfalls habe ich davon nie etwas erfahren, und auch mein Anwalt hat sich jetzt noch einmal erkundigt. Es gibt überhaupt keinen Hinweis darauf.

Aber die Bundesanwaltschaft wird einen Grund haben, gerade Ihre Wohnung zu durchsuchen.

Ich bin in die Vorbereitungen der Proteste gegen den G-8 Gipfel involviert, ich habe die Demonstration in Rostock gegen die Globalisierung der Landwirtschaft offiziell angemeldet.

Und das soll der Grund sein?

Auffällig ist, dass die Wohnungen der anderen, die mit der Vorbereitung und Anmeldung von Demonstrationen zum G-8 Gipfel zu tun hatten, auch durchsucht wurden.

Und was wurde gefunden?

Bei mir, wo sich die Polizisten während der Hausdurchsuchung korrekt verhalten haben, wurde die Festplatte meines Computers kopiert. Natürlich ist es nicht sehr angenehm, wenn private Briefe gelesen werden. Aufschlussreich aber ist, was sonst mitgenommen wurde: ein kopierter Artikel aus der Zeitschrift „Blätter für deutsche und internationale Politik" von 2005. Überschrift: Das Kartell der grünen Gentechnik. Und eine Broschüre der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (AbL): Monsanto gegen die Bauern.

Monsanto, das ist der große Saatguthersteller. Was hat das mit dem G-8 Treffen zu tun?

In der Nähe von Rostock, in Groß Lüsewitz befindet sich eine große Versuchsanlage mit gentechnisch verändertem Mais.

Und diese Versuchsfelder wollen sie besetzen?

Nein, wir wollen dort an dem Tag keine Felder besetzen. Wir wollen nur zusammen mit der lokalen Bürgerinitiative den weltweiten Protest zeigen.

Sie schreiben selbst auch immer wieder Artikel gegen die Gentechnologie.

Ja, die kann man alle im Internet nachlesen. Da gibt es ein ganzes Archiv mit namentlich gekennzeichneten Beiträgen.

Unter anderem auch Artikel zu Saatguthändler Märka.

Märka wirbt für gentechnisch veränderten Mais, kauft in Kooperation mit dem Monsanto die Ernten der Bauern auf, die gentechnisch veränderten Mais anbauen, und garantiert auch den Nachbarn dieser Bauern die Abnahme ihrer Ernte.

Ist das ein Grund, einen Brandanschlag auf die Firma zu verüben?

Ich habe mit dem Brandanschlag auf die Firma nichts zu tun, wie man mir unterstellt. Die Bundesanwaltschaft glaubt, das Bekennerschreiben sei von mir. Aber jeder kann sich im Internet meiner Aufsätze bedienen.

Die Bundesanwaltschaft glaubt, Sie seien der Mentor einer terroristischen Vereinigung, die junge Aktivisten zu Gewalttaten verführt.

Eine dreiste Unverschämtheit. Ich verführe keine anderen. Kritik an der Gentechnik muss erlaubt sein, aber auch Protest und Widerstand.

Und den organisieren Sie?

Ich helfe dabei mit. Ich wünsche mir einen Protest auf vielfältige Weise, wie gegen die Atomenergie. Denn ich halte auch die Gentechnologie für eine gefährliche Technologie.

Interview: Kuno Kruse
KOMMENTARE (10 von 11)
 
apoteam-deutschland (18.05.2007, 12:45 Uhr)
Zum verführen gehören immer zwei…?

Natürlich gibt es die Verführer, Frage wer ist der Verführer und wer der Verführte?
Unsere Gesellschaft lebt nun einmal mit beiden Merkmalen und vielen unterschiedlichen Meinungen. Eine andere Frage ist, wo beginnt Toleranz und wo hört sie auf? Wo und wann muss, darf der Staat eingreifen? Zugegeben ein schweres Unterfangen. Nach dem Willen unseres jetzigen Innenministers gibt es nur eine Meinung, seine! Mit Angstmache sind schon ganz andere Gesetze in Kraft getreten. Aber auch hier taucht wieder die Frage auf, wer fragt denn das Volk, ob es das wirklich will. Schon Herr Schilly hat es nicht für nötig gefunden zu fragen, Kraft seines Amtes und seiner Autorität hat er einfach verfügt!! Warum sich aufregen, wenn es so einfach ist unsere Gesetze zu umgehen? Allen Sympathisanten die gegen solche Schäublebeschlüsse sind, sei gesagt, schon heute kann es heißen: „Vorsicht Feind hört mit“.
Und wenn Herr Schäuble es will gehören sie zum Verdachtskreis dazu, ohne es zu wissen. Fazit, Mund halten wegschauen oder weglaufen, aber wohin?
Uwe Piegsa
Azzillanet (18.05.2007, 10:45 Uhr)
Hauke Brenner
Sehr gut, Herr Brenner!
Menschen wie Ihnen verdanken wir das Wachbleiben und den gerechtfertigten Protest gegen jene Phänomene, die dem Menschenrecht auf Freiheit von Grund auf widersprechen! Genmanipulation, Wirtschaftsgipfel ohne rechtliche Grundlage, Bombenverträge und Verschleierungspolitik...
Danke fÜr Ihren Widerstand und Ihren Einsatz!
Auf dass das Recht auf Protest und andere Meinung gewahrt bleibt (in memoriam Mai 68!!)!
inselkarl (17.05.2007, 18:13 Uhr)
G8 Feindbilder
Diese Berufsdemonstranten, Castor-Blockierer, Gen- Verteufler und Umweltkatastrofen- an- die Wand- Maler geniessen alle Freiheiten unserer Republik und werden in der Presse immer wohlwollend hoffiert.
Sie nehemn es mit dem Gewaltmonopl des Staates nicht so genau und leiten mit jakubinischem Zorn das Recht auf Angriff und Zertsörung des Zauns( wie der Gleise bei Dannberg) aus ihrer Gutmenschenideologie ab. Und alle die das verhindern wollen sind furchtbare deutsche Orbnungsfaschisten oder verbitterte Demokratieabbauer(a la Schäuble). Wir sollten die Kirche im Dorfe lassen. Wenn der Staat nicht mehr gegen begangene Brandanschläge und geplante Gewalttaten vorgeht wird die Enttäuschung über den Rechtsstaat um sich greifen. Alle Gewalt,ob von rechts oder links, von Neonazis oder Kryptoanarchisten des schwarzen Blocks, sind konsequent zu verfolgen. Lassen sie sich bitte nicht irre machen Herr Schäuble: 90 % der deutschen Bevölkerung ist für Null-Toleranz gegenüber Gewalt!
NeuerMensch (16.05.2007, 15:20 Uhr)
@catchme
Ich konnte im Thread keinen Kommentar finden, in dem Sie jemand als Rechtsradikal bezeichnet hat. Im Übrigen geht es in den Meldungen und Kommentaren zum G8-Gipfel hier im Stern-Online doch weniger um die Globalisierungsthematik als vielmehr um die verfassungsrechtlich höchst bedenklichen Vorgänge rund um die Sicherung des Gipfels. Schwarz-Weiß-malerisch erscheint mir dabei in erster Linie die pauschale Gleichsetzung der Kritik und Proteste mit randalierenden Banden. Besonders differenziert sind Sie bisher ebenfalls nicht an das Thema herangegangen.
starmax (16.05.2007, 14:34 Uhr)
Furchtbare Deutsche
sie sind wieder da - oder waren nie weg !
Frau Merkel und alle, die einen Eid geschworen haben, das deutsche Volk zu schützen - in Wahrheit schützen sie nur das Großkapital.
Der Verfassungsschutz: sein Name bekommt einen neuen Sinn: er soll die Elite vor der Verfassung schützen
catchme (16.05.2007, 14:16 Uhr)
Schwarz - weiss - denken ...
Wenn man alle Meinungsäußerungen zum Thema G8-Gipfel so liest, dann stellt man fest, dass die Welt eines G(-Gegners doch ganz einfach gestrickt ist : wer für die Globalisierung der Weltwirtschaft ist, ist automatisch dumm, versteht die Zusammenhänge nicht, ist ein Sklave der Staatsautorität und wenn alles nichts wirkt, kommt das absolute " Totschlag-Argument " - man sei ein Rechtsradikaler ! Schön zu wissen, wie all´ diese selbsternannten Fachleute und "Gut-Menschen" gestrickt sind ...
traldors (16.05.2007, 13:59 Uhr)
Was soll's
finden wir uns damit ab das wir einer "Bananenrepublik" leben und all die großen und kleinen Schäuble's Rechte von Verfassungsrang mit Füssen treten.
Wer meint Regeln für andere zu erfinden und die vorhandenen permanent auf abgefeimte Art zu "verbiegen" darf sich nicht wundern, wenn eines Tages wieder einige Leute auf "dusselige" Gedanken kommen.
philhold (16.05.2007, 13:54 Uhr)
Interview Hauke Brenner
Mit Ausreden sind sie nicht verlegen, Ich jedenfalls glaube ihnen kein Wort. Auch weichen sie der Frage aus ob sie einer der Autoren sind. Doch um das arbeitende Volk zu schuetzen muss man leider zu solchen Massnahmen greifen. Ich wuerde auch zu solchen Massnahmen greifen wenn sie mir meine Erwerbnis (Job) gefaehrden wuerden.Das ist naehmlich hier die Gefahr, ihre Mitmenschen die einer Arbeit nachgehen und froh sind dass sie eine haben, wollen sie mit ihren protesten oder Demos gefaehrden.
Leider haben wir zugenuegend solche Idioten.
libertyvsfachism (16.05.2007, 13:34 Uhr)
Freedom of speech? HAHAHA
Do you remember the history was similar, not so far away by now
Spax (16.05.2007, 13:30 Uhr)
Nicht mehr mein Land
Ich erkenne das Deutschland, in dem ich aufgewachsen bin, nicht mehr. Seit 15 Jahren lebe ich in den USA, und habe mehr Meinungsfreiheit als in Deutschland, und dass trotz 'Patriot Act'. Ich gehe auf Anti-war Demonstrationen, schreibe Briefe gegen Gentechnik, Umweltzerstoerung usw. Sicher habe ich eine FBI-Akte, aber noch hat niemand meine Wohnung eingerannt wegen ein paar Broschueren. Ich wuerde es echt begruessen wenn die Bundesstaatsanwaltschaft endlich mal die rechte Neonazi-Szene auseinandernimmt. Das sind die echten Terroristen.
Uebrigens kein elegantes Interview...die Fragen sind etwas bloed. Es wird gar nicht auf den Hintergrund von den G8-Gegnern eingegangen.
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