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4. Juni 2007, 11:35 Uhr

Hart oder herzlich?

Die gewalttätigen Ausschreitungen in Rostock sorgen für Empörung und Diskussion. Wie soll die Polizei den Demonstranten begegnen? "Deeskalieren", fordert etwa Innenminister Wolfgang Schäuble. Härter zur Sache gehen, verlangen Teile der Polizei.

Was tun, wenn's brennt? Die Polizei zwischen Härte und Deeskalation© Fabrizio Bensch/Reuters

Beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe die Verfassungsbeschwerde der Globalisierungskritiker gegen das Demonstrationsverbot rund um den Tagungsort des G8-Gipfels in Heiligendamm eingegangen. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin ging die Beschwerde mit Eilantrag kurz nach Mitternacht ein. Wann eine Entscheidung zu erwarten ist, wurde zunächst nicht bekannt.

Das von der Polizei erlassene umfassende Verbot eines Sternmarsches nach Heiligendamm war vom Schweriner Verwaltungsgericht zunächst teilweise aufgehoben, vom Oberverwaltungsgericht Greifswald aber wieder in Kraft gesetzt worden. Im Umkreis von mehreren Kilometern um den Gipfelort sind demnach an alle öffentlichen Versammlungen verboten.

Angesichts der Ausschreitungen in Rostock diskutieren Politiker, Polizei und die Demoorganisatoren über das weitere Vorgehen bei den Veranstaltungen rund um Heiligendamm. So schlägt Harald Ringstorff, Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, vor, potenzielle Gewalttäter in bestimmten Fällen vorbeugend in Haft zu nehmen. "Gegen die, die nur Randale im Kopf haben, muss mit aller Härte des Gesetzes vorgegangen werden", sagt Ringstorff. Vor dem G8-Gipfel habe es viel Kritik an Überlegungen gegeben, auch Unterbindungsgewahrsam anzuwenden. "In einigen Fällen, wird das nötig sein, wenn wir es mit Gewalttätern zu tun haben, die nichts mit den friedlichen Demonstranten gemein haben", so Ringstorff.

Präventiv in Haft nehmen

Mit dem Unterbindungsgewahrsam kann jemand für einen bestimmten Zeitraum zur Verhinderung möglicher Straftaten präventiv in Gewahrsam genommen werden. Unter Verfassungsrechtlern ist diese Maßnahme umstritten. Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) hat sich dafür ausgesprochen, verstärkt potenzielle Gewalttäter in Gewahrsam zu nehmen. "Wer zum Beispiel Tränengas in der Tasche hat, muss bis zum Ende des G8-Gipfels in Unterbindungsgewahrsam genommen werden", sagte er der "Bild"- Zeitung. Außerdem machte Beckstein die Veranstalter der Anti-G8-Proteste für die Krawalle mitverantwortlich. "Sie haben nicht genügend Ordner gehabt. Sie haben nicht durchgesetzt, dass ihre eigene Demonstration friedlich abgelaufen ist", so der CSU-Politiker. Daraus ergibt sich nach Ansicht Becksteins zumindest eine hohe moralische Mitverantwortung der Veranstalter.

Ringstorff lobte die Polizisten zudem für ihr besonnenes Verhalten. "Einige haben im Vorfeld schon kritisiert, dass es zu viel Polizei in Rostock gebe und dass möglichst lange nicht eingeschritten werden sollte. Nun musste die Polizei einschreiten, nun ist es auch nicht richtig." Berichte, wonach der Einsatzleiter der Polizei ausgetauscht worden sei, wies der Ministerpräsident zurück. Dies sei nicht der Fall.

Auch der Innenminister des Bundeslandes, Lorenz Caffier (CDU), stellte sich hinter die Polizei. "Wir werden die Polizeitaktik nicht ändern", sagte er am Montag im RBB-Inforadio. Ähnlich Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble: Auch er will keine grundlegenden Änderungen bei den Sicherheitsvorkehrungen für den G8-Gipfel vornehmen. Zwar werde man in Heiligendamm noch vorsichtiger sein müssen, sagte er, "ich glaube aber, das Grundkonzept ist richtig und es hat ja bisher niemand gesagt, die Länder hätten mit Unterstützung des Bundes nicht genügend Polizei vor Ort vorrätig gehabt."

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, forderte via "Bild": "Es müssen Vor-Kontrollen dort stattfinden, wo die Chaoten sich treffen. Wer Steine, Messer oder Knüppel dabei hat, muss sofort in den Polizei-Gewahrsam." Zudem sollten die Einsatzkräfte besser geschützt werden. Die Industrie habe wirksame Gummigeschosse entwickelt, die in vielen Ländern erfolgreich eingesetzt würden. "Nur in Deutschland werden Polizistinnen und Polizisten immer wieder Hundertschaftsweise zur Steinigung freigegeben", sagte der nordrhein-westfälische Gewerkschafts-Landeschef Nordrhein-Westfalen, Rainer Wendt.

Polizei mit Selbstkritik

Die Polizei selbst wehrt sich zwar gegen die Vorwürfe, sie habe sich teilweise falsch verhalten, dennoch gibt es innerhalb der Beamtenkreise aber auch Selbstkritik. Polizeiführer Knut Abramowski wies die Äußerungen des GdP-Vorsitzenden Konrad Freiberg zurück. Auch wenn es eine hohe Anzahl an verletzten Polizeibeamten gegeben habe, sei das Ziel erreicht worden, die 3000 Gewalttäter nicht in die Rostocker Innenstadt gelangen zu lassen. Das Konzept der Deeskalation sei sofort nach Beginn der Auseinandersetzungen im Stadthafen durch ein entschiedenes Vorgehen ersetzt worden.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, forderte unterdessen eine Überprüfung der Polizeistrategie. "Wir müssen uns sehr intensiv Gedanken machen, ob eine Deeskalationsstrategie wie bisher noch angebracht ist", sagte er. Im Umfeld von Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm sei ein energischeres Auftreten und mehr Präsenz erforderlich. Die bisherige Strategie habe nicht funktioniert. "Mit einer solchen Brutalität, solchem Hass hatten wir nicht gerechnet", sagte Speck. "Es ist schlimm, wie hier auf Polizistinnen und Polizisten losgegangen wurde."

Nach wie vor 2000 Gewalttäter in Rostock

Sorge bereitet den Sicherheitskräften zurzeit, dass rund 2000 an den Krawallen beteiligte Gewalttäter halten sich nach wie vor im Raum Rostock aufhalten sollen, wie die Polizeiführung mitteilte. "Es handelt sich hierbei größtenteils um dieselben Straftäter, die für die Krawalle in Rostock am 2. Juni verantwortlich zeichneten", heißt es in einer Mitteilung der G8-Sondereinheit Kavala.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
ElPrimo (04.06.2007, 15:57 Uhr)
@ 520i
ja genau...die armen autonomen, die mussten sich ja nur verteidigen, deswegen wurden einkaufswägen voll mit pflasterscheinen mitgeschleppt.
und ausserdem, wer geht denn schon bitte vermummt zu ner demo ? bestimmt niemand der friedlich demonstrieren will.
und wenn die friedlich marschierenden demonstranten das schwarze gesockse auch noch mitlaufen lässt und in der masse deckt...tut mir leid, da muss sich niemand wundern, wieso das demonstrationsrecht so eingeschränkt wird.
Raknarak (04.06.2007, 14:39 Uhr)
worum kämpfen die G8 randalierer....
...wer weiss das hier schon...
allein wenn ich mir aber anschaue das ich bei wahlen immer nur zwischen dung und gülle wählen kann. und egal wer es davon wird eh nicht das einhält was im wahlprogramm steht, dann kann ich dieses denken sicherlich auch auf die restlichen g8 staaten ausweiten.....
wenn eine friedliche demonstration aussreichen würde um berechtigten unmut offen zur schau zu stellen, dann wäre das sicher im sinne aller demoteilnehmer, auch der randalierer...........
wann aber hat eine friedliche demonstration jemals geholfen???
wir können unseren politikern ja ruhig vorspielen, dass wir mit allem was sie anstellen zufrieden sind..............oder ihnen die wahrheit auf den tisch knallen........ in diesem fall mit pflastersteinen!
wählen hilft leider nicht, da zu wenige die stimmzettel ungültig machen.........
also muss wohl ein anderer weg her....
520i (04.06.2007, 14:13 Uhr)
...
Tja warum werfen die Autonomen steine? Gute Frage. Warum war denn alles friedlich bis zu dem Punkt, als die Polizei ohne erkennbaren Grund äußerst Brutal gegen einzelne Personen vorgegangen ist? Naja für 100Mio Euro Gesamtkosten muss ja auch ne Runde Aggressionsabbau drin sein, man zieht sich ja die Schutzpanzer nicht umsonst an!
thebender (04.06.2007, 14:05 Uhr)
@ Pamela_1971
Wäre doch mal was anderes. Wozu denken sie, hat die Polizei diese Ausrüstung? Weil wenn sie keine hätte, würden diese Idioten von Demonstranten wahrscheinlich genauso Steine auf sie werfen. Dann könnte man die Bild lesen, die berichtet, wie der Vater zweier Kinder unter die Erde gebracht wird weil XYZ, der 24 jährige Arbeitslose dachte er müsse Steine werfen.
Wozu werfen die gewalttätigen Autonomen eigentlich Steine? Für eine bessere Welt? Ich denke nicht. Zerstörungswut und Lust an der Auseinandersetzung sind da eher ein Motiv.
Savoyen (04.06.2007, 14:00 Uhr)
Demokratie
@Ginnungagap
Für sie ist Demokratie wohl nur dann gegeben, wenn alle das tun, was Sie für richtig halten?
Wenn Sie unbedingt die ach so schlechte Welt verbessern wollen, warum fangen Sie dann damit nicht in Darfur oder in China an, Sie mutiger Möchtegernrevoluzer. Hier werden Sie bestimmt nicht gebraucht.
RBrunnerHH (04.06.2007, 13:35 Uhr)
@Ginnungagap
Sie müssen zum Arzt...DRINGEND!!!!!
520i (04.06.2007, 13:34 Uhr)
Hauptsache...
...nach der Provokation und Repression der vergangenen Wochen können Staats-&Polizeivertreter jetzt sagen: Seht ihr!
Und fast alle glaubens auch noch!
Ginnungagap (04.06.2007, 13:26 Uhr)
jaja...
Vergessen wird hier, dass die Verantwortlichen dieses Gipfels sich einen Dreck um Menschen kümmern und dem Kapital total verschrieben sind.
Schon alleine für das Staatseigentum, was unsere Volksdiener den Heuschrecken sogut wie schenkten würde ich ihnen einen ganzen LkW Pflastersteine zukommen lassen.
Die sollen solange werfen, bis die Polizei zermürbt ist und die kapitalistische antihumane Pseudodemokraten alleine dastehen. Hände auf den Rücken gefesselt, mit dem Rücken zur Wand und blasen an den Fingern vom Schippen^^ xD
ganzbaf (04.06.2007, 13:18 Uhr)
Wenns denn sein muß?!...
Schfinde man sollte einfach etwas mehr auf die Bedürfnisse der Demonstranten eigehen.
Also ruhig mal 1-2 alte Autos zum Demolieren hinstellen (nicht immer diese Polizeifahrzeuge, das ist einfach zu teuer) oder Freibier und Würstchen feilbieten und so...
Ich meine, was soll man schon groß machen? Außer versuchen, die Masse zu beruhigen?...
Wenn demnächst 500.000 Tausend militante Terroristen mit dem Messer zwischen den Zähnen auf Heiligendamm zumaschieren, KÖNNEN wir nur noch versuchen den Mob zu besänfigen!!
Oder aber wir übergeben Deutschland gleich formell an Monty Schädel. Wenns denn sein muß?!...
Sukram71 (04.06.2007, 13:13 Uhr)
Mit aller Härte aber im Vorfeld deeskalierend
Gegen diese Randalierer muss mit aller Härte vorgegangen werden. Das ist schon richtig.
Nur muss man beachten, dass die Mehrzahl der Demonstranten ja friedlich ist und dass gegen diese keine übermäßige Gewalt angewendet wird.
Manchmal ist es auch so, dass ein übermäßiges Auftreten von martialisch gepanzerter Polizei solche Auseinandersetzungen auch provoziert. Nicht gerade in diesem Fall, aber man hat hier ja viel Erfahrung. Deswegen spricht man ja im Vorfeld von einer Deeskalations-Strategie der Polizei. Hier einen goldenen Mittelweg zu finden ist sicher nicht einfach.
Es soll auch schon vorgekommen sein, dass die Polizei solche Gewalt fast mit Absicht provoziert hat um mal so richtig auszuteilen. Vielleicht sogar auf Geheiß von oben um die Demoteilnehmer zu diskreditieren. Ich glaube Polizisten aus Bayern standen deswegen mal so in der Presse und wurden sogar von Landesvertretern kritisiert.
Das nur zum Ausgleich, bevor hier das scharfe Schießen auf Demonstranten gefordert wird. Der nächste Castor-Transport kommt bestimmt. :)
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