. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
1. Februar 2009, 14:12 Uhr

CSU verhindert Umweltgesetzbuch

Die Kanzlerin hatte ihren Umweltminister extra noch einmal nach München geschickt, um das ehrgeizige Projekt zu retten, doch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer winkte ab. Und so blieb Siegmar Gabriel nichts anderes übrig, als resigniert das Aus für das Umweltgesetzbuch zu verkünden - und der CSU blinde Blockadepolitik vorzuwerfen.

Umwelt, Umweltgesetzbuch, Umweltminister, Sigmar Gabriel, Koalition, Union

Klagt über "dumpfem Reformunwillen" der Union: Umweltminister Siegmar Gabriel© Rainer Jensen/DPA

Aus für das Umweltgesetzbuch: Die geplanten einheitlichen Umweltregeln und Genehmigungsverfahren in Deutschland sind nach Angaben von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gescheitert. "Es wird in Deutschland weiterhin kein einfaches, transparentes und unbürokratisches Umweltrecht aus einem Guss geben", teilte er am Sonntag in Berlin mit. Das seit Jahrzehnten verfolgte Projekt sei "an dumpfem Reformunwillen und blinder Blockadepolitik der Union gescheitert".

Nachdem ein letzter Einigungsversuch mit Bayern erfolglos geblieben sei, könne der innerhalb der Bundesregierung abgestimmte Gesetzentwurf seines Ministeriums nicht mehr ins Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden, kritisierte Gabriel. Auf Bitten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich Gabriel am vergangenen Montag mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) in München getroffen, um das ehrgeizige Vorhaben zu retten. Es war von Merkel in ihrer früheren Funktion als Bundesumweltministerin auf den Weg gebracht worden.

Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) wies den Vorwurf zurück. "Schuld ist Gabriel selbst. Wenn er nicht so stur gewesen wäre, hätte man eine Einigung erreicht", konterte Söder. "Wir wollen gemeinsame Umweltstandards, aber keine Monster-Bürokratie. Der Bundesumweltminister ist an seinem eigenen Übereifer gescheitert." Gabriels Entwurf hätte keinen ökologischen Gewinn gebracht, dafür aber "erhebliche Rechtsunsicherheiten".

Hauptstreitpunkt war eine Genehmigung von Anlagen aus einer Hand. Bislang müssen Unternehmen bei verschiedenen Behörden oft mehrere Umweltgenehmigungen einholen, etwa in Sachen Lärm-, Gewässer- und Naturschutz. Die geplante "Integrierte Vorhabengenehmigung" lehnt die Union und insbesondere die CSU ab. Söder hatte noch am Samstag in der "Berliner Zeitung" betont: "Wir stimmen dem Umweltgesetzbuch nur zu, wenn der neue Verfahrensteil wegfällt."

"Bürokratisches Monster"

Zur Lösung des Streits hatte Gabriel nach eigenen Angaben eine Klausel angeboten, die den Ländern gestattet hätte, die besonders strittige wasserrechtliche Zulassung aus dem neuen Recht herauszunehmen. Damit sei er "an die Grenze des nach dem Koalitionsvertrag noch Vertretbaren gegangen". Die CSU habe aber darauf bestanden, dass die Bundesländer weiter mit den bisherigen Genehmigungsverfahren arbeiten können. "Das wäre ein völlig unkalkulierbares bürokratisches Monster geworden." Deshalb habe er nun "die Reißleine ziehen müssen", bedauerte der SPD-Politiker.

Gabriel warf der Union vor, mit ihrem Veto der Wirtschaft und der Umwelt gleichermaßen zu schaden. "Gerade in Zeiten wie diesen braucht die Wirtschaft Erleichterungen für Investitionen und Abbau von bürokratischen Hindernissen." Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen sowie für Behörden hätte das Umweltgesetzbuch Erleichterungen gebracht. Die Neuordnung des deutschen Umweltrechts wurde im Koalitionsvertrag vom 11. November 2005 beschlossen. Der Bund hatte 2006 mit der Föderalismus-Reform die notwendigen Gesetzgebungskompetenzen erhalten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Nursery (02.02.2009, 09:29 Uhr)
CSU Supergau
Es zeigt sich immer mehr Seehofer betreibt Wahlkampf auf Kosten der Bürger und der Umwelt.Das sich die CSU in der Vergangenheit auch als Ökologische Partei versucht hat zu verkaufen ist mehr als peinlich.Es geht der CSU um Profil vor der Wahl noch zu gewinnen.Dabei braucht man nur dien Fainanzsektor in Bayern anschauen was diese Partei mit Ihren Hochtrabenden Plänen München als Finanzmetropole zu etablieren.Diese Partei hat jedes Vetrauen verspielt.Die Fakten sind das ein Vereinfachtes Umweltrecht auch von Brüssel gefordert wird und spätestens in den nächsten Monaten wieder Post von den Komissaren zu erwarten ist.
Dirk_37 (01.02.2009, 23:27 Uhr)
Enttäuschend!
Die neue Rechtsgrundlage UGB wäre in der Tat wohl kompliziert, jedoch wären einheitliche Standards auch im Interesse der Wirtschaft und der Umwelt. Kritiker haben jedoch bereits angemahnt, es gehe nicht weit genug ( Kuhn zB.), anderen war es zu kompliziert (BDI)...
Ich kann knilch59 schon verstehen, wenn er die Macht der Länder eklatant beschneiden will. Wir haben unsere "Volksvertreter" in den Kommunen,den Ländern, Berlin und auch in Brüssel sitzen. 2006 wäre eine echte Föderalismusreform mit der nötigen Mehrheit möglich gewesen, diese Chance ist bis auf weiteres vertan. Anzurechnen ist das den kleingeistigen Größen sowohl bei CDU als auch der SPD. Willkommen im Wahlkampf 2009! Blöd, blöder, Söder!
...
Und das ich, ein waschechter Bayer mit Liebe zur Heimat, sowas sage, sollte manchem CSU-Bonzen zu denken geben! MfG Dirk
DasBertl (01.02.2009, 16:20 Uhr)
@blacky007
Wie Sie schon richtig sagten: Es soll 10000 Gesetze, welche jetzt unübersichtlich in verschiedenen Zusatzabsätzen und quer verteilt über alle Gesetzbücher in eines Zusammenfassen. Das ist kein Monster, das schafft Übersichtlichkeit. Zudem soll es zu einer Vereinheitlichung der verschiedenen Gesetze der Länder beitragen (wobei einige Kompetenzen zur Anpassung nach wie vor bei den einzelnen Ländern lägen). Das was derzeit an Umweltgesetzen quer durch alle Bundesgesetze, Landesverfassungen und Landesgesetze verteilt ist, das ist ein Bürokratisches Monster. Es sollte ja schließlich zur Vereinfachung beitragen, genau das hat die CSU jetzt verhindert. Das selbst die FDP (Koalitionpartner der CSU in Bayern wohlgemerkt!) gegen die CSU schimpft und ihre Blockadehaltung als Skandal empfondet, sagt doch schon alles aus...
DasBertl (01.02.2009, 16:15 Uhr)
CSU CHAOS SELBSTSUCHT UNFÄHIGKEIT
Es ist doch immer das selbe mit dem Misthaufen aus unserm schönen Bayernland. Klar will die CSU das Bundesumweltgesetzbuch verhindern. Es könnte schliesslich bedeuten, sie dürften den Bayerischen Wald nicht mehr an die Holzindustrie verkaufen. Unser ehemaliger KonzerneVorDemVerbraucher-Schutzminister ist sowieso eine Katastrophe auf zwei Beinen. Wir erinnern uns an seine Ideale: "Für Deutschland sind Gentechnik und genmanipulierte landwirtschaftliche Erzeugnisse zwingend, aber für Bayern verbieten wir es" "Wir müssen den Verbaucher über die Schwarzen Schafe bei den Konzernen Informieren, aber nur wenn das schwarze Schaf das gestattet und der Verbaucher bis zu 500 Euro pro Information zahlt" "Der Verbraucher soll besser bescheid wissen, deshalb führen wir das Ampelsystem auf Lebensmittelverpackungen ein, aber nur wenn der Hersteller das wünscht". Noch mehr Beispiele? Drecksladen. Und ausgerechnet Markus Söder, unter Edmund Stoiber zuständig für die Ausrottung jeden Dialoges mit Andersdenkenden, ist Umweltminister. Mein Gott Bayern...
Blacky007 (01.02.2009, 16:10 Uhr)
@hevosenkuva - es ist ein Bürokratiemonster
Laut Informationen aus anderen Medien soll das Umweltgesetzbuch über 10.000 Gesetze zusammenfassen. Da ist Monster noch ein niedlicher Ausdruck!
knilch_59 (01.02.2009, 15:44 Uhr)
Uns geht es noch nicht schlecht genug!
.
Die Zeit ist noch nicht reif für ein „Umweltgesetzbuch“ – noch ist die Not nicht groß genug, dass umständliche, aber national einheitliche Regeln breiter akzeptiert werden als ein Wirrwarr von weniger komplizierten Regeln, aber unterschiedlich je nach Bundesland und Gemeinde.
.
Und, ganz wichtig für die Trickser und Täuscher aus Bayern bleibt, dass jederzeit gewährleistet sein muss, dass man die hehren Umweltabsichten laut rausschreien kann, aber dann die Bezirksregierung mit ihrer erprobten Spezlnwirtschaft die Ausnahmen genehmigen kann. So kann man sicherstellen, dass man bei Standortkonkurrenz mit großzügigeren Umweltauflagen wirtschaftliche Vorteile ziehen kann – System CSU.
.
Dieser Sch… Föderalismus, diese eiteln Landesfürsten, dieses egomanische Zores! Wann geht es uns endlich so schlecht, dass wir die Länder auflösen? Da lassen sich die wirklichen Mia-s einsparen: 17 Parlamente und Regierungen, 17 Vertretungen der Länder bei der EU. Eine Verfassungsreform würde binnen 15 Jahren rund die Hälfte des Beamtenapparates einsparen, der sich mit Vergleichs- und Doppelarbeiten unserer Bundesländer beschäftigt.
hevosenkuva (01.02.2009, 14:58 Uhr)
Schmutzige Wäsche statt echter Fakten
Diesem Artikel fehlen wesentliche Informationen: Ist das Umweltgesetzbuch tatsächlich ein Bürokratiemonster oder nicht? Blockiert Seehofer aus guten oder niedrigen(*) Beweggründen? In dieser Form ist der Artikel nicht viel mehr wert als einer der vielen hier über irgendwelche C-Promis und ihre Säcke voller Reis.

(* kennt man z.B. vom Verbraucherinformations-verhinderungs-gesetz, das er mit so viel Kraft wie ein Stück Butter im Toaster ausgestattet hat. Letztlich ist ein Konzernschutzgesetz herausgekommen.)

MEHR ZUM ARTIKEL
Kfz-Steuer Doch kein Rabatt für dicke Wagen

Im Koalitionsstreit über die Umstellung der Kfz-Steuer ist eine Einigung in Sicht. Nachdem Umweltminister Sigmar Gabriel Reformpläne abgelehnt hat, die große Autos mit hohem Spritverbrauch begünstigen, will die Union jetzt offenbar einen Kompromiss vorschlagen. mehr...

Wissenstest Sind Sie Umweltaktivist oder Ökosau?

Erderwärmung, Überschwemmungen, Hungersnöte: Der Klimawandel bedroht nicht nur unser Ökosystem, sondern gefährdet auch immer mehr Menschen. Testen Sie hier, wie weit Ihr Umweltbewusstsein schon gediehen ist. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe