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"Ich habe nichts zu verlieren"

Eine kleine, rothaarige CSU-Landrätin bringt Deutschland in Wallung. Erst stürzt Gabriele Pauli den bayerischen Ministerpräsidenten, dann zieht sie schwarze Latex-Handschuhe an und verkündet: Ich will mehr vom Leben! Ist diese Frau außerordentlich mutig? Oder hat sie einen Sockenschuss?

Von Arno Luik

  • Arno Luik

Frau Pauli, ich ...

Herr Luik, über ein paar Dinge möchte ich nicht mehr reden: über Beziehungen, mein Aussehen, ob der Rock zu kurz oder zu lang ist, die Haare zu rot sind, mir geht es um Inhalte ...

Ja?

Ja.

Tüll. Latex. Seide, rote Perücke, schwarz umrandete Augen - so lassen Sie sich fotografieren.

Warum auch nicht?

Weil es einfach peinlich ist.

Mal langsam. Die Leute von der "Park Avenue", wo diese Bilder vergangene Woche erschienen sind, hatten zu mir gesagt, sie wollten ein freundliches, ein nettes Bild von mir in die Öffentlichkeit bringen. Nichts dagegen. Sie zeigten mir nette Geschichten von anderen Politikern. Politik menschlich - so war der Anspruch, Politiker nicht als leblose Sprechautomaten. Der Gedanke gefiel mir. Ich meine, ich bin doch ein Mensch - und diesen Menschen will ich nicht, wie es bis zum Abwinken üblich ist, hinter der Maske des Politprofis verstecken. Und das Fotoshooting machte mir Spaß. Es war kurz nach Aschermittwoch...

...wo Sie in Passau von Stoiber-Anhängern ausgepfiffen worden waren.

Ja, das Fotoshooting war Abwechslung, etwas Entspannung, etwas Ablenkung vom Stress. Und ich gebe es gern zu: Es macht auch Spaß, so ein Fotoshooting mal zu erleben. Das ist ja eine fremde Welt für mich - und ich habe nichts dagegen, diese kennenzulernen. Weniger spaßig war, was sich aus all dem entwickelt hat, wie nun über mich geredet wird.

Aber, mit Verlaub, man muss doch einen Sockenschuss haben, sich so in Szene zu setzen.

Wieso denn?

Denken Sie mal nach.

Keine Sorgen, das mache ich. Ich seh das so: Vielleicht ist es eher peinlich, was sich in den Köpfen der vorwiegend männlichen Journalisten abspielt? Was für Fantasien die plötzlich entwickeln! Und die Bilder waren seriös. Künstlerisch. Ästhetisch. Da ist nichts Verruchtes dran, sie sind meditativ, sie haben Niveau, sind romantisch. Unseriös ist die Präsentation im Heft, die Auswahl der Bilder, ich hatte sie zuvor nicht gesehen.

Moment mal, die Macher der Zeitschrift sehen das anders. Alle Bilder, die gedruckt wurden, haben Sie während der Fotoproduktion schon am Bildschirm gesehen - und Sie fanden alle toll, kurz: Die Redaktion hat sich korrekt verhalten.

Ich habe da eine andere Meinung, ich will mich aber jetzt nicht mit Ihnen rumstreiten. Das werden nun die Anwälte klären.

Frau Pauli, Sie sind Landrätin, Sie wollen in die hohe Politik - da streifen Sie sich schwarze Latex-Handschuhe über? Zurückhaltung, Scham und ...

... und was? Die schwarzen Handschuhe waren einfach ein Accessoire, eine Requisite, unseriös wurde es erst durch diese dreiste Kombination von Bild und Wort. Das ist Boulevard.

Das ist der Stoff, den Sie bieten. Und eines haben Sie damit sicherlich erreicht: Stoiber wird in den letzten Tagen heftig gelacht haben.

Soll Stoiber doch lachen, da steh ich drüber.

Wirklich? Er höhnt ja nun über Sie, sagt, was er vor Kurzem nie gewagt hätte, dass Sie der Partei mit ihrer "Selbstdarstellung" nur schaden, im Klartext: Er will, dass Sie die CSU verlassen.

Schwarze Handschuhe, ich fahre Motorrad - sind das Gründe, um eine Partei zu verlassen? Leben wir im Mittelalter? Es ist doch alles aufgebauscht, und Stoiber und all die anderen sollten sich beruhigen.

Danach sieht es nicht aus: Sie haben ihn abgeschossen, nun haben Sie sich selbst abgeschossen.

Ich glaube nicht, dass ich mich abgeschossen haben soll. Warum denn auch?

So wie der SPD-Politiker Rudolf Scharping sich vor ein paar Jahren mit seinen "Bin- Baden-Bildern" von einer Planscherei am Pool erledigte, so sind Sie nun ein erledigter Fall.

Nun mal langsam. Abwarten! Ich habe in meinem Leben gelernt, dass vieles, was negativ erschien, sich ins Positive wendet. Ich ruhe da in mir. Das wirft mich nicht aus der Bahn. Anderes ist mir wichtiger: die Erneuerung der CSU, dafür trete ich ein.

Bein, Mini, Dekolleté - das sind Ihre Waffen im politischen Nahkampf.

Einem Mann würde Sie doch nie mit solchen Sätzen kommen. Es geht mir, ich sagte es schon, um Inhalte.

Neulich bekamen Sie einen Preis von SPD-Frauen verliehen. Sie trugen dabei "einen weißen Hosenanzug", notierte die "Süddeutsche", "eine rote Bluse" sah die "FAZ" - das Äußere scheint bei Ihnen wichtig zu sein.

Ja, ja, ja. Die Verpackung. Ich habe nie verheimlicht, dass ich eine Frau bin, ich verstecke meine Weiblichkeit nicht. Ich habe dazu keinen Grund.

Nein, Sie spielen ja ständig mit Ihren Reizen. Ein Bild auf Ihrer Homepage zeigt, wie Sie sich auf einem Motorrad rekeln, rothaarig und in schwarzer Lederkluft.

Ich fahre halt gern Motorrad, das gehört zu mir, ich mache das seit mehr als zehn Jahren. Mir gefällt die Kraft dieser Ducati, die Beschleunigung, wie sicher ich mit dieser Maschine überholen kann. Ich rekele mich übrigens nicht, ich muss mich so hinstellen, damit das Ding nicht umfällt. Aber wenn eine Frau gut aussieht, wird ihr böswillig unterstellt, sie will sich inszenieren.

Also das, was Sie so lustvoll machen.

Herr Luik, ich bitte Sie! Die Medien beobachten jeden Schritt von mir, aber ich werde mich nicht von ihnen verunsichern lassen. Kann ich denn etwas dafür, dass die Menschen eher hinhören, wenn man optisch etwas hermacht?

Vielleicht ist es ja tatsächlich so, vielleicht wäre Edmund Stoiber noch lange in Amt und Würden, wenn Sie ein alter Landrat wären, 20 Kilo schwerer und eine Glatze hätten.

Ich weiß nicht, das mag sein. Eine schöne Verpackung hilft beim Verkauf einer Botschaft. Andererseits: Mit meiner Forderung, Stoiber solle 2008 nicht mehr als Ministerpräsident antreten, habe ich eine Stimmung aufgegriffen, die in Bayern ja da war. Ich wusste, dass es gegen Stoiber grummelt, das habe ich dann ins Rollen gebracht.

Sie haben den Kaiser gestürzt, aber in der CSU, machen Sie sich nichts vor, werden Sie nichts mehr.

Wie kommen Sie bloß da drauf? Wegen dieser Bilder?

Die wichtigen Männer - Beckstein, Huber und Seehofer - sagen allesamt: Pauli? Nein danke!

Mal abwarten, mal sehen. Es gibt einige, die ihre Macht erhalten wollen. Die Repräsentanten der traditionellen CSU. Aber sind sie die ganze Partei? Ich spüre, dass ich Unterstützung kriege und ...

... der Generalsekretär Söder fordert Sie auf, Ihre Ämter in der Partei niederzulegen. Für ihn sind Sie nur noch die "Tatjana Gsell der CSU", also eine Skandalnudel.

Söder. Auf so ein Niveau begebe ich mich nicht. Nein, schauen Sie doch mal in meine Homepage rein, was ich für Briefe bekomme! "Machen Sie weiter! Wir brauchen Sie!" Das sind Bitten, nein, Aufforderungen! Viele CSU-Mitglieder setzen auf mich, sie hoffen, dass ich weitermache, Ortsvorsitzende schreiben mir und ...

... und einer Ihrer größten Förderer, MdL Günter Gabsteiger, der Ihnen 1990 zum Amt der Landrätin in Fürth verhalf, sagt heute, ihm drehe sich "der Magen rum", wenn er an Sie denkt: Ihr Sündenregister sei lang. Schon mit Ihrem Karnevalsauftritt als Unschuldsengel, der an einer Stoiber-Figur rummacht, hätten Sie "das Band zur CSU endgültig zerrissen".

Na ja, vielleicht hat Herr Gabsteiger ein Problem damit, dass ich Landrätin bin. Nicht er hat mir zu diesem Amt verholfen, das waren meine Wähler. Dieser Karnevalsauftritt war doch lustig. Ich meine, das war Fasching! Da lacht man! Die Idee zu dieser Kostümierung hatte ich spontan. Und dann setzte sich eine Stoiber-Figur zu mir, ich habe diesen Stoiber-Imitator an den Ohren gezogen, ja, mein Gott, man kann es doch auch so sehen: Die zwei verstehen sich wieder, haben sich versöhnt.

Sehen Sie das tatsächlich so?

Ja.

Noch etwas regt die CSU-Chefs gewaltig auf: Am 23. April stellen Sie in München ein Hohn- und Spottbuch über Stoiber vor, ein Buch mit dem Titel: "Äh...dmund Stoibär".

In diesem Buch sind die besten Karikaturisten Deutschlands versammelt. Karikaturen sind Kunst. Mit meinem Auftritt verletze ich niemanden. Man muss doch über den Dingen stehen können, auch mal lachen können - über sich, dieses ganze Theater. Und wer sich wegen dieser Aktion über mich beklagt, das sind doch jene, die möchten, dass ich mit der Politik aufhöre, dass ich ruhig bin.

Sie haben eine einfache Sicht der Dinge: Was Sie machen, das ist immer richtig.

Nein. Aber mir wird immer so viel unterstellt, das mache ich aus Berechnung, heißt es, das tue ich, weil ich auf einem Egotrip bin, es heißt, ich suche die Publicity, ich brauche die Kameras. Unsinn. Ich handle nicht nach einem festgelegten Strategieplan. Wissen Sie, viele wollen sich jetzt mir als Berater andienen, sie sagen mir, wie ich mit ihnen nach oben und noch weiter käme, wie ich an gute Jobs in der Industrie käme, wie ich mich dafür verhalten soll. Nein, das brauche ich alles nicht, ich agiere autark, ich mache, was ich für richtig halte - und so wie die letzten Monate gelaufen sind, ist es doch gut. Edmund Stoiber legt seine Ämter vorzeitig nieder - das ist die Chance für die CSU, sich in Stil und Inhalt zu ändern und ...

Sie verkünden Ihren Abschied als Land- rätin und tönen: Ich bin für höhere Aufgaben bereit. Frau Ministerin Pauli - ist es das, was Sie wollen?

Höher heißt: Kabinett. Ja, warum auch nicht? Ich habe in letzter Zeit gemerkt, dass viele, die oben in der Politik mitmischen, einfach gestrickt sind. Man trifft wichtige Menschen, die im öffentlichen Leben viel darstellen, spürt aber, wie sie mit sich selbst kämpfen, in ihrem Innersten uneins mit sich sind, unausgegoren. Die Politik braucht gute Leute und ...

Sie sind das: gut?

Ich weiß, dass die Menschen mir und meiner Arbeit vertrauen. Bei jeder Wahl zur Landrätin ist mein Stimmenanteil gestiegen. Ich glaube schon, dass ich jemand bin, der der CSU neue Impulse geben kann. Das System Stoiber existiert ja noch, das alte Denken herrscht ja noch. Dieses abgekoppelte Machtzentrum muss aufgebrochen werden, wir müssen wieder näher ran an die Basis, und zwar schnell.

Sie reden, als ob die CSU vorm Ende steht.

Nein, das tut sie nicht. Sie steht am Anfang einer neuen Zeit. Aber dafür muss sie sich öffnen - bei der Familienpolitik, beim Thema Ehegattensplitting muss sie sich bewegen, beim Umweltschutz, der Schulpolitik, das Frauenbild muss moderner werden.

Sie sind, was für die CSU eigentlich unakzeptabel ist, zweimal geschieden, haben einen neuen Freund und ...

Ich muss dazu jetzt nichts sagen. Ehe ist wichtig. Aber das klassische Ehemodell passt nicht für jeden. Ich sehe das aufgrund meiner Lebenserfahrung eher so, dass man für bestimmte Lebensphasen den dafür passenden Partner findet. Manche in der CSU haben damit vielleicht noch ihre Probleme.

Am 28. September wird Edmund Stoiber 66, an diesem Tag beginnt der CSU-Parteitag, die Delegierten werden dem scheidenden Vorsitzenden zujubeln - und Sie vielleicht, nein, wahrscheinlich, als Mitglied des Parteivorstands kippen.

Mal abwarten, das wird ein spannender Parteitag. Wir haben über 1000 Delegierte. Wie sehen sie mich? Anders als die Herren da oben? Ich denke schon, dass meine Ideen und Gedanken für die CSU wichtig sind, vielleicht trete ich ja an als CSU-Vize.

Thomas Goppel, ein mächtiger Strippen- zieher der CSU, sagt dazu: "Wenn die als Vize antritt, dann trete ich auch an!"

Er will mich, wie er ja auch noch sagt, "mit aller Macht" verhindern. Die Parteiführung, Beckstein, Huber, Seehofer, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass ich Wählerschichten vertrete, die wichtig für die CSU sind. Und wenn mich die CSU-Spitze weiterhin so erbarmungslos attackiert, mich unter den Teppich kehren will, sehen andere, wie man mit Kritikern umspringt. Die Herren regen sich auf, weil ich im Fasching als Engelchen aufgetreten bin? Nein, Beckstein hat sich köstlich amüsiert. Regen die Herren sich wegen zweier schwarzer Handschuhe auf? Nein, sie regen sich auf, weil sie gespürt haben, dass eine ziemliche Macht ausgeht von dem, was ich gesagt habe. Sie haben Angst um ihren Einfluss.

Kann es sein, dass Sie einem Realitätsverlust erlegen sind, dass Sie sich überschätzen?

Nein.

Aber wer will Sie noch? Vor Kurzem wurden Sie in den Zeitungen "Mutter Courage" oder "Jeanne d'Arc" genannt, als "die schöne Landrätin" gefeiert, jetzt werden Sie als "Hexe" abgemeiert, verspottet als eine, "die ihre Schuldigkeit getan hat".

Ich sehe das ziemlich entspannt. Die Medien spielen gerne mit Menschen. Sie schreiben einen hoch, sie schreiben einen runter - vielleicht macht das sogar noch mehr Spaß.

Michael Spreng, intimer Kenner der CSU, spöttelt über Sie: "Sie strebt nach höheren Ämtern, aber keiner wird sie erhören. In spätestens zwei Jahren hat der Politikbetrieb sie vergessen. Sie wird vielleicht noch Zeitung lesen, aber nicht mehr darin vorkommen."

Herr Spreng? Was erwarten Sie von ihm? Er war Berater im Bundestagswahlkampf von Stoiber, den er verloren hat. Ich staune auch, wie sicher Herr Spreng in die Zukunft blicken kann. Denn: Wer hätte vor Kurzem gedacht, dass Edmund Stoiber seinen Abschied verkündet? Mir geht es wirklich nicht, so glauben Sie mir doch endlich, um die Befriedigung meiner Eitelkeit. Mein Lebensglück hängt auch nicht davon ab, ob ich in den Zeitungen vorkomme. Meine Berufsplanung heißt nicht: Wie stehe ich im Rampenlicht? Wie sehe ich aus? Nein. Ich will in der CSU etwas bewegen.

Angenommen Sie fliegen im September aus dem Parteivorstand, dann ...

... fände ich das schade. Aber abwarten. Die CSU ist meine Heimat. Ich möchte in der CSU bleiben und wirken. Aber ich hatte neulich ein interessantes Gespräch mit Herrn Aiwanger von den Freien Wählern. Er sprach von einem Pauli-Faktor. Er glaubt, mit mir kämen die Freien Wähler über die Fünf-Prozent-Hürde und ...

... plötzlich wäre Ihr großer Traum wahr: Sie säßen am Kabinettstisch.

Das ist - hypothetisch - ein Weg. Und bedenkenswert. Ich setzte allerdings darauf, dass die CSU-Oberen mir gegenüber eine Kehrtwende hinkriegen. Sie sollten wissen: Wenn sie mich ausgrenzen, dienen sie der Partei nicht. Sie schaden ihr.

Sie haben eine weiche Stimme, Frau Pauli, aber Sie sind verdammt hart.

Warum denn? Ich versuche einfach, einen geraden Weg zu gehen. Ich stehe zu meinen Überzeugungen. Ohne taktische Hintergedanken. Ohne strategische Winkelzüge. Und ich glaube, diesen etwas anderen, diesen ehrlicheren Ton im Politikbetrieb registrieren und schätzen die Bürger.

Was meinen Sie mit diesen Worten?

Ich will und kann das gar nicht so genau ausdiskutieren. Das kommt von innen heraus, tief aus dem eigenen Ich. Ich handle, ja, so ist es wohl, angstfrei. Denn ich agiere ohne karrieristisches Kalkül. Ich muss nichts erreichen. Was passiert, passiert.

Sie haben gut reden: Sie werden demnächst 50, und wenn Sie als Landrätin zurücktreten, bekommen Sie eine üppige Rente, knapp 4000 Euro monatlich. Ein normaler Arbeitnehmer muss dafür 150 Jahre arbeiten.

Ja, das stimmt. Ich werde Sie wahrscheinlich nicht überzeugen können, dass mein Wohlgefühl nicht von Materiellem abhängt. Aber dass Sie diese Zahl kennen, ist ja kein Zufall. Ich habe in den vergangenen Monaten einiges über den Politikbetrieb kennengelernt. Es ist schon interessant, zu erfahren, wie eng dieses Zusammen- spiel zwischen Medien und Politikern ist, wie Nachrichten, Schlagzeilen, Kampagnen entstehen, wie bereitwillig sich manche Journalisten zu Werkzeugen machen lassen. Eins habe ich in diesen Monaten gelernt: Man muss misstrauisch sein - nicht nur bei der Bayerischen Staatskanzlei, auch bei den Medien. Was ich an Rente bekomme, diese Zahl haben Parteifreunde lanciert. Ein kleiner, böser Stich, um meinen Ruf zu ramponieren. Aber ich gehe nicht in Rente, ich suche eine neue politische Herausforderung.

Warum sind Sie in die CSU eingetreten?

Das war schon immer meine Partei, da wird sich nichts dran ändern, sie ist meine Heimat, ich fühle mich da seit 30 Jahren wohl.

Ja?

Ja.

Aber wie konnten Sie in den 1970ern zu einer Partei gehen mit diesem ultrakonservativen Frauenbild: Küche, Kinder, Kirche.

Ich habe damals über das Frauenbild nicht nachgedacht. Für mich war es nicht wichtig, ob ich Frau oder Mann bin. Ich habe einfach mitgemacht, mich eingemischt, so war ich. Ich war immer politisch engagiert: Klassensprecherin, Schülersprecherin. Mir gefiel das praktische Denken in der Jungen Union. Die Jusos haben damals nur langweilige Papiere geschrieben, sie wollten den Staat verändern, die radikalen Linken wollten Großes, die Weltrevolution, ich wollte Konkretes.

Wenn man alte Bilder von Ihnen anschaut, sieht man ein dunkelhaariges Mädchen, das - für die 70er Jahre - sehr brav und überaus bieder wirkt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie "Satisfaction" von den Rolling Stones hörten, dass Sie nach London oder Paris trampten, mal am Joint zogen.

Nein, ich war nicht aufmüpfig. Ich habe meinen Eltern keine Probleme gemacht. Warum auch? Ich war nicht flippig, ich wollte in der Schule gut sein, ich bin nicht rumgetrampt. Ich hatte mein Mofa. Für mich war alles sehr in Ordnung. Rebelliert habe ich mit der Jungen Union - gegen die SPD. Wir haben damals eine Zeitung gegründet, das "Zirndorfer Blatt", ich war die Chefredakteurin, es war eine schöne Zeit. Ständig haben wir den Stadtrat mit Anträgen bombardiert, da haben wir uns ausgetobt.

Ein paar Kilometer von Ihnen entfernt legten sich Ihre Alterskameraden mit der Staatsmacht an, demonstrierten gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf, schlugen sich mit der Polizei.

Ja. Nichts für mich. Ich hatte die SPD vor Augen, die den Raum Nürnberg beherrschte. Dagegen habe ich angekämpft. Da habe ich gelernt, dass man für seine Ziele einen langen Atem braucht.

Was sind Ihre Ziele, ist Ihr Traum vom Leben?

Dass ich in meinem Inneren total unabhängig bin von allem. Ich bin auf dem Weg dorthin, und ich habe keine Angst, etwas zu verlieren. Denn ich habe nichts zu verlieren.

Aha.

Ja. Ich habe alles in mir - und das kann mir keiner nehmen.

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