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21. November 2007, 15:54 Uhr

Die Rebellin verlässt die CSU

Gabriele Pauli hat maßgeblich zum Sturz von Edmund Stoiber beigetragen. Nun gibt die umstrittene Fürther Landrätin ihren Partei-Austritt bekannt. Es gehe um die Art und Weise, wie die Partei mit ihr umgehe, sagte sie. Der Führungsriege warf sie Respektlosigkeit und Intoleranz vor.

Sie verlässt die CSU: Die Fürther Landrätin Gabriele Pauli© Friedrich Rothermel/AP

Die Fürther Landrätin und CSU-Rebellin Gabriele Pauli verlässt die Partei. "Ich trete aus der CSU aus", sagte die Politikerin der Zeitschrift "Vanity Fair". "Mein Austritt ist die Konsequenz des vergangenen Jahres", erklärte Pauli, die maßgeblich zum Sturz des früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber beigetragen hatte. In dem Interview äußerte sie sich erzürnt über die Profiteure der von ihr angezettelten Parteirevolte.

"Ich gehe nicht, weil ich die Wahl zur Parteivorsitzenden verloren habe, sondern wegen der Art und Weise, wie man sich mir gegenüber verhalten hat." Da der neue Parteivorsitzende Erwin Huber seit Monaten nicht auf sie zugekommen oder auf ihre Vorstellungen und Forderungen eingegangen sei, habe sie sich zu diesem Schritt entschlossen. Pauli hatte im Herbst erfolglos gegen Huber und Bundesagrarminister Horst Seehofer für den CSU-Vorsitz kandidiert.

"Die hatten Angst nicht mehr mithalten zu können"

Sie warf zum Abschied aus der Partei, die sie mit Fotos in Latexhandschuh und mit politischen Vorschlägen zu einer Ehe auf Zeit immer wieder gereizt hatte, der jetzigen Führung Intoleranz vor. "Diese Herren haben keinen Respekt und keine Scheu, meine Meinung zu unterdrücken." Sie fühle sich zudem vom neuen Ministerpräsidenten Günther Beckstein ausgenutzt. "Auch Beckstein war nicht damit einverstanden, dass er (Stoiber) noch einmal antritt".

Außerdem hätten die Männer an der Parteispitze nach wie vor mit ihrer Rolle als Frau Probleme. "Natürlich ist es für die Herren von der CSU leichter mit Frauen, die sich unterordnen", sagte sie. "Mit mir hatten sie es schwerer. Die hatten Angst, nicht mehr mithalten zu können. Wenn man nicht nur Kompetenz, sondern auch Ausstrahlung hat, dann verunsichert das."

Pauli bleibt politisch aktiv

Die Politikerin, die zur nächsten Landratswahl nicht mehr antritt, will sich allerdings auch außerhalb der CSU weiter politisch betätigen. "Ich möchte einen Kreis von Menschen finden, der für eine Politik der Offenheit steht, um einem neuen Denken, dass sich viele ersehnen, Kraft zu verleihen."

Die bayerischen Grünen zeigen sich offen für die Landrätin. "Wenn sie bei einer Partei eintreten will, die keine Probleme mit modernen Frauen hat und über eine offene Diskussionskultur verfügt, ist sie bei uns herzlich willkommen", sagte der bayerische Grünen-Sprecher Alexander Burger. Die Partei werde aber nicht aktiv um sie werben. "Wir werden ihr jetzt kein Aufnahmeformular zuschicken, tun das aber gerne falls sie Interesse signalisiert."

Pauli hatte Ende vergangenen Jahres das Ende der Ära Stoiber eingeleitet als sie der Staatskanzlei vorwarf, ihr Privatleben auszuspionieren. Ihrer Forderung nach einem Rückzug Stoibers schlossen sich wenig später auch Teile der CSU-Landtagsfraktion an. Stoiber kündigte schließlich Mitte Januar seinen Rücktritt zu Ende September an.

AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
germinal (21.11.2007, 19:55 Uhr)
DIE Geschäftsidee!
Die sympathische Frau Pauli sollte Ihre eigene Partei gründen unter dem Namen "Keiner von denen". Die steht dann bei den nächsten Bundestagswahlen ganz unten auf dem Wahlzettel, und dann holt sie auf Anhieb die absolute Mehrheit.
H.P. (21.11.2007, 18:52 Uhr)
Frau Pauli musste wissen was auf sie zukommt
wer austeilt muss damit rechen selbst angegriffen zu werden, selbst wenn die angebrachten Argumente von ihr Sinn machten, sie hätte es wissen müssen und weiter kämpfen müssen, nun hat sie aufgegeben. Ich hatte mehr Kampfgeist und Durchhaltevermögen von ihr erwartet. Schade um eine so nette und mutige Frau.
maindelfin (21.11.2007, 18:30 Uhr)
nicht mehr wählbar
Eine Partei, die mit engagierten Leuten so umgeht wie es die CSU macht, ist schlichtweg nicht mehr wählbar!!! Eine Partei, die sich "demokratisch" nennt, darf sich so ein Vorgehen einfach nicht leisten. "Christlich" ist diese Partei ja schon Jahrzehnte nicht mehr. Ganz zu schweigen von "sozial"!! In dieser Partei sind kritische und moderne Stimmen nicht erwünscht. Nirgendwo in Deutschland wird soviel Schleim produziert wie in dieser sog. "Partei". Für die CSU ist der Austritt von Frau Pauli ein riesengroßer Verlust. Wer das nicht erkennt ist einfach nur blind! Aufgrund des stattgefundenen Mobbings ist der Schritt von Frau Dr. Pauli aber der einzig richtige. Mal sehen, wie es mit ihr weitergeht. Es wird vielleicht ein wenig dauern aber sie kommt sicher wieder aufs politische Parkett zurück. Und darauf dürfen sich alle freuen, die keine CSU-Schleimspur hinter sich herziehen!!
D_C_M (21.11.2007, 18:25 Uhr)
Aufmüpfigkeit wird bestraft !!
Tja so ist das nun einmal wer was sagen tut, wird gnadenlos ausgebootet. Wer nicht mit den Wölfen heult, der hat halt das Nachsehen. Aber Frau Pauli, es gibt noch andere Parteien, die nur auf Sie warten.
starmax (21.11.2007, 18:13 Uhr)
Man liebt den Verrat, nicht den Verräter
..war nie anders. Und dann der Neidkomplex...
bR4iNST0RM (21.11.2007, 17:58 Uhr)
Richtig gehandelt!
Frau Pauli hat sich richtig Entschieden! Schade aber Richtig! Einige Vorposter haben es schon erkannt: wer denkt verliert! Aber das ist in der Politik generell der Fall.
Das Böse braucht das Schweigen der Mehrheit. Das macht Deutschland zur Zeit bravourös vor!
RomanTicker (21.11.2007, 17:54 Uhr)
Nichts gegen Frau Pauli, aber
Man (und Frau auch nicht) kann nicht in eine Partei eintreten, die hohen Wert auf den Erhalt von Werten und Strukturen legt, und dann als Jüngling oben mitmischen wollen. In der CSU muss man sich erst mal bewähren. Ich persönlich bin zwar nicht gerade ein Fan der Partei und auc nicht so erzkonservativ, aber trotzdem macht die Partei vieles richtig. Die allgemeine Situation in Bayern, wo ja seit Ewigkeiten die CSU die Landespolitik bestimmt, ist schließlich etwas besser als in Gesamtdeutschland. Das weiß ich als Nicht-Bayer respektvoll anzuerkennen. Es ist auch vollkommen richtig, dass die Parteiführung nicht auf eine Wichtigtuerin hört, die plötzlich ganz oben mitmischen möchte, ohne jemals etwas geleistet zu haben. Es wäre sogar gefährlich, sich dem Jugendwahn zu verschreiben.
CheSmittyVara (21.11.2007, 17:38 Uhr)
Auch ich...
habe nach 27 Jahren Mitgliedschaft in dieser Partei vor einigen Wochen meinen Austritt erklärt.
Die verknöcherten Strukturen dort funktionieren nur noch unter den Mandatsträgern (und oft nicht mal mehr dort), die Mitglieder zählen nichts.
Die untreitigen Peinlichkeiten dieser Dame, deren Mut ich aber nach wie vor bewundere, hätten sie aber schon lange diese Konsequenz ziehen lassen müssen. Der Ansatz war gut, aber dann ging es extrem steil nach unten, schade.
Schnaafpaaf (21.11.2007, 17:02 Uhr)
Durch SelbstÜBERschätzung
und FALSCHeinschätzung der Resonanz für ihre Kampagnen bei den bayerischen Gemütsmenschen hat Frau Pauli sich grandios selbst versenkt!
Schade, dass ihr dafür immer noch die Einsicht fehlt.
magic_whispering (21.11.2007, 16:47 Uhr)
Ich finde es auch schade
daß eine Partei, der alten Säcke und Doppelmoralartisten es geschafft haben jemanden hinaus zu buhlen, der durchaus ein frischer Wind hätte sein können.
Das ist aber in der Politik so, dieses frische Lüftchen will man gar nicht.
Man verbringt lieber sein Politikerdasein in einem verstaubten modrig riechenden Kabuff als gute unverbrauchte Luft hereinzulassen.
Wo kämen wir denn dahin wenn man die Welt auf den Kopf stellt, wir müssen ja noch verdauen zu erkennen, dass die Erde keine Scheibe ist auch wenn es Jahrhunderte her ist.
Unsere Altherrenriege ist im Schwafeln spitze, aber im fortschrittlichen Denken eine eingerostete Bremse.
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