Eine kleine, rothaarige CSU-Landrätin bringt Deutschland in Wallung. Erst stürzt Gabriele Pauli den bayerischen Ministerpräsidenten, dann zieht sie schwarze Latex-Handschuhe an und verkündet: Ich will mehr vom Leben! Ist diese Frau außerordentlich mutig? Oder hat sie einen Sockenschuss? Von Arno Luik

Gabriele Pauli, 49, ist seit 1990 Landrätin in Fürth. Ihre Lust an exzentrischen Auftritten macht sie zur umstrittensten Politikerin Deutschlands. Die CSU-Chefs wären froh, wenn sie die Unberechenbare los wären© Enno Kapitza
Herr Luik, über ein paar Dinge möchte ich nicht mehr reden: über Beziehungen, mein Aussehen, ob der Rock zu kurz oder zu lang ist, die Haare zu rot sind, mir geht es um Inhalte ...
Ja.
Warum auch nicht?
Mal langsam. Die Leute von der "Park Avenue", wo diese Bilder vergangene Woche erschienen sind, hatten zu mir gesagt, sie wollten ein freundliches, ein nettes Bild von mir in die Öffentlichkeit bringen. Nichts dagegen. Sie zeigten mir nette Geschichten von anderen Politikern. Politik menschlich - so war der Anspruch, Politiker nicht als leblose Sprechautomaten. Der Gedanke gefiel mir. Ich meine, ich bin doch ein Mensch - und diesen Menschen will ich nicht, wie es bis zum Abwinken üblich ist, hinter der Maske des Politprofis verstecken. Und das Fotoshooting machte mir Spaß. Es war kurz nach Aschermittwoch...
Ja, das Fotoshooting war Abwechslung, etwas Entspannung, etwas Ablenkung vom Stress. Und ich gebe es gern zu: Es macht auch Spaß, so ein Fotoshooting mal zu erleben. Das ist ja eine fremde Welt für mich - und ich habe nichts dagegen, diese kennenzulernen. Weniger spaßig war, was sich aus all dem entwickelt hat, wie nun über mich geredet wird.
Wieso denn?
Keine Sorgen, das mache ich. Ich seh das so: Vielleicht ist es eher peinlich, was sich in den Köpfen der vorwiegend männlichen Journalisten abspielt? Was für Fantasien die plötzlich entwickeln! Und die Bilder waren seriös. Künstlerisch. Ästhetisch. Da ist nichts Verruchtes dran, sie sind meditativ, sie haben Niveau, sind romantisch. Unseriös ist die Präsentation im Heft, die Auswahl der Bilder, ich hatte sie zuvor nicht gesehen.
Ich habe da eine andere Meinung, ich will mich aber jetzt nicht mit Ihnen rumstreiten. Das werden nun die Anwälte klären.
... und was? Die schwarzen Handschuhe waren einfach ein Accessoire, eine Requisite, unseriös wurde es erst durch diese dreiste Kombination von Bild und Wort. Das ist Boulevard.
Soll Stoiber doch lachen, da steh ich drüber.
Schwarze Handschuhe, ich fahre Motorrad - sind das Gründe, um eine Partei zu verlassen? Leben wir im Mittelalter? Es ist doch alles aufgebauscht, und Stoiber und all die anderen sollten sich beruhigen.
Ich glaube nicht, dass ich mich abgeschossen haben soll. Warum denn auch?
Nun mal langsam. Abwarten! Ich habe in meinem Leben gelernt, dass vieles, was negativ erschien, sich ins Positive wendet. Ich ruhe da in mir. Das wirft mich nicht aus der Bahn. Anderes ist mir wichtiger: die Erneuerung der CSU, dafür trete ich ein.
Einem Mann würde Sie doch nie mit solchen Sätzen kommen. Es geht mir, ich sagte es schon, um Inhalte.
Ja, ja, ja. Die Verpackung. Ich habe nie verheimlicht, dass ich eine Frau bin, ich verstecke meine Weiblichkeit nicht. Ich habe dazu keinen Grund.
Übernommen aus ...
Ausgabe 15/2007