"Ich habe nichts zu verlieren"

15. April 2007, 10:16 Uhr

Eine kleine, rothaarige CSU-Landrätin bringt Deutschland in Wallung. Erst stürzt Gabriele Pauli den bayerischen Ministerpräsidenten, dann zieht sie schwarze Latex-Handschuhe an und verkündet: Ich will mehr vom Leben! Ist diese Frau außerordentlich mutig? Oder hat sie einen Sockenschuss? Von Arno Luik

Gabriele Pauli, 49, ist seit 1990 Landrätin in Fürth. Ihre Lust an exzentrischen Auftritten macht sie zur umstrittensten Politikerin Deutschlands. Die CSU-Chefs wären froh, wenn sie die Unberechenbare los wären©

Frau Pauli, ich ...

Herr Luik, über ein paar Dinge möchte ich nicht mehr reden: über Beziehungen, mein Aussehen, ob der Rock zu kurz oder zu lang ist, die Haare zu rot sind, mir geht es um Inhalte ...

Ja?

Ja.

Tüll. Latex. Seide, rote Perücke, schwarz umrandete Augen - so lassen Sie sich fotografieren.

Warum auch nicht?

Weil es einfach peinlich ist.

Mal langsam. Die Leute von der "Park Avenue", wo diese Bilder vergangene Woche erschienen sind, hatten zu mir gesagt, sie wollten ein freundliches, ein nettes Bild von mir in die Öffentlichkeit bringen. Nichts dagegen. Sie zeigten mir nette Geschichten von anderen Politikern. Politik menschlich - so war der Anspruch, Politiker nicht als leblose Sprechautomaten. Der Gedanke gefiel mir. Ich meine, ich bin doch ein Mensch - und diesen Menschen will ich nicht, wie es bis zum Abwinken üblich ist, hinter der Maske des Politprofis verstecken. Und das Fotoshooting machte mir Spaß. Es war kurz nach Aschermittwoch...

...wo Sie in Passau von Stoiber-Anhängern ausgepfiffen worden waren.

Ja, das Fotoshooting war Abwechslung, etwas Entspannung, etwas Ablenkung vom Stress. Und ich gebe es gern zu: Es macht auch Spaß, so ein Fotoshooting mal zu erleben. Das ist ja eine fremde Welt für mich - und ich habe nichts dagegen, diese kennenzulernen. Weniger spaßig war, was sich aus all dem entwickelt hat, wie nun über mich geredet wird.

Aber, mit Verlaub, man muss doch einen Sockenschuss haben, sich so in Szene zu setzen.

Wieso denn?

Denken Sie mal nach.

Keine Sorgen, das mache ich. Ich seh das so: Vielleicht ist es eher peinlich, was sich in den Köpfen der vorwiegend männlichen Journalisten abspielt? Was für Fantasien die plötzlich entwickeln! Und die Bilder waren seriös. Künstlerisch. Ästhetisch. Da ist nichts Verruchtes dran, sie sind meditativ, sie haben Niveau, sind romantisch. Unseriös ist die Präsentation im Heft, die Auswahl der Bilder, ich hatte sie zuvor nicht gesehen.

Moment mal, die Macher der Zeitschrift sehen das anders. Alle Bilder, die gedruckt wurden, haben Sie während der Fotoproduktion schon am Bildschirm gesehen - und Sie fanden alle toll, kurz: Die Redaktion hat sich korrekt verhalten.

Ich habe da eine andere Meinung, ich will mich aber jetzt nicht mit Ihnen rumstreiten. Das werden nun die Anwälte klären.

Frau Pauli, Sie sind Landrätin, Sie wollen in die hohe Politik - da streifen Sie sich schwarze Latex-Handschuhe über? Zurückhaltung, Scham und ...

... und was? Die schwarzen Handschuhe waren einfach ein Accessoire, eine Requisite, unseriös wurde es erst durch diese dreiste Kombination von Bild und Wort. Das ist Boulevard.

Das ist der Stoff, den Sie bieten. Und eines haben Sie damit sicherlich erreicht: Stoiber wird in den letzten Tagen heftig gelacht haben.

Soll Stoiber doch lachen, da steh ich drüber.

Wirklich? Er höhnt ja nun über Sie, sagt, was er vor Kurzem nie gewagt hätte, dass Sie der Partei mit ihrer "Selbstdarstellung" nur schaden, im Klartext: Er will, dass Sie die CSU verlassen.

Schwarze Handschuhe, ich fahre Motorrad - sind das Gründe, um eine Partei zu verlassen? Leben wir im Mittelalter? Es ist doch alles aufgebauscht, und Stoiber und all die anderen sollten sich beruhigen.

Danach sieht es nicht aus: Sie haben ihn abgeschossen, nun haben Sie sich selbst abgeschossen.

Ich glaube nicht, dass ich mich abgeschossen haben soll. Warum denn auch?

So wie der SPD-Politiker Rudolf Scharping sich vor ein paar Jahren mit seinen "Bin- Baden-Bildern" von einer Planscherei am Pool erledigte, so sind Sie nun ein erledigter Fall.

Nun mal langsam. Abwarten! Ich habe in meinem Leben gelernt, dass vieles, was negativ erschien, sich ins Positive wendet. Ich ruhe da in mir. Das wirft mich nicht aus der Bahn. Anderes ist mir wichtiger: die Erneuerung der CSU, dafür trete ich ein.

Bein, Mini, Dekolleté - das sind Ihre Waffen im politischen Nahkampf.

Einem Mann würde Sie doch nie mit solchen Sätzen kommen. Es geht mir, ich sagte es schon, um Inhalte.

Neulich bekamen Sie einen Preis von SPD-Frauen verliehen. Sie trugen dabei "einen weißen Hosenanzug", notierte die "Süddeutsche", "eine rote Bluse" sah die "FAZ" - das Äußere scheint bei Ihnen wichtig zu sein.

Ja, ja, ja. Die Verpackung. Ich habe nie verheimlicht, dass ich eine Frau bin, ich verstecke meine Weiblichkeit nicht. Ich habe dazu keinen Grund.

Übernommen aus ... Stern Ausgabe 15/2007

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