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16. September 2006, 13:35 Uhr

Die Spitze des Fleischbergs

Die Ernährungsindustrie erwartet im Ekelfleisch-Skandal weitere Funde abgelaufener Ware. "Wir müssen mit der zehnfachen Menge rechnen", sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Fleischzutaten für Dönerspieße - immer mehr abgelaufenes Fleisch taucht auf. Die Industrie rechnet mit noch viel mehr Funden© Patrik Stollarz/DDP

Jürgen Abraham, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, forderte außerdem, die Zahl der 2500 Lebensmittelkontrolleure zu verdoppeln. Angesichts immer neuer Gammelfleisch-Funde sprachen sich Vertreter von Politik und Industrie für mehr Kontrollen und härtere Sanktionen aus.

Schnappauf wird Versagen vorgeworfen

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) forderte die Bundesländer auf, die Überprüfungen weiter zu verschärfen und den Strafrahmen auszuschöpfen. "Der Strafrahmen ist hervorragend. Doch Haftbefehle und Betriebsschließungen müssen auch angewandt werden", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Samstag).

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warf dem bayerischen Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) Versagen vor. Schnappauf sei für die mangelnde Effizienz des Kontrollsystems verantwortlich, sagte NGG-Landeschef Hans Hartl in einem dpa-Gespräch. Bei den Lebensmittelüberprüfungen gehe es zudem möglicherweise nicht immer mit rechten Dingen zu. "Ich habe den Verdacht, dass eine leichte Verfilzung vorhanden ist."

Mangelnde Qualifikation ist Problem

Ein Problem sieht Hartl in der oft fehlenden Qualifikation der Mitarbeiter in der Branche: "Ein Fachmann würde nie so mit Fleisch umgehen." Die Gewerkschaft fordert daher eine Mindestqualifikation. "Eine Gaststätte sollte zum Beispiel nur eröffnen dürfen, wer einen entsprechenden Beruf gelernt hat."

Nordrhein-Westfalen will die Zahl der Kontrolleure verdoppeln. Frei werdendes Personal aus der Landesverwaltung solle dafür ausgebildet werden, kündigte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers beim CDU-Landesparteitag in Münster an. Das Land werde eine Expertengruppe für Lebensmittelsicherheit aufbauen. In NRW nehmen insgesamt rund 1800 Mitarbeiter die Lebensmittel von bis zu 185.000 Betrieben unter die Lupe. Darunter sind auch Chemiker und Techniker.

Billig ist nicht gleich schlecht

Die Lebensmittelindustrie wehrte sich unterdessen gegen die Pläne von Seehofer und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), Preisdumping bei Nahrungsmitteln zu verbieten. "Die Gleichung niedriger Preis gleich schlechte Ware ist eindeutig falsch", sagte Abraham dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Große Discountketten hätten mit die schärfsten Qualitätskontrollen. Seehofer und Glos hatten sich im Kampf gegen Preisdumping auf ein Gesetz verständigt. Mit einer Kartellrechtsnovelle soll der Verkauf unter dem Einkaufspreis grundsätzlich verboten werden.

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