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23. Januar 2012, 12:43 Uhr

Judenfeindlichkeit ist in Deutschland weit verbreitet

Ob auf Fußballplätzen, im Netz oder in islamistischen und rechtsextremen Milieus - Judenfeindlichkeit ist in der deutschen Gesellschaft noch immer gegenwärtig. Zu diesem Schluss kommt der Antisemitismusbericht, den unabhängige Experten erstellt haben.

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Geschändete Denkmäler, wie dieses Mahnmal für eine zerstörte Synagoge in Magdeburg, sind Zeichen eines in Deutschland verbreiteten Antisemitismus© Matthias Strauß/DPA

Judenfeindliche Einstellungen sind nach Einschätzung von Experten in "erheblichem Umfang" in der deutschen Gesellschaft verankert. Das geht aus dem Antisemitismusbericht hervor, den ein unabhängiger Expertenkreis am Montag auf Einladung von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) in Berlin vorstellt.

In dem Bericht heißt es, das Internet spiele bei der Verbreitung von Antisemitismus eine besondere Rolle. Rechtsextreme, Holocaust-Leugner und extremistische Islamisten nutzten das Netz mit großer Selbstverständlichkeit als Plattform für ihre Propaganda.

Antisemitismus auf dem Fußballplatz

Doch Antisemitismus sei auch jenseits der rechtsextremen und islamistischen Milieus zu beobachten. Es gebe mittlerweile eine "bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreitete Gewöhnung an alltägliche judenfeindliche Tiraden und Praktiken". Diese basierten auf weit verbreiteten Vorurteilen, tief verwurzelten Klischees und auch auf schlichtem Unwissen über Juden und das Judentum.

Beispielsweise seien rassistische, rechtsextreme und antisemitische Parolen auch weiterhin auf deutschen Fußballplätzen an der Tagesordnung. Bei der Verbreitung antisemitischer Einstellung unter der Bevölkerung nehme Deutschland aber im europaweiten Vergleich einen Mittelplatz ein. Zum Teil extrem hohe Antisemitismus-Werte gebe es in Polen, Ungarn und Portugal.

Nach einem entsprechenden Bundestagsbeschluss hatte die Bundesregierung den Expertenkreis im Jahr 2009 eingesetzt, um verstärkt gegen Antisemitismus vorzugehen. Der Kreis soll regelmäßig Berichte vorlegen - dies ist nun der erste.

mlr/DPA
 
 
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