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16. Dezember 2011, 17:23 Uhr

Neue Vorwürfe gegen Christian Wulff

Neue Details zur Kreditaffäre von Christian Wulff: Dem "Spiegel" zufolge war das Darlehen möglicherweise doch von Egon Geerkens und nicht von dessen Frau. Der Bundespräsident bestreitet dies.

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Mit Egon Geerkens verhandelt? Bundespräsident Christian Wulff© Wolfgang Kumm/DPA

Bundespräsident Christian Wulff hat nach der massiven Kritik an seinem umstrittenen Privatkredit sein Verhalten bedauert und Fehler eingeräumt. Kanzlerin Angela Merkel sprang ihm zuseite, Politiker von Regierung und Opposition zollten dem Staatsoberhaupt Respekt.

Doch nun gibt es neue Informationen über den Fall, die Zweifel an Wulffs Glaubwürdigkeit aufwerfen. Bisher hat Wulff stets behauptet, der Kredit über 500.000 Euro stamme von Edith Geerkens, der Ehefrau seines Freundes Egon Geerkens. Laut dem "Spiegel", der sich auf ein Gespräch mit dem Ex-Unternehmer bezieht, hat der Bundespräsident aber die Verhandlungen mit Egon Geerkens selbst geführt. Der 67-Jährige sagte dem Magazin, er habe sich auch überlegt, "wie das Geschäft abgewickelt werden könnte". Die freundschaftliche Verbindung beruhe in erster Linie auf dem Verhältnis zwischen Wulff und ihm.

Dem "Spiegel" zufolge gibt es einen Umstand, der dafür spricht, dass Egon Geerkens hinter dem Kredit steht. Als das Paar Mitte der neunziger Jahre heiratete, sei Egon Geerkens bereits vermögend gewesen, seine Frau sei bei einem Schmuckhandel angestellt gewesen. Danach habe sie aufgehört zu arbeiten und auch kein nennenswertes Vermögen in die Beziehung eingebracht. Es sei Gütertrennung vereinbart worden.

Wulff reagierte bereits auf den "Spiegel"-Artikel und bleibt dabei: Der umstrittene Hauskredit kam von Geerkens Frau. Das ließ das Staatsoberhaupt am Freitag über seine Anwälte mitteilen.

Eine wichtige Frage: Wer gab den Kredit?

Wenn nun faktisch gar nicht Frau Geerkens, sondern der Unternehmer selbst den Kredit gegeben hat, erscheinen Wulffs Aussagen erneut in einem anderen Licht. Dann hätte Wulff nicht die ganze Wahrheit gesagt, als er 2010 als niedersächsischer Ministerpräsident abstritt, dass es eine Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Egon Geerkens gegeben habe. Er erwähnte auch nicht den Kredit, den er formell von Edith Geerkens bekommen hat. Die "Bild"-Zeitung hatte den Fall am Dienstag publik gemacht. Das Geld hatte Wulff für einen Hauskauf verwendet.

In einer schriftlichen Erklärung betonte Wulff später: "Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen." Zuvor hatten vor allem Oppositionspolitiker und Medien eine Klarstellung Wulffs gefordert.

"Verheerend für einen Bundespräsidenten"

Die Grünen gingen nach dem "Spiegel"-Bericht auf Distanz zu Wulff. "Wenn die Darstellung von Herrn Geerkens stimmt, dann hat Herr Wulff im Landtag von Hannover nicht einmal formal die Wahrheit gesagt", sagte der Rechtsexperte der Grünen-Bundestagsfraktion, Jerzy Montag, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Das hört sich an, als habe man eine bewusste Umgehung geplant. Einen solchen Sachverhalt deckt die Erklärung des Bedauerns von Christian Wulff nicht ab." Montag: "Das ist für einen Bundespräsidenten verheerend."

"Wir sind vom Kern der Geschichte noch weit entfernt"

In der ARD-Sendung "Beckmann" am Donnerstagabend äußerte "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo bereits Skepsis, dass der Fall damit abgeschlossen sei. "Wir sind vom Kern dessen, was die Geschichte ausmacht, noch weit entfernt", sagte er. "Ich halte für den Kern der Frage, ob es tatsächlich Frau Geerkens ist, von der er das Geld bekommen hat - oder ob es nicht in Wirklichkeit ein Kredit von Herrn Geerkens ist. Wenn das der Fall ist - und ich glaube, sehr viel spricht dafür -, dann hat Christian Wulff gegenüber dem Parlament nicht die Wahrheit gesagt."

In Niedersachsen riss die Kritik an Wulff auch nach seiner Erklärung vom Donnerstag nicht ab. SPD und Grüne in Hannover dringen weiterhin darauf, in einer Sondersitzung des Ältestenrates des Landtages noch offene Fragen zu klären. Ob es noch vor Weihnachten zu dieser Sitzung kommt, ist aber fraglich.

"Aus meiner Sicht sind einige wichtige Punkte noch nicht beantwortet, etwa, über welche Konten das Geld geflossen ist", sagte der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Stefan Wenzel. Aus Sicht der Grünen ist auch immer noch ungeklärt, ob Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen hat. Die SPD verlangt unter anderem Antworten darauf, ob Wulff noch öfter in den Ferienhäusern der Unternehmer Carsten Maschmeyer auf Mallorca und Egon Geerkens in Florida Urlaub gemacht hat als bislang bekannt.

fro/DPA
 
 
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