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26. Juni 2007, 13:43 Uhr

Panne oder Absicht?

Die Version der versehentlichen Löschung geheimer Bundeswehrdaten stößt auf massive Zweifel, Experten verweisen auf professionelle Datenretter, die selbst schwerst beschädigte Bänder reparieren könnten. Angeblich sind auch Dateien über umstrittene MAD-Verhöre betroffen.

Das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr in Grafschaft-Gelsdorf© Berthold Stadler/DDP

Auf massive Skepsis sind die Angaben des Verteidigungsministeriums zum Verlust geheimer Berichte über Auslandseinsätze infolge einer technischen Panne gestoßen. Fachleute wiesen am Dienstag darauf hin, dass selbst beschädigte Datenträger von Spezialisten noch gerettet werden könnten. Auch der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Christian Ströbele bezweifelte die Darstellung. Noch im November 2006 habe er einen Brief von Verteidigungs-Staatssekretär Peter Wichert bekommen, wonach der Verteidigungsausschuss des Bundestages über Einsätze der Eliteeinheit KSK im Ausland informiert werde, sagte Ströbele der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Auch Ströbele skeptisch

"Darin steht keine Silbe davon, dass die Daten weg sind. Deshalb zweifle ich, ob das alles so richtig ist." Möglich sei, dass die Bundeswehr versuche, "Informationen nicht nach außen zu geben". Wichert hatte in einem Schreiben an den Verteidigungsausschuss vom 12. Juni eingeräumt, dass Geheimdienstberichte über Auslandseinsätze der Bundeswehr aus den Jahren 1999 bis 2003 vernichtet wurden. Aufgedeckt wurde die Panne am Montag vom ARD-Politikmagazin "Report Mainz" und von "tagesschau.de". Sie kam ans Licht, als der Ausschuss zur Aufklärung des Falls Murat Kurnaz Unterlagen aus dem Datenbestand der Bundeswehr aus dem Jahr 2002 anforderte.

Verschwunden sein sollen der "Berliner Zeitung" zufolge auch Berichte, die das "Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr" aus einem US-Geheimgefängnis im bosnischen Tuzla erhalten habe. An Verhören in Tuzla seien zumindest im Jahr 2001 auch Offiziere des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) widerrechtlich beteiligt gewesen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf einen BND-Bericht. Mit Hilfe der verschwundenen Bestände hätte sich klären lassen, wer beteiligt war und wer davon wusste, zitierte das Blatt einen Sicherheitsexperten: "Dass die Informationen weg sind, dürfte einige Verantwortliche von damals erleichtern."

Professionelle Datenretter rekonstruieren alles

Der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom sagte der Zeitung, es wäre nicht nötig gewesen, die beschädigten Datensätze zu zerstören: "Es gibt das Bundeskriminalamt und einige hochspezialisierte Firmen, die seit langem in der Lage sind, beschädigte Datenträger zu retten und zu rekonstruieren." Dass dies offenbar nicht geschehen sei, "riecht nach Vorsatz".

Zweifel äußerte auch der Leiter der Datensicherung im Hochschulrechenzentrum der Freien Universität Berlin, Bernd Melchers. "Alles was fehlerfrei auf Bandkassetten geschrieben wurde, kann man innerhalb von 20 Jahren auch wieder auslesen", zitiert ihn "Report Mainz" auf seiner Website. "Selbst wenn Herr Wichert die Bänder aufgegessen hätte, würden professionelle Datenrettungsunternehmen nach der Verdauung den Inhalt wieder herstellen können." Zudem sichere jeder Profi in zwei Kopien.

Jeder Profi macht zwei Kopien

Wichert erklärte in dem Schreiben an den Ausschuss, die Daten seien "auf Grund der Speicherkapazität des Datensicherungsroboters jedoch nur einmal abgelegt" worden. Weitere Sicherungskopien seien nicht realisierbar gewesen. Der Datensicherungsroboter habe nach der Archivierung einen technischen Defekt erlitten und sei Ende 2004 durch ein Austauschgerät ersetzt worden. Beim Versuch, die Daten darauf zu übertragen, sei festgestellt worden, dass ein Teil der Bandkassetten nicht mehr lesbar gewesen sei. "Der Versuch, diese Kassetten in einem Ersatzgerät auszulesen und somit die Daten wieder zugänglich zu machen, scheiterte", schreibt Wichert. Entsprechend den Vorschriften seien die nicht mehr lesbaren Kassetten am 4. Juli 2005 vernichtet worden.

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
mo77fds (26.06.2007, 20:25 Uhr)
@ catchme
ich meinte eigentlich dich mit dem irren das in dir ein fehler ist
aber das interessiert hier niemenden ist ja dein problem
troll ab
patrizius (26.06.2007, 20:04 Uhr)
High Tech Deutschland??
Es ist unglaublich, wir bauen die besten Autos, Atomkraftwerke, Satelliten, haben das komplizierteste Steuersystem, aber wir sollen es nicht schaffen unsere Daten so zu sichern, dass sie auch nach Jahren noch lesbar sind ???. Die BW sollte sich ein Beispiel an Flensburg nehmen, da sind die Daten sicher.
catchme (26.06.2007, 18:37 Uhr)
Ups - ein Schlauberger !
mo77fds (26.6.2007, 16:42 Uhr)
@ catchme
wer lesen kann ist klar im vorteil
es wurde nicht unabsichtlich gelöscht sondern bewusst weil nicht mehr lesbar
genau wie technik versagt tun es auch mal menschen
du verstehen ... ja, ich verstehen ! Aber dann, wenn dumme Mensch hat gemacht Fehler ohne Absicht, warum dann andere Menschen so aufgeregt ? Muttu mir mal erklären ... ich glaube ja eher, dass da ein schlauer Mensch einen Knopf mit voller Absicht gedrückt hat ! Aber mich persönlich stört das nicht ... das ist ein Kunarz-Problem !
Leondriel (26.06.2007, 16:49 Uhr)
Schon klar...
Der Verein speichert sogar doppelt und dreifach, welche Ersatzteile wann bestellt wurden, und nach jedem Backup wurde es auf Wiederherstellbarkeit geprüft. (Was mein Job während meiner Wehrdienstzeit war)
Und nun wollen sie der Welt erzählen, dass sensibelste Daten aus Kapazitätsgründen nur einmal gesichert wurden, die Sicherungen nie überprüft wurden und wegen Defekten vernichtet wurden? Also wenn man schon lügt, sollte man sich etwas mehr Mühe geben...
mo77fds (26.06.2007, 16:42 Uhr)
@ catchme
wer lesen kann ist klar im vorteil
es wurde nicht unabsichtlich gelöscht sondern bewusst weil nicht mehr lesbar
genau wie technik versagt tun es auch mal menschen
du verstehen
alfred_e_neumann (26.06.2007, 16:24 Uhr)
tja so ists nunmal
wer ohne schuld ist ...
Prometheus90 (26.06.2007, 16:10 Uhr)
Keine Sau
Kein Mensch regt sich darüber auf, dass die Akten vernichtet wurden, obwohl das auch einen ehemals unschuldig im "Knast" sitzenden Deutschen betrifft. Man was für eine Gesellschaft, der Typ(Murat Kurnaz) ist den Leuten scheiß egal und geht ihnen auch noch auf die Nerven...! Absolut Menschen verachtend, die Türkei ist von uns noch Jahrhunderte entfernt?, was ist mit den USA, mit den Polen, mite Rumäniern und auch den Deutschen...? Armselig!!!
Facti (26.06.2007, 15:50 Uhr)
Volksverblödung
Wer's glaubt wird selig. Konsequenzen mal wieder keine. Aber wehe, uns fehlt 'ne Rechnung innerhalb der Aufbewahrungsfrist. Schade nur, daß dies mit Schäubles erpressten Daten mit Sicherheit nicht geschieht. Seien wir realistisch, packen wir dieses Lügensystem in einen Karton und kicken ihn in den Acker. Das Beste für Deutschland.
catchme (26.06.2007, 15:09 Uhr)
Ups ...
... da muß einer doch auf den falschen Knopf gedrückt haben ?!
Da haben all´ die kleinen und großen Ströbele´s jetzt aber richtig Pech ... :))
js110010 (26.06.2007, 15:03 Uhr)
zum Kotzen
dieses ganze korrupte Scheißpack.
In einer Demokratie haben Geheimdienste nichts zu suchen!
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