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25. September 2008, 12:32 Uhr

Volksverdummung vor der Landtagswahl

Vor der Landtagswahl in Bayern entbrennt ein absurder Streit über die Gentechnik: Horst Seehofer verspricht den CSU-Wählern, sie dürften auf Gentechnik verzichten. Doch im Bund will die Union von diesem Versprechen nichts wissen - es ist nicht die einzige Verrenkung in der Großen Koalition. Von Hans Peter Schütz

Ein als Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer verkleideter Gentechnik-Gegner fängt in der Nähe eines Feldes mit gentechnisch verändertem Mais Luftballons als Symbol für Genpollen© Daniel Karmann /DPA

Von ihren sozialdemokratischen Parteifreunden wird Marianne Schieder gerne "Schutzheilige der bayerischen Landwirtschaft" genannt. Doch nun wird die SPD-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Cham im Bundestag gänzlich unfromm reden. Ein "Bubenstück" dürfte sie hinüber zur CSU rufen. Auch der Vorwurf, "Volksverdummung" werde von der CSU betrieben, war unmittelbar vor ihrem Auftritt im Parlament zu hören.

Es geht bei dem Thema, das die Genossin Schieder wie auch den Bonner SPD-Abgeordneten Ulrich Kerber so aufregt, im Grunde um ein Sachthema - die Gentechnik und ihre rechtlichen Grundlagen. Vor dem Hintergrund des inzwischen heiß laufenden bayerischen Landtagswahlkampf hat es jedoch besondere Brisanz bekommen. Und einmal mehr wird vorgeführt, welche politisch-taktische Verrenkungen die Große Koalition in Berlin zuweilen hinlegt.

Seehofer verspricht CSU-Wählern Äcker ohne Gentechnik

Im Grunde ist die gentechnische Position der CSU klar. Seit langem zieht ihr Agrar- und Verbraucherschutzminister Horst Seehofer durchs bayerische Bauernland und verspricht den bislang treuesten CSU-Wählern, sie würden auf keinen Fall zur Akzeptanz von Gentechnik auf ihren Äckern gezwungen. Es werde dafür gesorgt, dass in den Regionen Europas und ganz besonders in Bayern der Umgang mit der grünen Gentechnik eigenständig organisiert werden dürfe. Seehofer beteuerte bis zu diesem Donnerstag: "Das ist die Position der CSU."

Im Bundestag will die CSU allerdings nicht dafür kämpfen. Dort wollte die SPD einen Antrag vorlegen, mit dem die entsprechende Weiterentwicklung des europäischen Gentechnikrechts bekräftigt werden sollte. Das Papier enthält alle Seehofer-Positionen zu diesem Thema. Doch als die SPD den Antrag in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion präsentierte, lehnte der CDU-Abgeordnete Peter Bleser, Sprecher für die Agrarpolitik in der Fraktionsführung, knallhart ab. "Wir machen das nicht. Punkt und Schluss", dröhnte er die Genossen an. Als die widersprachen, erklärte er den Vorgang Gentechnik zur Koalitionsfrage. Wenn das geschieht, darf gegen den Willen einer Seite keine parlamentarische Aktion erfolgen. Auch der CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer hat akzeptiert, dass nicht geschieht, was den bayerischen Bauern vielfach versprochen worden ist.

Seehofer hängt am Nasenring der CDU

Für die SPD ein klarer Fall. Seehofer dürfe überhaupt nicht dafür kämpfen, was er im Wahlkampf verspreche. Er werde am Nasenring von der CDU vorgeführt, die vor allem in Norddeutschland voll auf wirtschaftlicher Nutzung der grünen Gentechnik stehe. Marianne Schieder: "Überall wo er in Bayern hinkommt, sagt er, was die Bauern hören wollen. Doch in Berlin kämpft er überhaupt nicht dafür." Ihr Parteifreund Kelber, ebenfalls Landwirtschaftsexperte, sagt: "Dieses verlogene Täuschungsmanöver werden wir im Bundestag offen legen."

Welch absurde Vorgänge die Bayernwahl im Bundestag bewirkt, lässt sich heute auch bei der Debatte über die Pendlerpauschale ablesen. Die Linkspartei hat einen Antrag zu dem Thema eingebracht, mit dem die sofortige Wiedereinführung der Pauschale gefordert wird. Den Antrag haben die Linken voll aus einem Initiativantrag der bayerischen Staatsregierung im Bundesrat abgeschrieben. Dennoch wird die CSU mit Nein abstimmen, obwohl ihre Position zu 100 Prozent wiedergegeben wird. Und weil die CSU nicht zustimmen will, darf auch die SPD im Bundestag nicht Ja sagen, obwohl die schon immer und viel früher als die CSU für die Pendlerpauschale eingetreten ist.

Seehofer dementiert

Florian Pronold, Vorsitzender der bayerischen Landesgruppe im Bundestag, nennt den Antrag der Linken einen "Schaufensterantrag". In Richtung CSU sagt er: "Alle Versuche der SPD-Bundestagsfraktion, die Pendlerpauschale ab den ersten Kilometer wieder einzuführen, hat die CSU in der Koalition abgelehnt." Wenn die bayerische Regierung jetzt auch für die Wiedereinführung eintrete, "ist das reine Wahlkampfshow".

Und wie der bayerische Wahlkampf alles in Berlin beherrscht, lässt sich auch aus einem Brief Pronolds an Seehofer ablesen. Das Schreiben beginnt mit der Anrede: "Sehr geehrter Herr Verbraucherschutzminister, lieber zukünftiger CSU-Vorsitzender Horst Seehofer." Ganz klar, dass Seehofer letzteres knallhart dementiert.

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Westerle.Merkwelle (26.09.2008, 18:22 Uhr)
Populismus der CSU entlarvt
Die CSU-Landesgruppe wies am Dden Antrag der Linksfraktion Donnerstag zur Wiederherstellung der alten Pendlerpauschale am Donnerstag im Deutschen Bundestag zurück. Dies sei ein "durchsichtiges, taktisches Manöver" und ein "Politikspektakel", heißt es in einer Erklärung der Landesgruppe. Ungeachtet dessen halte die CSU an ihrer Forderung fest, zur alten Regelung der Pendlerpauschale ab dem 1. Kilometer zurückzukehren.
Soviel Arroganz und Demagogie gehört abgestraft. Am Sonntag gibt es dazu eine Gelegenheit. Keine Stimme für die CSU!
Salzsteuer (26.09.2008, 07:23 Uhr)
@Vincent_Vega
Ja wollen Sie etwa behaupten mit ARBEIT könne man in Deutschland Geld verdienen???
Mir ist dies völlig neu. Natürlich kann man sich mit 60-80 Stunden wöchentlicher Arbeit von den gröbsten finanziellen Sorgen befreien, aber um reich zu werden muß man andere Leute, gegen möglichst geringe Bezahlung, für sich arbeiten lassen.
Durch eigene Arbeit, das geht nicht.
vegefranz (26.09.2008, 07:04 Uhr)
@cobdet
es gibt hier im Westen zwar ein Wahlgeheimnis, aber: warum sollte ich nicht auch einmal eine Protestpartei wählen? Viele Leute wählen inzwischen Linke/NPD etc, weil sie die Politclowns in den bürgerlichen Parteien nicht mehr ertragen
vegefranz (26.09.2008, 07:00 Uhr)
@vincent
es ist natürlich richtig, dass Oskar L in erster Linie bei den bildungsfernen Leuten, die nicht in der Lage sind, die Neidparolen zu durchschauen, Erfolg hat. Und auch wenn es im Sozialsystem eine Menge Schmarotzer gibt: Vielleicht gibt es ja gerade einen Anreiz für diese Leute, sich künftig um eine Arbeit zu bemühen, wenn das Land so heruntergewirtschaftet ist, daß auch sie nichts mehr erwarten können
cobdet (25.09.2008, 16:39 Uhr)
@Vincent_Vega
Schön auf den Leim gegangen ! vegefranz und links wählen eher brüten meine Hunde Hühnereier aus.
Vegefränzchen wollte nur mal wieder seine "EX SED" loswerden und seine Paranoia austoben.
Ach vegefranz da werden einige wieder ihre Wettgewinne einstreichen dürfen. Sag mal hast du eigentlich einen Textbaustein für deine vorher sehbaren "Dümmlichkeiten" ?
Vincent_Vega (25.09.2008, 15:39 Uhr)
@vegefranz
"Beispielsweise nehmen die den Reichen ihr Geld weg und geben das den Armen."
Also den Leuten die 60-80 Stunden die Woche arbeiten, wird das Geld abgenommen und es denen gegeben, zu a) zu dumm b) zu faul sind zu mArbeiten oder c) bei der Jobsuche einfach nur Pech haben !!!!
Wie stärkeer kann man noch pauschalisieren?
Es reicht nicht einfach nur zu schreien:"ICH BIN ARM" und schon hat man eine Berechtigung auf Staatsalmosen.
Hat schon seinen Grund warum der linke Tokana-Demagoge Oskar L. in erster Linie bei Neider seinen Erfolg hat.
vegefranz (25.09.2008, 15:29 Uhr)
Ich persönlich würde ich Bayern die linken/Ex SED wählen
die sind wenigstens ehrlich und tun was für die Bürger. Beispielsweise nehmen die den Reichen ihr Geld weg und geben das den Armen. Das finde ich gut
UweBerlin (25.09.2008, 14:37 Uhr)
Verdummung als Prinzip der etablierten Politik
gab es - mal mehr mal weniger verlogen (Die Rente ist sicher, Einheit aus der Portokasse, blühende Landschaften usw) - seit der Kohl-Zeit.
Bei Schröder wurde etwas weniger gelogen, mehr gehandelt und die Abgeordneten auf Null-Diät gesetzt.
Seit Merkel wurde zum alten Prinzip zurückgekehrt. Man hat ein paar olle Ettiketten auf Problemfelder geklebt (Integrationsland, Bildungsrepublik) und denkt, die Probleme lösen sich von selbst.
Das mit dem Gen Ettikettenschwindel wundert mich nicht. Ich hoffe, die meisten Menschen haben sich so viel Verstand erhalten, dass sie nicht erneut zum Schaden des Landes und dann fast aller hineinfallen.
endbenutzer (25.09.2008, 14:06 Uhr)
Und auch hier zeigt sich...
...dass unser angeblicher "Verbraucherschutzminister" und die entsprechenden Herrschaften in der CDU ebenfalls auf der Gehaltsliste der Lebensmittelkonzerne stehen. Wem hilft Gentechnik? Uns Verbrauchern bestimmt nicht. Jede gentechnisch veränderte Pflanze ist patentrechtlich geschützt. Will heißen: Wenn ein Landwirt eine gentechnisch manipulierte Pflanze einsetzen möchte, darf er Lizenzgebühren bezahlen und hängt somit am Tropf der Industrie. Wieder ein Schritt mehr hin zur Diktatur..
ritchie (25.09.2008, 13:55 Uhr)
Hört das denn nie auf mit den Bauern
Keine andere Berufsgruppe wird von der EU so unterstützt wie die Bauern.
40Cent jedes Euro aus Brüssel geht jetzt schonin den Bereich Agrar! Im Jammern sind die Bauern, genau wie die Ärzte, Weltmeister. Wenn es den Milchbauern schlecht geht, dann liegt das wohl daran, daß von den Unsummen die EG ausgibt bei denen nix ankommt. Das heißt widerum, daß sich weiter oben schon andere aus diesen Töpfen bedienen. Das kann aber nicht immer wieder auf mich als Steuerzahler abgewälzt werden.
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