Ein bisschen Show für Peer

2. Dezember 2012, 15:58 Uhr

Gertrud Steinbrück hat ihr erstes großes Interview gegeben. Man soll merken: Die Frau des SPD-Kanzlerkandidaten hat ihren eigenen Kopf. Und so wie Michelle Obama würde sie sich nie inszenieren lassen.

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Seit über 20 Jahren ein Paar: Gertrud und Peer Steinbrück©

Na, das kann ja heiter werden, wenn die Steinbrücks demnächst auf die Obamas treffen, ob nun als Kanzlerkandidaten- oder schon Kanzlerpaar oder wie auch sonst. Denn die Art und Weise, wie das amerikanische Präsidentenpaar sich bei "Chips und Cola vor dem Fernseher" abfotografieren lässt, das gefällt Gertrud Steinbrück, der Möchtewohlgern-Kanzlergattin, überhaupt nicht. Diese Ami-Inszenierungen seien "ein großer Fake", das wisse doch jeder, der "auch nur etwas graue Substanz unter seiner Schädeldecke" habe - schlicht und einfach "geistiges Popcorn, das die Intelligenz eines jeden Bürgers beleidigt". Wie gesagt, da möchte man beim ersten „Haudujudu Michelle?“ doch wirklich gerne Mäuschen sein.

Gesagt hat das Gertrud Steinbrück alles im Rahmen eines laaaaaaaaaaaaaaaaaangen Interviews mit der "Welt am Sonntag", und wenn einem die Dezidiertheit noch in den Ohren klingelt, mit denen Peer Steinbrück unlängst noch versprach, seine Familie aus allem Politischen rauszuhalten - der weiß nun, dass die Lage im Haus Steinbrück tatsächlich ein wenig angespannt ist.

Gertrud holt für Peer die Kastanien aus dem Feuer

Denn Umfragen, Nebeneinkünfte, Sympathiewerte - alles bröckelt weg bei P.S. und bevor man als Randnotiz der deutschen Parteiengeschichte zu enden droht, lernt man eben doch von den Amis und schickt wider Überzeugungen seine bessere Hälfte in die mediale Hauptkampflinie. Denn Politikerfrauen, frag' nach bei Sarkozy, reißen oft sogar Kastanien aus dem Feuer, die vorher noch gar nicht drin waren - und beides kann im Fall Steinbrück ja nicht schaden.

Natürlich, die Frau des Kandidaten soll ein bisschen Show und bella figura machen, und das gelingt Getrud Steinbrück tatsächlich im Gespräch mit dem "WamS"-Autoren Daniel Friedrich Sturm, der bereits eine Peer-Steinbrück-Biografie geschrieben hat, und auch dessen Frau hilfsbereit von nettem Zitat zu nettem Zitat begleitet.

Nie wärmer als 18 Grad

Eine Homestory ist es (noch) nicht geworden, aber ein ausgiebiges Gespräch bei Schnitzel im alten "Cafe Einstein“"in Berlin, wo die 63-jährige Bonnerin häufiger bei Hauptstadtbesuchen vorbeischaut. Dabei soll ein Bild einer Frau entstehen, die es wohl nicht einfach hat mit ihrem ebenso hochgescheiten wie eitlen, dünnhäutigen wie schroffen Ehemann – aber der man es zutraut, genau das gut zu bewältigen. Eine prinzipientreue Gymnasiallehrerin (Bio und Politik) vom alten Schlag, die ihre Schüler hart aber herzlich behandelt und zuhause die Villa "nie wärmer als 18 Grad" aufheizt.

Überhaupt, kaltes Heim: Der "überraschenden" Zusage für die Kanzlerkanditur folgte laut Frau Steinbrück ein heißes Tribunal vor dem Familienrat: "Mein Mann musste aussagen. Das war ein Gerichtstermin für ihn. Es ging hoch her, aber der Wortlaut geht die Öffentlichkeit nichts an."

Da ist sie wieder, diese Mauer, die vor zu viel "Öffentlichkeit" schützen soll, Wohl auch deshalb lobt Gertrud Steinbrück ausdrücklich Joachim Sauer, den quasi nicht sichtbaren Mann an Angela Merkels Seite, weil der "selten bis nie die öffentliche Bühne" besucht. Und auch sie habe entschieden vor, nicht als Anhängsel wahrgenommen werden zu wollen: "Ich habe meine eigene Vita, meinen eigenen Kopf, den eigenen Beruf, die eigenen Interessen und bin nicht die zweite oder dritte Ableitung meines Mannes".

Zumindest das hat die Frau des Kandidaten also mit Michelle Obama gemein. Fehlen nur noch die Chips. Und die erste echte Homestory.

Ralf Klassen
 
 
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