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Messerwetzen in der FDP

"I wo! Nichts dran", heißt es sofort. Dennoch tauchen ausgerechnet am Wahlwochenende Gerüchte auf, dass FDP-Granden Parteichef Rösler kippen wollen. Die Alternativen: Brüderle und Lindner.

  Seit an Seit im Wahlkampf: der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki (l.) neben NRW-Wahlkämpfer Christian Lindner und Parteichef Philipp Rösler (r.)

Seit an Seit im Wahlkampf: der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki (l.) neben NRW-Wahlkämpfer Christian Lindner und Parteichef Philipp Rösler (r.)

Philipp Rösler hat Personenschutz. Leibwächter vom BKA passen auf, dass dem Vizekanzler kein Haar gekrümmt wird. Auf der Computermesse Cebit ging das beinahe schief. Es war aber nur ein Stück Kuchen, das ein Chaot Rösler ins Gesicht drückte. Gefährlicher für den FDP-Chef sind Heckenschützen in den eigenen Reihen.

Direkt vor der Wahl in Schleswig-Holstein, wo Meinungsforscher der schon totgesagten FDP am Sonntag um die 7 Prozent zutrauten, untergraben handfeste Putschgerüchte die ohnehin bröckelnde Autorität des Bundesvorsitzenden. Diese Spekulationen brachten am Wochenende die Liberalen in Wallung. Kaum gehe es nach sieben Wahldebakeln aufwärts, stelle sich die Partei wieder selbst ein Bein.

So soll es einen Plan der Rösler-Gegner in den einflussreichen Landesverbänden Bayern, Baden-Württemberg und Hessen geben, Rösler noch in diesem Jahr von der Spitze zu entfernen. Das könnte im Umfeld einer Klausur der Bundestagsfraktion passieren, berichtete der "Spiegel". Fraktionsboss Rainer Brüderle war über diese Vereinnahmung nicht amüsiert. "Absurd sei das", verlautete aus seinem Umfeld. Auch die bayerische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger weist derartige Spekulationen zurück: "Medienberichte, die von Personaldebatten ausgehen, sind abstrus und völlig aus der Luft gegriffen", sagte die Bundesjustizministerin am Sonntag. "Die FDP Bayern lehnt jede Personaldebatte ab."

"Königsmörder gesucht"

Eine andere Spur verfolgte zuvor bereits die "Süddeutsche Zeitung", die eine Art Fahndungsaufruf veröffentlichte: "Königsmörder gesucht". Das Täterprofil wurde gleich mitgeliefert. Am Ende laufe es auf Wolfgang Kubicki hinaus. Der ewige Querulant von der Förde soll nach seinem fulminanten Ego-Wahlkampf Rösler beibringen, dass er als Parteichef gescheitert sei, lautete die Schlussfolgerung. Unabhängig von den Wahlergebnissen in Kiel und eine Woche später in Nordrhein-Westfalen.

Viele Liberale treibt die Sorge um, es sei ein zu großes Risiko, mit Rösler, dem unbeliebtesten aller Spitzenpolitiker, in den Bundestagswahlkampf 2013 zu ziehen. Wie die Nachrichtenagentur DPA aus hochrangigen Parteikreisen erfuhr, rechnet niemand derzeit mit einem Sturz Röslers. Die Betonung liegt auf derzeit. Kubicki jedenfalls werde keinen Krieg anzetteln. "Kubicki spielt gern mit dem Feuer, hat aber nie Feuer gelegt", sagte ein Spitzenmann. Dies würde die Siegchancen von Christian Lindner am 13. Mai in NRW gefährden.

Sehr bitter für Rösler muss sein, dass die Power-Wahlkämpfer Lindner und Kubicki ihn zu einem Mitläufer degradiert haben. Der FDP-Übervater Hans-Dietrich Genscher machte seiner Partei über die Presse zum zweiten Mal sehr deutlich, wer für ihn die strahlende Zukunft der Liberalen verkörpert: "Christian Lindner steht für eine neue, moderne, weltoffene FDP", sagte Genscher der "Welt". Im Umkehrschluss bedeutet das: Rösler nicht. Ihn lobte Genscher immerhin dafür, den totalen Fokus auf Steuersenkungen beendet zu haben.

"Neues Denken" mit Christian Lindner?

Lindner, der am Sonntag zum neuen Landeschef seiner Partei in Nordrhein-Westfalen gewählt wurde, habe indes die richtigen Konsequenzen aus der Strukturkrise gezogen. "Die neue FDP, mit dem von Lindner geforderten neuen Denken, vertritt eine neue Haltung, sie ist keine Ein-Mann-Show, und sie ist keine Ein-Themen-Partei", schwärmte Genscher, dessen Worte in der FDP enorme Wirkung haben.

So hofft mancher in der FDP, dass Rösler von sich aus Konsequenzen zieht und Lindner oder Fraktionschef Brüderle das Feld überlässt. Warum aber sollte der 39-Jährige im Fall von zwei gewonnenen Wahlen aufgeben? "Rösler denkt absolut nicht an Rückzug", hieß es in seiner Umgebung. Gegen einen kampflosen Rückzug spricht, dass Rösler Ehre und Pflichtgefühl hochhält. Sein Vater war Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr. In der Kaserne machte Rösler seine Hausaufgaben, ging später selbst als Arzt zur Armee.

Auch bräuchte Rösler eine lukrative "Anschlussverwendung" - wie er es den Schlecker-Frauen empfahl - in eigener Sache. Der Wirtschaftsminister ist nicht durch ein Bundestagsmandat abgesichert. Wer aber könnte Rösler überzeugen, dass seine Zeit bereits nach einem Jahr an der FDP-Spitze womöglich abgelaufen ist? Vielleicht klingelt irgendwann Röslers Handy und eine alte, aber hellwache Stimme meldet sich mit: "Genscher".

Tim Braune/DPA/DPA

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