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3. Juli 2008, 08:21 Uhr

Trauung ohne Standesamt möglich

Von der Öffentlichkeit unbemerkt hat der Bundestag das Recht der Eheschließung geändert: Ab dem 1. Januar 2009 dürfen Brautpaare heiraten, ohne vorher beim Standesamt gewesen zu sein. Allerdings sollten Hochzeitspaare die Konsequenzen dieser "Nur-Kirchen-Ehen" bedenken.

Ab dem kommenden Jahr müssen Brautleute nicht mehr unbedingt zum Standesamt gehen© Colourbox

Kirchliche Hochzeiten sind in Deutschland künftig auch dann erlaubt, wenn die Ehe vorher nicht standesamtlich geschlossen wurde. Die Regelung, wonach Pfarrer und Priester durch eine solche Trauung eine Ordnungswidrigkeit begehen, wird zum 1. Januar 2009 aus dem Gesetz gestrichen. Das bestätigten die zuständigen Innenpolitiker der Koalitionsfraktionen.

Standesamt nicht gleichgestellt

Für Eheleute ändert sich praktisch nichts, denn ausschließlich kirchlich getraute Paare gelten unverändert als nicht verheiratet. Von allen rechtlichen und steuerlichen Vorteilen wie dem Ehegattensplitting oder der Privilegierung des Partners im Erbrecht profitierten nur Paare, die vor dem Standesamt geheiratet haben, erklärten der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe, Stephan Mayer, und die SPD-Innenexpertin Gabriele Fograscher. Im Gegensatz zu den Geistlichen hätten den Paaren bislang auch keinerlei Sanktionen gedroht, wenn sie ohne standesamtliche Trauung in der Kirche heirateten.

Trotz der Gesetzesänderung will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die standesamtliche Hochzeit als Voraussetzung für eine kirchliche Trauung beibehalten. Dies sei "eine in Jahrhunderten bewährte Praxis - daran ändert sich nichts", sagte der Präsident des EKD-Kirchenamts, Hermann Barth. Auch bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hieß es, ein Zusammenhang zwischen kirchlicher und standesamtlicher Trauung sei "sinnvoll" und solle auch künftig "eng zusammengehalten werden".

Regelung schon 2006 verabschiedet

Die Neuregelung war gemeinsam mit vielen anderen Gesetzesdetails bereits Ende 2006 ohne größeres Aufsehen von Bundestag und Bundesrat verabschiedet worden. Während der Regensburger Familienrechtler Dieter Schwab in der "Süddeutschen Zeitung" vor den Nachteilen für Paare warnte, die nur kirchlich getraut sind, sagte der CSU-Innenexperte Mayer: "Ich bin persönlich der Meinung, dass die Abschaffung der Ordnungswidrigkeit in der Praxis keine größere Relevanz haben wird."

Zumindest spielt die kirchliche Trauung für viele Paare in Deutschland keine Rolle. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es 2006 insgesamt 373 681 standesamtliche Eheschließungen. Nur gut 100 000 Paare ließen sich anschließend auch noch kirchlich trauen.

Das Verbot der kirchlichen Voraustrauung geht auf das Jahr 1875 zurück, als das Deutsche Reich die Zivilehe gegen den Widerstand der Kirche durchsetzen wollte. Bei Zuwiderhandlung drohten Priestern damals Geld- oder Gefängnisstrafen. Seit 1953 handelte es sich aber nur noch um eine Ordnungswidrigkeit ohne Strafandrohung. Mayer und Fograscher beteuerten zudem übereinstimmend, aus der Geschichte der Bundesrepublik sei ihnen kein einziger Fall bekannt, in dem diese Regelung noch eine Rolle gespielt habe.

Mehrere rechts- und Innenpolitiker des Bundestages äußerten sich distanziert zu der Neuregelung. "Es ist mir ein Rätsel, warum man das gemacht hat2, sagte der rechtspolitische Sprecher der CDU/CSU- Bundestagsfraktion, Jürgen Gehb, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz sagte, er können den Sinn nicht erkennen. "Wir leben in einer säkularen Welt."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
MamfredBuchholz (05.07.2008, 17:34 Uhr)
@Known
die beiden schaffen es, zu jedem noch so weit entfernt liegenden Thema ihren braunen Dünnschiss abzusondern. Vor allem Loki, der sich von geheimnisvollen Besatzern unterworfen fühlt, muss ein schlimmes Trauma haben. Armer brauner Hase.
Known (04.07.2008, 00:38 Uhr)
@Loki-Asgard & Franzoesin
"Lieber us-amerikanischer Administrator..." ... lol ... "die übliche Landessprache in der BRD ist NOCH deutsch" ... jahaha weiter so ..."Dieses dem deutschen Wesen fremde Besatzungsregime..." ... köstlich ...
Loki-Asgard (03.07.2008, 20:28 Uhr)
Endlich
Es wurde auch Zeit. Was hat der Staat sich in die Beziehungen von Menschen zu mischen? Dieses dem deutschen Wesen fremde Besatzungsregime soll sich aus meinem Leben fernhalten. Ich will nichts vom Staat und der Staat bekommt nichts von Mir (außer Verachtung).
brandenburger (03.07.2008, 20:28 Uhr)
Haarspalterei
Wer A von B nicht unterscheiden will, der regt sich dann natürlich über seine eigene Verwechslung der Dinge auf. In der Kirche findet absolut keine Eheschließung statt!!! Dem Staat wird da kirchlicherseits in keinster Weise ins Handwerk gepfuscht!
fladdy36 (03.07.2008, 18:31 Uhr)
hurra
das haben die gesetzeshüter einen tollen stein geworfen: die kirchliche trauung ohne standesamt ist endlich keine ordnungwidrigkeit mehr.... das heißt doch das jeder der mal bock hat seine freundin oder seinen freund zu ehelichen dies tun kann ohne gleich fürchterliche konsequenzen per gerichtlicher scheidung zu erleben. ich finde das hat was....
aber ganz ehrlich: wer braucht sowas?
Franzoesin (03.07.2008, 14:39 Uhr)
off topic ?
Lieber us-amerikanischer Administrator a) vielleicht ist es Ihnen entgangen - aber die übliche Landessprache in der BRD ist NOCH deutsch - daher, was heißt: off topic.?
b) Ich nehme an, Sie haben meinen Beitrag gelöscht, weil das Wort JUDE darin vorkommt ? Denn interessanterweise ist der NUTZER " Wintersaint" der die Bundestags-Abgeordneten als "Idioten" bezeichnet , nicht "off topic" ?! und wurde nicht gelöscht.
Für Ihre Stellungnahme - vielen Dank im Voraus.
Administrator (03.07.2008, 14:07 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir mussten an dieser Stelle einige Kommentare löschen, da diese off topic waren.
Bitte diskutieren Sie zum Thema des Artikles.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
ank.tux (03.07.2008, 13:42 Uhr)
Eheschliessung
Es kommt immer wieder vor dass Menschen Haarspaltereien betreiben.
Für mich ist wichtig, das die kirche ganz weg kann. Da brauchen wir keine Trauungen/Eheschliessungen in den Häuser wo es da heisst was Gott zusammengefügt... es ist doch nur der Priester der das Ganze zusammenfügt. anbegonnen hat das ganze mit dem Slogan "Wir sind Pabst".
Was ein Quatsch da ist nur einer Pabst und dann ist es auch nur ein Vertreter Job.
brandenburger (03.07.2008, 13:28 Uhr)
Komisches Gesetz
Ich verstehe die ganze Aufregung hier nicht und frage mich, ob die Kirchen solch ein Gesetz überhaupt wollten. Zumindest ist es ein Gesetz, das gerade die Trennung von Staat und Kirche betont, denn: es wird ja deutlich gesagt, dass das, was Kirche bei einer Trauung macht, ohne jede rechtliche Konsequenzen bleibt. Kann es auch salopper sagen: egal, was die da in der Kirche machen! Anmerkung zum Schluss: die Begriffe sollten sauber getrennt werden: auf dem Standesamt geschieht eine Eheschließung, nichts mehr und nichts weniger - in der Kirche findet die Trauung statt. Beim Bäcker wird ja auch kein Kuchen geschlachtet oder gedüngt...
ank.tux (03.07.2008, 13:08 Uhr)
Frechheit siegt
mal wieder ein Gesetz das zu zersetzung unserer Demokratie führt.
Staat und Kirche sind zu trennen also sollte auch ausschliesslich der Staat das Rech auf Eheschliessungen haben. Es ist ohnehin Zeit die religiösen Hintergründe einer Ehenschliessung und des Lebens allgemein abzulegen.
Wir sind so aufgeklärt also wozu das ganze dann noch?
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