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3. Oktober 2008, 12:17 Uhr

Viele Psychiater, viele Depressionen

Mit dem Gesundheitsfonds treten neue Honorarregeln für niedergelassene Ärzte in Kraft. Künftig bekommen sie mehr Geld, je mehr Menschen in ihrer Region krank werden. Die Konsequenz lässt sich jetzt schon erahnen. Die Statistik belegt: Ärzte schaffen sich ihre Kundschaft mitunter selbst. Von Andreas Hoffmann

Bonbons für die niedergelassenen Ärzte: Mit dem Gesundheitsfonds treten neue Honorarregeln in Kraft© Rolf Vennenbernd/dpa

Mit dem Gesundheitsfonds, der am 1.1.2009 in Kraft treten soll, werden auch die Krankenkassenbeiträge steigen - auf etwa 15,5 Prozent. Wozu braucht brauchen Kassen und Regierung das zusätzliche Geld? Zum Beispiel für die niedergelassenen Ärzte. Für sie sollen vom gleichen Zeitpunkt an neue Honorarregeln gelten. Bislang hängen die Honorare davon ab, wie viel die Menschen in einer Region verdienen. Wuchsen die Löhne, wuchs auch das Honorar der niedergelassenen Ärzte. Künftig erhalten die Mediziner mehr Geld, wenn die Menschen kränker werden. Erleiden etwa mehr Menschen in Hamburg eine Grippe, strömt mehr Honorar.

Eigentlich ist das vernünftig. Ein Arzt, der sich aufwendig um viele Rheumakranke kümmert, sollte dafür gut bezahlt werden. Aber das Prinzip ist auch verführerisch, weil es auf den Behandlungsdaten der Ärzte basiert, meint der frühere Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses Klaus Kirschner. Diagnostizierten viele Ärzte eine einfache Erkältung als Bronchitis, gilt der Mensch als kränker, was die Honorare steigen lässt. "Die Ärzte können den Geldschrank selbst öffnen", sagt er. Auch der Honorarfachmann vom Spitzenverband der gesetzlichen Kassen, Manfred Partsch, hält das Verfahren für manipulationsanfällig. "Irgendwann könnten wir ein Volk von Kranken sein."

Depressionen im Süden

Wie stark die Ärzte bereits heute die Häufigkeit von Krankheiten beeinflussen, zeigt das Beispiel Depression. Die Seele erkrankt aus verschiedenen Gründen. Der eine leidet, weil er an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt. Der andere, weil er generell mutlos ist. Manchmal ist es auch einfach vererbt. Deswegen müsste sich die Zahl der Depressionskranken mehr oder weniger gleichmäßig über das Land verteilen.

Tut sie aber nicht, wie Erhebungen der Barmer Ersatzkasse zeigen. Deren Experten haben anhand von Arzt-Diagnosen und Arzneimittelabrechnungen ermittelt, wo die Krankheit hierzulande auftaucht. Nach ihren Berechnungen gibt es ein Nord-Süd-Gefälle. Im Osten und Norden Deutschlands leben wenig Depressive, dafür aber viele in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen sowie in Bremen, Hamburg und Berlin. Warum? Es sind vor allem die Psychiater. Berlin hat pro Bürger fast achtmal so viele wie das angrenzende Brandenburg, Hessen noch dreimal so viele wie Sachsen.

Kommt der Gesundheitsfonds, sollen die neuen Honorarregeln kommen - und dann wird sich dieser Trend wohl noch einmal deutlich verschärfen.

© stern.de-Infografik

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© stern.de-Infografik

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Alles über den Gesundheitsfonds...

Alles über den Gesundheitsfonds... ... und die Gesundheitsreform lesen Sie in der aktuellen Titelgeschichte des stern

Von Andreas Hoffmann
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
kochc (03.10.2008, 13:35 Uhr)
@Alex64
Nein, keiner hat hier etwas über einen "ganzen Stand" gesagt, und auch nichts von Selbstbedienung. Nur ist es ebenso, dass eine jede Praxis einen Grundbedarf an der Erbringung abrechnungsfähiger Leistungen erzeugt - das ist keine moralische Frage, sondern eine betriebswirtschaftliche. Insofern ist es erst einmal unabweisbar, dass eine sehr hohe Arztdichte das Volumen an Leistungen (Diagnosen, Therapien) und damit die Kosten erhöht.
Nun wissen wir allerdings, dass ein entscheidender Preistreiber in genau diesem Bereich die Verordnung von Psychopharmaka ist, und alle neueren Untersuchungen weisen in die Richtung, dass die Verordnung der neueren Antidepressiva gegenüber Placebo bei leichter und mittelschwerer Depression keinen Vorteil bringt. Insofern können Sie sicher davon ausgehen, dass in diesem Bereich ein Ausgabenüberschuss zuungunsten der Solidargemeinschaft entsteht, meines Erachtens nach aber nicht durch Überdiagnose, sondern durch Übertherapie.
Will sagen: Wenn sich die Erkenntnis durchsetzte, dass mit lebenshygienischen, psychosozialen und psychotherapeutischen Interventionen der Bereich den leichteren und episodischen Formen der Depression zuverlässig begegnet werden könnte, wäre das ganz nicht so problematisch.
Der entscheidende Punkt ist, dass wir in vielen Bereichen der ambulanten Versorgung von guter medizinischer Praxis weit entfernt sind, und dass leider landauf, landab irgendetwas verordnet wird, besonders gern Arzneitherapien.
Ich hätte nichts gegen eine höhere Dichte von Psychiatern in eindeutig unterversorgten Regionen des Ostens einzuwenden, würde aber hoffen, dass die dann auch das Richtige tun. Denn ohne einen Einzug der klinischen Vernunft ist es ohnehin müßig, den Milliarden nachzuweinen, ob sie nun für Werbespots, überflüssige Tabletten oder doppelte Facharztschienen ausgegeben werden. Als ich vor 22 Jahren in das Gesundheitswesen eintrat, galt exakt die selbe Regel, die auch heute gilt: Was da ist, wird auch ausgegeben. Auf jeden Fall.
Gruß c
SirExekutive (03.10.2008, 13:30 Uhr)
die elite
hat unser geliebtes deutschland völlig vernichtet... außer ein kurz vor dem zusammenbruch stehendes korruptes umschichtungssystem ist nicht mehr übrig geblieben.. alles ist korrumpiert.. alle haben sich an der eier legenden vollmilch sau deutschland auf illigalen wegen bereichert.. jetzt ist dieses land bzw. die bevölkerung bis auf den letzten tropfen blut ausgesaugt...
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wir sind alle so dermaßen systematisch ausgesaugt wurden, das es kein wunder ist, das die halbe bevölkerung in irgendeiner art und weise krank geworden ist..
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da bietet es sich ja förmlich an, die krankenkassen in ihrer leistungen zu zerschlagen um so alle kranken bürgern die chance auf "heilung" zu verwehren
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in deutschland wird seit jahren krieg gegen die eigene bevölkerung geführt
und jeden tag wird dies auch klarer.. die systemmedien verschließen weiterhin ihre beiden augen, nähen sich den mund zu und stecken sich beide finger in beide gehörgänge..
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lügen werden gedruckt.. merkel die galionsfigur des volkshochverrates wird weiterhin als kanzlerin dargestellt, welche ja so super mächtig und gescheit ist.
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deutschland als staatensystem wird unter gehen, sofern nicht schleunigst die verbrecherbande in regierung und tief verflochtenem hochmafiösen wirtschaftssystem inhaftiert werden
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wo bleibt der geheimdienst wenn man ihn braucht?
wo bleibt der verfassungsschutz wenn man ihn braucht?
wo bleibt die justiz wenn man sie braucht?
wo bleibt das kriminalamt wenn man sie braucht?
wo bleiben die logen wenn man sie braucht?
.warum drücken sich alle ihrer verantwortung, so das der dumme bürger jener ist, welcher aufrütteln muss?
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das ist meine meinung und die meinung vieler interlektuelle welche ebenfalls systematisch in den medien ausgeblendet werden, um den schein aufrecht zu erhalten das alles gut ist
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iovialis (03.10.2008, 13:22 Uhr)
Zweiseitiges Problem
Auf der einen Seite stellt sich die Frage, wer solche Dinge eigentlich bezahlt. Haben wir einen Gesundheitsfond, so zahlt jeder ein.
Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, wie man das verteilt, was da gesammelt wurde.
Wenn nun ein Arzt nach Leistung bezahlt wird und der Patient nicht direkt zahlen muß, fällt es ihm wohl leichter, den Patienten öfters zu sich zu bestellen (oder gar langfristig an sich zu binden), um dadurch (bezahlte) Leistung zu erbringen. Geht es dem Arzt dann um die "Heilung" des Patienten oder um persönliche Bereicherung oder gar ums nackte Überleben (des Arztes)?
L.Gleichmann (03.10.2008, 13:19 Uhr)
??????
Aus der Bankenkrise nichts gelernt, da haben doch schon wieder welche nicht mehr alle Dachlatten am Zaun.
Scheissdeutschland!!!!!!!!!!
jack777 (03.10.2008, 13:01 Uhr)
Oder andersrum
Es gibt viele Depressionen, weil es viele Psychiater gibt? Vielleicht gibt es ja auch viele Psychiater, weil es viele Depressionen gibt? Ist genauso logisch und wahrscheinlich genauso ein Quatsch.
Kiezzabel (03.10.2008, 12:53 Uhr)
Überschüsse
Schon im vergangenen Jahr konnten die Krankenkassen gut Überschüsse verbuchen. Die Barmer beispielsweise ein Plus von 300 Millionen.
Mit dem Zaster muss man halt irgendwo hin. Entweder in TV-Werbung buttern, oder meine KK schickt mir immer so ein Mitgliedermagazin, mit so tollen Gesundheitstipps, wie "Esst mehr Äpfel!"
Gesetzliche Krankenkassen: Überschuss von 1,73 Mrd. Euro, 2007 Quelle: BMG.
Was an der Grafik auffällt ist, dass man öffensichtlich in Hessen den seelischen Beistand am nötigsten hat ;-)
Ansonsten stimme ich alex zu, denn wirkliche Unterschiede gibt's bei dn KKs eh bald nicht mehr .
Sternchen2020 (03.10.2008, 12:53 Uhr)
Was benötigen wir noch Statistiken,
Depressionen stellen sich ganz automatisch ein angesichts dieses Gesundheitsfonds. Meines Erachtens ist es Zeit, vorzeitige Wahlen einzuleiten. Es hat sich summiert, mit diesem Fond ist das Maß dessen, was sich Politiker erlauben dürfen, weit überschritten.
Alex64 (03.10.2008, 12:39 Uhr)
Wird damit
...mal wieder ein ganzer Stand pauschal in die Ecke "Selbstbedienung" gestellt?
Die Graphik (und Statistik) der Barmer hinkt.
Kleines Beispiel?
Psychiater BW - höchste Konzentration in der Landeshauptstadt - niedrigste Konzentration der Depressionen in BW.
Aber immer so, wie es für den Urheber einer Statistik am Günstigsten ist, oder?
Vielleicht sollte man wirklich prüfen, ob nicht EINE "Krankenkasse" (staatlich) nach Vorbild von "Medicare" die Kosten auf dem Gesundheitssektor am deutlichsten senken würde?
Wenn ich schon jeden Abens sehen muss, dass die AOK (und andere) das Geld der bei ihr Versicherten für !!TV-Werbung!! mit vollen Händen aus dem Fenster wirft....
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