Startseite

Stoiber wird SPD-Chef

Nach stern.de-Informationen bewerben sich Edmund Stoiber und Horst Seehofer um führende Positionen in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die ersten Reaktionen von Seiten der SPD waren enthusiastisch.

Von Florian Güßgen

Dieses Jahr ist voller epochaler Ereignisse. Ein Bayer wird Papst, im Mai entleibt sich Bundeskanzler Schröder, die Europäische Union vergeigt die Verfassung und Angela Merkel die Bundestagswahl. Und an diesem Montag, einen Tag vor Allerheiligen - an Halloween, my friends! - tritt auch noch Franz Müntefering zurück, die Verkörperung der deutschen Sozialdemokratie. Aber damit nicht genug. Wie stern.de soeben aus sicherer Quelle erfahren hat, hat die Dramaturgie dieses wunderbaren Jahres ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.

Die Katharsis steht uns erst noch bevor. Edmund Stoiber, bisher Ministerpräsident in Bayern und Chef der dort ansässigen Christlich Sozialen Union (CSU), will zum nächstmöglichen Zeitpunkt den SPD-Vorsitz übernehmen. Schon am Mittwoch, heißt es aus München, werde der SPD-Parteivorstand Stoiber für die Nachfolge Münteferings vorschlagen. Die am Montag von dem Gremium designierte Generalsekretärin Andrea Nahles wolle Stoiber mit Hilfe des konservativen Seeheimer Kreises aus dem Amt putschen, hieß es. An ihrer statt werde Horst Seehofer, bisher designierter Landwirtschafts-Minister im Kabinett Merkel, diesen Posten übernehmen. Stoiber, so hieß es weiter, werde sich, anders als sein Vorgänger, jedoch einer großen Koalition mit der CDU verweigern. Stattdessen wolle er das soziale Profil der SPD schärfen und in Neuwahlen eine absolute Mehrheit erzielen.

Beckstein und Huber im Englischen Garten

Die CSU hat diesen Schritt ihres demnächst ehemaligen Vorsitzenden bereits mehrheitlich begrüßt. Nach ersten Meldungen vom Nachmittag, Stoiber verweigere nach dem Rückzug Münteferings den Umzug nach Berlin und wolle in der Münchner Staatskanzlei bleiben, waren in der Landtags-Fraktion in München Tumulte ausgebrochen. CSU-Abgeordnete sollen schreiend auf die Tische gesprungen sein. Staatskanzlei-Chef Erwin Huber und der bayerische Innenminister Günter Beckstein, bislang Konkurrenten im Kampf um die Stoiber-Nachfolge, sollen im nahe liegenden Englischen Garten gemeinsam Bäume gefällt haben. "Ich muss die Staatskanzlei verrammeln. Verrammeln. Verrammeln", soll Huber gerufen haben. "Und der Günter hilft!" Beckstein erwog nach inoffiziellen Angaben aus Kreisen seines Ministeriums zudem ein Einreise-Verbot für Stoiber. Erst nachdem Stoibers Ambitionen auf den SPD-Vorsitz ruchbar wurden, konnte die Polizei die Ausschreitungen in Landtag und Staatskanzlei eindämmen.

Erstaunliches von der CDU

Aus Kreisen der Sozialdemokraten war zu hören, dass man sich über den unkonventionellen Schritt Stoibers freue. "Es ist wichtig, dass wir eine profilierte Führungsfigur an unserer Spitze haben", sagte ein ostdeutscher SPD-Landeschef. "Stoiber hat ein feines Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung. Außerdem verbindet er preußische Disziplin mit einer deftig bayerisch-barocken Lebensart. Das komme an. "Das ist in etwas so, als ob die gesamte erste Mannschaft des FC Bayern jetzt zu Eintracht Braunschweig oder Hansa Rostock wechseln würde" so der ostdeutsche Landeschef. "Für lau! Das ist eine Riesen-Chance für uns. Die müssen wir nutzen." Andere sahen die Entscheidung Stoibers kritischer. Fraktions-Vize Ludwig Stiegler, bayerischer SPD-Chef und Vertreter Frankens soll gesagt haben: "Wir machen den Müntefering wieder zum Partei-Chef. Alles andere ist doch gelogen." Trotz der Stieglerschen Rufe gilt, so hört man, eine Mehrheit Stoibers auf dem SPD-Parteitag in Karlsruhe als sicher.

Erstaunliches hört man dagegen aus der CDU. Angela Merkel soll seit Stunden ausgelassen durch das Konrad-Adenauer-Haus hüpfen. Seitdem sie die Kunde aus München vernommen hat, soll sie unentwegt kichern und dabei drei Worte in den Lichthof juchzen: "Gott sei Dank."

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools