24. September 2012, 14:01 Uhr

Helmut Kohl fehlen drei Cent

Das Verhältnis zwischen Schäuble und Kohl ist bekanntlich zerrüttet. Was sich, so das Berliner Geflüster, auch am Wert der Sonderbriefmarke für den Altkanzler ablesen lässt. Von Hans Peter Schütz

 
Wolfgang Schäuble, Helmut Kohl, Der fröhliche Sisyphos, Sonderbriefmarke, Angela Merkel, Richard von Weizsäcker, Theo Waigel, Steinbrück, Kanzlerkandidat

Altkanzler Helmuth Kohl liegt seit Jahren im Clinch mit Wolfgang Schäuble©

Die Beziehung zwischen Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl bestimmt dieser Tage das politische Geflüster in Berlin. Bei der Vorstellung der Festschrift für Schäuble, Titel: "Der fröhliche Sisyphos" (Herder-Verlag), zu der enge Mitarbeiter und politische Mitstreiter Beiträge geliefert haben, wurde zum Beispiel der Konflikt um die Herausgabe einer Sonderbriefmarke für Kohl diskutiert. Bekanntlich wird der Altkanzler mit der Marke am Donnerstag dieser Woche geehrt, Anlass ist seine Kanzlerwerdung vor 30 Jahren. Die obligatorische Rede hält nicht der dafür zuständige Fachminister Schäuble, sondern Kanzlerin Angela Merkel, was ein Schlaglicht auf die zerrüttete Beziehung zwischen den beiden Männern wirft.

Nun liefern die Beamten des Finanzministeriums eine bissige Story nach. Und die geht so: Zum Glück habe die Post ja eine Portoerhöhung um drei Cent beantragt. Die werde garantiert genehmigt. Denn Schäuble sei als Finanzminister sehr dafür. Nebeneffekt: Der Absatz der 55-Cent-Marke mit dem Kopf Kohls werde dadurch gebremst. Denn die Kunden müssten sich ja noch eine Drei-Cent-Marke hinzukaufen, um ihre Post mit dem Konterfei des Altkanzlers zu bekleben.

Bei der Buch-Präsentation war übrigens Altbundespräsident Richard von Weizsäcker vor Ort, der sich von Angela Merkel gewünscht hatte, Schäuble möge ins Amt des Bundespräsidenten berufen werden. Er kommentierte den Buchtitel, der einen fröhlich lächelnden Schäuble zeigt, mit feinem Lächeln. Weizsäcker zu stern.de: "Ich finde den Titel, wenn ich ihn mir so anschaue, überraschend schön."

*

Neben Schäuble hat vor allem Peer Steinbrück Konjunktur auf dem Buchmarkt. Gleich zwei neue Biografien kommen auf den Markt. Bei der Vorstellung des Buchs "Steinbrück" (Droemer Verlag), geschrieben von den Journalisten Eckhart Lohse und Markus Wehner ("Frankfurter Allgemeine"), diente Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel als kritischer Laudator. Der CSU-Mann gab der SPD "guten Rat". Am besten sei es für die Partei, wenn sie ohne Kanzlerkandidat, aber mit der Troika Steinbrück, Steinmeier, Gabriel in die Bundestagswahl gehe. Waigel: "Es ist besser, die SPD entscheidet die Frage erst nach der Wahl. Denn wenn sie einen zum Kandidaten ernennt, dann sind nach der Wahl auf jeden Fall zwei der Genossen schwer beschädigt." Waigel verriet allerdings nicht, wen er für den Besten hält. Wie am Rande geflüstert wurde, hat ihm Steinbrück verboten, seinen Namen zu nennen. Angeblich mit den Worten: "Wenn Sie mich nennen, dann ist das mein politisches Ende." Waigel selbst kann sich daran nicht mehr erinnern, leugnet jedoch nicht, dass er eine "politische Grundsympathie" für Steinbrück hat.

Die Meldung der Zeitschrift "Cicero", wonach bereits feststehe, dass Steinbrück Kanzlerkandidat wird, hat Steinbrück heftig dementiert. "Das sind alles ungelegte Eier". Mit ihm habe niemand gesprochen. Auch die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erklärte: "Es gibt definitiv keinen neuen Stand in der K-Frage der SPD." Laut "Cicero" soll der Kanzlerkandidat noch vor Weihnachten ausgerufen werden, um bei der Landtagswahl in Niedersachsen zu Beginn nächsten Jahres die SPD attraktiver zu machen.

Die beiden Autoren seiner Biografie scheinen Steinbrück auf jeden Fall für den kommenden SPD-Mann zu halten. Sie schreiben: "Dass er es ohne herausragendes Amt in Regierung, Parlament oder Partei bis an die Spitze der Beliebtheitsumfragen geschafft hat und sogar für das wichtigste politische Amt gehandelt wird, ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik einmaliger Vorgang." Auf jeden Fall erfülle "Steinbrück die Sehnsucht nach dem anderen, dem atypischen Politiker". Für ihn gelte, dass er die Fähigkeit zur Zuspitzung besitze und auch die "Aura seriösen Sachverstands hat". Mal sehen, zu welchem Urteil die nächste Steinbrück-Biografie kommt, die diese Woche vorgestellt wird. (Daniel Goffart: Steinbrück. Die Biografie, Heyne-Verlag).

 
 
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