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28. Juni 2008, 09:37 Uhr

Schlagabtausch zur Sommerpause

Wulff gegen Struck, Struck gegen Kauder, Kauder gegen Beck: Jeder gegen jeden, so scheint mit Beginn der Sommerpause das Motto der Großen Koaliton zu lauten. Als wäre das nicht schon schlimm genug, hat sich zudem Friedrich Merz zu Wort gemeldet und Angela Merkel kritisiert.

Zwischen Angela Merkels CDU und Peter Strucks SPD läuft ein offener Schlagabtausch© Peer Grimm/DPA

Zu Beginn der parlamentarischen Sommerpause hat das Abrechnen unter den Partnern der Großen Koalition begonnen. SPD-Fraktionschef Peter Struck sah die Union wegen ihrer Abhängigkeit vom Kanzleramt als Bremser. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff gab den Bremservorwurf unverzüglich an die SPD zurück. Unionsfraktionschef Volker Kauder attackierte SPD-Chef Kurt Beck. Die offene Kanzlerkandidatur stürze die SPD in Unruhe.

Struck hielt der Union autoritäre Entscheidungsstrukturen vor. Dies behindere die Arbeit der Koalition erheblich, sagte er in einem Interview der "Welt am Sonntag". Offenbar könnten die Abgeordneten von CDU und CSU kaum etwas ohne Zustimmung des Kanzleramtes entscheiden. Dadurch komme die Koalition unter anderem beim Mindestlohn und bei der Erbschaftsteuer nicht voran.

Keine Ansprechpartner für Arbeitsgruppe

Als weiteres Beispiel nannte er die Besetzung der geplanten Arbeitsgruppe unter der Leitung von Arbeitsminister Olaf Scholz zur Festlegung der Branchen, in denen ein Mindestlohn eingeführt werden soll. "Die Union ist nicht einmal in der Lage, die Ansprechpartner dieser Arbeitsgruppe zu benennen. Die Erbschaftsteuer-Verhandlungen könnten wir auch fachpolitisch abschließen. Trotzdem hakt es, weil die CSU-Führung bremst", kritisierte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Dagegen sieht der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff die SPD als Bremser. Er sagte im Münchner Magazin "Focus", Struck und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier könnten nur so weit agieren, wie die SPD-Linke Andrea Nahles dies zulasse. "Im Alltagstrott einer Großen Koalition mit vielen Kompromissen gibt es eine Sehnsucht nach CDU pur," wurde der niedersächsische Ministerpräsident zitiert.

Kauder wiederum attackierte Beck, weil er eine Machtfrage an der SPD-Spitze ungeklärt lasse. Er sagte dem "Tagesspiegel am Sonntag", als Konsequenz sei "die Truppe in Aufruhr". Es führe auch nicht gerade zur Beruhigung, "dass der SPD-Vorsitzende seine Leute jetzt täglich mit neuen Botschaften bis zur Höchstspannung treibt". Die SPD komme erst wieder zur Ruhe, wenn geklärt sei, "wer wird Kanzlerkandidat, wer bleibt Parteichef".

SPD-Vordenker Erhard Eppler sprach sich für eine Kanzlerkandidatur Steinmeiers aus. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der frühere Bundesminister, alle die Steinmeier als Bürokraten abtäten, unterschätzten ihn. Beck als Parteichef wisse was er wolle, und er habe politische Substanz.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee unterstrich dagegen, dass die Kandidatenfrage offen sei. Das SPD-Vorstandsmitglied sagte der "Bild am Sonntag", eine Vorentscheidung zugunsten von Steinmeier gebe es nicht: "Wir entscheiden darüber zu einem Zeitpunkt, den der Parteivorsitzende (Kurt Beck) bestimmt. Punkt und Schluss der Debatte."

Merz warf Merkel unterdessen vor, sie setze falsche politische Prioritäten. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete von einem Brandbrief des Politikers, in dem er vor der Gefahr eines schlechten Abschneidens der Union bei der Wahl 2009 warnte. Der CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla gab im "Kölner Stadt-Anzeiger" als Wahlziel der Union 40 Prozent "plus x" aus. In jüngsten Umfragen lag sie bei 35 Prozent.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
fladdy36 (29.06.2008, 02:17 Uhr)
typisches kaspereletheater
das jahr 2008 ist noch nicht ganz rum und die buben im parlament machen sich sorgen um die wahlen 2009.... die sollten ihren job machen und endlich mal sinnvolle entscheidungen treffen, statt immer nur egoistisch an sich zu denken... denn die herren und damen sind vertreter des VOLKES
arniston (28.06.2008, 16:58 Uhr)
merz ?
diese chaoten gehören abgewählt.
verlogene bande. niemals nach dem krieg hatten wir so ein scheiss als ,,regierung,, vaterlandverräter
schröder und co.,mensch schreibt nicht so intensiv das hat die chaotenbande nicht verdient, im übrigens verweise ich auf ,,wallenstein,,
schönen tag noch, helden...
raskas (28.06.2008, 16:57 Uhr)
Es wird auch für CDU ungemütlich
So langsam wird es ungemütlich in Angela Merkels Wolkenkuckucksheim. Dass diese große Koalition für die Mehrheit der Bürger nicht nur nichts gebracht, sondern ihnen das Leben deutlich schwerer gemacht hat, werden die weltfremden Abgeordneten - auch die der CDU – spätestens jetzt in den Parlamentsferien im Heimatwahlkreis erfahren, sofern sie überhaupt den Mut haben, sich der Konfrontation stellen. Die Volksseele kocht angesichts der vielen Entscheidungen aus Berlin am Mehrheitswillen des Volkes vorbei. Die CDU fühlt sich angesichts der auch medial beförderten Schwäche der SPD - und dank angeblich grandioser Umfragewerte für Frau Merkel - auf der sicheren Seite. Doch auch für die Christdemokraten wird bald das böse Aufwachen kommen. Und dann sind auch sie plötzlich keine Volkspartei mehr.
Asteriskina (28.06.2008, 16:32 Uhr)
Ja, Merz....
...der noch immer ein hübsches Sümmchen fürs Nichtstun in der Politik kassiert musste natürlich auch noch einmal kurz aufstoßen. Am besten wir wünschen allen einen schönen Urlaub udn freuen uns, dass ein paar Wochen Ruhe an der Front herrscht. Jedes Mal im Sommer bin ich überrascht, wie angenehm das Leben in Deutschland ist, wenn all diese Neunmalklugen für eine Zeit die Luft anhalten.
Heizkessel (28.06.2008, 15:34 Uhr)
Toll!
irgendwie alle nur Geistesbremsen, wo man hinschaut.
Toll, der Merz, der hat erkannt, daß die Frau M. ihre Prioritäten lieber auf das Häppchen-Greifen im Dunstkreis der Sport-Elite setzt..
Toll, so kurz vor dem Wohlverdienten Urlaub noch das übliche Krakelen...
Einfach nur toll!
arniston (28.06.2008, 15:14 Uhr)
etwa so?
wallenstein ?
,,So kommentierte der damals 35jährige Baron Albrecht von Wallenstein den Prager Fenstersturz vom 23. Mai 1618, bei dem zwei kaiserliche Räte und ein Schreiber von böhmischen Protestanten aus einem Fenster des Hradschins geworfen wurden und einen Sturz aus 17 Meter Höhe überlebt hatten.
Beamte aus einem Fenster der Prager Burg zu werfen, war schon Tradition und geradezu ein Symbol böhmischen Widerstandes. Bereits am 30. Juli 1419 hatten aufgebrachte Hussiten 13 katholische Stadträte kurzerhand aus dem Fenster geworfen.
Wallenstein ahnt nicht, daß mit diesem Ereignis die Voraussagen seines Horoskops,, ....
Ich glaube zwar nicht an das Horoskop, aber eine Frage:,,Wie hoch ist eigendlich das Kanzleramt?,,
,, Obwohl es keine unumstrittene Theorie der Fiktion gibt, lassen sich die grundlegenden, charakteristischen Eigenschaften der Phänomene beschreiben, die als Fiktion bezeichnet werden.,,
ritchie (28.06.2008, 14:12 Uhr)
Ach ja, Ihr CDU-Claqueure
Ihr hättet euch doch bei allem was Struck sagt das Maul über die SPD zerissen. Das ca 300 der Abgeordneten in unserem Bundestag überflüssig sind weil die wirklichen Entscheidungen nur im inneren Zirkel der Klima-Kanzlerin fallen ist doch bekannt. Die eiserne Lady läßt nichts durchgehen und wenn sie bei der EM ist oder am Nordpol da müssen die Jungs zuhause halt warten bis sie zurückkommt. Ein Lob auf die emanzipierte Partei CDU, die trauen sich was.
Asteriskina (28.06.2008, 13:15 Uhr)
@vegefanz
Zitat: "... , daß die CDU keine Problemen mit Besserwissern und Klugscheissern hat"
Herrlicher Treppenwitz, selten so gleacht;-)
vegefranz (28.06.2008, 12:46 Uhr)
der Vorteil von Autorität ist ....
.... , daß die CDU keine Problemen mit Besserwissern und Klugscheissern hat. Eine Graupe wie Nahles würde dort ihre dämlichen Thesen nicht verbreiten.
ak95630 (28.06.2008, 12:06 Uhr)
Entscheidungen
Bei der SPD darf halt jeder entscheiden, vor allem jeder etwas Anderes.
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