Wie geht's in Wiesbaden weiter? Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele will seinen hessischen Parteifreunden nicht reinreden. Aber: Seiner Ansicht nach sollten linke Wahlergebnisse in linke Regierungen münden. Einen Tipp, wohin Roland Koch dann flüchtet, gibt Ströbele im stern.de-Interview auch ab.

"Ungeheuer dankbar": Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele© Marcus Brandt/ddp
Ganz eindeutig die SPD unter ihrer Spitzenkandidatin.
Da täuscht sie sich. Wer ein Viertel der Wählerinnen und Wähler verliert, gewinnt die Wahl nicht. Ein Minus von zwölf Prozent ist eine erhebliche und verdiente Klatsche für Roland Koch.
Es ist in der Tat positiv, dass Kochs Kampagne - die ja von der Springer-Presse eine Woche lang mit Schlagzeilen auf der ersten Seite unterstützt wurde - in Hessen nicht gezündet hat. Dafür bin ich den Bürgerinnen und Bürgern in Hessen ungeheuer dankbar.
Das kann ich von Berlin aus schwer beurteilen.
Zunächst freue ich mich darüber, dass es weiter linke Mehrheiten in Deutschland gibt. Das ist gut. Und nun gilt es, das umzusetzen - im Sinne der betroffenen Bevölkerungsgruppen, die auf neue Politik hoffen. Wie - das müssen die hessischen Parteien vor Ort entscheiden.
Für eine Zusammenarbeit sollten allein die Inhalten maßgeblich sein. Ber ich sehe, dass sich einige Politiker vor der Wahl festgelegt haben und jetzt nicht sagen können: "Was geht mich mein Geschwätz von gestern an".
Ich gehe davon aus, dass auch die Sozialdemokraten umdenken werden und mit Festlegungen vor der Wahl künftig vorsichtiger werden. 1980 hatte die Berliner SPD vor den Landtagswahlen gesagt: Niemals mit den Grünen. Kurz nach der Wahl saßen wir zusammen.
Die Grünen in den Ländern, darauf legen wir großen Wert, entscheiden das selbst. Die Landesverbände sind da autonom. Was mich persönlich betrifft, so werbe ich schon seit der letzten Bundestagswahl dafür, aus den linken Wahlmehrheiten auch Regierungsmehrheiten zu machen, wenn irgend möglich rot-grün.
Dafür sehe ich überhaupt keine Grundlage. Wenn ein Wahlkampf dezidiert gegen die CDU und gegen Roland Koch geführt wird, dann gilt auch nach der Wahl noch die Wahrheit, dass Kochs CDU und grüne Auffassungen zur Schul- und Bildungs, Atom-, Migrations- und Jugendpolitik nicht zusammenpassen.
Das entscheiden die Wähler. Und ich hoffe, dass sie die Konsequenzen aus den Ergebnissen ziehen und bei den nächsten Wahlen, vor allem im Bund 2009, eine Blockadesituation vermeiden.
Roland Koch wird sich vermutlich in nicht allzu ferner Zukunft aus der hessischen Politik verabschieden. Ob er dann hier in Berlin auftaucht oder bei einem Industrieunternehmen, wage ich nicht vorauszusagen.
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