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21. November 2009, 13:46 Uhr

Der Nebenaußenminister

Brüssel, Paris, Washington - Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine ersten Besuche als Verteidigungsminister hinter sich. Und schon steht die Frage im Raum: Ist er der heimliche Außenminister? Von Axel Vornbäumen, Washington

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Karl-Theodor zu Guttenberg, hier neben seinem US-Amtskollegen Robert Gates in Washington, fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Rolle als Verteidigungsminister© Michael Reynolds/DPA

Der Mann ist tief beeindruckt. Eine Mischung aus Stolz und Verlegenheit hat ihn sichtlich ergriffen, was auch an der leicht geröteten Gesichtsfarbe abzulesen ist. Mehrfach muss er schlucken, bevor die erste Frage an ihn gerichtet wird. Dann wird er von der Freundschaft der USA mit Deutschland sprechen, davon wie wichtig die enge Abstimmung im transatlantischen Bündnis ist - und wie sehr man sich in vielen Fragen um "Gemeinsamkeit" bemühe. Es sind die Standard-Plattitüden des internationalen Diplomatenvokabulars. Doch Guido Westerwelle ist spürbar erleichtert, als er sie in seiner Muttersprache bei seinem ersten Auftritt im State Department unfallfrei zu Ende führt. Neben ihm steht Hillary Clinton, die US-Außenministerin. Die sagt, es sei eine exzellente Konversation gewesen. Westerwelle glaubt das auch.

Zwei Wochen ist der Antrittsbesuch Westerwelles jetzt her. Westerwelles erste Schritte in eine für ihn bislang weitgehend fremde Welt sind, nun ja, noch etwas ungelenk. In Washington hat ihn wohlwollende Nachsichtigkeit seiner Gesprächspartner umhüllt - er hat die Positionen Deutschlands zu den wichtigen Themen Afghanistan, Pakistan, Iran weitgehend präzise klar gemacht. Mehr konnte man nicht erwarten von dem Neuen. Doch es herrscht allenthalben der Eindruck: Bei dem Mann, der neuerdings das "Ich bin Deutschland"-Gefühl mit sich herumträgt, ist noch Luft nach oben.

Westerwelle und Guttenberg trennen Welten

Der Mann hinterlässt tiefen Eindruck. Mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und rhetorischer Brillanz reiht auch er die Standard-Plattitüden der internationalen Diplomatensprache aneinander - allerdings in fehlerfreiem Englisch. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sichtlich Spaß, wieder in die geliebte Community der Außen- und Sicherheitspolitiker einzutauchen. Es ist sein politisches Steckenpferd. Hier kennt er sich aus. Er ist spürbar froh, die Wirtschaftspolitik hinter sich gelassen zu haben. Washington ist wie ein Heimspiel. Seine Gesprächspartner kennt er (fast) alle. Manche nennen ihn längst einen Freund. Unzählige Male war er in den USA.

Knapp zwei Wochen liegen zwischen den Antrittsbesuchen von Westerwelle und Guttenberg - und (noch) sind es Welten, die die beiden trennen. Gute drei Wochen nach ihrer Vereidigung als neue Minister in der schwarz-gelben Koalition wird klar, dass der heimliche Wettlauf darum längst begonnen hat, wer nach der Kanzlerin Deutschland im Ausland am eindrucksvollsten vertritt. Die wichtigsten Themen sind - weitgehend - die gleichen, die wichtigsten Reiseziele auch. Westerwelle war zuerst in den USA und dann in Afghanistan. Guttenberg wählte den anderen Weg: "Erst die Truppen, dann die Partner", sagt der Verteidigungsminister in Washington - und auch so eine Formal trifft dort auf Wohlwollen. Und es ist auch schon der Kampf um die Bilder geworden, und um die Prägung jener Begriffe und Positionen, mit denen die neue Regierung durch die nächsten vier Jahre kommt.

Kampf um Begriffe und Bilder

Guttenberg liegt dabei klar vorne. Mit den Bildern hat er Glück. Ein Foto, das ihn inmitten von Soldaten in einer Militärmaschine zeigt, ist in derart stimmungsvolles Licht getaucht, dass es anderntags auf fast jeder Titelseite in deutschen Tageszeitungen gezeigt wird. Westerwelles Afghanistan-Fotos schaffen es nur auf die hinteren Seiten. Guttenberg hat dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr mit neuem Vokabular - "kriegsähnliche Zustände" - eine neue Sprachregelung und damit auch eine neue Bedeutung verpasst. Das ist bei den Soldaten gut angekommen, beim wichtigsten Bündnispartner aber auch. Auch Westerwelle hält die Formulierung für so geschickt, dass es den Anschein hat, dass er selber gerne darauf gekommen wäre. Guttenberg hat kürzlich die Tatsache, dass es im Alltag zu vielerlei Überschneidungen kommen wird bereits süffisant thematisiert: "Er kann darauf hoffen, dass wir in unserer Regierung Komplementärstrukturen schaffen, wo alle Teile vom jeweils anderen etwas verstehen".

Wer dabei vorerst der Taktgeber ist, daran lässt Guttenberg in gelegentlichen Anspielungen keinen Zweifel. In Washington spricht er vom Treffen der EU-Verteidigungs- und Außenminister, bevor er sich korrigiert, dass dies protokollarisch korrekt natürlich andersherum lauten müsse. Für die zur Amtseinführung das afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul weilenden Außenminister (also auch für Westerwelle) hat er von Washington aus den Vorschlag, dass es besser gewesen wäre, wenn sie nicht nacheinander sondern gemeinsam über den roten Teppich marschiert wären, um ihren Unmut über den laxen Regierungsstil Karsais mehr Nachdruck zu verleihen. Und als er bei einer Diskussionsveranstaltung in Washington gefragt wird, ob seine Gesprächspartner denn die künftige Position Deutschlands bei der von der FDP in den Koalitionsvertrag eingebrachten Forderung nach Abzug der US-Atomwaffen verstanden hätte, da antwortet Guttenberg: "Heute schon".

So viel kann man schon verraten: Guido Westerwelle wird noch viel Freude an den Komplementärstrukturen haben, die da der Kollege aus dem Verteidigungsministerium schafft.

Von Axel Vornbäumen, Washington
 
 
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