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22. November 2009, 09:24 Uhr

Der Nebenaußenminister

Brüssel, Paris, Washington - Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine ersten Besuche als Verteidigungsminister hinter sich. Und schon steht die Frage im Raum: Ist er der heimliche Außenminister? Von Axel Vornbäumen, Washington

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Karl-Theodor zu Guttenberg, hier neben seinem US-Amtskollegen Robert Gates in Washington, fühlt sich sichtlich wohl in seiner neuen Rolle als Verteidigungsminister© Michael Reynolds/DPA

Der Mann ist tief beeindruckt. Eine Mischung aus Stolz und Verlegenheit hat ihn sichtlich ergriffen, was auch an der leicht geröteten Gesichtsfarbe abzulesen ist. Mehrfach muss er schlucken, bevor die erste Frage an ihn gerichtet wird. Dann wird er von der Freundschaft der USA mit Deutschland sprechen, davon wie wichtig die enge Abstimmung im transatlantischen Bündnis ist - und wie sehr man sich in vielen Fragen um "Gemeinsamkeit" bemühe. Es sind die Standard-Plattitüden des internationalen Diplomatenvokabulars. Doch Guido Westerwelle ist spürbar erleichtert, als er sie in seiner Muttersprache bei seinem ersten Auftritt im State Department unfallfrei zu Ende führt. Neben ihm steht Hillary Clinton, die US-Außenministerin. Die sagt, es sei eine exzellente Konversation gewesen. Westerwelle glaubt das auch.

Zwei Wochen ist der Antrittsbesuch Westerwelles jetzt her. Westerwelles erste Schritte in eine für ihn bislang weitgehend fremde Welt sind, nun ja, noch etwas ungelenk. In Washington hat ihn wohlwollende Nachsichtigkeit seiner Gesprächspartner umhüllt - er hat die Positionen Deutschlands zu den wichtigen Themen Afghanistan, Pakistan, Iran weitgehend präzise klar gemacht. Mehr konnte man nicht erwarten von dem Neuen. Doch es herrscht allenthalben der Eindruck: Bei dem Mann, der neuerdings das "Ich bin Deutschland"-Gefühl mit sich herumträgt, ist noch Luft nach oben.

Westerwelle und Guttenberg trennen Welten

Der Mann hinterlässt tiefen Eindruck. Mit einer Mischung aus Selbstbewusstsein und rhetorischer Brillanz reiht auch er die Standard-Plattitüden der internationalen Diplomatensprache aneinander - allerdings in fehlerfreiem Englisch. Karl-Theodor zu Guttenberg hat sichtlich Spaß, wieder in die geliebte Community der Außen- und Sicherheitspolitiker einzutauchen. Es ist sein politisches Steckenpferd. Hier kennt er sich aus. Er ist spürbar froh, die Wirtschaftspolitik hinter sich gelassen zu haben. Washington ist wie ein Heimspiel. Seine Gesprächspartner kennt er (fast) alle. Manche nennen ihn längst einen Freund. Unzählige Male war er in den USA.

Knapp zwei Wochen liegen zwischen den Antrittsbesuchen von Westerwelle und Guttenberg - und (noch) sind es Welten, die die beiden trennen. Gute drei Wochen nach ihrer Vereidigung als neue Minister in der schwarz-gelben Koalition wird klar, dass der heimliche Wettlauf darum längst begonnen hat, wer nach der Kanzlerin Deutschland im Ausland am eindrucksvollsten vertritt. Die wichtigsten Themen sind - weitgehend - die gleichen, die wichtigsten Reiseziele auch. Westerwelle war zuerst in den USA und dann in Afghanistan. Guttenberg wählte den anderen Weg: "Erst die Truppen, dann die Partner", sagt der Verteidigungsminister in Washington - und auch so eine Formal trifft dort auf Wohlwollen. Und es ist auch schon der Kampf um die Bilder geworden, und um die Prägung jener Begriffe und Positionen, mit denen die neue Regierung durch die nächsten vier Jahre kommt.

Kampf um Begriffe und Bilder

Guttenberg liegt dabei klar vorne. Mit den Bildern hat er Glück. Ein Foto, das ihn inmitten von Soldaten in einer Militärmaschine zeigt, ist in derart stimmungsvolles Licht getaucht, dass es anderntags auf fast jeder Titelseite in deutschen Tageszeitungen gezeigt wird. Westerwelles Afghanistan-Fotos schaffen es nur auf die hinteren Seiten. Guttenberg hat dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr mit neuem Vokabular - "kriegsähnliche Zustände" - eine neue Sprachregelung und damit auch eine neue Bedeutung verpasst. Das ist bei den Soldaten gut angekommen, beim wichtigsten Bündnispartner aber auch. Auch Westerwelle hält die Formulierung für so geschickt, dass es den Anschein hat, dass er selber gerne darauf gekommen wäre. Guttenberg hat kürzlich die Tatsache, dass es im Alltag zu vielerlei Überschneidungen kommen wird bereits süffisant thematisiert: "Er kann darauf hoffen, dass wir in unserer Regierung Komplementärstrukturen schaffen, wo alle Teile vom jeweils anderen etwas verstehen".

Wer dabei vorerst der Taktgeber ist, daran lässt Guttenberg in gelegentlichen Anspielungen keinen Zweifel. In Washington spricht er vom Treffen der EU-Verteidigungs- und Außenminister, bevor er sich korrigiert, dass dies protokollarisch korrekt natürlich andersherum lauten müsse. Für die zur Amtseinführung das afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Kabul weilenden Außenminister (also auch für Westerwelle) hat er von Washington aus den Vorschlag, dass es besser gewesen wäre, wenn sie nicht nacheinander sondern gemeinsam über den roten Teppich marschiert wären, um ihren Unmut über den laxen Regierungsstil Karsais mehr Nachdruck zu verleihen. Und als er bei einer Diskussionsveranstaltung in Washington gefragt wird, ob seine Gesprächspartner denn die künftige Position Deutschlands bei der von der FDP in den Koalitionsvertrag eingebrachten Forderung nach Abzug der US-Atomwaffen verstanden hätte, da antwortet Guttenberg: "Heute schon".

So viel kann man schon verraten: Guido Westerwelle wird noch viel Freude an den Komplementärstrukturen haben, die da der Kollege aus dem Verteidigungsministerium schafft.

Von Axel Vornbäumen, Washington
KOMMENTARE (10 von 20)
 
Prologo (23.11.2009, 17:20 Uhr)
Zu Guttenberg will unsere Soldaten in alle Welt schicken!!
Er kann drei Sprachen, aber in Geschichte hat er wohl gefehlt. Deutschland ist schuld an 60 Millionen Toten des zweiten Weltkrieges!

Das ist dem Herrn Von und Zu Guttenberg wohl entgangen. Er war ja damals noch nicht auf dieser Welt, was aber keine Entschuldigung ist.

Und dieser unerfahrene, noch mit Eierschalen hinter den Ohren neue Kreigsminister will unsere Soldaten wieder auf die Welt los lassen.

Aber das schreibt der Stern nicht. Nein er wird andächtig der Nebenaussenminister genannt.

Ich kann gar nicht sol viel fressen, wie ich......

MfG,
Tobi
denkmal (23.11.2009, 14:23 Uhr)
da isser ja wieder ...
der zackige deutsche Edeladlige von und zu und vor allem wieder schön laut. Agiert und fischt auch noch in fremden Tümpeln (hier des Außenministeriums). Irgendwie schämt man sich für von und zu Guttenberg für sein "viel zu wenig Ahnung" aber dafür "alles (besser)wissen". Vielleicht sollte ihm einmal das Grundgesetz zum Studieren vorgelegt werden .... mal sehen, ob seine Äußerungen dann noch genauso sind wie scheinbarer in Unkenntnis von Recht und Gesetz. (z.B. "KAMPF"handlungen der Bundeswehr und seine absolute Bereitschaft, Soldaten überall in die Welt zu schicken)! Mal sehen, was aus dem Bundestag zu hören sein wird in Bezug auf "zackiges Deutscheltum" eines Adligen in falscher Funktion".
Gisella (23.11.2009, 11:48 Uhr)
Alle
hier von uns genannten:Merkel, Westerwelle, Guttenberg-haben uns , ihr Volk im AUSLAND zu vertreten-wir haben sie in diese Positioen mehr oder weniger reingewählt. Doch alle sind selbstgefällige Mitbürger und wollen inzwischen mehr darstellen als sie wirklich sind. Sie sind unsere Vertreter und nichts anderes.
Administrator (23.11.2009, 08:47 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Kommentare. Wir haben an dieser Stelle einige unsachliche und beleidigende Beiträge samt der sich darauf beziehenden Antworten gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
jomimo (22.11.2009, 02:43 Uhr)
@knilch_59
wieder mal danke füt ihre Sachlichkeit.

Übrigens: Es mangelt in der Bundeswehr nicht an Menschen, die sich freiwillig melden zum Einsatz nach Afghanistan - liegt an den hohen Zulagen für diesen " Auslandseinsatz" .
Mal abwarten, wie sich das weiterentwickelt mit einem Kriegsminister in Deutschland.
Kroko (21.11.2009, 23:17 Uhr)
OK--halblang mache...
Die Herkunfts- und Benimmdiskussion führt nicht weiter.


Danke Knilch_59

Sie haben das Thema zurück- und auf den (inhaltlich bedeutsamen) Punkt gebracht.

Die Bundeswehr ist---- immer noch----eine Verteidigungseinrichtung. Ich habe da mal einen Eid geschworen(nein---nicht das Gelöbnis), mein Vaterland tapfer zu VERTEIDIGEN.

Noch könnten sie mich einziehen;aber nicht mehr lange---und auch nicht DAHIN.

Wir haben in Afghanistan nichts verloren, ergo auch nichts zu suchen.

Hr. Guttenberg ist Verteidigungsminister, nicht Außen- oder gar Kriegsminister.

bevor es wieder "ganzlang " wird....
.Ende..
.Gruß an Alle Diskutanten....:)
knilch_59 (21.11.2009, 22:35 Uhr)
Wehret den Anfängen
Der Eine ist mir unsympathisch, den Anderen kann ich nicht leiden. Trotzdem: Westerwelle ist nun mal unser Außenminister und wir sollten uns hüten den Verteidigungsminister als jemanden anzuerkennen, der internationale Beziehungen pflegt. Es kann nicht in unserem Sinne sein, uns über unsere Streitkräfte zu profilieren - egal ob bei Freunden oder Feinden.
.
Zu Guttenberg ist für die Pflege internationaler Beziehungen nicht zuständig, weder in USA noch in Afghanistan. Oder sind wir ein Land, dass wieder Kanonenbootpolitik hoffähig machen möchte? Deshalb muss er zurückstecken, ob das der CSU passt oder nicht.
.
Verstärkt wird das noch dadurch, dass es sowieso bedenklich ist, von anderen Ländern über den Kanal "Landesverteidigung" (und zu nichts Anderem ist die Bundeswehr da) angesprochen zu werden. Wir sollten uns zu Guttenberg als Neben-Außenminister nicht gefallen lassen, wehret den Anfängen!
Benkku (21.11.2009, 21:30 Uhr)
Der Schein trügt.
Dieser Guttenberg ist nur ein schillernder Selbstläufer, mehr nicht, geprägt von einer Wesensverwandschaft zu solcher Spezi, die sich dazu berufen fühlt, mit primitiven Mitteln ihre maßlosen Interessen durchzusetzen. Getragen wird dieser Mann vor allem durch den optimalen Eindruck, den er durch medienwirksames Auftreten erreicht. Ich glaube, daß die Deutschen dem gegenüber äußerst anfällig sind, wenn es darum geht, irgendeinen neuen Gesalbten zu erkiesen, denn sie wissen nicht, was sie tun.
rayer (21.11.2009, 21:13 Uhr)
@Kroko
Das sind keine guten Manieren, es handelt sich um Umgangsformen. Selbst bei bester Erziehung, kriegen wir Ottonormalverbraucher solch eine Ausstrahlung und derartige Parkettsicherheit nicht hin. Wenn Sie schon jemals mit Adligen, meinetwegen auch ehemals Adligen, alten Industrie Familien zu tun hatten, wissen Sie was ich meine. Da werden Generationen von guten Umgangsformen anerzogen. Bei diesem Klientel fängt das schon mit den entsprechenden Schulen und Internaten an. Wir Normalos wissen vielleicht wie man mit Messer und Gabel isst, und das es die Höflichkeit verlangt zu grüssen, was diese Leute ausstrahlen kriegen wir nicht mehr hin. Da reicht es leider nicht, aus einer Anwaltsfamilie zu kommen. Das sind für die richtig Reichen und Adlige nur "Emporkömmlinge und Neureiche".
Dieser Herr Guttenberg hatte schon mit der Oberschicht Kontakt da hat er noch die Windeln voll gemacht.

rockyciano (21.11.2009, 20:35 Uhr)
@ endbenutzer
Ich stimme ihrer Aussage zu.Es ist schon sehr auffällig - wie die Medien versuchen Herrn von und zu Guttenberg zu chauffieren-es stinkt bereits.
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