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Als Tiger gesprungen...

Es sollte die Rückkehr des Jahres werden, doch nach einer Woche sorgsam inszenierter Büßerei muss Karl-Theodor zu Guttenberg einsehen: Comeback - vorerst gescheitert, meint

Ralf Klassen

Ob er gerade, neu daheim in Connecticut, wohl vor dem flackernden Kamin und dem leuchtenden PC sitzt und doch ein wenig traurig ist? Oder denkt er sich, nach altem Hollywood-Motto: "Any news is good news!"? Ganz egal wie und womit, Hauptsache in den Schlagzeilen? Nun, seiner dem Showgeschäft verbundenen Seelenseite gefällt das womöglich – als Taktiker und Karrierist muss sich Karl-Theodor zu Guttenberg eingestehen, dass Phase 1 seines sorgsam vorbereiteten Comebackplans, sagen wir es mal ganz bürgerlich, gewaltig in die Hose gegangen ist.

Zum einen sind da die lieben Parteifreunde selbst, die vom Chef Seehofer bis zum Generalsekretär Dobrindt ihrem einstigen Hoffnungsträger seine CSU-Schelte massiv übelnehmen, so massiv, dass eine baldige Rückkehr in den Schoß der Parteifamilie nahezu ausgeschlossen erscheint.

Zum anderen reißt die Kritik der veröffentlichten Meinungen auch eine Woche nach Guttenbergs erstem Wiederauftritt nicht ab: Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schreibt düster von einem "gefährlichen Mann", das Magazin "Cicero" analysiert die "Ansichten eines Selbstbetrügers", der trotz der Mahnung seiner Berater partout nicht mehr Zeit ins Land gehen lassen wollte, bevor er wieder das Rampenlicht betritt.

Und es stimmt ja: Wie ein Getriebener, wie ein hungriger Tiger, der zum Sprung ansetzt, hatte Guttenberg in der vergangenen Woche gewirkt, doch seine Selbstbezichtigungen in dem mit "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo verfassten Interviewbuch "Vorerst gescheitert..." überzeugten die meisten Kommentatoren nicht, weil Guttenberg in seinen Antworten immer noch ein gehöriges Maß an Hybris und Uneinsichtigkeit offenbarte.

Und auch an diesem Wochenende sieht die Pressewelt für Guttenberg nicht besser aus: Die "Welt am Sonntag", noch im Frühjahr dieses Jahres in Treue fest an der Seite des damaligen Verteidigungsministers, streut heute noch mal Salz in die Schummelwunden und berichtet darüber, wie zwei der renommiertesten deutschen Jura-Professoren schon lange vor der eigentlichen Enthüllung über die Plagiatsarbeit Guttenbergs Bescheid wussten – aber aus unterschiedlichen Gründen nicht reagierten.

Selbst die Bild-Zeitung, die ansonsten immer noch unverdrossen Lobgesänge auf ihren "gutten" Schützling und seine „sehr gutte" Ehefrau einstimmt, kann nicht aus allen schlechten Umfragezahlen "gutte" Nachrichten machen: "Aber nehmen die Deutschen es dem ehemaligen Überflieger ab, dass zahlreiche ungekennzeichnete Zitate in seiner Doktorarbeit lediglich auf dessen "chaotische Arbeitsweise" zurückzuführen sind? Die schlechte Nachricht für Guttenberg lautet: NEIN!"

Schließlich, als reiche das alles nicht aus, wurden auch weitere Einzelheiten bekannt, über die Art und Weise, wie Guttenberg sein Comeback vorbereitete und inszenierte. Schon länger, so berichtet der "Focus", bereite er mit einer Gruppe von CSU-Mitgliedern seine Wiederkehr auch in der Partei vor - dabei hatte Guttenberg seine Rückkehr in die deutsche Politik in seinem Interview-Buch betont sehr vage gelassen.

Auch der Grund, warum die Bekanntgabe der Einstellung des Betrugsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Hof exakt in die Woche seiner Buchvorstellung fiel, wurde nun klar: Guttenberg selber hatte diesen Veröffentlichungstermin selbst in der Hand - er war gekoppelt an die Zahlung der 20.000 Euro Bußgeld, die Guttenberg entrichten musste.

Dies alles untermauert den Eindruck, nicht aufrichtige Reue und das Bemühen aus seinen Fehlern gelernt zu habe treibe Guttenberg wieder in das Rampenlicht, sondern durchkalkulierte und mit PR-Strategie vorangetriebene Karrieresucht. Die aber so durchschaubar ist, dass sie ihre Wirkung deutlich verfehlt. Das Comeback, vorerst gescheitert.

Nein, dem Herrn Baron werden keine Palmenblätter gestreut, bei seinem allzu lässigen Hoppla-jetzt-komm-ich-zurück-Versuch. Und das ist ein gutes Zeichen für dieses Land. Gut mit einem T.

Ralf Klassen

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