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25. März 2007, 10:40 Uhr

Mohnhaupt will "in Ruhe gelassen werden"

Die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt ist frei. Die 57-Jährige hat das Gefängnis in Aichach verlassen und ist von Bekannten abgeholt worden. Zu den wartenden Journalisten sagte sie, sie wolle "in Ruhe gelassen werden".

Gefängnisdirektor Deuschl beantwortet Frage von Journalisten© Diether Endlicher/DPA

Am Ende ging alles ganz schnell - und wenig spektakulär. Brigitte Mohnhaupt wusste seit einigen Tagen, dass sie am frühen Sonntagmorgen nach 24 Jahren Haft die Gefängnismauern endgültig hinter sich lassen würde. Zwei Stunden nach Mitternacht war es dann soweit. Justizbedienstete des bayerisch-schwäbischen Frauengefängnisses Aichach holten die frühere RAF-Terroristin aus ihrer Zelle ab. Mohnhaupt wechselte die Kleidung, nahm ihre persönlichen Gegenstände an sich und wurde zum "Tor in die Freiheit" gebracht. Dort warteten bereits Bekannte, die die 57-Jährige in Empfang nahmen. Die Justiz hatte geschickt Regie geführt und für eine reibungslose Entlassung des Häftlings mit dem prominenten Namen gesorgt.

Ganz ohne öffentliche Aufmerksamkeit ging die Aktion dennoch nicht über die Bühne. Fotografen, Kamerateams und Journalisten hatten seit Tagen vor der Justizvollzugsanstalt (JVA) des schwäbischen Städtchens ausgeharrt - selbst in tiefer Nacht. Als sich die Gefängnistür hinter Mohnhaupt schloss, wurde sie gleich zu ihrer Zukunft befragt. Sie gab sich jedoch wortkarg und ließ die Medienvertreter lediglich wissen, dass sie keine Interviews geben und in Ruhe gelassen werden wolle. Dann stieg sie in ein Auto und fuhr davon - Ziel unbekannt.

"Das wäre mir neu"

Zu Berichten, wonach Mohnhaupt künftig in Karlsruhe leben und dort auch arbeiten werde, sagte der Aichacher Gefängnisleiter Wolfgang Deuschl: "Das wäre mir neu." Der Chef der JVA müsste es eigentlich wissen. Unter seiner Regie wurde Mohnhaupt in den vergangenen Monaten auf ihre Freiheit vorbereitet. Der 64-Jährige schwieg jedoch eisern zum neuen Aufenthaltsort des Ex-Häftlings. Medien hatten berichtet, Mohnhaupt könnte in Karlsruhe einen Job bei einem Autozulieferer- Betrieb annehmen, der dem Sohn einer Freundin gehöre. Die einstige RAF-Terroristin und Rädelsführerin bei den Mordanschlägen im Terrorjahr 1977 verbrachte ihre Jugend im Badischen.

Brigitte Mohnhaupt auf einem Fahndungsfoto© DPA

Formalien erledigt

Deuschl schilderte seine letzte Begegnung mit Mohnhaupt vor der Entlassung. "Ich habe sie am Freitag persönlich verabschiedet und ihr alles Gute gewünscht." Die Floskel "Auf Wiedersehen" verbiete sich freilich bei der Entlassung eines Häftlings in die Freiheit, erläuterte er. Es sei noch eine Reihe von Formalien zu erledigen gewesen, "vor allem nach so langer Zeit", so Deuschl. "Und sie bekam ihr Geld ausgehändigt."

Nach weiteren eineinhalb Tagen in der JVA Aichach, wo Mohnhaupt 22 von 24 Jahren hinter Gittern verbracht hatte, war am frühen Sonntagmorgen die lange Zeit der Haft vorbei. Zur Stimmungslage befragt, in der sich die einstige Terroristin nach fast zweieinhalb Jahrzehnten im Gefängnis befunden haben dürfte, meinte Deuschl: "Sie wird sich sicherlich ihre Gedanken gemacht haben. Vor allem dürfte sie den dringenden Wunsch haben, jetzt erst einmal von den Medien in Ruhe gelassen zu werden." Deuschl gab auch zu bedenken, "dass der Weg in die Freiheit nach so langer Zeit alles andere als einfach ist".

Alles über die RAF

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Paul Winterer/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
streifi (27.03.2007, 12:34 Uhr)
da sind die Deutschen ganz dicke da,...
Es ist sehr traurig, dass sie Menschen über die Entlassung aufregen. Wann hat sich die deutsche Bevölkerung das letzte Mal über die Freilassung von Kinderschändern oder Kindermördern aufgeregt. Es wird erklärt,dass so ein "Schwein" eine schwere Kindheit hatte und schon verstehen wir das!?!
Es werden sogar längere Haftstrafen
gegen Leute verhangen, die den
Staat nur um Geld betrügen. Was ist das für eine Gerechtigkeit?
Natürlich ist es unentschuldbar, was durch die RAF passiert ist - aber irgendwie muss mal wieder Schluss sein. Niemand regt sich über das auf, was im hier und jetzt pssiert. Kinder werden missbraucht, vernachlässigt, getötet oder gequält. Oder was ist mit den Kriegen die Amerika im Namen der Gerechtigkeit und der Demokratie führt - regen wir uns darüber auf? Nein! Aber wenn eine ehemalige Terroristin die bald 60 Jahre alt wird und über ein drittel ihres Lebens gebüßt hat - da bekommt die deutsche Bevölkerung die Schnauze auf. In meinen Augen ist das ein wahres Armutszeugnis!
Malt (26.03.2007, 14:01 Uhr)
In einem Land...
... in dem, über 60 Jahren nach Ende des 2. Weltkriegs, noch Neonazis (auf eine Landesgerichtliche Freigabe hin) in Wunsiedel zu Ehren eines Rudolf Hess einen Gedenkmarsch veranstalten durften (Hat sich jetzt ja endlich erledigt... für die nächsten 5 Jahre ^^) sind, meiner bescheidenen Meinung nach, 2 knapp 60 jährige Ex-Terroristen das kleinste Problem. Nur zur Erinnerung: Von diesen ganzen Nazi-Verbrechern gab' es nie eine Entschuldigung für die Opfer, nur billige Rechtfertigungen... oder man hat sich in den Freitot geflüchtet. Ganz toll. Auch ein Martin Schleyer war übrigens bei der SS, und hat nach dem Krieg natürlich alles sehr bedauert, weil er ja auch nur ein Opfer des Systems war... Da sind mir Ex-Terroristen, die nicht scheinheilig und berechnend bedauert haben, dafür aber Ihre Strafe im Gefängnis abgesessen haben, mindestens tausendmal lieber.
berns4000 (26.03.2007, 13:46 Uhr)
Wer ist böser?
Die RAF hat 34 Menschen ermordet. Dafür wurden die RAF-Verantwortlichen verurteilt und jahrzehntelang eingesperrt. Für Mord kann man und darf man auch keinerlei Verständnis aufbringen.
Begründet durch Lügen Scharpings und der Regierung Schröder wurde der völkerrechtswidrige Nato-Krieg gegen Serbien angezettelt und hat schließlich zu 10.000 Toten geführt.
Warum lässt man Leute, die an 10.000 Morden schuld sind, juristisch unbehelligt, obwohl eine Strafverfolgung durch das Grundgesetz, Artikel 26 zwingend vorgeschrieben ist ?
Larseric (26.03.2007, 12:13 Uhr)
ungleiche Werte?
Ich verfolge dieses ganze Thema bezüglich der Entlassung ehemaliger RAF Angehöriger mit großem Interesse und muss mir immer wieder die selbe Frage stellen. Wieso sind 25 Jahre Haftstrafe für einige Leser hier immer noch nicht genug, obwohl vergleichbare Mordfälle bereits nach einstelligen Jahreszahlen abgesessen sind. Selbst Menschen die Kinder vergewaltigen und umbringen haben in diesem Land weit geringere Strafen zu tragen, ohne das die Öffentlichkeit auf die Barrikaden steigt. Es muss wohl an der Tatsache liegen, dass die Gewichtigkeit eines Mordes nach dem Bankkonto und Einfluss des Opfers gewertet wird.
ThinkTank (26.03.2007, 11:14 Uhr)
Rechtsstaat
Frau Mohnhaupt wurde wegen Mordes verurteilt und hat jetzt ihre Strafe verbüßt. Wie jeder andere Mörder wird sie danach, also jetzt, aus der Haft entlassen. Wie jeder andere Mörder hat sie das Recht darauf, in Ruhe gelassen zu werden und ist, wie jeder andere Mörder, nicht dazu verpflichtet, irgendwem irgendetwas zu erklären. Das nennt man Rechtsstaat. Ein Staat, in dem alle die gleichten Pflichten und Rechte haben. Punkt.
FIJI (26.03.2007, 09:54 Uhr)
"in Ruhe gelassen werden"
von wegen ein wenig Presse Terror wird ihr bestimmt gut tun...
gudrun13 (26.03.2007, 06:32 Uhr)
@Nostradamus
Hi, was hat die DDR und die "50" Prozent" mit Frau Mohnhaupt zu tun? Die PDS liegt in Berlin mit der SPD im Bett nicht etwa hier bei uns in Dresden :) - Wofür wir alle Gott danken mögen - so es einen gibt!!!
Aber natürlich ist es schon interessant zu lesen wie sich hier für eine Mörderin eingesetzt wird. Die Anghörigen der Opfer werden staunen ...!
Zu aenarion nur soviel: Die RAF hat 30 Jahre! nach dem Krieg versucht mit Mord und Gewalt, Bomben und Drohungen die Bundesrepublik zu ändern. Also den freiheitlichen Staat Deutschland in eine rote Diktatur zu verwandeln. Ich selbst musste in dieser Diktatur leben und bin dankbar dass diese Zeit vorbei ist ... aber so waren und so sind sie, einige dieser GANZ LINKEN Herrschaften in der Bundesrepublik: Das Recht der freien Meinungsäußerung zu nutzen um öffentlich vom Sozialismus träumen (was wohl nur die tun die ihn nihct erlegbt haben) und dann bei Edeka einkaufen und in den Ferien nach Mallorca fahren. In die DDR ziehen (also in das "Arbeiter-Paradies") dass wollten DIESE Herrschaften nun auch wieder nicht ... SO links war man ja nur theoretisch.
Nostradamus (25.03.2007, 17:05 Uhr)
Ein Streit setzt immer zwei voraus...
es wird immer so getan, als wenn die RAF Leute ihre Taten aus niederen Beweggründen ohne jegliche Veranlassung durchgeführt hätten.
Zu einem Streit gehören immer zwei.
Auch hier gilt das Prinzip von und Wirkung.
In jedem Fall halte ich alle Länder in denen es Amnestien gibt ala 'zu Kaisers Geburtstag da lassen mer se frei' für Bananenrepubliken.
Monhaupt hat bekommen was ihr nach unserem Recht zusteht. Würde sie die Taten allerdings im Jahr 2007 begangen haben hätte sie lebenslänglich mit Sicherungsverwahrung bekommen. Diese Strafe wird heute schon bei weitaus geringfügigeren Delikten verhängt.
Gedankt sei es Rot/Grün.
Ich für meinen Teil halte jedes Leben für so schützenswert, dass ich auch einer Frau Monhaupt noch ein paar 'schöne Jahre' zugestehe.
Ihr Pech, dass es die DDR nicht mehr gibt. Dort hätte man sie wie eine Volksheldin im Kampf gegen Kapitalismu, Imperialismus und Faschismus gefeiert und entsprechend hofiert.
Man darf ja nicht vergessen, dass das Vokabular von Monhaupt und Klar 30 Jahre via 'Schwarzem Kanal' oder 'Aktueller Kamera' zum Basiswortschatz von 16 Mio. Deutschen gehörte, die offenbar lange Zeit eine ganz andere Sicht auf die Realität hatten als der übrige Teil Deutschlands.
Erzählt mir bitte nicht, dass die SED eine Minderheitengruppe war. Die PDS marschiert im Osten stramm auf die 50% zu...
Diaula (25.03.2007, 16:51 Uhr)
Loti, wann haben Sie denn ...
.... das letzte Mal Frau Mohnhaupt reden hören ? Wann und wo ? Von "scheinheilig" ganz zu schweigen.
Diese Frau war doch nun wirklich 24 Jahre lang in der absoluten Quarantäne. Der Staat warf ihr damals unmenschliches Handeln vor und verurteilte sie dafür. Höchste Zeit, dass der gleiche Staat von seinem eigenen unmenschlichen Handeln abliess und Frau Mohnhaupt auf freien Fuss setzte.
aenarion (25.03.2007, 16:03 Uhr)
an Loti
Was eine Argumentation diesselben Argumente hätte die RAF gebracht vor 30 Jahren. Kriegstreiber der damaligen Regierung, Waffenhändler und Alt Nazis wegen denen Kinder überall auf der Welt ihre Mütter und Väter und Ihr eigenes Leben verloren.
Und weil verblendete ehemalige SS Männer das Rad der Geschichte am besten zu dieser Zeit zurückdrehen wollten.
Mir kommt das Kotzen wenn ich sowas nach 40 Jahren der 68er lesen muss. Das Rad der Geschichte hat sich kaum bewegt wie man an Lotis Äußerung sehen kann. Dummheit für die Massen.
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