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27. August 2005, 10:55 Uhr

Falscher Alarm

Ein Großaufgebot von 1000 Polizisten fahndete in Hamburg nach drei mutmaßlichen Terroristen. Jetzt wurden die Tschetschenen nach langem Verhör wieder frei gelassen. Offenbar handelte es sich "nur" um einen schlechten Scherz.

Polizeikräft durchsuchen ein Auto im Rahmen der Terrorfahndung© Oliver Fantitsch/AP

Drei am Freitag in Hamburg unter Terrorverdacht festgenommene Tschetschenen sind in der Nacht zum Samstag wieder frei gelassen worden. Nach den drei Männern hatten am Donnerstag 1000 Polizisten in einer groß angelegten Fahndungsaktion gesucht. Die Tschetschenen waren am Mittwochabend nach Angaben der Polizei von einem Zeugen dabei beobachtet worden, wie sie auf Arabisch von "Heldentum vor Allah" sprachen. Einer der Männer hatte nach Angaben eines Polizeisprechers einen Rucksack bei sich. Der Sprecher verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass bei den Londoner Bombenanschlägen im Juli die Attentäter ebenfalls Rucksäcke getragen hätten.

Keine Attentatsgefahr

Nun teilte die Polizei mit, die Staatsschutz-Abteilung beim Landeskriminalamt könne auf Grund "der Ermittlungsergebnisse die Gefahr eines terroristischen Anschlags durch diese Personen ausschließen". Die Männer im Alter zwischen 21 und 25 Jahren sind aus dem Polizeigewahrsam entlassen worden. Es handelte sich eindeutig um die nach einem Zeugenhinweis gesuchten Personen, die auf einer Videoüberwachung zu sehen gewesen waren.

Die Männer waren Freitagnachmittag nach einer 18-stündigen massiven Terrorfahndung gefasst worden. Insgesamt waren 255 Personen überprüft worden. Die Fahnder hatten Donnerstagabend Fahndungsbilder der Männer veröffentlicht, die bei verdächtigen Äußerungen an einer Bushaltestelle belauscht worden waren. Die drei Männer stiegen den Ermittlungen zufolge nach dem Gespräch in einen Linienbus und fuhren stadtauswärts. Sie wurden von einer Überwachungskamera aufgenommen. Die Polizei gab nach dem Hinweis eine Großfahndung heraus und forderte die Männer auf, sich zu melden.

Schily lobt Videoüberwachung

Bundesinnenminister Otto Schily hat vor dem Hintergrund der Terrorfahndung auf die Bedeutung der Videoüberwachung hingewiesen. "Die Videoüberwachung hat sich bewährt, nicht nur im Kampf gegen den Terrorismus", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung. Nach Angaben des Ministers konnte die Bundespolizei, die unter anderem die Bahnhöfe überwacht, durch den Einsatz von Videotechnik innerhalb eines Jahres 546 Tatverdächtige ermitteln und 411 Taten aufklären.

Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour hat den Großeinsatz der Hamburger Polizei nach drei Männern kritisiert, die nach einem Zeugenhinweis unter Terrorverdacht standen. "Die Fahndung ist grotesk. Das schlimmste im Kampf gegen den Terror ist, wenn Behörden hysterisch reagieren", sagte Scholl-Latour der "Bild"-Zeitung (Sonnabend). Die Formulierungen der drei Tschetschenen, die ein Zeuge aufgeschnappt hatte, seien nicht eindeutig gewesen. Sie hätten über alles Mögliche reden können, zum Beispiel über Krankheit.

 
 
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