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Helmut Schmidt: "Ich hatte eine Beziehung zu einer anderen Frau"

Altkanzler Schmidt zieht mit 96 Jahren in seinem Buch "Was ich noch sagen wollte" Bilanz. Im Kapitel über seine Frau schreibt er auch über seine Geliebte - und dass Loki die Trennung anbot.

Von Andreas Hoidn-Borchers

  Helmut Schmidt: "Was ich noch sagen wollte", lautet der Titel der Abschlussbilanz seines Lebens. Das Buch erscheint in wenigen Tagen. Der stern veröffentlicht ausführliche Auszüge.

Helmut Schmidt: "Was ich noch sagen wollte", lautet der Titel der Abschlussbilanz seines Lebens. Das Buch erscheint in wenigen Tagen. Der stern veröffentlicht ausführliche Auszüge.

Man dachte ja, man würde ihn kennen nach all den Jahren, nach all den Filmen, Porträts, Biografien, Büchern. 96 ist Helmut Schmidt mittlerweile, da kann nichts Neues, nichts Überraschendes mehr kommen. Dachte man. Tja, Irrtum.

Ein allerletztes Buch hat der Altkanzler nun geschrieben. Es erscheint in wenigen Tagen. "Was ich noch sagen wollte", lautet der Titel, eine Art Abschlussbilanz seines Lebens – auch und gerade des privaten. Das zentrale Kapitel, das der stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe vorabdruckt, trägt die Überschrift "Loki" – und enthält eine kleine Sensation. Schmidt macht darin zum ersten Mal öffentlich, dass er seine 2010 verstorbene Ehefrau Loki früher betrogen hat. "Ich hatte eine Beziehung zu einer anderen Frau", gesteht der Sozialdemokrat.

Mit Details hält der Hanseat Schmidt sich allerdings zurück. Über Intensität, Dauer und genauen Zeitpunkt seiner Affäre schweigt er sich aus. Er schreibt nur vage vom "Ende der sechziger oder Anfang der siebziger Jahre". Das Verhältnis muss jedoch so eng gewesen sein, dass Loki Schmidt ihrem Mann die Trennung anbot. Das aber, so schreibt Schmidt, habe er als "ganz und gar abwegige Idee" abgelehnt.

Geliebte war Genossin

Das Paar raufte sich wieder zusammen und blieb schließlich 68 Jahre lang verheiratet, eine ungewöhnlich lange Zeit. Am Ende wirkten die beiden sehr harmonisch, sie hielten selbst in hohem Alter Händchen und beantworteten Fragen gelegentlich gleichzeitig – wortgleich. Die Trennung von seiner früheren Geliebten, einer langjährigen Genossin, kann Schmidt jedoch nicht leicht gefallen sein. Nach Informationen des stern blieb er mit der Frau in Kontakt, nachdem die Affäre beendet war. Nach ihrem Tod vor zwei Jahren nahm er auch an der Beisetzung teil, die in relativ kleinem Kreis stattfand.

Das Bekenntnis muss Schmidt wichtig gewesen sein – sowohl zu seiner Geliebten wie zu seiner lebenslangen Liebe Loki, die er bereits in der Schule kennengelernt hatte. Denn der Altkanzler tat sich immer schwer, Privates preiszugeben. So erfuhren selbst enge Weggefährten erst in den siebziger Jahren über Umwege von den jüdischen Wurzeln Schmidts, dessen Großvater Jude war.

Auch über sein erstes Kind hatte Schmidt lange geschwiegen. Sein Sohn war mit acht Monaten im Kriegswinter 1945 gestorben. Der Feldpostbrief, in dem Loki ihm vom Tod des Kleinen informierte, hat ihn nie erreicht. Und erst Ende vorigen Jahres räumte er auf einer Matinee der "Zeit" ein, dass er im Kanzleramt "wahrscheinlich hundert Mal besinnungslos vorgefunden" wurde; meist sei er nur für Sekunden ohnmächtig gewesen, "manchmal aber auch Minuten". "Das haben wir mit Erfolg verheimlicht." Inzwischen trägt Schmidt den fünften Herzschrittmacher.

  Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) im Juni 1980.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) im Juni 1980.

Geheimnis einer Ehe

"Mir ist bewusst, dass Menschen in aller Regel nicht dazu neigen, die Fehler und Versäumnisse bloßzulegen, die sie begangen haben. Niemand bekennt sich gern als Schwächling", schrieb Schmidt in seinem Buch "Kindheit und Jugend unter Hitler". Umso erstaunlicher ist jetzt das Eingeständnis, dass es um seine Ehe zeitweise sehr schlecht bestellt war. Vielleicht wollte er aber auch einfach nur zu Lebzeiten weiterem Gerede und unliebsamen Bloßstellungen zuvorkommen. Denn über angebliche Affären Schmidts war immer wieder gemunkelt worden. Und Klaus Harpprecht, ein früherer Redenschreiber Willy Brandts und als Brandt-Bewunderer Schmidt in wahrhafter Abneigung verbunden, hatte jüngst wie nebenbei über eine langjährige Hamburger Geliebte Schmidts, "eine sensible Frau", geschrieben. In seinem Buch "Schräges Licht" flocht Harpprecht auf Seite 420 die Information ein, dass Schmidt "ihr beim Beginn der Kanzlerschaft kurzerhand adieu gesagt hatte (weil sich der Regierungschef keine Affäre leisten könne, wie er mit Blick auf den Vorgänger oft genug betonte)."

Warum Loki und Helmut Schmidt trotz alledem zusammen geblieben sind, was sie beieinander hielt, diesen Grund hat Loki Schmidt einmal gegenüber Reinhold Beckmann mit den schönen Sätzen beschrieben: "Ich habe eins begriffen, das kann vielleicht sogar stehen bleiben: Ich bin sein Zuhause. Das hat er wörtlich so nicht gesagt, aber er hat es mir gezeigt. Und das ist ein Schatz, wenn man für den anderen Menschen ein Zuhause ist."

Man dachte ja, man kenne ihn. Tja. "Alles Karrieren, keine Geschichten", hat Helmut Schmidt in seiner unnachahmlichen Arroganz zu aktiven Zeiten über die ihm mediokre scheinende Kollegenschar in Bonn geurteilt. Jetzt hat er seiner eigenen Geschichte ein Kapitel hinzugefügt. Kein neues, aber ein bislang sorgsam beschwiegenes.

Schmidts Kapitel über Gattin Loki ...

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