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"Russland als Partner sehen, nicht als Gegner"

Was tun mit Wladimir Putin? Helmut Schmidt, Altkanzler und Autor, betrachtet die Ukraine-Krise mit Sorge, sagt in einem Interview: Russland und Europa sollten zusammenhalten, statt sich zu spalten.

  Helmut Schmidt hat nicht erwartet, dass seine Seitensprungbeichte soviel Aufmerksamkeit erregen würde

Helmut Schmidt hat nicht erwartet, dass seine Seitensprungbeichte soviel Aufmerksamkeit erregen würde

Helmut Schmidt ist mittlerweile 96 Jahre alt, was ihn nicht daran hindert, sich ins aktuelle Tagesgeschehen einzumischen. Nun hat er noch ein Buch geschrieben, sein allerletztes, das vor allem deswegen Aufmerksamkeit erregte, weil er darin erwähnt, eine Zeit lang eine Geliebte gehabt zu haben - der stern hatte darüber exklusiv berichtet. In einem Interview mit der "Bild" sagte der Altkanzler zu der "Neuigkeit" (der stern hatte schon 1966 über die Liaison geschrieben): "Ich hatte nicht erwartet, dass das viel Aufsehen erregen würde." Der Grund, den Seitensprung in "Was ich noch sagen wollte" zu beichten, sei eine "journalistische Provokation" gewesen.

Dieser Aspekt seines Abschlusswerks aber ist nur ein kleiner. Natürlich drehen sich seine Gedanken auch um die die aktuellen Krisenherde. Etwa den Ukraine-Konflikt: Schmidt hält es nicht für völlig ausgeschlossen, dass aus der Auseinandersetzung "sogar ein heißer Krieg wird", wie er in der "Bild" sagte. Auch wenn die Krise zumindest für Russlands Präsident Wladimir Putin weniger wichtig sei: Wäre Schmidt an seiner Stelle, würde es sich fragen: "Was sind meine größten Sorgen? Ich würde daran denken, dass sich die Sowjetunion aufgelöst hat und in viele selbständige Staaten zerfallen ist. Und vor allem würde ich mich fragen, wie ich Russland, dieses riesenhafte Territorium von der Ostsee bis zum Pazifik, aufrechterhalte." Putin größte Sorge würde China gelten und Russlands unsicheren Nachbarn Pakistan mit seiner islamischen Kultur.

"Russland als Partner sehen nicht als Gegner"

Deshalb plädiert der Sozialdemokrat auch dafür, Russland als Partner zu sehen und nicht als Gegner. "Bis 2050 wird die Bevölkerung in nur drei Weltregionen schrumpfen: In Europa, Russland und Japan. Das verschiebt die Gewichte der Macht auf dem ganzen Erdball." Russland und Europa täten deshalb "gut daran zusammenzuhalten, statt sich zu spalten. Sonst werden sie in wenigen Jahrzehnten kaum noch eine Rolle spielen - weder wirtschaftlich noch politisch."

Ob und wie die aktuellen Probleme eskalieren, "muss nicht an Herrn Putin, an Frau Merkel oder Herrn Hollande liegen. Der Grundfehler wurde vor einem Vierteljahrhundert in Maastricht gemacht", so Schmidt. Dort seien die Grundsteine für die Ausdehnung der EU nach Osten gelegt - ohne jede Rücksicht auf Geschichte. Zudem habe sich Russland unter der Präsidentschaft von Boris Jelzin in einer "Wild-West-Periode" befunden. "Und die EU nutzte damals diese Schwäche aus. Das rächt sich heute. Putins Politik muss uns nicht gefallen. Aber wir müssen sie aus der Geschichte verstehen und ernst nehmen."

nik
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