16. August 2008, 20:40 Uhr

Beck hat schwere Bedenken wegen Rot-Rot-Grün

Kurt Beck hat erneut schwere Bedenken gegen eine von der Linken tolerierten rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen geäußert. Zudem hält er das Vorhaben noch nicht für ausgemachte Sache. Die Linkspartei forderte unterdessen Zugeständnisse von Andrea Ypsilanti.

SPD-Chef Kurt Beck hält Rot-Rot-Grün in Hessen noch nicht für ausgemacht©

SPD-Chef Kurt Beck hält einen zweiten Anlauf für eine rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen unter Duldung durch die Linke noch nicht für sicher. "Der Beschluss der hessischen Genossinnen und Genossen enthält wichtige inhaltliche Bedingungen, die erst einmal erfüllt werden müssen", sagte er der "Bild am Sonntag". Der Vorstand der hessischen CDU warnte erneut scharf vor der Bildung einer solchen Regierung. Der geschäftsführende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach von einer "aberwitzigen Konstruktion". Unterdessen nennen Grüne und Linke immer mehr Voraussetzungen für die Unterstützung einer Landesregierung unter Führung der SPD-Landesvorsitzenden Andrea Ypsilanti.

Beck bekräftigte seine Ablehnung einer von der Linken tolerierten Regierungsbildung, betonte aber erneut die Eigenverantwortung der hessischen Sozialdemokraten: "Es geht um die Sorge, ob die Tolerierung einer rot-grünen Minderheitsregierung durch die sogenannte Linke sich im Regierungsalltag als tragfähig erweist. Das müssen jetzt die Hessen prüfen und entscheiden."

Ein risikoreiches Experiment

Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Klaas Hübner, plädierte für ein größeres Mitspracherecht der Bundespartei bei der Regierungsbildung in den Ländern. Die Ereignisse in Hessen zeigten, dass es besser wäre, wieder die Regelung von vor 1995 einzuführen und Koalitionsfragen nicht alleine in den Landesverbänden zu entscheiden, sagte er der "Rheinpfalz am Sonntag". Wenn sich Ypsilanti mit den Stimmen der Linken wählen lasse, sei es erheblich schwieriger glaubhaft zu machen, "dass es auf Bundesebene keinerlei Zusammenarbeit mit der Linkspartei geben wird". Ypsilanti sei dabei, "ein extrem risikoreiches Experiment zu vollziehen".

Koch sagte der "Wirtschaftswoche" mit Blick auf eine mögliche Minderheitsregierung: "Frau Ypsilanti würde eine aberwitzige Konstruktion entstehen lassen. Sie macht einen Koalitionsvertrag mit den Grünen - und muss jede einzelne Idee dann der Linkspartei zur Absegnung vorlegen. Faktisch regiert dann die Linkspartei mit Herrn Lafontaine das Land." In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung des CDU-Landesvorstandes heißt es, für Hessen wäre eine Regierung, "die bei jedem einzelnen Projekt zum Spielball der Partei "Die Linke" würde, eine fatale Entwicklung".

Forderungen an die Linksfraktion

Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, griff in der die Forderung der Hessen-SPD nach Verlässlichkeit der möglichen künftigen Partner auf: "Wer Verbindlichkeit will, der muss sie auch in die andere Richtung zeigen. Dann muss man mit uns auch das gesamte Personaltableau bereden." Ramelow bekräftigte auch die Forderung, auf den Ausbau des Frankfurter Flughafens zu verzichten.

Hessens SPD-Vize Jürgen Walter verlangte von der Linken verlässliche Zusagen, bevor seine Partei in Koalitionsverhandlungen mit den Grünen eintrete. Außerdem erwarte die SPD die Zustimmung der Linken zu wichtigen Vorhaben wie dem Flughafenausbau. Die Chancen, dass die SPD tatsächlich den Weg einer Minderheitsregierung unter Ypsilantis Führung gehen werde, bezeichnete er mit "50 zu 50". Gleichwohl hat die Hessen-SPD bereits für den ersten November einen Landesparteitag angesetzt, bei dem die Ergebnisse von Koalitionsverhandlungen mit den Grünen abgesegnet werden könnten.

DDP/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
Marsmann (17.08.2008, 10:59 Uhr)
SPD: Hosen strammziehen und sozialdemokratisch sein!
Ich denke, potentielle SPD- Wähler wollen wissen, was sind die Ziele der Partei und will sie Maximales davon umsetzetzen. Ob das mittels Rot-Rot oder sonstwie umgesetzt wird, ist dabe unwesentlich. Dagegen poltern doch nur Ulknudeln wie Profalla, und ich denke, der und ähnliche Sprachführer werden sowieso nicht SPD wählen, und solche wie Genosse Clement u.ä. bestimmt auch nicht, wenn auch aus Parteiraison demnächst wenigstens heimlich.
antikommunist (17.08.2008, 09:37 Uhr)
Ypsilanti
geht es um Macht und politisches Überleben. Das ist schon klar. Aber geht es Koch um was anderes? Der würde sogar mit dem "Gehörnten" pa(c)ktieren, wenn ihm Dieser zu einer Mehrheit verhelfen würde.
ganzbaf (17.08.2008, 09:04 Uhr)
Ach was...

die Üpsi will doch einfach nur mal den Kochschen Saustall ausmisten! ;-))
Vetternwirtschaft, Korruption, Nötigungen müssen auch in Wiesbaden endlich mal ein Ende finden!
Außerdem ist die Kriminalität unter Kochs Regie in Hessen stark gestiegen, bei Vorbeugung, Polizei und Gerichten wurden dagegen gespart...))-:
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So geht das nicht, Köchle, du trauriger Aushilfs-Hilfsanwaltsgeselle ! ;-D
vegefranz (17.08.2008, 08:24 Uhr)
Lügilanti - es geht nur um Macht
die ganzen Fans der Linken/Ex SED hier könnten - schon mit geringem Aufwand - erkennn - daß es Lügilanti nicht um Inhalte, sondern um reines Machtstreben geht. Sie steht nunmehr sogar soweit mit dem Rücken zur Wand, daß sie - selbst wenn sie wollte - auf Inhalte keine Rücksicht mehr nehmen kann. Sie weiss: Nach Neuwahlen ist ihre politische Laufbahn am Ende.
pitiplatsch (17.08.2008, 07:15 Uhr)
Was der Kurgraf
denkt und wie er lenkt ist so wichtig und interessant wie wenn ein Fröschchen im Teiche quakt, man hörts sichs an und lächelt.
Skillet4 (17.08.2008, 00:26 Uhr)
Lügilantus
Oh, wie langweilig Sie @ vegefranz doch sind! Das erinnert irgendwie an...na wie war noch das Wort...BILDung vielleicht...oder...
Mensch, Sie sind doch netblöd, oder?
Gruss
SethusCalvisius (16.08.2008, 23:21 Uhr)
Wortspiel
Hey, vegefranz! Wahnsinnig witziges Wortspiel mit Lügilanti. Damit werden wir jetzt schon seit Wochen genervt. Interessanter wäre ja einmal eine sachliche Auseinandersetzung.
Wenn Herr Koch rot-rot-grün als aberwitzige Konstruktion bezeichnet,würde mich mal interessieren, was er von der derzeitigen Situation hält, wo ein Ministerpräsident Gesetze unterzeichnen muss, die die Opposition ihm diktiert.
knilch_59 (16.08.2008, 22:21 Uhr)
Bedenken?
Die Aasgeier versuchen schon, sich über Ypsilanti in Stellung zu bringen. Im Politikdeutsch unserer Zeit macht man das, indem man sich auf der einen Seite vor dem Machtwort hütet, dass es der Hessen-SPD unmöglich machen würde, Koch zu stürzen. Aber sich auf der anderen Seite gibt man den Mahner – auch noch mit der Optik eines väterlichen Freundes.
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Das Musterbeispiel für Hinterfotzigkeit, was der Beckekurt da abzieht. Eine Anleitung für solidarisches Verhalten in der Nach-Schröder/Clement/Müntefering-Ära, ein Haifischbecken ist dagegen nichts.
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Koch muss weg! Dabei heiligt der Zweck schon fast jedes Mittel. Dieser Typ ist untragbar. Das Risiko, sich von der Linkspartei tolerieren lassen zu müssen, ist dagegen vernachlässigbar klein. Sollte das Ypsilanti-Experiment fehlschlagen, gibt es auch in der Hessen-SPD genügend Skeptiker, um gemeinsam mit CDU und FDP Neuwahlen zu erzwingen. Dann wäre zwar die SPD wieder aus der Regierung draußen, aber das ist sie ja jetzt auch.
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Der SPD fehlt jedes Selbstbewusstsein, diese paar linken Schappseln für 4 ½ Jahre an der Kandare halten zu können. Das sollte bedenklich stimmen.
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Aber Beck als Aasgeier kreist zu früh. Bis da was passiert, ist er endgültig abgestürzt.
vegefranz (16.08.2008, 21:30 Uhr)
Lügilanti - widerlich
Lügilanti steht mit dem Rücken zur wand. Ihr neuer Versuch zeigt ihre ganze Verzweiflung. Einziger Weg zum Wohle des bundeslandes und seiner Bürger sind aber Neuwahlen!!
Sternchen2020 (16.08.2008, 21:24 Uhr)
Bedenken
habe ich nur bezüglich der SPD. Ich gebe ihr nur noch bis zur nächsten Bundestagswahl. Dort wird sie Zahlen erringen, die sie erdrutschartig hinter die kleinen Parteien verbringt. Und das ist auch gut so, es ist eine Zumutung, weiter mit einer solchen Partei konfrontiert zu werden.
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