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9. März 2008, 12:18 Uhr

Westerwelle könnte Ypsilanti retten

Auch nach dem möglichen Einknicken der SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger sieht sich die hessische Spitzenlandidatin Andrea Ypsilanti heftiger Kritik ausgesetzt. Doch nun eröffnet sich eine Alternative zur von Ypsilanti angedachten Minderheitsregierung unter Duldung der Linken.

Bekommt womöglich doch noch eine Chance mit der Hessen-FDP: Andrea Ypsilanti (SPD)© Alex Grimm/Reuters

Die hessische SPD hofft nach dem Kurswechsel von FDP-Chef Guido Westerwelle weg von der Bindung an die Union auf eine anderen Haltung der Landes-Liberalen zu einer Ampel-Koalition. Die SPD habe die Äußerungen Westerwelles mit Interesse zur Kenntnis genommen, sagte ein SPD-Sprecher in Wiesbaden. Westerwelle hatte dem Magazin "Der Spiegel" erklärt, er schließe eine Regierung mit SPD und Grünen im Bund nicht mehr prinzipiell aus. Mit ihrer klaren Koalitionsaussage zugunsten der CDU errang die FDP weder in Hessen noch in Hamburg die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung.

Die hessische FDP hat bisher eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen strikt abgelehnt. Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti hatte eine solche Koalition ursprünglich bevorzugt, bevor sie sich zum Plan einer von den Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung durchrang. Nach den Worten Westerwelles sei zu hoffen, dass auch die hessischen Freidemokraten zu einer anderen Haltung kämen, sagte der SPD-Sprecher.

Kopfschütteln über das Fiasko

Denn das Vorhaben Ypsilantis, an der Bildung einer Minderheitsregierung unter Duldung durch die Linkspartei festzuhalten, stößt in der SPD auf Kritik. "Ich kann über dieses Fiasko nur noch den Kopf schütteln", sagte SPD-Vorstandsmitglied Susanne Kastner der "Bild am Sonntag". Sie rate Frau Ypsilanti, den CDU-Ministerpräsidenten Roland Koch ohne Mehrheit regieren zu lassen und vor sich herzutreiben. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, forderte die Abgeordnete Dagmar Metzger auf, ihr Mandat nicht niederzulegen und bei ihrer ablehnenden Haltung zum Kurs Ypsilantis zu bleiben. "Frau Metzger hat viel für die Glaubwürdigkeit der SPD getan. Es war und ist in der Sache richtig, das zu halten, was man dem Wähler versprochen hat."

Metzger hatte nach einer Sitzung von Landesparteirat und Landtagsfraktion angekündigt, sie überlege, ob sie ihr Abgeordnetenmandat zurückgebe. In beiden Gremien war sie massiv für ihre Ankündigung kritisiert worden, nicht für Ypsilanti zu stimmen, falls die sich mit den Stimmen der Linken zur Regierungschefin wählen lassen wolle. Ypsilanti hatte daraufhin erklärt, sich nicht zur Wahl zu stellen. Die SPD-Gremien bekräftigten am Samstag, sollte es keine andere Möglichkeit geben, solle die SPD eine von der Linkspartei gestützte rot-grüne Minderheitsregierung anstreben. In einem Beschluss heißt es, Ypsilanti habe den Auftrag, "die künftige Regierungsbildung unter Führung der SPD herbeizuführen". Die Abgeordnete Metzger wurde in dem Papier scharf kritisiert: "Das Verhalten und die Umstände der Erklärung von Frau Metzger führen zu einer schweren Belastung für die SPD in Hessen."

Am Abend will SPD-Chef Kurt Beck nach zweiwöchiger Krankheit erstmals wieder die politische Bühne betreten und mit der engeren Parteiführung das weitere Vorgehen beraten. Beck war wegen der von ihm befürworteten Öffnung der SPD zur Linkspartei unter scharfe Kritik geraten.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
wanderer60 (09.03.2008, 22:23 Uhr)
bei alldem pro-oder-contra-Ypsilanti...
ist eine wichtige Sache auf der Strecke geblieben: Wenn Herr Koch nicht unanständigerweise im "Braunen" geangelt hätte, könnte die CDU in Hessen sicher einen guten Job machen. So bleibt zu hoffen, das es ihn auch noch - auf die eine oder andere Weise - trifft und er gehen muß. Das wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung in Hessen!
cologne237 (09.03.2008, 17:33 Uhr)
YPS
..in meiner Jugend gab es einen Comic...Yps!!! Ich habe mal eine Ausgabe verloren und geweint. Meine Mama sagte: Weine nicht...eines Tage wirsd Du es wiederfinden...
MAMA HATTE RECHT! Yps ist lustiger als je zuvor...
wmebh (09.03.2008, 17:11 Uhr)
Meister Petz kommt am Montag wieder
die letzten 2 Wochen zuhause im Schlafanzug rumgeschlurft und bei einem Besuch schnell ins Bett und den kranken Mann gespielt.
Mit so einem kann man keinen Staat machen.
senf-dazu-geben (09.03.2008, 16:30 Uhr)
@mupfeline: Medienkompetenz
Zitat:"Oh, dann ist es also nur ein Gerücht dass die SPD die Metzer aus dem Landtag drängen will."
Antwort: Zu diesem Thema habe ich keinerlei Bewertung abgegeben und halte daher diese rhetorische Gegenfrage an mich für völlig irrelevant. Eine seriöse Diskussion funktioniert nicht darüber, unbewiesene Behauptungen aufzutürmen, sondern über den Austausch von Fakten und deren Bewertung.
Statt dessen habe ich darauf hingewiesen, dass Ihre Vermutung einer gesperrten Internetseite der Frau Metzger durch die SPD-Fraktion Hessen nicht so einfach konstruierbar ist, wie Sie sich das als, mit Verlaub, WWW-Greenhorn vorstellen. Bitte stehen Sie dazu, dass Sie diesbezüglich einen Zusammenhang gereimt haben, der bei näherer Betrachtung nicht zwangsläufig existiert.
Welche politischen Führer Sie, hochverehrte mupfeline, sich wünschen, ist anhand der eingeschränkten Rationalität, die Sie hier vorzeigen, wohl eher Glückssache. Offenbar waren Sie auch nicht dazu in der Lage, meinen Post vollständig durchzulesen. Nur so kann ich es mir erklären, dass Sie mich als SPD-Anhänger titulieren, wo ich doch eben erst erklärt habe, kein solcher zu sein. Bitte erst lesen, dann denken, dann schreiben, dann noch mal lesen, noch mal denken, korrigieren, dann erst posten!
Die Gewissensfreiheit eines Menschen schätze ich übrigens sehr hoch ein. Welche Art von Gewissen wohl Herr Koch besitzt?
mupfeline (09.03.2008, 16:23 Uhr)
Wenn es ginge ...
... würde ich Neuwahlen sobald wie möglich vorschlagen. Und dann sollen die Parteien vorher sagen mit wem sie koalieren wollen und mit wem es nicht geht.
Dann sehen wir weiter! So jedoch ist Hessen nicht regierungsfähig.
Das Problem ist nicht dass die Linke mit regieren will, wenn sie demokratisch gewählt wurde dann okay. Mein Fall wäre es nicht aber ich würde sie auch nicht wählen. DAs Problem ist dass die Parteien sich festgelegt haben. Eine Partei muss ein Versprechen brechen und das ist immer peinlich. Vor allem weil sich vor den Wahlen soweit aus dem Fenster gelehnt wurde!
Fox59Fire (09.03.2008, 15:28 Uhr)
Die Wahrheit wird auf dem Altar der Macht dem Gott der Lüge geopfert!
Dagmar Metzgers Angst vor einer künftigen Ausgrenzung durch ihre Partei ist nicht unbegründet. Das ihre Erwägung, ihr Mandat niederzulegen, durchaus mit einem Machtanspruch Ypsilantis begründbar ist, belegt die Tatsache, das die angemahnte mögliche Handlungsunfähigkeit der hessischen SPD aufgrund der Verhinderung einer von der Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung durchaus nicht gegeben sein würde. Als durchsetzungsfähige Opposition, die Roland Koch dann mit den Stimmen der Grünen und der Linken "vor sich her treibt", würden der hessischen SPD unter Umständen weitaus mehr Möglichkeiten zur Demontage Roland Kochs und der hessischen CDU zur Verfügung stehen!
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Ich möchte nicht in der Haut von Dagmar Metzger stecken, denn sie befindet sich aufgrund ihrer Weigerung, Ypsilanti zu wählen, nun in einer klassischen Zwickmühle. Egal, wie sie sich entscheiden wird: Zwar hat sie ihre persönliche Glaubwürdigkeit erhalten, jedoch ihre Karriere - zumindest innerhalb der SPD - beschädigt oder sogar gänzlich aufs Spiel gesetzt. Ich persönlich bin Dagmar Metzger jedenfalls dankbar, dass sie mit ihrer Aktion erneut die diktatorischen und regimeähnlichen Strukturen innerhalb angeblich demokratischer Parteien aufgedeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Der Wähler wird benutzt und eingewickelt, die Wahrheit wird auf dem Altar der Macht dem Gott der Lüge geopfert. Das hierzu nicht allein die SPD fähig ist, belegt ein Blick in die politische Historie der letzten 30 Jahre und müsste jeden potentiellen und einigermaßen klar denkenden Wähler von weiteren Urnengängen abhalten. Wenn die Wahl eines kleineren Übels die einzige Alternative bleibt, dann hat die Demokratie, so wie sie uns verordnet wird, ihre Daseinsberechtigung verloren. Die Konsequenz? Bilden Sie sich ihre eigene Meinung ... und tun Sie das Richtige!
mupfeline (09.03.2008, 15:13 Uhr)
@paulmaz
Und was machen wir denn mit den SPD-Mitgliedern welche Frau Ypsilanti tadeln und Frau Metzger auffordern, sich nicht unterkriegen zu lassen? Sind die alle von der Springer-Presse gekauft? Schade, den Presseclub heute den haben Sie sicher verpasst - eigentlich müssten Ihnen die Ohren geklungen haben. Aber ich verstehe schon - alle die nicht Ihrer Meinung sind, die sind vom Springer Verlag erstmal gekauft worden.
Sagen Sie - sind eigentlich alle SPD-Anhänger so naiv wie Sie?
mupfeline (09.03.2008, 15:10 Uhr)
@Senf ... und noch was
Oh, dann ist es also nur ein Gerücht dass die SPD die Metzer aus dem Landtag drängen will. Ich habe zwar anderes gehört aber als Nicht-SPD-Mitglied und als Bürgerin die Fau Ypsilanti schlicht für ne Krankheit hält wissen Sie sicher mehr als ich.Danke der Aufklärung über den rot-dunkelroten Stammtisch.
Die SPD-Anhänger bringen es doch immer wieder fertig sich selbst zu demontieren. Sind Sie so verärgert dass Ihre Partei sich zum Kasper in ganz Deutschland macht ???
kaisergarten (09.03.2008, 14:45 Uhr)
Die SPD muss weg!
Weg mit der SPD! Wie K-H-J schon sagt, welchen Grund gibt es noch SPD zu wählen? Verkommen, verlottert und orientierungslos. Die gleichen Parolen wie die Linken, aber wenn’s geht dann doch immer noch gerne mit der FDP (????) koalieren. Wie geht das denn? Von wegen Glaubwürdigkeit, ha, ha. Leute, wählt entweder ECHT rot oder schwarz – klare Mehrheiten und ECHTE Unterschiede in den Inhalten braucht das Land. Dann kann es wieder einen Echten Richtungsentscheid geben und nicht immer so nen Zickzackkurs ohne Steuermann. Von dem Schlingerkurs wird’s den Passagieren nämlich schlecht.
Andreas_Waibel (09.03.2008, 14:33 Uhr)
Wem nützt die Kampagne gegen Ypsilanti ?
Frau Ypsilanti macht keine glückliche Figur, dass ist aber eher die Schuld Ihrer innerparteilichen Gegner vom rechten Parteiflügel. Die wollen nämlich unbedingt mit der CDU oder der FDP ins Bett, damit von Ypsilantis Reformprogramm nichts übrig bleibt. Die LINKE wird dämonisiert, weil auf einmal rechnerisch die Möglichkeit bestünde wirklich bessere Schulen und mehr soziale Gerechtigkeit umzusetzen. Frau Ypsilanti wird von rechten Medien gerade deswegen an den Pranger gestellt, weil sie die meisten Ihrer Wahlversprechen (bis auf das eine nicht mit den Linken zusammenzuarbeiten) halten will.
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