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11. November 2008, 15:30 Uhr

Die Auferstehung des Roland Koch

Spendenaffäre, Gruselwahlkampf, Stimmenverluste: Eigentlich war Roland Koch schon am Ende. Seine Unterlagen in der hessischen Staatskanzlei hatte der CDU-Politiker bereits gepackt. Doch das Scheitern von SPD-Frontfrau Andrea Ypsilanti beschert ihm ein Comeback. Koch ist sicher: "Wir können die Dinge wieder in Ordnung bringen." Ein Porträt von Hans Peter Schütz

Roland Koch, CDU-Politiker, Andrea Ypsilanti

Roland Koch ist wieder im Rennen - und zeigt sich taktisch clever© Michael Sohn/AP

Das jüngste Wochenende war für Roland Koch das angenehmste seit langem. Beim Saumagen-Essen saß er in Bad Homburg im Hause des Journalisten Hugo Müller-Vogg, mitten in einer politisch bunt gemischten Clique, auch SPD-Bundestagsabgeordnete waren dabei. Schön sei es, sagte der Pressemann, dass der Ministerpräsident da sei. Er wäre ihm allerdings auch ohne Titel willkommen gewesen. Ungewöhnlich sei es dennoch, denn man feiere nicht Ostern und habe gleichwohl einen Mann vor sich, "der in diesem Jahr schon zweimal seine Auferstehung erlebt hat".

Hämmern in der Staatskanzlei

Koch beschreibt seine Stimmung nach der dramatischen politischen Wende in Hessen am liebsten mit einem ganz bescheiden klingenden Satz: "Wir können die Dinge wieder in Ordnung bringen." Was er nicht sagt, aber bei diesen Worten ganz gewiss denkt: Den Wahlkampf zum Jahresauftakt habe ich verloren, der Sturz als Regierungschef schien programmiert - und jetzt bin ich noch immer da. So leicht ist ein Roland Koch nicht wegzuputschen.

Jetzt richtet sich die Koch-Crew wieder in der Staatskanzlei ein. Noch immer stolpert sie über Kisten, gepackt für den Auszug kurz vor dem geplanten Einzug der Andrea Ypsilanti. Während Kochs Sprecher und Alter Ego Dirk Metz am Montag telefonierte, hämmert er gleichzeitig an den Wänden seines Büros herum. "Entschuldigen Sie", brüllte er in den Hörer, "ich haue gerade einen Nagel in die Wand, denn ich bin dabei, mein Zimmer wieder einzurichten." 30 Handball-Wimpel mussten erneut dekorativ aufgehängt werden. Und alle Schalke-04-Fan-Artikel, die der gebürtige Nordrhein-Westfale von seinem Lieblings-Fußballclub über die Jahre gesammelt hat. Nur der Ball mit den Original-Unterschriften der Schalke-Kicker musste in einem der herumstehenden Kartons noch gefunden werden.

Junge Union für Koch

Heile Welt in Hessens Machzentrale. Schenkel klopfend las man die Berichte vom Deutschlandtag der Jungen Union. Wie Angela Merkel lange Zeit keinen Beifall bekam. Erst als sie sich auf Zuruf leicht mühsam den Satz abrang, natürlich werde die Bundes-CDU "unseren Freund Roland Koch nach Kräften unterstützen" bei der Neuwahl am 18. Januar, da tobte die Parteijugend wie wild. Schnell wechselte die Kanzlerin daraufhin das Thema.

Koch neigt nicht zu Gefühlsausbrüchen, nicht in der Niederlage Ende Januar, noch im Blick auf den Triumph, der ihn im nächsten Januar erwarten dürfte. Euphorie erlaubt er sich nicht, nicht einmal beim Blick auf seinen SPD-Gegenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel, über den die Medien spotten "Thorsten Schäfer-Wer?" und der im Wahlkampf über die Scherben der Andrea Ypsilanti stolpern muss.

Hessen als Modell für den Bund

Natürlich weiß Koch, dass die Demoskopen die hessische SPD derzeit bei 25 Prozent sehen. Und er sieht die psychologischen Probleme der Bundes-SPD sehr genau, die im Jahr der Bundestagswahl gleich eine herbe Schlappe verkraften muss. Ganz zurückgenommen sagt er: "Wir können die Dinge wieder in Ordnung bringen." Aber er will zum Jahresanfang unbedingt ein Signal für die Bundestagswahl im kommenden September setzen: "Wir koalieren mit der FDP, wenn es geht." Man wolle auf der Basis von Schwarz-Gelb eine "stabile Koalition". Das heißt: Hessen wird zum Modell für den Bund erklärt.

Dem Kurz-Wahlkampf sieht Koch entspannt entgegen. Anders als im Januar, wo er und sein Team verzweifelt nach einem Thema suchten, sieht er sich jetzt glänzend bewaffnet - dank des von Ypsilanti ausgehandelten Koalitionspapiers. Ein Beispiel: Bei der letzten Hessen-Wahl habe man versucht, die CDU-Wähler für den drohenden Ausbau des Frankfurter Flughafens zu interessieren. "Die Wahlplakate dafür waren rausgeschmissenes Geld." Jetzt hätten die Wähler den mit Grünen und Linkspartei ausgehandelten Kompromiss vor sich liegen, der den Ausbau um mindestens zwei Jahre verzögert hätte. "Die Ausgangslage ist jetzt eine ganz andere."

Ein Leben nach Merkel

Von kriminellen ausländischen Jugendlichen wird er im Wahlkampf nicht mehr reden. Der Polarisierer Koch wird nicht stattfinden. Sondern ein CDU-Politiker, der soziale Sicherheit predigt, seine Bildungspolitik korrigiert, sich zum Umweltschutz bekennt und zum sachkundigen Umgang mit der Finanzkrise. Über den Grünen-Chef Tarek al-Wazir redet er mit Respekt. Ja, man habe sich mehrfach getroffen und unterhalten. Nein, er sei nicht dagegen, dass inzwischen schwarz-grüne Gespräche bundesweit stattfänden. Den Buhmann Koch, über den selbst führende Parteifreunde in anderen Bundesländern leicht lästern hatten, wird er nicht mehr geben. Er kehrt, wenn er die Wahl gewinnt und die Koalition mit den Liberalen schafft, wieder auf seine Position als erster Mann hinter Angela Merkel zurück. Der Schatten-Kanzler - das ist seine wichtigste politische Option. Denn er ist der älteste unter den "jüngeren" CDU-Spitzenpolitikern. Für einige Monate sah es so aus, als ob er tatsächlich alsbald wieder einmal als Rechtsanwalt arbeiten müsste. Ein kurzfristiger politischer Wechsel nach Berlin oder Brüssel war nicht möglich. Daher ist es schon so, wie Hubert Kleinert, der grüne hessische Professor für Politikwissenschaft sagt: "Andrea Ypsilanti hat ihm ein neues politisches Leben gesichert." Das Lebensziel ist immer noch: Kanzler werden - nach Angela Merkel.

Vorteil Lernfähigkeit

Er wird die unerwartet geschenkte Chance nutzen. Der Korpsgeist der hessischen CDU ist hoch entwickelt. Und noch einmal wird der Mann, der in aller Regel seine jeweilige Situation kühl auf Vor- und Nachteile durchkalkuliert, nicht mehr auf Zuflüsterungen seines Bauchs und der "Bild"-Zeitung horchen, die ihn in einen Wahlkampf verführt hatten, bei dem er nur verlieren konnte. Für ihn war schon immer entscheidend, "wie wir mit unseren Fehlern umgehen". Das verleiht ihm ein besseres Stehvermögen als den meisten konkurrierenden Politikern. Die Untiefen seiner Persönlichkeit wird er so schnell nicht wieder erkennen lassen. Er wird stattdessen immer mal wieder den Satz von Ödön von Horvath zitieren: "Eigentlich bin ich ganz anders, ich habe nur selten Zeit dazu."

Ein Porträt von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 62)
 
BeppoGPunkt (12.11.2008, 15:59 Uhr)
@manesse
scorpion-c hat meine Ausführungen eher verstanden.
Eine dritte Wiederholung wäre müssig.
Servus derweil...
nichtvergessen (12.11.2008, 10:14 Uhr)
Neue Atomkraftwerke in Hessen
'Irgendwie' ging das jetzt in den letzten Berichten unter, aber bevor es jetzt ganz vergessen geht, es ist Euch schon klar dass ausser weiteren Ausgaben in Millionenhoehe fuer das Autobhannetz und der Flughaefen, Koch sehr gerne neue Atomkraftwerke in Hessen bauen moechte !
Ganz zu schweigen von dem Millionenloch Biblis ! Evtl. sollte mal ein Blick auf die irrsinnigen Absichten und das bisher Erreichte von Ihm werfen. Wer den Untergang fuer Hessen will waehlt Koch.
scorpion-c (12.11.2008, 01:43 Uhr)
@manesse
Nein aber Koch mit Bush.
Scheisse fällt ja bekanntlich nach oben also nervt nicht die Hessen von wegen was sie wollen und verdienen und wartet mal darauf wenn Koch beim nächsten Wahldurchgang als Kanzler Kandidiert und auch noch gewählt wird.
Ach ja und was DDR 2.0 angeht ... wir arbeiten doch schon kräftig dran siehe BKA Gesetz usw.
Leider wird der Hessische Wähler wieder dumm genug sein und Lügenmännchen Koch zum MiniMinister wählen. Prinzessin Yps ha ja eine Marionette gefunden genauso wie die CDU auf Bundesebene.
manesse (11.11.2008, 23:34 Uhr)
@BeppoGPunkt
Sie werden doch nicht im Ernst Herrn Schäfer-Gümbel mit Herrn Obama vergleichen wollen.
BeppoGPunkt (11.11.2008, 23:16 Uhr)
Wiederholung
Ich kann es nur noch einmal wiederholen!
Herzlichen Glückwunsch nach Hessen!
Keine Lust mal was Neues zu probieren? Inhalte zu prüfen? Nicht Wege, die zur Erfüllung von Versprechungen führen!
Wie auch immer. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.
Übrigens...ich bin konfessionslos!
Nochmals...herzlichen Glückwunsch ihr bekommt was ihr wollt - und verdient! Und nochmal! Sogar die Amerikaner waren mutiger!
Servus derweil....
REINI2 (11.11.2008, 22:24 Uhr)
Mancher lernt es NIE.....
Flegelfranz.... ab ins Bett mit dir, sonst sonst schreibst du noch mehr Stuss :-))
Die Linken kannst DU mit deiner dümmlichen Hetze auch nicht aufhalten!
Hättest mal lieber auf die Banken aufpassen sollen, du kleiner Neoliberaler.... hihihi
Necro (11.11.2008, 22:01 Uhr)
Verhindern...
...wird man die Linke mit Sicherheit nicht. Welchen Grund sollten die hessischen Linkswaehler haben das im Januar nicht wieder zu tun?
Was passiert eeigentlich sollte in Thueringen rot-rot kommen mit der SPD als Juniorpartner? Wandern Sie dann aus weil der Untergang des Abendlandes ansteht? Evt wird um Thueringen ja auch eine Mauer gezogen und es wird zu DDR 2.0 kommen. Oder aber es wird genauso demokratisch eine Legislaturperiode gefahren wie in allen anderen 15 Bundeslaendern auch. Was ist wohl wahrscheinlicher? Gewoehnen Sie sich doch an 5-Parteien Parlamente denn die werden kommen das ist sicher. Und dem Neo-Con Block duerfte es doch recht sein, da das eher der SPD stimmen kosten wird den dem konservativen Lager. Was hat man damals nicht ueber die Gruenen gewettert und den Untergang der Republik beschworen. Nun holt Sie sogar die CDU mit ins Koalitionsboot.
Haette gerne mal gewusst wieviele Hamburger dagegen waren, aber da hat es ja komischerweise keinen vom rechten Block gejuckt. Es wird nur immer aufgejault wenn der eigene Mann gar nicht mehr mitspielen darf.
jackiki (11.11.2008, 21:36 Uhr)
knilch_59
der weiß doch noch nicht einmal wer oder was die zentrumspartei war!
OttoB (11.11.2008, 21:35 Uhr)
Ich bin mir sicher
das das von der Y. eine Lüge war die so in der Politik noch nie vorgefallen ist.
Ich muss das wissen ich hab das in BILD und Stern gelesen, fragen sie doch den intelligenten vlegelfratz.
Das mit den jüdischen Vermächtnissen winzig dagegen.
Endlich weiter Koch, damit unsere Manager noch reicher werden.
Diesen Atomabfall können wir ruhig der jungen Generation überlassen, der strahlt doch kaum 1000000 Jahre, was ist das schon, als wenn wir das nicht schon längs im Griff haben.
Also Hessen, weiter mit Koch, danke ihr Vier.
knilch_59 (11.11.2008, 21:34 Uhr)
Hautsache Koch verhindern!
Hey vegefranz, dieser Schuss geht nach hinten los. Klar ist die Linkspartei Rechtsnachfolger der SED und die war staatstragend in der DDR. Aber wer sind wir dann? Die BRD definiert sich selbst als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches – Sind wir dann alle Nazis? Wen kann ich noch wählen, wenn die Linkspartei für die SED steht, aber FDP, CDU/CSU und SPD die Nachgeburt der Rechtsradikalen aus Nazideutschland sind? Insbesondere ist nach dieser vequasten Logik die CDU verdächtig. Schließlich definiert sie sich in der Tradition der Zentrumspartei – die hat aktiv Adolf Hitler zum Reichspräsidenten gewählt.
.
Wenn ich als in der BRD Geborener – also Nazi-Nachfolger - die Linkspartei wähle, bin ich dann Rechtslinksextrem oder Linksrechtsextrem? Ich weiß nur eins: Wenn ich Ihrer Argumentation folge, bin ich extrem … doof!
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Tipp: Die Grünen sind unverdächtig. Und das Ziel ist klar: KOCH MUSS WEG!
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