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7. Juni 2008, 16:14 Uhr

Metzger erwägt die Wahl Ypsilantis

Dass Hessens Ministerpräsident Roland Koch das Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren nicht unterzeichnet hat, könnte ihn teuer zu stehen kommen. Die SPD-Abgeordnete Dagmar Metzger will nun überlegen, ob sie den Weg für Andrea Ypsilanti als Ministerpräsidentin doch noch frei macht.

Ist empört über Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU): die SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger überlegt,© Arne Dedert/DPA

In Hessen könnte es in absehbarer Zeit doch noch eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die Linke geben. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, kündigte die Darmstädter SPD-Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger an, sie werde sich über das Thema "noch einmal Gedanken machen müssen". Sie begründet ihren Meinungsumschwung dem "Spiegel" zufolge mit dem Verhalten des geschäftsführenden Ministerpräsidenten Roland Koch im Wiesbadener Landtag.

Der CDU-Politiker hatte sich geweigert, ein mit der Mehrheit von SPD, Grünen und Linken beschlossenes Gesetz zur Abschaffung der Studiengebühren zu unterzeichnen. Koch verwies auf einen Formfehler. Metzger sagte dem Magazin, der Ministerpräsident habe damit "sein Regierungsamt für parteipolitische Machtspielchen missbraucht". Dies schweiße die SPD zusammen. Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte Metzger, sie sei so "empört", dass sie "sehr nachdenklich" geworden sei. "Ich werde die CDU genauso beobachten wie die Linke. Kochs Verhalten war ein Wortbruch", wurde sie zitiert. An Metzgers Veto war im März der erste Versuch gescheitert, eine rot-grüne Koalition unter der Führung von SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti zu schmieden, die auf die Stimmen der Linken angewiesen wäre.

Koch soll auf Neuwahlen hoffen

Derweil dementierte die hessische Landesregierung einen Bericht, nach dem Koch im kommenden Jahr eine Neuwahl des Landtages anstrebe. "Wer auch immer in der Berliner Gerüchteküche das Ganze erfunden haben mag, es entbehrt jeder Grundlage", sagte Kochs Sprecher Dirk Metz. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor von einem "Geheimplan" berichtet: Demnach setzt Koch auf eine Auflösung des Parlamentes mit Hilfe der Grünen im Zusammenhang mit Beratungen über den Landeshaushalt im Dezember. Eine Neuwahl sei für den 7. Juni 2009, den Tag der Europawahl, angestrebt, schrieb das Blatt unter Berufung auf die Unionsspitze in Berlin.

Der hessische SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt warf Koch dennoch ein falsches Spiel vor: "Anstatt das Wählervotum und damit seine krachende Wahlniederlage zu akzeptieren, versucht Herr Koch, mit allen Tricks die Mehrheit im Landtag zu blockieren, um Neuwahlen zu erreichen", sagt er. Aber es gebe im Landtag eine Mehrheit für einen Politikwechsel, nicht für Neuwahlen. Die hessische CDU-Regierung ist geschäftsführend im Amt, weil es für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten keine Mehrheit gibt. Seit dieser Woche tobt wegen der vorläufig gestoppten Abschaffung der Studiengebühren ein erbitterter Streit zwischen Parlament und Regierung. Die hessische SPD-Vorsitzende Andrea Ypsilanti warf Koch ehlende Loyalität gegenüber dem Landtag vor.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 40)
 
sternenhagel (09.06.2008, 17:28 Uhr)
Sollte er?
Ist es eigentlich auszuschließen, das Koch, seine Partei oder seine Hinterleute in den Konzernzentralen den Text der Gesetzesvorlage von Spitzeln manipulieren ließ, um Koch sein schmutziges Spielchen zu ermöglichen. Ist doch nicht unmöglich bei seiner kriminellen Vergangenheit.
manesse (08.06.2008, 11:35 Uhr)
@ganzbaf
Ausnahmsweise sind wir einer Meinung. Nur durch Neuwahlen hat die Hessen-SPD die Chance, eine Legitimation für ihr Linksbündnis zu erhalten. Ob sie dann tatsächlich auch mit der erwünschten Mehrheit ausgestattet wird, das wird sich weisen.
ganzbaf (08.06.2008, 10:57 Uhr)
"Sie wollte es sich noch mal überlegen..."

Von einem festen Entschluss war nie die Rede, auch nicht beim Spiegel.
.
Immerhin: Laut Metzger steht die CDU jetzt genauso unter ihrer "Beobachtung", wie die Linkspartei... ;-DD
.
Es hilft nix, Neuwahlen müssen her.
paulmaz (08.06.2008, 09:54 Uhr)
Falscher Alarm
Na Gott sei Dank, war nur falscher
Alarm. Jetzt können die konserva-
tiven Heuchler das Bild von Frau
Metzger wieder aus der Mülltonne ho-
len, auf den Altar der Wahrhaftigkeit
stellen und Räucherstäbchen anzünden.
ganzbaf (08.06.2008, 09:33 Uhr)
Das Problem...

ist/waren die vorherigen Koalitionsausschlüsse, bei Ypse wie Beck.
.
Neuwahlen müssen her! Und Ypse soll und keine demokratische Zusammenarbeit mit wem auch immer im Vorfeld ausschließen.
Bin überzegt, dass es nach wie vor eine linke Mehrheit in Hessen - wie auch im Land gibt.
ganzbaf (08.06.2008, 09:07 Uhr)
Ach...?

Wurde die Ärmste nun schon wieder herumgedreht?! ... ;O))
Hat Koch sie jetzt kurzfristig "kaputtgemobbt" oder ein höheres Sümmchen überwiesen?
Naja, egal; Neuwahlen wäre eh der sauberere Weg.
MamfredBuchholz (08.06.2008, 09:06 Uhr)
Neuwahlen
sind die einzig saubere Lösung. Frau Yps kündigt vorher an, sich von den Linken wählen zu lassen. Wenn Sie dann immer noch eine Mehrheit zusammenbekommt, was man bezweifeln kann, wäre das ein ehrlicher Sieg.
Gernspieler (08.06.2008, 07:28 Uhr)
Vor 28 Jahren...
....waren die Grünen vor allem für die CDU die "Igitt-Igitt"-Partei. Wer hätte damals gedacht, dass sie sich 2008 für die CDU HH zur Mehrheitsbeschaffung hergibt?
Nun haben wir eine neue "Igitt-Igitt"-Partei, und die SPD sollte sich nicht 28 Jahre lang zieren, mit dieser Partei zusammenzugehen, zumal es ehemalige SPD-Wähler sind, wenn dadurch eine Mehrheit jenseits der CDU zustande kommt. Allerdings hat die SPD neben schwierigen Globalisierungsauswirkungen gegen eine CDU-gesteuerte öffentliche Meinung anzukämpfen, die vergessen machen möchte, dass die Grünen für die CDU jahrezehntelang ebenfalls eine Unpartei war.
@manesse: Man kann nicht so lange wählen lassen, bis den Politikern die Wahlergebnisse passen.
eltalein (08.06.2008, 07:18 Uhr)
Liebe Stern.de Mitarbeiter......
Ihre Info von Spiegel.de ist falsch, Metzger hat das nie gesagt und bleibt bei der Aussage gegen Links, es wurden Märchen erzählt.
vegefranz (08.06.2008, 06:50 Uhr)
lächerlicher als ypse geht es nicht mehr
lächerlicher geht es nicht mehr. die SPD rauscht der Bedeutungslosigkeit entgegen. Das ist aber nicht gut, den das Land braucht handlungsfähige Volksparteien. Sonst übernehmen die Radikalen (NPD und Linke) das Ruder. Weit sind wir nicht mehr davon entfernt. Wann also entfernt jemand diese - erwiesenermassen - völlig unfähige Wahlbetrügerin?
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