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8. März 2008, 18:38 Uhr

Rückendeckung für Ypsilanti

In Frankfurt haben Parteirat, Landesvorstand und Landtagsfraktion der hessischen SPD fünf Stunden lang getagt und am Ende Geschlossenheit demonstriert. Doch im Saal flogen die Fetzen. Von Mathias Schlosser, Frankfurt

Freute sich über die Rückendeckung der Hesse-SPD: Andrea Ypsilanti© Boris Roessler/DPA

Dagmar Metzger brauchte erst einmal eine Zigarette. Noch in Reichweite der Fernsehkameras nahm sie einen tiefen Zug und ihr Gesichtsausdruck ließ erahnen, was die Darmstädter Abgeordnete in den Stunden zuvor durchgemacht hatte. Zwei Tage nach ihrem spektakulären "Nein" zu einer Wahl von Parteikollegin Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin nahmen die 100 wichtigsten Sozialdemokraten Hessens die angeblich "ehrlichste Politikerin Deutschlands" in die Mangel. "Sie hat sich einiges anhören müssen", berichtete eine kämpferische Andrea Ypsilanti und forderte Dagmar Metzger auf, ihr Mandat nicht anzunehmen. "Es wird niemandem abgesprochen, seinem Gewissen zu folgen, aber wir haben Regeln", wetterte sie, während Metzger keine fünf Meter weiter an der Zigarette zog. Wenn Landtagsabgeordnete einen Parteitagsbeschluss nicht mittragen können, müssten sie die persönliche Entscheidung treffen und ihr Mandat zurückgeben.

Auch die jüngste Kritik aus Berlin wies Ypsilanti zurück: "Wir haben immer sehr transparent und im Einvernehmen mit der Partei hier in Hessen unsere Entscheidungen getroffen und hier werden sie auch bleiben." Dann berichtete sie über den Beschluss, den der Parteirat - das höchste Gremium zwischen den Parteitagen - auch mit der Stimme von Dagmar Metzger einstimmig beschlossen hatte: Danach liegt will Andrea Ypsilanti ihre Themen nun aus dem Parlament heraus durchsetzen, da ja auch die künftige, geschäftsführende CDU-Regierung keine Mehrheit hat. Der Plan einer von der Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung sei "erstmal auf Eis gelegt", nicht aber aufgegeben.

"Ypsilanti genießt das volle Vertrauen"

Die Person Andrea Ypsilanti steht in der hessischen SPD trotz des Desasters vom Freitag zumindest formal nicht zur Debatte. Ebenfalls einstimmig beschloss die Partei: "Andrea Ypsilanti genießt das volle Vertrauen der hessischen SPD und hat den Auftrag die künftige Regierungsbildung unter Führung der SPD herbeizuführen." Sie selbst sieht ihre Position gestärkt: "Ich habe die breite Rückendeckung meiner Partei noch einmal bekommen."

Ganz so einhellig war es dann aber doch nicht. Immer wieder musste SPD-Sprecher Frank Steibli den Termin für das Ende der Sitzung nach hinten verschieben. Eigentlich sollte schon um 12 Uhr Schluss sein. Am Ende trat Andrea Ypsilanti drei Stunden später vor die Presse. Im Saal kam bis dahin alles auf den Tisch: der schwelende Konflikt zwischen linkem und konservativem Flügel, zwischen Andrea Ypsilanti und Ex-Fraktions-Chef Jürgen Walter, der Ärger vieler Genossen über den Wortbruch und natürlich die Wut über Abweichlerin Dagmar Metzger, die dafür auch noch im CDU-Lager gefeiert wird. Bisweilen ging es im Sitzungssaal der Frankfurter SPD so laut zu, dass die Anwohner der Straße "Hinter der schönen Aussicht" den Genossenzoff Wort für Wort verstehen konnten: "Was soll die Scheiße, jetzt alles unter den Teppich zu kehren", echauffierte sich ein Deligierter und ärgerte sich lautstark über die "politischen Spielchen von Leuten, die 7.000 Euro verdienen".

Gemeint war wohl auch Ypsilantis innerparteilicher Widersacher Jürgen Walter, der die Entscheidung, sich von den sechs Abgeordneten der Linkspartei mitwählen zu lassen, schon vor Dagmar Metzgers "Nein" heftig kritisiert hatte. Walter trat nach der Sitzung Seite an Seite mit Andrea Ypsilanti vor die Presse - und schwieg.

Von Mathias Schlosser, Frankfurt
 
 
KOMMENTARE (10 von 36)
 
cobdet (09.03.2008, 04:20 Uhr)
Es ist sinnlos
CDU ler haben scheinbar das natürlich Recht auf Regierung und wenn die Mehrheiten nicht reichen dann wird es eben solange umgedeutet bis der "Gott gewollte Zustand" wieder hergestellt ist.
Die letzten Beiträge sprechen jawohl eine klare Sprache. Eine klare Mehrheit der Hessen wollte und will Koch nicht aber das scheint diesen Propagandisten der CDU Zentrale irgendwie noch entgangen zu sein.
Wenn ihr doch gewonnen habt dann bildet doch die Regierung soviel ich weiss braucht man dazu eine Mehrheit
dann zeigt doch mal wie gut ihr im Rechnen seid.
Träumt weiter ! Ich kenne Schweine die jonglieren konnten nämlich mit angeblichen Spendengeldern ach und da war doch noch so eine Birne selbst die konnte jonglieren
Für die Schreiberlinge um Turmfalke ein kleines Zitat :
.
Manche Menschen würden eher sterben als nachzudenken.
Und sie tun es auch.
(Bertrand Russell, engl. Phil. u. Sozialkritiker, 1872-1970)
TomH (09.03.2008, 01:37 Uhr)
Nachsatz
Scheine = Schweine...
TomH (09.03.2008, 01:36 Uhr)
@ periquito
Mathematik ist offensichtlich nicht die STärke der Linken oder der SPD...
Die meisten Stimmen hat welche Partei bekommen? Ja, die CDU, nicht Rot-Rot-Grün aber ich erwarte von Kommunisten nicht gerade den Unterschied zwischen Partei und Koalitionen zu kennen... Ich erwarte ja auch nicht das Scheine jonglieren können.
Schönes Wochenende.
periquito (09.03.2008, 01:17 Uhr)
@Turmfalke
Das ist nicht korrekt. Die Mehrheit hat nicht Koch gewählt, sondern Rot-rot-grün (zumindest stehen rot-rot-grün ja offenbar mehr Stimmen zu als schwarz-gelb). Sie haben als Wähler nicht das Recht, einen Ministerpräsidenten zu wählen. Das übernimmt... nun ja, man könnte sagen, das Wahlergebnis für Sie. Wie man sich innerhalb der Fraktionen darauf einigen darf, dass ein bestimmter Ministerpräsident gewählt wird, ist klar reguliert.
Gefällt Ihnen die Art und Weise nicht, in der eine Fraktion ihren Mitgliedern (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) vorschreibt, einen Kandidaten zu wählen (sofern sie es ihren Mitgliedern "vorschreibt"), empfehle ich Ihnen, eine andere Partei zu wählen. Die Auswahl dürfte allerdings sehr klein werden. Soweit ich weiß ist eine gewisse Fraktionsdisziplin, da stehe man zu wie man wolle (ich selbst finde es zum Beispiel auch nicht grade demokratisch) bei nahezu allen großen, regelmäßig in Landes- oder Bundesparlamenten vertretenen Parteien üblich. Es ist kein Geheimnis, dass beispielsweise auch in der CDU Listenplätze und Parteiämter nach Loyalität vergeben werden.
cobdet (08.03.2008, 23:15 Uhr)
@manesse
>Nicht umfallen< >Nicht umknicken<
Für einen FDP Wähler benutzen sie aber reichlich "Fremdwörter" vor allem dieses "Nicht" ist doch im Zusammenhang mit der Partei ihrer Wahl völlig unangebracht so etwas kennen die doch gar nicht.
Britisches Lederschuhwerk ist zwar teuer aber auch kein Garant für klare Gedanken...wofür ja gerade eben Elsbeths Männe den Beweis angetreten hat.
Aber so langsam bekomme ich ein Bild von ihnen Trachtenhut,Lodenjacke und derbes Schuhwerk...warum erinnert mich das so an Fotos aus der "Alpenfestung" weiss ich jetzt aber auch nicht wie ich da jetzt drauf komme
manesse (08.03.2008, 23:06 Uhr)
@cobdet
Um Gottes Willen: Sandalen. Solides Schuhwerk aus Britannien ist das beste, ich schwöre darauf. Man hat darin einen festen Tritt und knickt nicht um.
Benderhund5371 (08.03.2008, 23:00 Uhr)
Standhaft bleiben
Sehr geehrte Frau Metzger,
bitte, bitte bleiben Sie standhaft. Sie sind derzeit die einzig ware Demokratin in Ihrem Land! Mauerschützen, Postkommunisten und Stasisupporter dürfen nicht an Regierungsbildungen in Deutschland beteiligt werden.
@Ypsilanti: Ich fasse Ihr gesamtes Vorgehen nicht mehr!!
cobdet (08.03.2008, 22:51 Uhr)
@manesse
Oooch wenn sie noch ein wenig Geduld haben kommen vielleicht noch ein paar Parteien dazu und wer wie sie nach allen Seiten offen ist ( früher haben wir gesagt keinen eigenen Standpunkt hat) findet dann vielleicht doch noch was "Neues" Aber bitte bitte nicht wieder die FDP wählen sonst haben wir das Theater ja schon wieder und dann wären sie auch dafür verantwortlich.
Ich vermute mal sie sind Sandalenträger...die sind nämlich auch nach allen Seiten offen mit dem Ergebniss das man nasse Füsse bekommt wenn es regnet ( bzw Westerwelle mal wieder seine Meinung ändert)
manesse (08.03.2008, 22:42 Uhr)
@codbet
Wenn der Bundestag zur Wahl ansteht, werde ich mich zwischen FDP, Grün und CDU entscheiden. Auch da bin ich völlig ungebunden: Die Sozis freilich, die ich Jahrzehnte lang gewählt habe, kommen für mich nun nicht mehr in Frage, seit dort die Linken das Sagen haben. Die Schröderianer fühlen sich dort nicht mehr geborgen.
cobdet (08.03.2008, 22:36 Uhr)
@manesse
Ich habe in der Tat bei der Hessen-Wahl FDP gewählt, und mich herzlich darüber gefreut, dass die Liberalen endlich einmal nicht umgefallen sind. Deswegen finde ich auch diese Frau Metzger von der SPD beeindruckend. > Zitat<
Sagen sie mal heute den Westerwelle noch nicht gelesen ???
Was glauben sie wie schnell die jetzt umfallen.
Und sie haben FDP gewählt ??? Dann sind sie ja (mit)verantwortlich für das ganze Theater denn ohne den Westerwelle-Wahlverein ginge es dieser Republik bedeutend besser
Also erst dieses Chaos verursachen und dann auf alle anderen einschlagen...näääää das ist nicht nett von ihnen
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