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8. November 2008, 15:47 Uhr

Ypsilanti hat ein Opferlamm

Andrea Ypsilanti hat ihren zweiten Anlauf zur Macht versemmelt, sie hätte zurücktreten müssen. Doch sie bleibt Hessens SPD-Chefin, Thorsten Schäfer-Gümbel wird Spitzenkandidat von ihren Gnaden. Gemeinsam steuern sie auf das Inferno der Neuwahlen zu - was der Bundes-SPD nicht unrecht ist. Von Lutz Kinkel

Andrea Ypsilanti, Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD, Hessen, Spitzenkandidat, Neuwahl, Roland Koch

Auf ein Neues: Parteichefin Ypsilanti und Spitzenkandidat Gumbel-Schäfer© Fredrik von Erichsen/DPA

Nächster Akt im Drama der hessischen Sozialdemokraten. Sitzung des Parteirats in Frankfurt. Es geht um die Frage, wer die SPD zu den Neuwahlen im Januar führen soll. Auftritt Andrea Ypsilanti: Sie werde sich nicht "wegducken", sagt sie. "Ich werde Landesvorsitzende bleiben, ich bleibe auch Fraktionsvorsitzende." Neben ihr steht ein Mann mit dicken Brillengläsern und einem noch weichen, jugendlichen Gesicht. Er ist aufgeregt und verhaspelt sich ständig, wenn er etwas sagen darf. Es ist Thorsten Schäfer-Gümbel, 39, verheiratet, dreifacher Vater, ein enger Vertrauter Ypsilantis vom linken Flügel der Partei. Ypsilanti lobt ihn wie einen braven Schuljungen: "Er ist ein sehr kreativer, intelligenter, fleißiger Abgeordneter." Und im Übrigen der Mann, der Roland Koch, CDU, schlagen soll. Schäfer-Gümbel wird Spitzenkandidat der Hessen-SPD. Eine Marionette von Ypsilantis Gnaden.

Eine buchstäblich atemberaubende Lösung, auch für die anwesenden Journalisten. Sie fragen bei Ypsilanti nach, ob sie ihre Ämter nicht hätte abgeben müssen, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Ypsilanti spricht vom Rückhalt, den sie in der Partei genösse, die Entscheidung für diese Lösung sei einstimmig gefallen. Schäfer-Gümbel, zwei Kopf größer als Ypsilanti und machtpolitisch zwei Kopf kleiner, gibt zu Protokoll, es sei ja auch ungerecht, dass Ypsilanti "gescheitert wurde". Wohin die Reise inhaltlich geht, dekretiert wiederum Ypsilanti. Am Wahlprogramm werde sich nichts ändern. Die "Energiewende" sei das Zukunftsthema, deshalb werde auch Hermann Scheer wieder im Wahlkampf mitmischen. "Wir spielen nicht auf Opposition, sondern auf Sieg", sagt Ypsilanti. Zur Erinnerung: Vor fünf Tagen war sie bei ihrem zweiten Anlauf zur Macht frontal gegen die Wand gelaufen. 24 Stunden vor der geplanten Wahl zur Ministerpräsidentin hatten ihr drei Abweichler überraschend das Vertrauen entzogen. Jürgen Walter, Silke Tesch und Carmen Everts, außerdem die schon bekannte Renegatin Dagmar Metzger. Diese Vier gehörten der "Vergangenheit" an, sagt Ypsilanti.

Debakel Neuwahlen

Was die Zukunft bringt, ist ziemlich klar: Neuwahlen in Hessen. Voraussichtlich werden sie am 18. Januar stattfinden. Nach dem Chaos der vergangenen Tage stehen die Chancen der hessischen SPD denkbar schlecht. Eine aktuelle Umfrage von Infratest Dimap prognostiziert der SPD ein Minus von zehn Prozentpunkten: Sie käme dann nur noch auf 27 Prozent. Die Grünen würden kräftig gewinnen und 12 Prozent einfahren, die Linken stünden unverändert bei 5 Prozent, die FDP könnte mit 11, die CDU mit 42 Prozent rechnen. Ein konservativ-liberales Bündnis hätte also eine klare Mehrheit. Roland Koch, CDU, geschäftsführender Ministerpräsident und Hassgegner der hessischen SPD, bliebe im Amt. Er gab in den vergangenen Tagen den demütigen Staatsmann. Sprach davon, dass er Anfang des Jahres Fehler im Wahlkampf gemacht habe, außerdem wolle er die Studiengebühren ganz gewiss nicht wieder einführen. "Ja, ich habe verstanden", war das Signal, das Koch aussendete.

"Nein, wir machen weiter", signalisiert nun Ypsilanti. Im Vorfeld dieser denkwürdigen Parteirats-Sitzung war viel darüber spekuliert worden, wer die hessische SPD aus ihrem Jammertal würde retten können. Justizministerin Brigitte Zypries war im Gespräch, immerhin eine Hessin mit bundespolitischer Erfahrung. Auch Manfred Schaub wurde wiederholt genannt, der Chef des SPD-Bezirks Nordhessen. Aber selbst Schaub lehnte ab. Übrig blieb ein Opferlamm aus der zweiten landespolitischen Reihe: Schäfer-Gümbel, stellvertretender Vorsitzender der SPD Hessen-Süd und seit April 2003 Mitglied des hessischen Landtags. Auf seiner persönlichen Homepage ist links oben eine Dia-Show zu sehen, die ein Foto enthält, das ziemlich genau beschreibt, wem Schäfer-Gümbel politisch nahe steht: Er links, in der Mitte Ypsilanti, daneben Hermann Scheer, der seinerseits eine Hassfigur für die vier Abweichler vom konservativen Flügel der Hessen-SPD ist. Dass Ypsilanti ihm und nicht Walter das Wirtschaftsministerium zusprach, ist einer der Gründe, weshalb Walter, Everts und Tesch politische Fahnenflucht begingen.

Überlegungen der Bundes-SPD

Ypsilanti begründet die Wahl Schäfer-Gümbels auf der Pressekonferenz in Frankfurt auch damit, dass sie niemandem Gelegenheit geben wolle, sich im Wahlkampf nochmals über "Wortbruch", "Glaubwürdigkeitsverlust" und dergleichen zu ereifern. Diese Anwürfe dürften nicht die Themen überdecken, für die die SPD stehe: Mindestlöhne, erneuerbare Energien, Ganztagsschulen, die von ihr so getaufte "soziale Moderne" eben. Eine Antwort darauf, wie sie Glaubwürdigkeit und Führungskraft wiederherstellen will, wenn sie zugleich die mächtigste Frau der hessischen Sozialdemokraten bleibt, wird niemand plausibel geben können.

Dass die Lösung Ypsilanti/Schäfer-Gümbel der Bundes-SPD die Tränen in die Augen treibt, ist gleichwohl nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Wie in Berliner Parteikreisen zu erfahren ist, waren Kanzlerkandidat Frank Walter Steinmeier und Parteichef Franz Müntefering nicht betrübt über Ypsilantis Scheitern bei der Ministerpräsidentenwahl. Drei Gründe wurden dafür genannt. Erstens habe dadurch jeder Landesverband gelernt, dass er nach der Wahl halten müsse, was er vorher versprochen habe. Zweitens sei jetzt klar, dass die Landesverbände - wenn schon, denn schon - Koalitionen mit der Linkspartei eingehen müssten. Und drittens sei der CDU so ein Wahlkampfthema abhanden gekommen. Wäre Ypsilanti gewählt worden und hätte in einem fragilen Tolerierungsbündnis mit der Linkspartei gestanden, hätte die CDU dies bis zur letzten Sekunde ausgeschlachtet. Außerdem war schon am Freitag in Berlin zu hören, dass die Bundes-SPD eine "hessische Lösung" der Wiesbadener Krise bevorzugt. Dass Ypsilanti dabei berücksichtigt wird, war offenbar gewünscht. "Die soll die Suppe auslöffeln, die sie uns einbebrockt hat", sagte ein Spitzengenosse zu stern.de.

Blick auf den Tag danach

Das Interesse der Bundes-SPD richtet sich bereits auf den Tag nach der hessischen Landtagswahl 2009. Nach der zu erwartenden Niederlage müsse sich der Landesverband neu sortieren, aufstellen und Wiederaufbau-Arbeit leisten. Dass Ypsilanti auch eine dritte Niederlage politisch überleben könnte, gilt als ausgeschlossen. Doch nach den Erfahrungen mit Roland Koch, der nach der CDU-Spendenaffäre, zwei ausländerfeindlich gefärbten Wahlkämpfen und einer krachenden Wahlniederlage immer noch im Amt ist und im Januar vermutlich eine satte Mehrheit gewinnen wird, kann für Hessen nur ein Satz gelten: Totgesagte leben länger.

Übrigens: Eine Koalitionsaussage will die hessische SPD vor der Wahl nicht mehr machen. Das stellte Thorsten Schäfer-Gümbel in seiner neuen Funktion als Spitzenkandidat schon mal fest.

Von Lutz Kinkel
 
 
KOMMENTARE (10 von 56)
 
chaos1234 (10.11.2008, 15:49 Uhr)
das hessische volk hat die wahl
Nun denn, viele meinungen hier zu diesem thema. aber man sollte die dinge mal sortieren. Frau Y. hat sich nach der Wahl in hessen zur siegerin erklärt. ok kann man machen auch wenn man nur zweiter war. nun beschließt sie sich von der linken tolerieren zu lassen. aber ein frau metzger sagt - no andrea nich mit mir. daraufhin drängt man frau metzger sie solle ihr mandat (vom volk gegeben) zurückgeben und man droht ihr mit einem parteiausschlussverfahren. frau y. bricht ihren ersten versuch ab und will nun den koch vor sich hertreiben. es gelingt ihr und den anderen beiden parteien tatsächlich die studiengebühren wieder abzuschaffen. war sonst noch was? ausser schlamperei bei entwurf hat man nichts gehört. also hat nicht geklappt. muß man eben einen neuen anlauf versuchen. dieses mal wird vorher "probe"abgestimmt. wo gibts den sowas? das erinnert doch stark an kindergartenniveau. ok -. trotz alledem alle sagen scheinbar ja. aber war es denn auch tatsächlich so??? wohl kaum - wie man mittlerweile erfahren kann hat zumindest frau ewerts ein klares signal nach berlin gesandt (siehe focus ausgabe von heute). dann gibt es in einer so großen "volks"partei drei die nein sagen. so was soll es ja geben - außer in der SPD. da darf das nicht sein nach dem motto "führer befiehl - wir folgen". Sorry aber ein besseres bild fällt mir dazu wirklich nicht ein. und dann greift man die presse an wie einseitig sie berichtet. nun alles was berichtet wird ist doch geschehen - oder etwa nicht? zwei große vorteile haben jetzt allerdings die wähler in hessen.
zum ersten können sie nun den beweis antreten das frau y. recht hat das es eine linke mehrheit gibt - was allerdings wohl nicht passieren wird.
oder zum zweiten können sie allen politiker jeder coleur nun etwas eindeutig aufzeigen. "wir sind das volk - und wir lassen uns nicht verarschen". Sie sind SPD wähler??? setzen sie doch mal ne runde aus oder wählen sie was anderes. einfach mal um zu zeigen wer tatsächlich die macht im land ist!!!!!!!!!!!!!
grüße
SethusCalvisius (10.11.2008, 09:49 Uhr)
73
von 136 Kommentaren wurden heute morgen gelöscht. Das ist peinlich für die, die hier schreiben, aber auch für die Aufsicht, die zugelassen hat, dass hier am Wochenende die Diskussuion vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist. (Mein Kommentar, der das schon einmal kritzisiert hat, ist natürlich auch gelöscht worden und damit auch meine Aussagen zum Artikel)
Um aufs Thema zu kommen: Ich bitte die Redaktion, einmal darüber nachzudenken, ob eventuell die Möglichkeit besteht, über politische Entwicklungen so zu berichten, dass der Leser die Chance bekommt, sich eine eigene Meinung zu bilden, ohne dass schon in der Überschrift gesagt wird, was er zu denken hat. Ich mein' ja nur.
Administrator (10.11.2008, 09:09 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir haben an dieser Stelle einige Kommentare löschen müssen. Bitte diskutieren Sie sachlich und zum Thema - persönliche Angriffe, Beleidigungen sowie off topic-Postings löschen wir.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
jackiki (09.11.2008, 23:17 Uhr)
ein paar fakten in bezug auf die koalitionsbereitschaft der spd mit den linken auf bundesebene!
der deutsche 16. deutsche bundestag zählt 612 abgeordnete. 307 stimmen sind notwendig um die mehrheit zu stellen.
fdp: 61 abgeordnete
cdu/csu: 223 abgeordnete
spd: 222 abgeordnete
bündnis 90/die grünen: 51 sitze
die linke: 51 abgeordnete
fraktionslose: 2 abgeordnete
zählt man die stimmen der grünen, der spd und der linken zusammen, so kommen diese auf insgesamt 326 stimmen. cdu/csu, fdp gemeinsam mit den zwei fraktionslosen abgeordneten kommen auf insgesamt 286 stimmen. gegen die mehrheit der der spd, der grünen und der linken hätten diese nichts entgegenzusetzen. somit könnte die spd, die grünen und die linken schon heute die mehrheit im bundestag stellen. tut sie es? nein!
nun kann jeder seine eigenen schlüsse aus diesen zahlen ziehen!
meine quelle ist unter folgender seite zu finden
http://www.bundestag.de/parlament/wahlen/sitzverteilung/1541_16.html
German_by_nature (09.11.2008, 17:52 Uhr)
Finanzierung der SPD laut wikipedia
Finanzierung
Die Gesamteinnahmen der Partie betrugen 2006 knapp 167 Millionen Euro. Zu den wichtigsten Einnahmequellen der SPD zählen Mitgliedsbeiträge und die staatlichen Mittel. Im Vergleich zu den anderen Bundestagsparteien tragen die Einnahmen aus Parteispenden von Natürlichen Personen bei der SPD traditionell nur zu eingem geringen Anteil bei. Folgende Liste gibt einen Überblick über den Stellenwert der verschiedenen Einnahmen. [3]
1. Mitgliedsbeiträge (2006: 29% Tendenz abnehmend)
2. Staatliche Mittel (2006: 26% Tendenz leicht abnehmend)
3. Sonstige regelmäßige Einnahmen (2006: 13%)
4. Veranstaltungen, Vertrieb und sonstigen Tätigkeiten (2006: 8%)
5. Spenden von Natürlichen Personen (2006: 6% Tendenz leicht abnehmend)
6. Unternehmenstätigkeiten und Beteiligungen (2006: 6% Tendenz zunehmend)
7. Sonstiges Vermögen (2006: 6%)
8. Sonstige Einnahmen (2006: 5%)
9. Spenden von Juristischen Personen (2006: 1% In Wahljahren 2%)
Zwischen 30 und 40 Prozent der Spendeneinahmen von Juristischen Personen setzen sich aus Großspenden von mehr als 20.000 € je Spende zusammen. Zu den größten Spendern (Juristische Personen, aufsummierte Spendensummen von 2000-2008, ab 2007 nur Spenden ab 50.000 Euro [4]) zählen folgende Unternehmen und Verbände:
1. 1.371.143 € Daimler Chrysler AG
2. 657.522 € BMW AG
3. 638.393 € Allianz AG
4. 365.820 € Porsche AG
5. 302.115 € Verband der Chemischen Industrie e. V.
6. 300.000 € Deutsche Bank AG
7. 300.000 € E.ON AG
8. 281.211 € B.TV Television GmbH & Co. KG
9. 277.258 € Südwestmetall
10. 250.000 € Commerzbank AG
kralli19 (09.11.2008, 15:11 Uhr)
Zum Thema Wahllüge
Wir dürfen aber nicht vergessen, dass gerade die CDU ein Nutzniesser von SPD-Wahlbetrüger Müntefering geworden ist bei den letzten Bundestagswahlen. Da war der Wahlbetrug der SPD sehr angenehm für die CDU und keine regte sich von der CDU darüber auf.
Münte sagte zwei Wochen vor der Bundestagswahl, dass die SPD niemals der Steigbügelhalter von Frau Merkel werden würde - lieber gehe man in die zwei Reihe zurück. Er sagte ferner, dass eine Koalition mit der CDU nicht in Frage käme, weil man diese von der Merkel geplante MW-Steuer moralisch ( die Merkel wollte um 2 Prozent erhöhen von 16 auf 18 % ) nicht mitragen könnte. Daraufhin bekam die SPD noch einmal einen richtig Schub nach vorn und holte die CDU ( die ja mit fast 10 Prozent Vorsprung führte ) ein. Nach der Wahl allerdings hat man sofort mit der CDU "gemerkelt " und sogar noch vorgeschlagen, die MW-Steuer auf 19 Prozent zu erhöhen. Als man Münte danach fragte, sagte er doch ganz einfach ( und lächelte dabei ) " was interessiert mich mein Gerede von gestern ". Ja, so einfach machen es sich die Politiker mit den Wahllügen und dem Wahlbetrug. Der CDU hat es aber in diesem Fall nicht gestört, da sie ja durch diesen Betrug am Wähler an die Macht gekommen ist.
T-Black (09.11.2008, 14:08 Uhr)
Manipulation - Meinungsmache
Die Kommentare zeigen doch deutlich Eines:
Es geht nicht um den Austausch von Argumenten, sondern um simple Meinugsmache. Damit passt dies zu den Kommentierungen der "rechten, konservativen" (verharmlosend auch bürgerlich genannt) Presse.
Jeder Schmutzfink darf anonym mit diversen "Benutzerkennungen" seinen Scheiß los werden. Da kann sich auch mal ein Rechter als niveauloser Linker äußern um im Gegenzug mit anderem Namen den Beitrag als Argument für seine politische Einstellung heranziehen.
Ich hoffe es gibt in Hessen genügend Menschen mit politischem Sachverstand, die sich nicht durch die Medien manipulieren lassen und die linke Mehrheit stärken, so dass es endlich zur Abwahl von Koch kommt. An alle Menschen, die Rechts von der Mitte stehen, in ein paar Jahren werden auch ihr feststellen, dass man Geld nicht "fressen" kann und sich die Kirche nur um euer Wohlbefinden im Jenseits kümmert.Also werden eure Wahlsiege die Welt nur etwas schneller in die Katasrtophe führen - Und damit eurem Endziel Himmelreich.
nicknoris (09.11.2008, 13:56 Uhr)
Kein Opferlamm ist TSG
Sondern der treue Johann, der Ersatz für eine Braut, die sich zuviel traut. Denn die Braut kommt wieder, keine Frage. Qualität setzt sich auf Dauer durch, auch gegen Wirtschaft, INSM und geballte Medienmacht.
Eine von Adorno und Habermas inspirierte Andrea Ypsilanti. war nicht nur eine Gefahr für Konservative und Wirtschaft, sondern auch für die SPD-Rechte. Sie war drauf und dran, in Hessen ein Gegenmodell zur Agenda2010-Politik zu installieren, eine SPD 2.0. Sie musste weg, mit allen Mitteln. So kamen die Schüsse auch aus den eigenen Reihen. Clement hat mit seiner Attacke kurz vor der Wahl Y. die Mehrheit im Landtag gekostet, sonst wäre sie schon längst Ministerpräsidentin. Der letale Schuss kam nun von rechten SPD-Abgeordneten, quasi friendly fire. Mission acomplished.
Dirk_37 (09.11.2008, 13:55 Uhr)
Mal eine Frage:
..muß man automatisch ( wie von *ich* und anderen dargestellt)ein Nazi sein, wenn man gegen Andrea Ypsilanti ist? Ist man automatisch frauenfeindlich, wie *Paul-Heinrich* es denkt?
Bei dem Fall von Beckstein/Huber haben sich doch die Kommentare der eher links angesiedelten Schreiber förmlich an Hähme (und mehr) überschlagen, das selbe passiert jetzt umgekehrt bei Ypsilanti, so what?
Jetzt muss ich mal eines ganz klar feststellen: sowohl das Duo Beckstein/Huber als auch Ypsilantio sind gewaltig auf den unteren Teil des Rückens gefallen.Punkt. Nur in einem muß man deutlich sagen, das beide Herren konsequent waren und verstanden haben, das es an der Zeit war zu gehen. Frau Ypsilanti reibt sich und die SPD weiterhin auf, versteht nicht das sie einfach mehr schadet als andersrum. Der Parteitag der Hessen SPD und die Abstimmungen dort, oh Gott. Ja ist es denn nicht normal das sich die Versammelten fast immer hinter die jeweiligen Spitzenkandidaten stellen? Der König ist tot, es lebe der König!! Nur ob dieser mir gänzlich unbekannte Kandidat die SPD wieder zu Einigkeit und Stärke bringen kann,naja? Schauen wir mal wie es weitergeht, für mich steht aber fest: Scheer und Ypsilanti sind politische Geschichte, sie wissen es nur noch nicht:-)
MfG Dirk
nicknoris (09.11.2008, 12:40 Uhr)
Ein Nachruf
Andrea Ypsilantis Politik musste verhindert werden, war sie doch drauf und dran, in Hessen ein Gegenmodell zur schröderschen Agenda2010-Politik zu etablieren. Eine SPD 2.0. vielleicht sogar mit Erfolg, welch ein Horror für all die Seeheimer und Netzwerker und Parteirechten in der SPD-Führung. Aber auch eine Gefahr für Union, INSM und Wirtschaft.
Wehret den Anfängen, hieß es deshalb. Die Attacken wurden bewusst nicht gegen ihre Politik vorgetragen – zu riskant in Zeiten einer Krise des Kapitalismus - die Kriegsschauplätze waren Lüge, Machtgeilheit und Unfähigkeit. Wobei die ersten zwei Vorwürfe bei Mannsbildern wie „Spiegelaffären- Strauß“, „Ich will hier rein- Schröder“ und Koch in den Medien meist nicht als für hohe Ämter ungeeignet thematisiert werden.
Der Vorwurf der Unfähigkeit war zwar völlig haltlos – schließlich hat Y. als einzige Linke in der SPD konsequent gegen die Agendapolitik gekämpft und damit in Hessen gegen den zuvor hoch favorisierten Walter beim Nominierungsparteitag gewonnen - ständig wiederholt bleibt immer etwas hängen.
Sie wurde zur großen Gefahr für die SPD-Rechten, sie musste weg. Kein Wunder, dass der erste Schuss von Clement kam, der sie um den absoluten Triumph in Hessen brachte und der finale Schuss aus den eigenen Reihen. Clements Schuss war wohl bereits letal, denn ohne ihn wäre die SPD die stärksten Partei im Landtag und Y. schon längst Ministerpräsidentin geworden. Wie nennen das die Amis: „friendly fire“.
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