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28. Februar 2009, 16:39 Uhr

Ypsilanti weint zum Abschied

Thorsten Schäfer-Gümbel ist neuer Vorsitzender der hessischen SPD. Der Landesparteitag wählte ihn am Samstag in Darmstadt mit 90,3 Prozent zum Nachfolger Andrea Ypsilantis. Die brach am Ende ihrer Abschiedsrede in Tränen aus.

Hessen-SPD, Andrea Ypsilanti, Thorsten Schäfer-Gümbel

Thorsten Schäfer Gümbel, umarmt die ehemalige hessische SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti© Martin Oeser/DDP

Andrea Ypsilantis war nach der SPD-Niederlage bei der Landtagswahl vom 18. Januar zurückgetreten. Schäfer-Gümbel, der von Ypsilanti zuvor schon die Führung der Landtagsfraktion übernommen hatte, rief seine Partei dazu auf, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Voraussetzung sei, dass sie für konkrete Probleme konkrete Lösungen anbiete und sich um alle gesellschaftlichen Schichten kümmere.

Ypsilanti schied aus dem Landesvorstand aus. In ihrer Abschiedsrede wandte sie sich dagegen, das Scheitern ihrer Regierungspläne und die Wahlniederlage auf den Wortbruch der Zusammenarbeit mit der Linkspartei zurückzuführen: "Was wir erlebt haben, war und ist ein Konflikt über ein politisches Programm." Es habe massiven, auch publizistischen Widerstand gegeben, weil sie bei dessen Realisierung habe Wort halten wollen. Ypsilanti brach bei ihrem Schluss-Satz in Tränen aus. Viele Delegierte erhoben sich zum Applaus.

Widerspruch äußerte der Main-Kinzig-Landrat Erich Pipa: Das Ergebnis beruhe ausschließlich darauf, dass die Partei ein Wahlversprechen gebrochen habe. Pipa kritisierte damit den später mit großer Mehrheit angenommenen Leitantrag des Landesvorstands. Darin wehrt sich der SPD-Landesverband dagegen, das Wahlergebnis auf die Frage des Umgangs mit der Linkspartei zu "reduzieren".

Politischen Gegner nicht in der eigenen Partei suchen

Schäfer-Gümbel erinnerte daran, dass der politische Gegner nicht in der eigenen Partei zu suchen sei. Die hessische SPD sei am Beginn eines Langstreckenlaufs zurück zur Macht. Künftig müsse gelten, dass getroffene Entscheidungen umgesetzt würden: "Sonst werden wir niemals wieder handlungs- und regierungsfähig", sagte er.

Den drei vom Parteiausschluss bedrohten Ex-Abgeordneten, die eine Wahl Ypsilanti zur Regierungschefin verhindert hatten, warf der Schäfer-Gümbel vor, die innerparteiliche Solidarität gebrochen zu haben. Er sei bereit, Brücken zu bauen: "Wer mit mir reden will, weiß, wie ich zu erreichen bin." Die SPD wolle sich nicht mit einem Fünfparteiensystem abfinden, doch dafür müsse sie sich mit der Linken politisch auseinandersetzen: "Dabei sind Ausgrenzungsstrategien immer gescheitert."

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 58)
 
Euridike (03.03.2009, 16:15 Uhr)
@nightmare-online: es ist auch eine Systemfrage!
Jenseits aller persönlicher Zu- oder Abneigung (letzere kann ich als Geschlechtsgenossin von Y. überhaupt nicht verstehen):
Eine parlamentarisches System wird schlicht unregierbar, wenn man das freie Mandat eines Abgeordneten interpretiert als "ungebunden". Das freie Mandat wird in der Realität in vielen Fällen mit abweichenden Meinungen durch eine Fraktionsdisziplin eingeschränkt. Dies bedeutet, dass die bei fraktionsinternen Abstimmungen unterlegene Minderheit bei der Abstimmung im Parlament sich der fraktionsinternen Mehrheit beugt und ebenso wie diese abstimmt. Nur so ist parlamentarische Arbeit überhaupt praktizierbar.
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Den Abgeordneten steht es immer frei zu entscheiden wie sie wollen, sie müssen dann aber damit rechnen, bei der nächsten Wahl nicht mehr aufgestellt zu werden und von der Fraktion weniger Unterstützung zu erhalten. Innerparteiliche Diskussionen, obwohl sie Ausdruck einer demokratischen Willensbildung und teilweise notwendig sind, führen außerdem erfahrungsgemäß zu schlechten Wahlergebnissen. Ein Abgeordneter hat auch das Recht und die Möglichkeit, die Fraktion zu wechseln. Fraktionswechsel sind umstritten, aber in der Geschichte der Bundesrepublik kamen sie schon mehrmals vor.
Außerdem kann sich jeder Abgeordnete dazu entscheiden, keiner Fraktion mehr anzugehören. Er verliert damit aber bestimmte Rechte, die nur Mitgliedern einer Fraktion zustehen.
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Mich wundert schon die ganze Zeit, wie wenig die Spielregeln unseres Parlamentarismus in die Diskussion um die hess. SPD und Frau Ypsilanti mit einfliessen. Stattdessen triefen die Kommentare vor Gehässigkeiten.
Mit Hass und Emotionen aber kann man keine sachbezogene gute Politik machen!
nightmare_online (03.03.2009, 14:42 Uhr)
@Euridike
Die Diskussion zeigt vielmehr, das das "Zentralorgan des moralischen Analphabetismus" (Naumann) zusammen mit der konservativen Kampfpresse (FAZ & Co.) erfolgreich Volksverdummung betrieben haben. Anders ist nicht zu erklären, das hier offensichtlich CDU-Anhänger (Anhänger jener Partei also, für die ein überführter Lügner in Hessen MP ist, Anhänger jener Partei, die im vorletzten hessischen Wahlkampf gegebene zentrale Wahlkampfaussagen systematisch gebrochen hat) hier die Moralapostel geben.
Moral und Konservative, das ist so wie Fische und Fahrradfahren.
Euridike (03.03.2009, 14:03 Uhr)
@Vlegelfranz
viel Feind - viel Ehr!
LaoLu (03.03.2009, 01:47 Uhr)
Wie schon gesagt:
An ihren Gegnern sollt ihr sie erkennen!
vegefranz (02.03.2009, 19:05 Uhr)
das Politluder ist weg - und das ist gut so
jetzt muss Meier-Gümpel ran. das kann doch nicht so schwer sein, den komischen Koch zu entlarven
nightmare_online (02.03.2009, 10:04 Uhr)
@Bienban
Wenn Frau Y CDU-Mitglied wäre, wäre sie heute Ministerpräsidentin Hessens, hätte den Bambi bekommen, und die FAZ hätte sie wegen ihres Pragmatismus zur potentiellen Nachfolgerin von Frau Merkel erhoben. So banal ist das.
nightmare_online (02.03.2009, 10:00 Uhr)
@MMSterling
Den Job, den Sie den drei mit dem Last-Minute-Gewissen gönnen, den haben die drei. Wenn eins so sicher ist, wie das Amen in der Kirche, dann das. Lassen Sie mal den Sommer ins Land gehen, dann finden Sie die drei bei Fraport, RWE und ähnlich unverdächtigen Unternehmen als Berater wieder.
Zumal die drei bekanntlich einen Tag BEVOR sie ihr Gewissen entdeckt haben, mit dem Vorgänger von Frau Ypsilanti über die Konsequenzen ihres Handelns gsprochen haben.
gaga007 (02.03.2009, 07:31 Uhr)
T´sch ...
... eine Dose Mitleid für diese Lügnerin ... :-)
Möge sie für immer verschwinden ! Diese Frau ist politisch eine Versagerin und menschlich eine Null.
Weg mit ihr ...
chrgue (01.03.2009, 13:49 Uhr)
Ich lese immer nur "@"
Warum kann fast niemand mehr einen Beitrag schreiben, ohne auf die Kommentare der anderen einzugehen? Im Forum heisst es doch : "Kommentieren Sie diesen Artikel!" und nicht "Kommentieren Sie die Beiträge der User!"
Kattzoff (01.03.2009, 13:42 Uhr)
@Livia008
Da zeigt sich wessen Geistes Kind Sie sind,Kattzoff hat mit Zoff nichts zu tun erst Gehirn einschalten dann schreiben.
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