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4. November 2008, 19:16 Uhr

Ypsilantis Vize tritt zurück

Abgang eines Abweichlers: Nur einen Tag, nachdem er Andrea Ypsilanti seine Unterstützung bei der Wahl zur hessischen Ministerpräsidentin aufkündigte, hat Jürgen Walter den stellvertretenden Vorsitz der hessischen SPD niedergelegt. Seine Entscheidung teilte er der Partei per Fax mit.

Stimme versagt, Amt weg: Ypsilanti-Kritiker Jürgen Walter räumt seinen Posten als stellvertretender Parteivorsitzender der Hessen-SPD© Boris Roessler/DPA

Der Kritiker der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, Jürgen Walter, hat sein Amt als stellvertretender Vorsitzender der hessischen SPD niedergelegt. Walter habe seinen Rücktritt in einem Fax an die Partei mitgeteilt, sagte der Sprecher der hessischen SPD-Fraktion, Frank Steibli. Als Grund habe Walter angegeben, er sei aus der Partei dazu aufgefordert worden.

Walter hatte zusammen mit drei anderen Abweichlern am Montag Ypsilanti seine Unterstützung bei der Wahl zur hessischen Ministerpräsidentin verweigert und damit die Pläne zur Regierungsbildung überraschend platzen lassen.

An der SPD-Basis gab es am Dienstag großen Unmut über die Ypsilanti-Kritiker, es gingen auch erste Forderungen nach einem Parteiausschluss ein. Der Landesvorstand forderte die vier Sozialdemokraten auf, ihre Landtagsmandate niederzulegen. Es gebe jedoch keine Versuche, sie aus der Fraktion auszuschließen, sagte Fraktionsgeschäftsführer Reinhard Kahl der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland".

Der SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering kündigte ein Gespräch mit der hessischen Parteispitze über das weitere Vorgehen an. Das Treffen sei bereits terminiert. Dabei werde man "miteinander darüber reden, was man jetzt wie tun kann, um da neu aufzubauen und neues Vertrauen bei den Menschen zu gewinnen", sagte Müntefering in Berlin.

Der hessische SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt warf den Abweichlern vor, sich in "maßloser Selbstüberschätzung" über das Votum zweier Parteitage hinweggesetzt zu haben. Dort war Ypsilantis Weg jeweils mit großer Mehrheit gebilligt worden. In der Neuwahl- Frage dürfe keine übereilte Entscheidung getroffen werden, sagte Schmitt.

Die CDU schloss eine Regierungsbildung im jetzigen Landtag nicht aus, rechnet sich aber bei einer Neuwahl Stimmengewinne aus. "Wir haben sicher bessere Chancen als vorher", sagte der stellvertretende Landesvorsitzende und Innenminister Volker Bouffier. Bis zur nächsten Landtagssitzung am 18. November müsse klar sein, ob das Parlament eine neue Regierung bilden könne. "Wir bemühen uns um eine Bündnisoption, eine stabile Regierung. Wir werden mit der FDP und den Grünen reden, wir werden auch mit der SPD reden, wenn dort überhaupt jemand gesprächsfähig ist."

Grüne zu Treffen mit Koch bereit

Die Ablösung Kochs sei zum zweiten Mal an der SPD gescheitert, erklärten Landesvorstand und Landtagsfraktion der Grünen. Sie empfahlen deshalb einem für kommenden Samstag einberufenen Parteirat, "sich für eine baldmögliche Auflösung des Hessischen Landtags und damit für Neuwahlen auszusprechen". Nach Ansicht des Grünen- Vorsitzenden Tarek Al-Wazir ist Rot-Grün weniger an der Frage der Linkspartei gescheitert, sondern am Widerstand im rechten SPD-Flügel gegen die grünen Inhalte des Koalitionsvertrages. Eine Einladung des FDP-Landesvorsitzenden Jörg-Uwe Hahn zu einem Dreiergespräch mit Koch lehnte Al-Waizir ab, erklärte sich aber zu Einzeltreffen bereit.

In der hessische Linksfraktion herrschte Gelassenheit. "Unsere Losung lautet: Wir haben Neuwahlen nicht zu fürchten", sagte Sprecher Thomas Klein nach einer Fraktionssitzung in Wiesbaden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
Maschera (07.11.2008, 19:21 Uhr)
@Dirk_37!
Weniger Belastung für die öffentlichen Kassen, Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand von Roland Koch???
Sind Sie da nicht der Träumer? Dieselben Versprechen hat seinerzeit auch Hitler gegeben!
Nun möchte ich nicht Roland Koch mit Adolf Hitler gleichsetzen, aber ich bin mir sicher hätte er seinerzeit gelebt, er hätte unter ihm eine steile Karriere gemacht!
Dirk_37 (06.11.2008, 12:19 Uhr)
Maschera
Sie haben in einigen Punkten, je nach betrachtungsweise, sicherlich nicht unrecht. Aber mir sind Politiker, die sich an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientieren nun mal lieber als jene, die sich nur ihren Träumereien hingeben wollen ( siehe Scheer). Außerdem war der vorletzte Wahlkampf, auf den Sie offensichtlich mit Ihrer Bemerkung abzielten, wohl kaum ein in erster Linie rassistischer. Unterschwellig kann man, ebenfalls nach betrachtungsweise, natürlich alles behaupten, nur wird es dadurch nicht wahrer. Und sparen finde ich, angesichts der Haushaltslage der Länder, auch nicht für die schlechteste Unart!
Ich sage ja nicht das Koch der Heilsbringer für die Hessen ist, sicherlich ist er aber für deren Arbeitsplätze besser geeignet als das Duo Ypsi/Scheer. Aber wenn man Schaffung/Sicherung von Arbeitsplätzen, damit Verbunden etwas Wohlstand für die Menschen und weniger Belastung der öffentlichen Kassen fordert, gilt man in manchen Augen schon als extrem kapitalistisch,rechtsgerichtet oder neoliberal. Koch ist nicht besonders gut, besser jedoch als die anderen, leider armes Hessen! MfG Dirk
Prato61 (06.11.2008, 11:39 Uhr)
Von wegen Wählertäuschung
Ehrlich gesagt, geht mir das Geschwafel einiger Mitkommentatoren bezüglich Wählertäuschung gewaltig auf den Geist. Mir schwingt da beim Begriff Wählertäuschung zu viel Pathos mit. Verglichen mit den Wählertäuschungen eines Helmut Kohl in Bezug auf die Finanzierbarkeit der Wiedervereinigung, oder mit den diversen Wahlversprechen der Regierung Merkel/Steinbrück in Bezug auf Steuerpolitik und selbst verglichen mit dem absoluten Hit von Nobby Blüm in Sachen sicheren Renten, ist der Lapsus von Frau Y. gelinde gesagt unter Peanuts einzuordnen. Hier geht es schlicht und ergreifend um irgendwelche Regierungskonstellationen, die am Gängelband irgend welcher Großbanken/-konzerne hängen und genau das machen, was man ihnen aufdrängt. Dies hat keinen Einfluss auf den Lebensstandard jedes Einzelnen. Was jedoch die Herrschaften Kohl, Merkel und Konsorten ohne mit der Wimper zu zucken durchgezogen haben, geht uns alle etwas an. Vom Arbeitnehmer bis hin zum Rentner, alle wurden und werden wir ausgesaugt wie die Schwämme. Somit ist meiner Ansicht nach die Wählertäuschung dieser Herrschaften bedeutend härter zu beurteilen, als das Verhalten von Frau Y.
Maschera (06.11.2008, 09:23 Uhr)
@Dirk_37!
Es stellt sich die Frage, ob man Ihnen besser angenehme Träume wünschen soll! An Ihrem Geisteszustand zweifel ich mit Sicherheit nicht, lediglich an Ihrem REalitätssinn!
Mit seiner rigiden Sparpolitik hat Roland Koch Hessen regelrecht in den Abgrund getriebe, seinen seinerzeitigen Sieg verdankte er einer rechts-rassistischen Kampagne (Einzelheiten möchte ich nicht erwähnen, jedem sind sie ja wohl bekannt)! Und ihm trauen Sie mehr zu??? Ihnen werden mit Sicherheit noch die Augen aufgehn, falls Sie Verstand haben, und davon gehe ich aus!
Dirk_37 (06.11.2008, 01:52 Uhr)
@esopherah
Nein, für wirklich dumm halte ich mich nicht, ist aber auch nicht so entscheidend:-)
Erstens: ich war, bin und werde wohl immer gegen Frau Ypsilanti sein, die Gründe dafür habe ich desöfteren aufgezählt und will sie nicht ewig wiederholen.
Zweitens: ich denke, ein primäres Wahlziel der Frau Y. war es nicht unbedingt, sich von den Linken ins Amt hieven zu lassen. Zu ihren Gunsten muss man annehmen, das auch sie die Wahlergebnisse nicht schon vorher wusste*lol* und deshalb auch nicht damit rechnete, das es eben eine solche Stimmenaufteilung geben würde. Ein ( eben "der")Satz in einem Interview ist vielleicht auch nicht so bedeutend wie es primäre Wahlziele sind,klar! Aber: die Linken sind für mich nicht irgendeine Partei sondern gleichzusetzen mit den Rechten, die sich auch im demokratischen Gefüge bewegen aber antidemokratische / antikapitalistische Züge haben. Deshalb verweise ich immer gerne auf die Gefahr, die von den linken Rattenfängern ausgeht, wie auch von Rechten( nur so nebenbei bemerkt!).
Abgesehen davon ist mir H. Koch auch unsympatisch, aber in der Politik sollten Sympathien weniger eine Rolle spielen und da traue ich ihm einfach mehr zu als dem traurigen Duo Ypsilanti/Scheer. Vielleicht hätten einfach auch nur von Anfang an andere Personen klarere Verhältnisse geschaffen, wer weiß?
Auch finde ich, trotz meiner politischen Gegnerschaft, die Art und Weise (mit deutlicher Ausnahme der F. Metzger) der "Abtrünnigen" nicht unbedingt salonfähig, auch das darf man mir zugestehen!
Nun dürfen Sie gerne weiter an meinem Geisteszustand zweifeln, ich wünsche Ihnen dabei angenehme Träume, mfG Dirk
Gisella (05.11.2008, 15:21 Uhr)
Dann
können diese Leute doch gar nicht so schlecht gewesen sein-also, doch Kreuzchen für die Linken-ich bleibe dabei. Mal sehen , was passiert-viel schlimmer kann es doch nicht mehr werden.
ganzbaf (05.11.2008, 12:37 Uhr)
So ist das, Gisella

Dafür haben Kohl, Schröder und Merkel gesorgt )-:
utospatz (05.11.2008, 11:45 Uhr)
So ist es nun mal,
wenn eine sogenannte Volkspartei seine um im Fußballerjargon zu reden sich seine 11 meter selbst aussucht, um sie ins eigene Tor zu schießen!
Gisella (05.11.2008, 11:23 Uhr)
Links-
Hin-Links Her. Solange man diesen Leuten ehem. Stasi eine Bundesdeutsche Rente bezahlt, die oft höher ist, als eine Rente von jemanden, der sein Leben lang gearbeitet hat, brauchen wir uns doch nicht aufzuregen. Ist doch also alles o.k. und abgesegnet worden -von welcher Regierung??? Den LINKEN????
SethusCalvisius (05.11.2008, 11:17 Uhr)
Ideologie?
Liebe Vorredner!
Wenn man den Linken das Selektieren von Wahrheiten vorwirft, sollte man es aber nicht selbst tun. So haben nicht "Mandatsträger der Linken" die Wiedereinführung der Stasi gefordert, sondern eine einzelne Politikerin, die daraufhin sofort ausgeschlossen wurde. Das ist ja wohl ein Riesenunterschied.
Die Frage, warum ehemalige Stasi-Mitglieder ein Mandat bekommen dürfen, ist relativ leicht mit einer Gegenfrage zu beantworten: Warum durften ehemalige NSDAP- und/oder SA-Mitglieder Bundesminister, Bundeskanzler oder Bundespräsident werden?
Im übrigen empfehle ich, die Texte der Kommentare noch einmal genau zu lesen. Die Pauschalurteile, die hier dne Linken vorgeworfen werden, finden sich bei Euch mindestens genauso. Man muss ja nur eine etwas linkere Politik fordern als die, die wir zur Zeit haben, schon wird man mit DDR- SED- und Stasivorwürfen überschüttet. Ist das etwa nicht ideologisch?
In einem muss ich Euch aber Recht geben: Obwohl ich das Verhalten der 3 "Abweichler" nicht billige (nicht die Ablehnung an sich, aber das monatelange Abwarten), ist ein Parteiausschluss absoluter Blödsinn. Das ist eine emotionale Überreaktion einiger Parteimitglieder, die hoffentlich, wenn sich der Sturm, gelegt hat, wieder zurückgenommen wird. Ich bin aber sicher, dass auch in anderen Parteien in einer solchen Situation Parteiausschlüsse gefordert worden wären.
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