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30. Januar 2009, 07:18 Uhr

Union will Geldhahn zudrehen

Das Rettungspaket für die Banken soll nachgebessert werden: Bei einem Treffen im Kanzleramt wollen die Spitzen der Koalition nun doch über das Entsorgungsmodell "Bad Bank" verhandeln. Union-Fraktionschef Volker Kauder machte den Banken vorab aber wenig Hoffnung auf mehr Geld.

Steinbrück, Bad Bank, Finanzminister, Banken, Rettungspaket

Eine große nationale "Bad Bank", in der alle faulen Wertpapiere unter staatlicher Regie gesammelt werden, ist vom Tisch, eine dezentrale Lösung nicht© Maurizio Gambarini/DPA

Die Bundesregierung will bei einem Spitzentreffen am Freitag im Kanzleramt über Änderungen am Banken-Rettungspaket beraten. An dem Treffen nehmen Finanzminister Peer Steinbrück, Wirtschaftsminister Michael Glos und Bundesbankpräsident Axel Weber teil. Zunächst hatte es geheißen, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen werde. Jedoch dämpfe Regierungssprecher Ulrich Wilhelm die Erwartungen an ein Gespräch auf hoher politischer Ebene. "Die Kanzlerin nimmt nicht an dem Treffen teil", sagte Ulrich am Freitag auf Anfrage. Bei dem Gespräch am Mittag handele es sich um "politische Beratungen", bei dem auch keine Entscheidungen geplant seien. Vielmehr werde dieses Gespräch in der nächsten Woche vermutlich fortgesetzt.

Die Überlegungen zur Nachbesserung des Rettungspakets konzentrieren sich vor allem auf die Ausgliederung der finanziellen Risiken in dezentrale "Bad Banks" und die Möglichkeit zur Enteignung bei angeschlagenen Finanzinstituten wie dem Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Vom Tisch ist die Bildung einer großen nationalen "Bad Bank", in der alle faulen Wertpapiere unter staatlicher Regie gesammelt werden. Das Finanzministerium schlägt eine dezentrale Lösung vor, bei der innerhalb einzelner Institute die Risiken in "Bad Banks" zusammengefasst werden könnten.

CDU-Politiker Volker Kauder warnte die Banken vorab vor all zu viel Optimiusmus. Der Unions-Fraktionschef sagte der "Süddeutschen Zeitung", er schließe es aus, dass der Staat noch mehr Geld zur Rettung des Bankensystems zur Verfügung stellen werde. Zwar bereiteten die Banken nach wie vor am meisten Sorgen. Deshalb müsse man ihnen weiter sprechen. Mehr Steuergeld aber werde es nicht geben.

Entscheidungen wird es bei dem Treffen am Freitag wohl noch nicht geben. Allerdings dränge insbesondere das Finanzministerium darauf, möglichst rasch die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, verlautete aus Koalitionskreisen.

In der Koalition hatten sich am Donnerstag bereits Konturen einer Auffanglösung für faule Wertpapiere in den Bankbilanzen abgezeichnet. Finanzminister Steinbrück hatte es als denkbar bezeichnet, dass jedes einzelne Institut die Möglichkeit bekomme, Problempapiere aus seiner Bilanz auszulagern. Der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin plädierte dafür, durch eine Veränderung der Bilanzierungsregeln zu verhindern, dass nicht realisierte Verluste weiter das Eigenkapital aufzehrten.

Obama plant neues gigantisches Bankenpaket

Wegen der Finanzkrise sitzen auch deutsche Institute auf derzeit unverkäuflichen Wertpapieren. Banker schätzen das Gesamtvolumen auf rund 300 Milliarden Euro. In der Branche wird deshalb seit langem eine "Bad Bank" gefordert, die den Geldhäusern die Schrottanleihen abnimmt.

Auch in den USA wird über eine solche Lösung nachgedacht. Zudem erwägt die Regierung von Präsident Barack Obama einem Zeitungsbericht zufolge ein weiteres Hilfspaket für die Finanzbranche. Es könnte einen Umfang von ein bis zwei Billionen Dollar (770 Milliarden bis 1,54 Billionen Euro) erreichen. Wichtigstes Ziel sei dabei, Banken zur Kreditvergabe zu ermutigen und die Rückkehr von Privatkapital in die Geldhäuser, berichtete das "Wall Street Journal" am Donnerstag.

Enteignungsgesetz für Banken

In Deutschland stehe auch ein Enteignungsgesetz für angeschlagene Finanzinstitute zur Diskussion, hieß es in Koalitionskreisen. Dieses solle nach den Vorstellungen des Finanzministeriums bei der HRE eine schnelle staatliche Übernahme ermöglichen, ohne ein zeitlich aufwändigeres Verfahren mit Beschlüssen der Hauptversammlung und Zwangsabfindungen (Squeeze-Out) verkaufsunwilliger Aktionäre. In der Unionsfraktion gebe es dagegen allerdings noch Vorbehalte, hieß es.

Das Bankenrettungspaket war Mitte Oktober mit einem Volumen von 500 Milliarden Euro im Eiltempo aus dem Boden gestampft worden, um den Finanzmarkt zu stabilisieren. Allerdings wurden in der Folgezeit immer wieder Nachbesserungen gefordert.

joe/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
Aaron71 (30.01.2009, 21:29 Uhr)
des Übels Wurzel...
...ist doch, dass in allen großen Konzernen, so auch in Banken, nur noch in Zyklen von 12 Monaten gedacht wird. Da Mittelständler in Dekaden oder Generationen denken, wirtschaften sie von Haus aus nachhaltiger und haben bislang noch nie eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Eine Lösung läge in der seit Jahren vorgeschlagenen, aber immer wieder zerredeten Mitarbeiter-Beteiligung. Aber nicht durch einen von der SPD favorisierten Vollkasko-Staatsfonds, sondern durch eine direkte Beteiligung mit allem Wenn und Aber und einem ebenso direkten Mitspracherecht, das nicht von außen durch Gewerkschaften gesteuert, sondern durch die Arbeitnehmer als selbstbewußte Mitunternehmer wahrgenommen wird. Die Unternehmen würden dadurch eine Menge an Eigendynamik und Nachhaltigkeit gewinnen.
ganzbaf (30.01.2009, 10:26 Uhr)
Die "Bad-Bank" ist doch schon der Staat mit 1600 Milliarden Schulden?

Warum jetzt noch Sozialhilfe für Milliardäre?
GordonBleu (30.01.2009, 10:09 Uhr)
was ich nicht verstehe ist, ...
wie soll ich denn jemanden enteignen, der de facto eh schon pleite ist? und wovon soll ich ihn enteignen?
knilch_59 (30.01.2009, 09:51 Uhr)
@kralli19 - stimmt
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Unterschreibe ich glatt: Die Bad Bank wäre eine legale Bilanzfälschung!
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Da gibt es nichts zu beschönigen. Aber, was ist die Bilanz? Das ist der Versuch (!) die vorhandenen Vermögenswerte und Schulden zu einem bestimmten Stichtag zu bewerten, ausgedrückt in Geld. Und wenn sich, aus welchen Gründen auch immer, ausgerechnet im betrachteten Zeitraum die Relation von Geld zu geldwerten Gegenwert ändert, dann kommt die Bilanz aus dem Gleichgewicht und es entstehen Verluste, Abschreibungsbedarf, oder auch Gewinne.
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Wir müssen jetzt leider erkennen, dass die Regeln für die Erstellung von Bilanzen – also üblicherweise als Betrachtungszeitraum ein Jahr- vielleicht für bestimmte Geschäfte zu kurz ist. Diese Bilanztricks sind auch an vielen anderen Stellen üblich und breit akzeptiert. Beispiel: Jemand kauft ein Grundstück, um es zu bebauen – Wert 100.000 €. Dann fängt er an, hebt die Baugrube aus und setzt eine Bodenplatte. Dann kommt der Bilanzstichtag. Ist das Grundstück zum 31.12. jetzt noch genau die 100.000 wert? Wenn er es in diesem Zustand verkaufen müsste, würde er vermutlich keine 100.000 mehr bekommen – also weniger. Aber er hat ja schon Bauleistungen reingesteckt, irgendwas mit 15.000 €, also ist es ihm mehr wert. Also greift man zum Bilanztrick und lässt das Grundstück erstmal mit den 100.000 stehen.
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Bilanzen sind nicht alles, und man könnte ohne größere Probleme die Bilanzregeln verändern. Ob man das eine Fälschung nennt, liegt im Auge des Betrachters. Im Prinzip könnte man auch alle Bilanzen heutiger Machart als genauso falsch ansehen!
knilch_59 (30.01.2009, 09:35 Uhr)
@Nursery
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Es gibt keine „vernünftigen Spielregeln“ für ein Geschäft, das auf Zukunft, Risikobewertung und Wahrscheinlichkeiten basiert. Es kann nur um eine pessimistischere Bewertung der Chancen gehen – mit allen Auswirkungen auf unser wirtschaftliches Geflecht. Nach dem Unfall weiß man immer, was man anders hätte machen sollen – kennt jeder Autofahrer!
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Bis heute kann niemand sagen, wann genau der normale Preisanstieg aufgehört hat und sich die Blase gebildet hat. Spekulation ist nun mal die Grundlage allen Wirtschaftens (selbst der Bauer spekuliert, indem er sät, auf eine Ernte).
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Die Fragen, die wir für die Zukunft für uns beantworten müssen
- Mit wie viel Eigenkapital müssen Geschäfte aller Art unterlegt sein? Wenn wir da zu anspruchsvoll werden, gibt es keine Existenzgründer, Bauherren usw. mehr – eine weitere Vermögenskonzentration nach oben wäre die Folge.
- Wie machen wir das Risiko, das jedem Geschäft innewohnt, dem Anleger transparent? In .de ein Riesenproblem: wir wollen garantierte Zinsen und sind gar nicht bereit, unser Geld riskant anzulegen. Also überlassen wir wieder die großen Verdienstspannen den anderen, zum Ausgleich sind wir dann neidisch!
- wie bekommen wir es hin, dass sich größere Bevölkerungskreise auch an riskanteren Geschäften beteiligen, im vollen Bewusstsein der Börsenregel, dass man 1000% gewinnen, aber nur 100% verlieren kann. Durch eine viel breitere Streuung des Risikos würde man gleichzeitig den Instituten, die das heute alleine schultern, einen Großteil ihrer Macht nehmen.
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Man könnte sogar die Bad Bank mit zu großen Teilen mit privatem Kapital finanzieren – sofern es nicht das Geld ist, auf das man sehr schnell zurückgreifen möchte. Aber mit einem Anlagehorizont von 10 Jahren und einem sehr weitgehenden Veräußerungsverbot dazwischen könnte daraus sogar – z.B. für die Altersversorgung - ein Geschäft werden.
kralli19 (30.01.2009, 09:31 Uhr)
@ knilch_59
Man, reden sies doch nicht schön: eine "BadBank" ist eine quasilegalisierte Bilanzfälschung.
Wenn ich Scheiße als Gold definiere, bleibt es trotzdem Scheiße.
Die Regierung legt hier kriminelle Energie an den Tag, dagegen ist die Mafia ein Schützenverein.
audio001 (30.01.2009, 09:09 Uhr)
Politik fatal!
Es beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass die Regierung Merkel einer Finanz- u. Wirtschaftskrise gegenübersteht, der sie nicht mehr gewachsen ist!- Die Tatsache, dass nunmehr auch noch ernsthaft eine „bad bank“ für Deutschland diskutiert wird, lässt das Gefühl zur Gewissheit werden.- Man sollte sich noch einmal vor Augen führen:
Der Staat schafft Freiräume für eine freie Entfaltung der Finanzmärkte; diese wird von Banken genutzt um Gewinne für ihre Eigentümer anzuhäufen.
Als die Banken und ihre Eigentümer die Konsequenzen dafür tragen sollen, dass aus der freien Entfaltung der Finanzmärkte nun Verluste für Banken und Eigentümer entstehen, wird versucht, diese Verluste auf die Allgemeinheit abzuwälzen! Mithin Banken und ihre Eigentümer von Verlusten und Risiken freizustellen.
Jeder Bürger mit gesundem Menschenverstand erkennt, dass es vorrangig um die Interessen der Eigentümer der Banken geht, diese Verluste nicht selber tragen zu müssen oder einer Verstaatlichung zu entgehen.- Jedem, nur scheinbar nicht den verantwortlichen Politikern in Deutschland.
Wäre diese Diskussion über einen „bad bank“ vor einigen Jahren geführt worden, man hätte das Ganze für einen Witz gehalten!
Doch das was unvorstellbar erschien, tritt nun ein.- Die Politik, die sich jahrelang von den Bankern weitere Freiräume für die Finanzmärkte hat abschwatzen lassen - die letztendlich die Finanzkrise verursacht haben - lässt sich nun eine Diskussion um eine „bad bank“ tatsächlich aufoktruieren.
Und es bleibt zu befürchten, dass die Regierung Merkel - ob ihrer offensichtlichen Orientierungslosigkeit bei der Bewältigung der Finanzkrise - auch noch nach diesem Strohhalm greift!
Man stellt sich Angesichts dieses Szenarios, sicherlich nicht unberechtigt die Frage: „Werden die Interessen der Bürger eigentlich noch vertreten?“
Nursery (30.01.2009, 09:03 Uhr)
Neue Blase
Die Banken würden nach einer Reinigung durch die Bad Bank schnell wieder zu neuen Roulettespielchen kommen.Es hat sich am System der Bankenaufsicht doch nichts geändert. Die Politik ist nicht willens endlich Vernünftige Spielregeln für die Finanzbranche aufzustellen.Entweder ist sie Ihrer Lobbyvereinigung der Banker noch was Schuldig oder einige Abgeordnete machen sich schon fertig für den Wechsel nach der Bundestagswahl .Die Folgen dieses Irrsinns werden uns Jahrzehnte noch verfolgen durch Desolate Straßen,Schulen und Hochbezahlte Beamte die nichts taugen.
knilch_59 (30.01.2009, 08:43 Uhr)
Bad Bank ist richtig – kommt aber 6 Monate zu spät
Die Banken brauchen Zeit, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Derzeit wird alles über einen Kamm geschoren. Ein Artikel, der es einigermaßen gut erklärt:
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http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Leitartikel-Hypo-Real-Estate-Die-beste-aller-Bad-Banks/467763.html
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Natürlich ist es blöde, so etwas zu brauchen. Und für die Zukunft muss man die Lehre ziehen, dass für alle Bankgeschäfte der zu unterlegende Eigenanteil deutlich höher sein muss als bisher. Das wird Finanzierungen aller Art verteuern, kostet also kontinuierlich ein paar Promille Wachstum und damit einige Zehntausend Arbeitsplätze. Aber es dämpft konjunkturelle Schwankungen in beide Richtungen und stabilisiert die Märkte. Hieran sollten Arbeitnehmer das Hauptinteresse haben, Hektik ist nur was für Zocker und Spekulanten.
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Am zeitlichen Verlauf zeigt sich, dass die Politiker um keinen Deut besser sind als die Spekulanten und Bankster. Man hätte es besser wissen können und müssen. Die Bad Bank noch vor dem 31.12. hätte es vermeiden können, dass jede Menge Verluste in den Bilanzen ausgewiesen werden mussten und hätte der Depression entgegengewirkt.
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Schade, dass es der breiten Bevölkerung nicht zu vermitteln ist, dass das Geld, das jetzt durch die Abschreibungen einfach so verschwunden ist, doch nur zum kleineren Teil das der Reichen und Superreichen ist. Die merken das nur zuerst; bis es bei den Normalos ankommt, dauert einfach länger. Aber der Prozess ist jetzt eingeleitet und durch das zögerliche Handeln der Regierung unumkehrbar geworden
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Gegen die Bad Bank hätte man der Wirtschaft an anderer Stelle weitgehende Zugeständnisse abhandeln können: Vielleicht hätte sich sogar die Wirtschaft selbst an ihr beteiligt. Außerdem hätte man dafür Jobgarantien, Kündigungsverzicht, Ausbildungsplätze, Beschränkung der Zeit- und Leiharbeit in den Großunternehmen, … bekommen können. Das ist jetzt alles Streit um den Kaisers Bart – vertane Chancen!
Motzerator (30.01.2009, 08:35 Uhr)
Und wenn der Staat bankrott ist???
Was ist, wenn unser Staat durch diesen Wahnsinn bankrott geht? Wer zahlt dann die Zeche? Die kleinen Leute! Dann wird bei Rente und Sozialausgaben gespart während die banker wieder Gewinne einstreichen?
Banken retten: Ja
Bad Bank: Nein
Wenn dann verstaatlicht die Institute die abgewirtschaftet haben. Alles andere ist Politisch unverantwortlich und sozialpolitischer Sprengstoff von nuklearem Ausmass!
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